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Putschversuch in der Türkei: Erdogans telefonischer Aufruf

Erstellt von BlackJack, 12.08.2016, 18:21 Uhr · 56 Antworten · 2.399 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von BlackJack

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    Putschversuch in der Türkei: Erdogans telefonischer Aufruf

    Bei dem Putsch habe ich die ganze Nacht wie viele andere versucht Informationen zu bekommen, und da ist eine Sache die mir keine Ruhe lässt: Erdogan hatte das Volk telefonisch aufgefordert sich den Putschisten entgegenzustellen - ich war völlig verblüfft, denn der Anteil der Putschisten an der mehrere hunderttausend Mann großen und hoch gerüsteten Armee war verschwindend gering.
    Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor in einem live übertragenen Telefonanruf beim Sender CNN Türk vom Putschversuch einer Minderheit innerhalb des Militärs gesprochen. Er wandte sich direkt an die türkische Bevölkerung: "Ich rufe unser Volk auf, sich auf den Plätzen und am Flughafen zu versammeln. Sollen sie (die Putschisten) mit ihren Panzern und ihren Kanonen machen, was sie wollen", sagte Erdogan.
    Warum hat der treue Anteil des Militärs offenbar mehrere Stunden lang (weiß nicht genau wie lange) nichts (erkennbares) unternommen, was haben die Offiziere in der Zeit getan? Es kann unmöglich sein dass sie nicht mitbekommen haben, dass bewaffnete Soldaten mit Panzern und Hubschraubern die Kasernen verlassen.

  2. #2

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    hast du eine Theorie? erzähl

  3. #3
    Avatar von GLOBAL-NETWORK

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    Beitrag

    Guten Abend,
    Einige der Befehlshaber waren involviert und hatten daher leichtes Spiel den Rest der Truppe zu täuschen.
    Es hieß, man rücke zu einer Übung aus der Kaserne. Siehe zb in die Gesichter der Jungen Soldaten, die meisten wissen selbst nicht was sie da sollen. Der Großteil von ihnen war also Ahnungslos bzw wusste nicht was gerade geschieht. Sie frugen nicht nach dem "Warum oder Wieso", sie waren gezwungen zu Gehorchen andernfalls käme es zu einem Verfahren bzw vor das Millitärgericht (Befehlsverweigerung/Meuterei).

    Sie mussten sich dem also zwangsläufig fügen.

    DIe Situation in der Türkischen Armee ist ein wenig anders als in einigen teilen Europas.
    Wenn der Befehlshabende Offizier von dir zb verlangt dass du Purzelbäumchen drehst oder ne Stunde auf einem Bein stehst dann tust du es einfach ohne Nachzufragen.


  4. #4
    Avatar von BlackJack

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    Zitat Zitat von R25-300 Beitrag anzeigen
    hast du eine Theorie? erzähl
    Nein, ich war aber beim Militär und weiß dass es Tag und Nacht eine Bereitschaft gibt: jede Einheit hat Diensthabende, von der Kompanie über die Kaserne bis zum Bataillonsdiesthabenden Offizier, und so bis ganz oben, eine lückenlose Kette, die in wenigen Minuten reagiert.

    - - - Aktualisiert - - -

    Zitat Zitat von GLOBAL-NETWORK Beitrag anzeigen
    Guten Abend,
    Einige der Befehlshaber waren involviert und hatten daher leichtes Spiel den Rest der Truppe zu täuschen.
    Es hieß, man rücke zu einer Übung aus der Kaserne. Siehe zb in die Gesichter der Jungen Soldaten, die meisten wissen selbst nicht was sie da sollen. Der Großteil von ihnen war also Ahnungslos bzw wusste nicht was gerade geschieht. Sie frugen nicht nach dem "Warum oder Wieso", sie waren gezwungen zu Gehorchen andernfalls käme es zu einem Verfahren bzw vor das Millitärgericht (Befehlsverweigerung/Meuterei). Sie mussten sich dem also zwangsläufig fügen.
    Dass es Soldaten nicht wissen verstehe ich, wenn man Alarm bekommt springt man auf und steht in wenigen Minuten gefechtsbereit vor der Munitionsausgabe, dann rückt man aus. In der ganzen Zeit erfährt man: nichts. Aber die Offiziere müssen bescheid wissen, auch Manöver werden geplant und besprochen, da kann man nicht mal eben losziehen, schon garnicht mit scharfer Munition.

