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Putschversuch in der Türkei: TSK marschiert auf

Erstellt von Tatar, 15.07.2016, 22:34 Uhr · 3.307 Antworten · 106.485 Aufrufe

  1. #121
    Avatar von Lorne Malvo

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    Zitat Zitat von Anatolien Beitrag anzeigen
    Wer bist du, um über den Willen des türkischen Volkes urteilen zu können?
    Wenn der Wille des "türkischen Volkes" die Rechte von Individuen und Minderheiten untergräbt, dann ist es keine Demokratie, sondern eine Tyrannei der Mehrheit.

  2. #122
    Avatar von Holzmichl

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    Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Möglichkeiten, die zu diesem Putsch geführt haben.

    1. Die Militärs hatten die Schnauze voll, nachdem sie lange zugeschaut haben, wie das Erbe Atta Türks zerstört wurde (ich unterstelle das mal). Also standen sie mit dem Rücken an der Wand, dachten sich, jetzt oder nie. Die Amis gaben das Zeichen, neutral zu bleiben und die "soldatische Ehre" wurde beschworen. Letztlich setzte man also alles auf eine Karte, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass der Rest des Militärs wieder zu seinen Wurzeln findet und nur auf den richtigen Moment wartet.

    Ich unterstelle einfach mal diese Beweggründe, vielleicht irre ich mich, denn ich bin wirklich nicht super informiert über die Lage in der Türkei, geschweige denn über das Militär und die Kemalisten. Und mich erinnert das an die Dönme/Sabbatai Zvi-Story. In diesem Zusammenhang würde mich auch interessieren, ob Orhan Pamuk sich schon geäußert hat

    2. Das ganze wurde inszeniert oder zugelassen. Der Gründe sind klar. Bei der aktuellen Lage, die, wenn man die letzten zwei-drei Jahre abruft, keine Überraschung ist. Mit dem Beispiel mache ich mich zwar wieder unbeliebt, aber mich erinnert das sehr an die Ereignisse um die antibürokratische Revolution/ Jogurth Revolution in Jugoslawien, wo auch mit dem Volk auf diese Art gearbeitet wurde, allerdings mit viel mehr Vorbereitung. Interessant ist auch, wie Begriffe, wie Demokratie benutzt werden. In diesem Fall ist Demokratie etwas, was der Mehrheit gefällt. Allerdings ist das eine falsche Auffassung von Demokratie, denn die funktioniert nur durch die Divergenz und die ist ja im Moment nicht erwünscht. Ähnlich machte Erdogan es bereits mit der Pressefreiheit, als er massiv die Presse einschränkte und passend dazu das Fass mit der deutschen Satire aufgemacht hat.

    Vielleicht sah er in Gülen noch eine Gefahr, besonders im Bezug auf seine Bestrebungen mit dem Präsidialsystem. Zwar ist wohl auch in der Politik die Mehrheit auf seiner Seite oder ihm nicht gewachsen, aber ein solcher Machtausbau wird auch bei Befürwortern sicher kritisch gesehen. Was wir gestern gesehen haben, war nicht mehr und nicht weniger als eine der größten Machtdemonstrationen, die man die letzten Jahre erlebte. Das Volk als Waffe einzusetzen, obwohl der Staat es locker selbst hätte regeln können, mit weniger Toten, hat allen gezeigt, wer der Babo ist. Gülen ist erledigt und die letzten Anhänger können im Zuge der Säuberung erledigt werden und natürlich auch die letzten Schritte zur absoluten Macht. Und nicht zuletzt ist es auch ein Zeichen für andere Staaten. Ein Staat, in dem das Volk dermaßen stramm steht, ist so gut wie unbesiegbar. Dabei geht es nicht direkt um Krieg, sondern um eine Stärkung der Verhandlungsposition. Ich bin gespannt, ob es Aktionen gegen die Gülen-Standorte in Deutschland geben wird.


    Wie gesagt. alles Spekulativ.

