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Mythos „Ausländer“

Erstellt von Popeye, 13.01.2008, 21:33 Uhr · 2 Antworten · 843 Aufrufe

  1. #1
    Popeye

    Pfeil Mythos „Ausländer“

    Ich hab einen sehr interessanten Artikel gefunden dem ich wirklich jedem wärmsten ans Herz lege ihn zu lesen. Er passt wie die Faust aufs Auge:

    Der Fremde in Deutschland ist der Ausländer, und der hat mal wieder Konjunktur. Denn wenn gar nichts mehr geht, das Thema Ausländer geht immer.




    Von Philipp Lichterbeck
    9.1.2008 0:00 Uhr


    Im Französischen spricht man vom étranger, im Englischen vom foreigner. Beides lässt sich auch mit Fremder übersetzen. Der Fremde in Deutschland ist der Ausländer, und der hat mal wieder Konjunktur. Denn wenn gar nichts mehr geht, Ausländer geht immer. Besonders in Verbindung mit den Attributen „kriminell“ und „gewalttätig“. Dann erregen sich die Deutschen, und Landesfürsten bestreiten ganze Wahlkämpfe mit der Nomengruppe. Suggeriert wird, dass die Gefahr – der Begriff verrät es – von außen kommt. Gewalt und Kriminalität, so die Botschaft, sind keine Symptome für den Zustand dieser Gesellschaft; sie wurden vielmehr eingeschleppt, wie eine Krankheit. Die Tatsache, dass Serkan, der „U-Bahn-Schläger“ von München, ein Kind Bayerns und nicht Anatoliens ist, wird da zweitrangig.

    Noch deutlicher wird die Absurdität des Begriffs „Ausländer“ in diesem Zusammenhang beim Blick auf sein Antonym: Inländer. 62 Prozent aller rund sieben Millionen Ausländer in Deutschland leben schon mindestens zehn Jahre hier. Jeder fünfte Ausländer wurde hier geboren und wäre damit in anderen Republiken dieser Welt, wo das Bodenrecht gilt, automatisch Bürger des Geburtslandes. Von den 1,8 Millionen Türken kamen sogar 34 Prozent in Deutschland zur Welt. Jeder dritte Türke ist also praktisch In- und nicht Ausländer. Dennoch soll Serkans Fall nun per Abschiebung gelöst werden. Das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht mit seiner Fixierung auf das Blut der Vorfahren macht Millionen Inländer rechtlich und emotional zu Ausländern.

    Wie wichtig den Deutschen aber immer noch die Abstammung zu sein scheint, zeigt der Ruf nach Kriminalitätsstatistiken, in denen die Herkunft deutscher Täter erfasst wird. „Welt Online“ untersuchte kürzlich Täter mit deutschem Pass auf ihre Abstammung und stellte fest: „Bei genauerer Betrachtung haben noch mehr Verdächtige nichtdeutsche Wurzeln.“ Wo verläuft eigentlich die Trennlinie zwischen der Obsession mit der Biologie, Roland Kochs Anstandskatalog und der NPD-Forderung nach der „Ausweisung aller kulturfremden Ausländer“? Und warum wird eine Debatte über Kriminalität größtenteils auf der Grundlage pseudobiologischer Distinktionsmerkmale geführt? Vielleicht weil es einfacher ist, Härte zu fordern, als sich damit auseinanderzusetzen, dass Deutschland ein sozial zerklüftetes Land ist, wo die Einkommen der Ärmsten in den letzten 15 Jahren um 13 Prozent gesunken, die der Spitzenverdiener um rund ein Drittel gestiegen sind?

    Der Kitt, der sich anbietet, um die sozialen Risse zu überdecken, sind die Mythen von nationaler Kultur und ethnischer Homogenität. Und die Dämonisierung des Ausländers dient dazu, Mehrheiten zusammenzuzimmern.

  2. #2
    Avatar von Grobar

    Registriert seit
    14.07.2004
    Beiträge
    9.644
    Das ist ein Supergeiler Artikel.
    Respekt Turko da hast du was feines gefunden.
    Das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht mit seiner Fixierung auf das Blut der Vorfahren macht Millionen Inländer rechtlich und emotional zu Ausländern.
    Ich hab mich erst heute gegenueber Troy zu der art und weise geaeussert wie Leute die eigentlich Deutsche sind emotional zu Auslaendern gemacht werden/wurden.
    Allerdings hatte ich dies in einem Innerdeutschen Vergleich zwischen "Ossi" und "Wessi" verwendet bei dem weniger das Blut eine Rolle spielt als viel mehr die Gesellschaftliche Praegung waehrend der Trennung der 2 Deutschen Staaten.
    Interessant ist das viele "Auslaender" hier selbst Rechte Parolen propagieren. Vielleicht um damit in den Kreis der Deutschen aufgenommen zu werden?

    Wie wichtig den Deutschen aber immer noch die Abstammung zu sein scheint, zeigt der Ruf nach Kriminalitätsstatistiken, in denen die Herkunft deutscher Täter erfasst wird.
    Eine art der Beschaeftigung mit dem allgemeinen Problem Kriminalitaet
    die direkt in die Arme Rechtsradikaler Bauernfaenger fuehrt.
    Angesichts Neonazis in Ostdeutschen Parlamenten eigentlich ein fast unverzeihlicher Fehler.

  3. #3
    Lopov
    Zitat Zitat von Grobar Beitrag anzeigen
    Interessant ist das viele "Auslaender" hier selbst Rechte Parolen propagieren. Vielleicht um damit in den Kreis der Deutschen aufgenommen zu werden?
    gute frage sie wollen sich besser vorkommen, sie wollen dazu gehören, weil sie nicht genug selbstbewusstsein haben ...

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