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Marxismus des 21.Jahrhunderts

Erstellt von LaLa, 19.04.2007, 12:15 Uhr · 12 Antworten · 1.295 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
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    Marxismus des 21.Jahrhunderts

    Grundgedanken des 20.Jahrhunderts
    Hypothesen zum alten Marxismus

    1. Der Marxismus ist eine Antwort darauf, daß die Trennung zwischen der ökonomischen und politischen Ebene ein Strukturmerkmal des Kapitalismus geworden ist. Diese Trennung bietet dem Kapital die Möglichkeit, den Klassenkampf zu ordnen, zu begrenzen und zu lokalisieren. Dies wirkt auf die Entwicklung des Klassenkampfes und auf das Bewußtsein und den Formierungsprozeß der Arbeiterklasse. Der von Lenin entwickelte Marxismus ist eine Intervention gegen die Distanz zwischen dem ökonomischen und politischen Kampf der Arbeiterklasse. Alle seine Diskussionsbeiträge über Ökonomismus, Syndikalismus, Bewußtsein von außen, Mitgliedschaft in der Partei, die Rolle der Intellektuellen, die zunächst getrennte Entwicklung der Arbeiterbewegung und der sozialistischen Bewegung usw. sind auf dieses Problem zurückzuführen. Lenins hervorragende Bedeutung liegt darin, daß er diese Trennung auch in Rußland beobachtete und die marxistische Theorie und Praxis vor diesem Hintergrund weiterentwickelte.

    2. Der Marxismus des 20. Jahrhunderts ist ein radikaler Bruch mit der linearen Entwicklungsperspektive. Lenin begriff die Prozesse der Kapitalakkumulation, die welthistorische Entwicklung des Kapitalismus, die Widersprüche und Möglichkeiten der sozialistischen Revolution im Licht des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung.

    3. Der Marxismus des 20. Jahrhunderts ist die Analyse der Entwicklung der Akkumulation des Kapitals und dessen neue, imperialistische Phase zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie die entsprechende politische Schlußfolgerung daraus. Lenin war nicht der einzige, der den Imperialismus analysierte, aber er hat die wichtigsten Schlüsse für den Klassenkampf gezogen: die koloniale Aufteilung der Welt und der Krieg als dessen verschärfter Ausdruck; die Unmöglichkeit des »Ultraimperialismus« (Kautsky) für die absehbare Zukunft; die Voraussicht, daß die Kette am schwächsten Glied brechen könne; daß das Kapital wegen seiner inneren Widersprüche die von ihm selbst ausgelöste Tendenz zur Einheit der Gesellschaft nicht vollenden kann.

    4. Der Marxismus des 20. Jahrhunderts trug die nationale Frage in ihrer Gesamtheit auf die Tagesordnung der Arbeiterbewegung, die Karl Marx (1818–1883) und Friedrich Engels (1820–1895) nur angesprochen hatten. Trotz der seit einem Jahrhundert währenden Globalisierungsprozesse und einiger konkreter ökonomiegeleiteter Vereinigungstendenzen unter dem Kapitalismus (EU, NAFTA etc.) nimmt die nationale Frage neue Formen an und behauptet sich weiterhin mit erstaunlicher Energie. Lenin verstand die nationale Frage als untrennbaren Bestandteil des proletarischen Internationalismus, der internationalistischen Erziehung des Proletariats und der Weltrevolution.

    5. Der Marxismus des 20. Jahrhunderts füllt manche Lücken im Marxismus des 19. Jahrhunderts und ist dessen Weiterentwicklung – vor allem bei der Entwicklung einer Theorie der Politik und der Organisation der Arbeiterklasse.

    6. Der Marxismus des 20. Jahrhunderts ist die endgültige Formulierung der Lehren aus den Niederlagen des 19. Jahrhunderts (der deutschen bürgerlichen Revolution 1848/1849 und der Pariser Kommune 1871) in Propaganda, Strategie und Taktik. Der von Gramsci formulierte Begriff der Hegemonie des Proletariats ist in diesem Zusammenhang der wichtigste.

    Grundgedanken
    des 21.Jahrhunderts
    Hypothesen zum neuen Marxismus

    1. Der Marxismus des 21. Jahrhunderts muß seine Zeit begreifen und diese neuen Sicht der Zivilisation zum Massenbewußtsein entwickeln. Die Marxismen des 19. und 20. Jahrhunderts waren Produkte eines Klimas des Fortschrittsoptimismus. Heute aber leben wir unter Bedingungen, unter denen das Gefühl des Stillstands und Skeptizismus herrscht und der Kapitalismus an seine historischen und natürlichen Grenzen gekommen ist. Es wird immer offensichtlicher, daß die neue, sozialistische Zivilisation nicht einfach die Fortsetzung des Kapitalismus sein kann und die Menschheit einen neuen Weg einschlagen muß.