  3. #123
    Avatar von Anatolien

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    342
    Zitat Zitat von Lorne Malvo Beitrag anzeigen
    Wenn der Wille des "türkischen Volkes" die Rechte von Individuen und Minderheiten untergräbt, dann ist es keine Demokratie, sondern eine Tyrannei der Mehrheit.
    Welche Rechte von Minderheiten werden denn untergraben?

  4. #124
    Avatar von Dr. Gonzo

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    10.277
    2. Das ganze wurde inszeniert oder zugelassen. Der Gründe sind klar. Bei der aktuellen Lage, die, wenn man die letzten zwei-drei Jahre abruft, keine Überraschung ist. Mit dem Beispiel mache ich mich zwar wieder unbeliebt, aber mich erinnert das sehr an die Ereignisse um die antibürokratische Revolution/ Jogurth Revolution in Jugoslawien, wo auch mit dem Volk auf diese Art gearbeitet wurde, allerdings mit viel mehr Vorbereitung. Interessant ist auch, wie Begriffe, wie Demokratie benutzt werden. In diesem Fall ist Demokratie etwas, was der Mehrheit gefällt. Allerdings ist das eine falsche Auffassung von Demokratie, denn die funktioniert nur durch die Divergenz und die ist ja im Moment nicht erwünscht. Ähnlich machte Erdogan es bereits mit der Pressefreiheit, als er massiv die Presse einschränkte und passend dazu das Fass mit der deutschen Satire aufgemacht hat.
    Tippe dadrauf.

  5. #125
    Avatar von Pholiko

    Registriert seit
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    2.453
    Zitat Zitat von Lorne Malvo Beitrag anzeigen
    Wenn der Wille des "türkischen Volkes" die Rechte von Individuen und Minderheiten untergräbt, dann ist es keine Demokratie, sondern eine Tyrannei der Mehrheit.
    Du machst dich hier wirklich lächerlich, du hast schlicht keine Ahnung und referierst nur die gängigsten Medien.

    Lange Zeit durften Frauen, unter der Regierung der Kemalisten, nicht mit einem Kopftuch in öffentliche Staatseinrichtungen. Ich weiß nicht ob das immer noch so ist, kann es mir aber nicht vorstellen. Auf ARTE gab es eine Reportage, in der es um ein Mädchen ging, das bei einem Wettbewerb das schönste Gedicht schrieb aber zur Feier nicht auf die Bühne durfte. Ihr Vergehen war das Tragen des Kopftuches. Kannst du dir vorstellen, wie man sich als Betroffener in dieser Situation fühlt? Dazu Mütter, die nicht zur Abschlussfeier ihrer Kinder durften, weil sie ein Kopftuch getragen haben und sich das Spektakel von außerhalb des Schulhofes, hinter Gittern ansehen durften.

    Waren das keine Einschnitte der Rechte von Individuen? Es ist nun bei Weitem nicht so, als hätten die Kemalisten ein Paradies auf Erden geformt.

  6. #126

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    17.594
    Zitat Zitat von Pholiko Beitrag anzeigen
    Du machst dich hier wirklich lächerlich, du hast schlicht keine Ahnung und referierst nur die gängigsten Medien.

    Lange Zeit durften Frauen, unter der Regierung der Kemalisten, nicht mit einem Kopftuch in öffentliche Staatseinrichtungen. Ich weiß nicht ob das immer noch so ist, kann es mir aber nicht vorstellen. Auf ARTE gab es eine Reportage, in der es um ein Mädchen ging, das bei einem Wettbewerb das schönste Gedicht schrieb aber zur Feier nicht auf die Bühne durfte. Ihr Vergehen war das Tragen des Kopftuches. Kannst du dir vorstellen, wie man sich als Betroffener in dieser Situation fühlt? Dazu Mütter, die nicht zur Abschlussfeier ihrer Kinder durften, weil sie ein Kopftuch getragen haben und sich das Spektakel von außerhalb des Schulhofes, hinter Gittern ansehen durften.

