Hunger in Syrien: Das Versagen der Weltgemeinschaft

Millionen Syrer leiden Hunger, das Regime konfisziert selbst Babymilch. Ab diesem Mittwoch wollte die internationale Gemeinschaft Lebensmittel abwerfen. Doch kein Staat macht mit.

Eigentlich ist der Fall klar. Bis zum 1. Juni soll die syrische Regierung humanitäre Hilfe in die vielen belagerten Gebiete zulassen. Andernfalls soll die Uno eine Luftbrücke für die leidenden Menschen einrichten.

Auf diese Regelung haben sich die Mitglieder der Internationalen Unterstützungsgruppe für Syrien (ISSG) am 17. Mai in einer gemeinsamen Erklärung geeinigt. Dazu zählen die USA, Russland, die Mitglieder der Europäischen Union, die reichen arabischen Golfstaaten, Iran und die Uno. Nun läuft die Frist ab - und noch immer werden Zivilisten in Syrien belagert und ausgehungert. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen geht von knapp zwei Millionen Betroffenen aus. Das sind rund zehn Prozent von Syriens Gesamtbevölkerung vor dem Krieg.

Aber Vorbereitungen für eine Luftbrücke? Gibt es nicht.
Stattdessen Formulierungen wie diese: "Für eine Luftbrücke brauchen wir die Kooperation der syrischen Regierung." Das sagte Staffan de Mistura, Uno-Sondergesandter für Syrien, in der vergangenen Woche.
Dabei liegt genau dort das Problem. Etwa 90 Prozent der zwei Millionen betroffenen Zivilisten werden vom syrischen Regime belagert, auf dessen Kooperation nun gehofft wird. Der "Islamische Staat" hat in der Stadt Deir al-Sor die Gewalt über rund 200.000 Menschen, die syrische al-Qaida und syrische Rebellen belagern in den Städten Foua und Kefraya rund 20.000 Menschen. Doch das Netz des Regimes ist am engmaschigsten: In diesen Gebieten hat es bereits Hungertote gegeben, vor allem Kinder und Ältere.
Syrien: Eine Luftbrücke der Uno wird unwahrscheinlich - SPIEGEL ONLINE