  5. #5
    Avatar von Holzmichl

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    Zitat Zitat von BlackJack Beitrag anzeigen
    Nein, ich war aber beim Militär und weiß dass es Tag und Nacht eine Bereitschaft gibt: jede Einheit hat Diensthabende, von der Kompanie über die Kaserne bis zum Bataillonsdiesthabenden Offizier, und so bis ganz oben, eine lückenlose Kette, die in wenigen Minuten reagiert.
    Gab wohl einige Lücken in dieser Kette. Trotzdem war der Aufruf aus meiner Sicht unverantwortlich. Das hätte das Militär und vor allem die Polizei gut selbst regeln können. Denn bei aller Verachtung für Putschisten und Soldaten, die auf ihre Leute schießen, es haben sich auch einige Leute direkt vor die Panzer geschmissen.. Sau dämlich. Und die wahre Bedrohung war in der Luft, die Flugzeuge und Helis wurden ja nicht von Irgendwelchen Zivilisten runtergeholt.

  6. #6
    Avatar von BlackJack

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    ja, darauf will ich im Grunde hinaus, hatte mich bis tief in die Nacht gewundert

  7. #7
    Avatar von Methica

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    4.286
    Also merkwürdig ist das schon.

    Selbst eine Übung muss doch sicher irgendwo angemeldet werden.

  8. #8
    Avatar von Holzmichl

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    ih glaube, dass Erdi den Plan längst in der tasche hatte. Scheinbar wusste man sehr genau, dass es jederzeit zu einem Putsch kommen konnte und auch durch wen. Und naja, dann konnte Erdi halt mit vollem Pathos agieren, weil er ganz genau wusste, dass er die große Show brauchte, um zu vertuschen, dass er das quasi verpennt hat rechtzeitig aufzuräumen. Ich wundere mich eh, warum keiner wirklich die Regierung beschuldigt hat. Normalerweise hätten ein paar zurücktreten müssen, weil sie einfach versagt haben.

  9. #9
    Avatar von GLOBAL-NETWORK

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    Zitat Zitat von BlackJack Beitrag anzeigen

    Dass es Soldaten nicht wissen verstehe ich, wenn man Alarm bekommt springt man auf und steht in wenigen Minuten gefechtsbereit vor der Munitionsausgabe, dann rückt man aus. In der ganzen Zeit erfährt man: nichts. Aber die Offiziere müssen bescheid wissen, auch Manöver werden geplant und besprochen, da kann man nicht mal eben losziehen, schon garnicht mit scharfer Munition.
    Das ist richtig. Deswegen hat man ja gewisse Strukturen im vornherein mit "Gleichgesonnen" infiltriert.
    Solche Manöver müssen in der Türkei nicht unbedingt im Großen Stil geplant werden, es kann jederzeit los gehen. Bei konkreten Operationen auf "Bekannte Ziele" oder Großen Manövern sieht es natürlich anders aus. Eine sogenannte "Übung" die zu jederzeit stattfinden könnte ist jedoch teil der Ausbildung.

    Es brauch nur einen Befehl von Oberster Stelle oder eben dem Kasernen Kommandanten bzw Befehlshabenden Offizier. Das Land ist sozusagen in permanenter Alarmbereitschaft ob wegen Bedrohungen aus Griechenland oder eben seitens bestimmter Terroristischer Vereinigungen.

    Die Scharfe Munition ist Bestandteil der Ausrüstung. Wie gesagt, dass Land hat ein ernstes Terrorproblem. Die Situation ist ein wenig, naja ich nenne es mal "anders " als wie in weiten teilen Europas.

    Die Bedrohung ist sozusagen Echt und fühlbar.

  10. #10
    Avatar von BlackJack

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    Zitat Zitat von Methica Beitrag anzeigen
    Also merkwürdig ist das schon.

    Selbst eine Übung muss doch sicher irgendwo angemeldet werden.
    Das ist eine komplexe Angelegenheit, besonders Nachts, da müssen zig Vorbereitungen und Sicherheitsvorkehrung zum Schutz der Zivilisten getroffen werden, auch die Verletzungsgefahr unter den Soldaten ist besonders hoch. Und die Ausgabe von tausenden Schuß scharfer Minition kann man nicht mal eben durchziehen, das ist ein richtig heikler Vorgang der auch durch viele Soldaten und Offiziere permanent überwacht wird.

    Ich will damit nicht sagen dass das ein Insidejob war, das habe ich nie geglaubt, aber trotzdem interessiert mich wie es zu so einem fatalen Zusammenbruch der militärischen Ordnung kommen konnte.

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