Jetzt, ein paar Tage nach der Wahl, kommen wieder die politischen Märchen zu Ehren.

Eines, das jetzt wieder Hochkonjunktur hat, ist die Geschichte von der Ausgrenzung der armen FPÖ. H.C. Strache hat dieses weinerliche Jammerlied am Wahlabend wieder gesungen, weil er fürchtet, dass die SPÖ nicht mit ihm regieren will.

Nun ist es das Recht einer jeden Partei, sich ihren Partner selbst auszusuchen. Wenn zwei Parteien mit gemeinsam etwas mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen eine Regierung bilden, heißt das, dass die anderen Parteien (und damit deren Wähler), also etwas weniger als 50 Prozent der Stimmen, nicht an der Macht beteiligt sind - na und? Das passiert in allen Demokratien ständig.

Straches jammern klingt wie das eines Dreijährigen Kindes, das die anderen Kinder aus der Sandkiste verdrängt haben.


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Ein Märchen ist auch die Geschichte von der "Partei der Nichtwähler", welche angeblich die stärkste Partei nach dieser Nationalratswahl sei.

Wer behauptet, die Nichtwähler stellten die größte Partei, lügt sich freilich selbst in die Tasche. Vielleicht, um jeder möglichen künftigen Regierung gleich von vornherein die Legitimität abzusprechen, vielleicht aus Enttäuschung, dass er nicht jene Koalition bekommt, die er gerne hätte.

Denn diese These ignoriert wesentliche Fakten:

Eine Partei hat ein Programm und sie führt einen Wahlkampf. Die Gruppe der Nichtwähler hat kein Programm, denn sie verzichten aus einer Unzahl von Gründen auf das Privileg, Politik als Wähler mitzugestalten. Die einen sind verzweifelt, weil ihnen partout keine Partei zu Gesicht steht. Die anderen sind schlicht zu faul, an diesem einen Sonntag in fünf Jahren ihre vier Buchstaben ins Wahllokal zu bewegen. Die dritten ließen sich von einer schnöselhaften Mode der Wahlverweigerung anstecken, weil sie glauben, es sei schick, sich völlig apolitisch zu geben.

Eine Partei stellt Kandidaten auf, die das gemeinsame Programm umsetzen sollen. Der Gruppe der Nichtwähler fehlt das politische Personal - und wenn sie eins hätte, dann würde es von niemandem gewählt, weil es ja am gemeinsamen Programm mangelt.
Wer nicht wählt, akzeptiert, was die Wähler für ihn entschieden haben. Sollte er damit nicht einverstanden sein, muss er sich halt wieder selbst bemühen.

Ach ja - noch ein kleiner Hinweis: In der Schweiz, für viele demokratisches Vorbild, nehmen im langjährigen Durchschnitt rund 45 Prozent (!) der Stimmberechtigten an Wahlen teil.