    2. Die vorrangige Aufgabe des Marxismus des 21. Jahrhunderts ist die Erweiterung der Analyse der kapitalistischen Produktion hinsichtlich der Reproduktion der Arbeitskraft, Dienstleistung und Natur sowie in Hinsicht auf die Aneignung der Rohstoffe und Ressourcen. Es ist sehr wichtig, die Analyse nicht im Sinne der Erweiterung des Wertgesetzes vorzunehmen, wonach der Wert der Arbeit z. B. per Mindestlohn auf alle Bürger einer Nation ausgeweitet werden soll. Vielmehr soll bei dieser Analyse auf die Grenze des Wertgesetzes und damit auf die Grenze des Kapitalismus hingewiesen werden. Das Wertgesetz muß überwunden werden, statt es auszudehnen. Dieser Schritt, der die Kritik der politischen Ökonomie von Marx auf ein neues Niveau tragen wird, wird nicht nur eine stabile Brücke zwischen der Befreiung der Frau und der Arbeit herstellen, sondern auch die Fragen der Ökologie in den Rahmen des historischen Materialismus integrieren.

    3. Jede grundsätzliche kapitalistische Reorganisation des Arbeitsprozesses und jede neue Akkumulationsform strukturiert die Gesellschaft neu. In solchen Perioden wird die Distanz zwischen dem ökonomischen und dem politischen Kampf geringer oder größer. Wir gehen durch solch einen Prozeß, in dem sich die Arbeiterbewegung neu zusammensetzt. Der Marxismus des 21. Jahrhunderts ist Ausdruck dieser Formation und gibt Antworten auf die emanzipatorischen Bedürfnisse des Proletariats.

    Ich bezeichne diese neue Zusammensetzung im Anschluß an Lenin als »Volksproletariat«. Der Grund für diese Bezeichung ist nicht nur, daß das Proletariat zahlenmäßig größer ist, sondern daß auch die Grenze und der Übergang zwischen dem »Volk« und ihm fließender geworden ist. Gegenwärtig beobachten wir, daß die funktionelle Fähigkeit des Kapitalismus hinsichtlich Integration, Vergesellschaftung und Vereinheitlichung ständig abnimmt. Die ökonomischen Probleme verschärfen sich und radikalisieren gesellschaftliche Probleme.

    4. Die vorrangige Aufgabe des Marxismus des 21. Jahrhunderts ist die Wiedergründung der Arbeiterbewegung als Klasse in ihrer neuen Zusammensetzung.

    5. Wir brauchen eine Gesamtstrategie, die die politischen und sozialen Revolutionen nicht als aufeinanderfolgend versteht, sondern als einen Prozeß begreift. Gramscis Begriff der Hegemonie könnte hierfür einen Ansatzpunkt bilden.

    6. Die historische Teilung der Arbeiterklasse (Kommunismus/Sozialdemokratie) ist gegenstandslos geworden, weil die objektive Grundlage dafür nicht mehr existiert und die Bedingungen des Klassenkampfs sich radikal verändert haben. In dem Prozeß der Neugründung der Arbeiterbewegung müssen wir diese Trennung praktisch überwinden.

    7. Wenn Lenin von einem Bewußtsein spricht, das »von außen« in die Arbeiterklasse hineingetragen wird, hat er folgenden Zusammenhang im Blick: zum einen das Bewußtsein, das von außerhalb der unmittelbaren materiellen Produktion aus dem Überbau kommt und alle Klassenbeziehungen und Widersprüche durchzieht; zum anderen das sozialistische Bewußtsein, das von Intellektuellen in die Arbeiterbewegung hineingetragen wird. Die sozialistische Intellektuellenbewegung verliert als eine unabhängige dynamische Größe, wie sie es noch vor dem Ersten Weltkrieg war, zunehmend ihre Existenzgrundlage außerhalb der Arbeiterbewegung. Die verschiedenen Schichten, die die Intellektuellen darstellten, sind proletarisiert worden. Aus diesem Grund ist Lenins Insistieren auf zwei Ströme, die sich später vereinigen sollen, gerechtfertigt.

    8. Der Kampf um Zeit und Freizeit ist zu einer Front des Kampfes gegen den Kapitalismus geworden, der auch kulturelle Aspekte einer neuen Gesellschaftsordnung einschließt. Aus diesem Grund müssen wir das Problem der Arbeitslosigkeit unter einem neuen Licht sehen, weil es nicht mehr in den Rahmen des Konzepts der Reservearmee paßt.

    9. Nationale Probleme werden weiterhin Bestandteil des neuen Marxismus sein. Aber im Zentrum kann nicht mehr das Selbstbestimmungsrecht der Nationen stehen, sondern die demokratische Umwandlung des kapitalistischen Systems, das ständig ein System der unterdrückten Völker produziert.