    Waren das keine Einschnitte der Rechte von Individuen? Es ist nun bei Weitem nicht so, als hätten die Kemalisten ein Paradies auf Erden geformt.
    Es war notwendig.

  7. #127
    Avatar von Lorne Malvo

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    25.06.2011
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    5.306
    Zitat Zitat von Izdajnik Beitrag anzeigen
    Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Möglichkeiten, die zu diesem Putsch geführt haben.

    1. Die Militärs hatten die Schnauze voll, nachdem sie lange zugeschaut haben, wie das Erbe Atta Türks zerstört wurde (ich unterstelle das mal). Also standen sie mit dem Rücken an der Wand, dachten sich, jetzt oder nie. Die Amis gaben das Zeichen, neutral zu bleiben und die "soldatische Ehre" wurde beschworen. Letztlich setzte man also alles auf eine Karte, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass der Rest des Militärs wieder zu seinen Wurzeln findet und nur auf den richtigen Moment wartet.

    Ich unterstelle einfach mal diese Beweggründe, vielleicht irre ich mich, denn ich bin wirklich nicht super informiert über die Lage in der Türkei, geschweige denn über das Militär und die Kemalisten. Und mich erinnert das an die Dönme/Sabbatai Zvi-Story. In diesem Zusammenhang würde mich auch interessieren, ob Orhan Pamuk sich schon geäußert hat

    2. Das ganze wurde inszeniert oder zugelassen. Der Gründe sind klar. Bei der aktuellen Lage, die, wenn man die letzten zwei-drei Jahre abruft, keine Überraschung ist. Mit dem Beispiel mache ich mich zwar wieder unbeliebt, aber mich erinnert das sehr an die Ereignisse um die antibürokratische Revolution/ Jogurth Revolution in Jugoslawien, wo auch mit dem Volk auf diese Art gearbeitet wurde, allerdings mit viel mehr Vorbereitung. Interessant ist auch, wie Begriffe, wie Demokratie benutzt werden. In diesem Fall ist Demokratie etwas, was der Mehrheit gefällt. Allerdings ist das eine falsche Auffassung von Demokratie, denn die funktioniert nur durch die Divergenz und die ist ja im Moment nicht erwünscht. Ähnlich machte Erdogan es bereits mit der Pressefreiheit, als er massiv die Presse einschränkte und passend dazu das Fass mit der deutschen Satire aufgemacht hat.

    Vielleicht sah er in Gülen noch eine Gefahr, besonders im Bezug auf seine Bestrebungen mit dem Präsidialsystem. Zwar ist wohl auch in der Politik die Mehrheit auf seiner Seite oder ihm nicht gewachsen, aber ein solcher Machtausbau wird auch bei Befürwortern sicher kritisch gesehen. Was wir gestern gesehen haben, war nicht mehr und nicht weniger als eine der größten Machtdemonstrationen, die man die letzten Jahre erlebte. Das Volk als Waffe einzusetzen, obwohl der Staat es locker selbst hätte regeln können, mit weniger Toten, hat allen gezeigt, wer der Babo ist. Gülen ist erledigt und die letzten Anhänger können im Zuge der Säuberung erledigt werden und natürlich auch die letzten Schritte zur absoluten Macht. Und nicht zuletzt ist es auch ein Zeichen für andere Staaten. Ein Staat, in dem das Volk dermaßen stramm steht, ist so gut wie unbesiegbar. Dabei geht es nicht direkt um Krieg, sondern um eine Stärkung der Verhandlungsposition. Ich bin gespannt, ob es Aktionen gegen die Gülen-Standorte in Deutschland geben wird.


