Vorwürfe gegen Pakistans Regierung


Der Ehemann der pakistanischen Ex-Ministerpräsidentin Bhutto hat die Regierung von Präsident Musharraf für das Attentat auf seine Frau verantwortlich gemacht. Die Zahl der Opfer stieg auf über 130 Tote.







"Ich gebe der Regierung die Schuld an diesen Anschlägen“, sagte Asif Ali Sardari am Freitag in Dubai dem Fernsehsender Aryone World Television. Es sei das Werk der pakistanischen Geheimdienste.

Bei den Anschlägen auf den Konvoi der am Donnerstag aus dem Exil zurückgekehrten Politikerin wurden nach Angaben des Innenministeriums 133 Menschen getötet und mindestens 290 verletzt. Benazir Bhutto selbst entging dem Attentat in der Stadt Karatchi knapp und blieb nach offiziellen Angaben unverletzt. Den Behörden zufolge deuten erste Untersuchungen darauf hin, dass es sich um ein Selbstmordattentat handelte. Bislang bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Nach Angaben von Bhuttos Begleitern sind zahlreiche ihrer Sicherheitsleute unter den Opfern.

Zwei Granaten wurden gezündet

Nach ersten Ermittlungen der Polizei explodierte zunächst eine Granate. Dann habe sich ein Selbstmordattentäter neben dem Konvoi Bhuttos in die Luft gesprengt, sagte Karachis Polizeichef dem US-Nachrichtensender CNN. Dieser habe offensichtlich auch die Granate gezündet. Dem pakistanischen Nachrichtensender Geo TV sagte der Polizeichef, der Attentäter sei bei dem Versuch gestoppt worden, zu dem Wagen mit Bhutto vorzudringen. Über die Hintermänner des Anschlags wollte er keine Spekulationen anstellen. Muslimische Extremisten hatten Selbstmordanschläge gegen Bhutto angekündigt, weil sie auf Seiten der USA in deren Kampf gegen den Terrorismus steht.

UN-Generalsekretär schockiert

Die Tat wurde weltweit verurteilt. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte, es gebe keinen politischen Grund, der die Ermordung unschuldiger Menschen rechtfertige. Die Europäische Union drängte die pakistanischen Behörden, die Verantwortlichen ausfindig zu machen. „Solche Taten bringen den Wahlprozess in große Gefahr“, hieß es mit Bezug auf die Wahlen, die im Januar in Pakistan stattfinden sollen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich schockiert. Er vertraue jedoch darauf, dass alle politischen Kräfte zusammenarbeiten würden, um die nationale Einheit zu stärken, sagte er. Pakistans Präsident Pervez Musharraf erklärte, der Anschlag sei eine „Verschwörung gegen die Demokratie“.

Bhutto sagt Musharraf Kampf an

Bhutto war nach acht Jahren aus dem Exil zurückgekehrt, um mit ihrer Volkspartei in den Wahlkampf zu ziehen und wieder Regierungschefin zu werden. In Karachi wurde sie zunächst triumphal empfangen. Unmittelbar nach ihrer Landung sagte Bhutto Militärmachthaber Musharraf den Kampf an. Ihr Ziel sei die Wiederherstellung der Demokratie und das Ende der „Militärdiktatur“, sagte die Parteichefin auf Lebenszeit. Pakistanischen Medienberichten zufolge hießen Hunderttausende begeisterte Anhänger Bhutto am Donnerstag in der südpakistanischen Wirtschaftsmetropole willkommen. Ihre Volkspartei PPP sprach sogar von zwei Millionen Menschen auf den Straßen.

Ermittlungen gegen Bhutto in Korruptionsfällen

Bhutto sagte, die vielen Pakistaner, die sie in Karachi begrüßten, wollten keine militärische Führung und keinen Extremismus. „Es schmerzt uns, wenn die Leute die Pakistaner für Terroristen halten, die Bomben in der U-Bahn in London legen, Anschläge in Deutschland und anderswo planen“, sagte Bhutto. „Das ist nicht das wahre Bild Pakistans.“ Ihre Anhänger wollten ein moderates und modernes Land. Es wäre ihr eine Ehre, wieder ihrem Volk zu dienen, betonte sie. Bhutto forderte eine freie und faire Parlamentswahl im Winter. Vor ihrem Abflug aus Dubai hatte sie gesagt: „Heute ist Pakistan an einem Scheideweg, ein Weg führt zur Diktatur, der andere zur Demokratie.“

Bhutto fordert eine Machtbeteiligung und weitere Konzessionen Musharrafs. Der Präsident hatte Bhutto, gegen die in mehreren Korruptionsfällen ermittelt wird, unter wachsendem innenpolitischen Druck eine Amnestie zugesagt, die aber vor dem Verfassungsgericht angefochten wird. Im Gegenzug hatten die Parlamentarier der PPP zwar die Wahl Musharrafs am 6. Oktober zum Präsidenten boykottiert, aber anders als andere Oppositionsabgeordnete nicht ihre Mandate niedergelegt. Bhutto war bereits zwei Mal Premierministerin und war unter Vorwürfen der Korruption 1990 und 1996 aus dem Amt vertrieben worden.


PS: wird ja immer schlimmer was zur zeit in der welt so abgeht