  2. #2

  3. #3

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    Im Aufruf nach Berlin hieß es u.a.: „Entwicklungen in der Ökonomie und Politik des gegenwärtigen Kapitalismus erfordern eine ernsthafte Debatte unter Marxisten unterschiedlicher Richtungen und drängen nach theoretischer Verallgemeinerung. Entfesselte Konkurrenz, Massenarbeitslosigkeit, Lohndrückerei, prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse und soziale Polarisierung nehmen zu. Kriege sind wieder zum normalen Mittel der Politik geworden. Das Kapital kann eine Welt nach seinem ›eignen Bilde‹ nur deshalb schaffen, weil die Gegenkräfte schwach, zersplittert und desorientiert sind. Wir verstehen eine solche Tagung auch als Forum, um darüber zu diskutieren, wie diese Schwäche der Gegenkräfte überwunden und der Marxismus als Handlungsphilosophie progressiver Gesellschaftsgestaltung wieder Einfluß gewinnen kann."
    Dieser Ansatz und ein Angebot von mehr als 30 Einzelveranstaltungen mit unterschiedlichen Themen im Rahmen der Konferenz zog über 700 MarxistInnen an. Dabei stellte die Konferenzgebühr von 18,00 Euro/ermäßigt 12,00 Euro eine Zugangshürde dar. Es ist zu vermuten, dass auch deshalb die Konferenz leider kaum von jungen Menschen besucht war. Bemerkenswert war die Breite des vertretenen Spektrums vom Keynseanismus über den Trotzkismus bis zum Anarchismus, die solidarische Atmosphäre und die offene Diskussion. Geholfen hat der Konferenz die Vorbereitung der Diskussionen durch die Veröffentlichung der Beiträge namhafter marxistischer Wissenschaftler in der Jungen Welt. Dabei war klar worden, dass die revolutionäre Linke u.a. an einigen Schwächen arbeiten muss, um wirklich Boden gut zu machen. So mangelt es zum Beispiel an dem Entwurf einer politischen Ökonomie für eine nachkapitalistische Gesellschaft, an einer Theorie herrschaftsfreier Institutionen und an einer konstruktiven Konfliktlösungsmethode. Die Konferenz versuchte zum Teil sich diesen Herausforderungen zu stellen. Dass dies geschehen konnte, lag daran, dass im Gegensatz zur Konferenz in Hannover nicht nur Frontalveranstaltungen sondern auch Workshops angeboten wurden. In diesen wurde intensiv gearbeitet, während die Podiumsdiskussionen überwiegend um den Neuformierungsprozess um die Linkspartei.PDS kreisten und wenig Vorzeigbares brachten.
    Der Mitorganisator und Philosoph Robert Steigerwald begreift die Berliner Konferenz als einen Fortschritt. Er sagt: „Im Vergleich mit der Berliner Konferenz war die Konferenz in Hannover 1998 eine Volkshochschule," und denkt über eine Öffnung der Leverkusener Konferenzen „Marxistischer Dialog" nach um den produktiven Diskussionsprozess fortzusetzen.
    Edith Bartelmus-Scholich, 23.4.07

  4. #4
    Grasdackel
    Der Marxismus (Kommunismus) ist tot, und das ist auch gut so.

  5. #5

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    Gott sei dank ist er das nicht. Siehe die Stärkung der Süd-Amerikanischen Länder die sich dem Sozialismus/Kommunismus zugewand haben. Doch muss dieser neue Kommunismus in Bahnen gelenkt werden die etwas anders sind als die des 19. und 20. Jahrhunderts.

  6. #6
    Grasdackel
    Der Kommunismus ist ein schöne Utopie die sich nie erfüllen wird.

  7. #7

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    Wenn man so denkt wie du, Ja. Aber es gibt auch Menschen die anders denken, die Versuchen einen Traum wirklichkeit werden zu lassen.

  8. #8
    Grasdackel
    Zitat Zitat von LaLa Beitrag anzeigen
    Wenn man so denkt wie du, Ja. Aber es gibt auch Menschen die anders denken, die Versuchen einen Traum wirklichkeit werden zu lassen.

    Marx und Engels haben einen Zweistufenplan vorgelegt wie de Kommunismus eingeführt werden soll.

    Abschaffung des Kapitalismus und Einführung des Sozialismus --> und dann Abschaffung des Sozialismus und Einführung des Kommunismus.

    Die Sowjetunion hat es in 70 Jahren nicht geschafft den 2ten Schritt durchzuführen. Und wenn sie noch 1000 Jahre existiert hätte, hätte sie es nicht geschafft.
    Sorry mein Freund, aber den Kommunismus wird es nie geben.

  9. #9

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    Wie schon die neue Linke gesagt hat: Der Leninismus ist Tod. Lang lebe der Marxismus des 21. Jahrhunderts.

  10. #10
    Avatar von Lepoto

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    der grundgedanke des kommunismus ist eigentlich gar nicht so schlecht.
    es lässt sich aber nicht in die realität umsetzen, aus dem einfachen grund, menschen funktionieren halt nun mal nicht so.

    genau so kann man sagen, dass die demokratie wie es uns vorgekauelt wird nicht mit dem kapitalismus funktionieren kann.

    am besten wäre wahrscheinlich ein mix. aber das ist vermutlich auch eine utopie

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