    Wie gesagt. alles Spekulativ.
    So locker hätte der Staat das nicht regeln können. Das türkische Militär im Inland gegen andere türkische Militärs einzusetzen geht nicht so einfach und schnell, wie man sich das hier vorstellt, und ansonsten gibt es da nur noch die Polizei, die die Putschisten unter Kontrolle bringen könnten, und die ist erst mal waffentechnisch weit unterlegen.
    Deswegen ist Erdogan gestern auch der Arsch ordentlich auf Grundeis gegangen, wie man bei seinem facetime-Interview gesehen hat. Er hat dabei auch ganz heldenhaft seine Anhänger zum Kampf aufgefordert, während er selbst schön in Sicherheit war. "Das Volk" war gestern auch nicht auf den Straßen, sondern Erdogan-Anhänher und Islamisten. Dass die Anhänger so schnell eine Straßenpräsenz aufbauen können haben die Putschisten wohl nicht bedacht. Da haben Erdogan die sozialen Netzwerke, die er sonst bekämpft wohl den Arsch gerettet. Durch ist er aber trotzdem nicht, falls die Opposition hoffentlich bald realisiert, was gerade geschieht, und sich das Militär nicht machtpolitisch beschneiden lässt.

  8. #128
    Avatar von Pholiko

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    Zitat Zitat von Toruko-jin Beitrag anzeigen
    Es war notwendig.
    Inwiefern?

    Sollte eine Frau in einer funktionierenden Demokratie nicht darüber entscheiden dürfen, ob sie einen Minirock oder doch lieber eine Burka tragen möchte? Vielleicht sehe ich das viel zu ideologisch, aber eine Frau sollte selbst darüber entscheiden dürfen, ohne fürchten zu müssen für das Tragen der Kleidungsstücke sanktioniert zu werden (gilt ebenfalls für Frauen, die gezwungen werden eine Burka zu tragen).

  9. #129
    Avatar von Lorne Malvo

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    Zitat Zitat von Pholiko Beitrag anzeigen
    Du machst dich hier wirklich lächerlich, du hast schlicht keine Ahnung und referierst nur die gängigsten Medien.

    Lange Zeit durften Frauen, unter der Regierung der Kemalisten, nicht mit einem Kopftuch in öffentliche Staatseinrichtungen. Ich weiß nicht ob das immer noch so ist, kann es mir aber nicht vorstellen. Auf ARTE gab es eine Reportage, in der es um ein Mädchen ging, das bei einem Wettbewerb das schönste Gedicht schrieb aber zur Feier nicht auf die Bühne durfte. Ihr Vergehen war das Tragen des Kopftuches. Kannst du dir vorstellen, wie man sich als Betroffener in dieser Situation fühlt? Dazu Mütter, die nicht zur Abschlussfeier ihrer Kinder durften, weil sie ein Kopftuch getragen haben und sich das Spektakel von außerhalb des Schulhofes, hinter Gittern ansehen durften.

    Waren das keine Einschnitte der Rechte von Individuen? Es ist nun bei Weitem nicht so, als hätten die Kemalisten ein Paradies auf Erden geformt.
    Ahja ok, wegen dem Kopftuchverbot also ist die Türkei heute eines der Länder mit der unfreisten Presse, mit der größten Christenverfolgung, und von den Kurden gar nicht erst zu sprechen.

  10. #130
    Avatar von lotus

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    Zitat Zitat von Izdajnik Beitrag anzeigen
    Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Möglichkeiten, die zu diesem Putsch geführt haben.

    1. Die Militärs hatten die Schnauze voll, nachdem sie lange zugeschaut haben, wie das Erbe Atta Türks zerstört wurde (ich unterstelle das mal). Also standen sie mit dem Rücken an der Wand, dachten sich, jetzt oder nie. Die Amis gaben das Zeichen, neutral zu bleiben und die "soldatische Ehre" wurde beschworen. Letztlich setzte man also alles auf eine Karte, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass der Rest des Militärs wieder zu seinen Wurzeln findet und nur auf den richtigen Moment wartet.
    Wir sind jetzt in 2016 und Atatürk lebte vor 78 Jahren bald 100 er wird immer weniger wichtig.

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