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Sammelthread: Israel/Nahost-Konflikt

Erstellt von jugo-jebe-dugo, 26.10.2004, 13:16 Uhr · 3.644 Antworten · 179.152 Aufrufe

  1. #441
    jugo-jebe-dugo
    07.07.2005

    Assad und Abbas treffen Chefs von Palästinenser­organisationen
    Für Abbas erster Besuch in Damaskus seit Wahl zum Präsidenten
    Damaskus - Der syrische Staatschef Bashar al-Assad und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) sind am Donnerstag in Damaskus mit den Anführern von militanten Palästinenserorganisationen zusammengetroffen. Die Chefs von elf in der syrischen Hauptstadt ansässigen Palästinenserorganisationen hätten an einem gemeinsamen Arbeitsessen teilgenommen, sagte der Chef der Volksbefreiungsfront für Palästina (PFLP), Maher Taher. Daher hätten auch Hamas-Chef Khaled Meshaal und der Anführer des Islamischen Jihad, Ramadan Abdallah Shallah, an dem Treffen teilgenommen.

    Die Zusammenkunft zeige die "Tiefe der Beziehungen zwischen Syrien und Palästina und die Einheit des palästinensischen Volkes", fügte Taher hinzu. Zuvor traf Assad allein mit Abbas zusammen. Für Abbas ist es der erste Besuch in Damaskus seit seiner Wahl zum Nachfolger des im November verstorbenen Yasser Arafat.

  2. #442
    jugo-jebe-dugo
    08.07.2005

    Palästinenser an Sperrwall erschossen
    Soldaten eröffneten Feuer auf 17-jährigen Steinewerfer

    Jerusalem - Ein israelischer Wachmann hat am Freitag nach Medienberichten im Westjordanland einen palästinensischen Jugendlichen erschossen. Der Teenager habe Steine auf den im Bau befindlichen israelischen Sperrwall geworfen, berichtete die israelische Zeitung "Ynet" auf ihrer Internetseite unter Berufung auf Aussagen von Palästinensern.

    Demnach eröffnete das israelische Wachpersonal das Feuer auf die Steinewerfer und tötete dabei den 17-Jährigen. Der Vorfall ereignete sich außerhalb des Dorfes Beit Likiya nahe der Stadt Ramallah, dem Sitz der Palästinenser-Regierung.

    Die israelische Polizei bestätigte, dass ein Wachmann an dem angegebenen Ort geschossen habe. Israel begründet den "Zaun" mit der Abwehr von palästinensischen Selbstmordattentätern. Die Palästinenser werfen Israel vor, mit dem Bau der Anlage auf palästinensischem Grund Landraub zu begehen.

  3. #443
    jugo-jebe-dugo
    08.07.2005

    Israel will während Gaza-Abzuges zwei Übergänge geöffnet lassen
    Grenzübergang Erez soll geschlossen aber werden

    Gaza - Während des israelischen Abzugs aus dem Gaza-Streifen sollen zwei Übergänge in das palästinensische Gebiet geöffnet bleiben. Der palästinensische Minister für Zivilangelegenheiten, Mohammed Dahlan, sagte am Freitag in Gaza, die Kontrollstelle Rafah nach Ägypten und der Güterverkehrspunkt Karni blieben während der von Mitte August an geplanten Räumung in Betrieb.

    Dagegen werde der Übergang Erez zeitweise geschlossen, während die Siedlungen im Norden des Gaza-Streifens geräumt werden. Dahlan war am Freitag mit einem Koordinator der israelischen Regierung zusammen getroffen, um Details abzusprechen. Der Abzug soll etwa vier Wochen dauern.

  4. #444
    Avatar von lupo-de-mare

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    Der Niedergang des israelischen Kolonialismus.

    Die äußeren Grenzen Israels

    Der Niedergang des israelischen Kolonialismus. Teil 1

    Nach dem Höhepunkt, dem Sieg im Sechs-Tage-Krieg 1967, konnte es nur noch abwärts gehen. Schritt für Schritt mußte Israel seine heiligen Prinzipien aufgeben: die Weigerung der Rückkehr in die Grenzen von 1949, die Anerkennung der PLO, die Aufgabe eines Teils des »Kernlands« und die Räumung von Siedlungen. Jetzt hat Israel einen Punkt erreicht, an dem seine Zukunft als kolonialistischer Staat in Frage steht. Aus einer anscheinend unschlagbaren Regionalmacht, die in einer vereinten Nation die arabischen Armeen in nur sechs Tagen besiegte, hat sich das Land in eine zerstrittene Gemeinschaft verwandelt, die um ihren Bestand als jüdischer und demokratischer Staat ringt. Zudem ist ein noch größerer Feind aufgetaucht: die »demographische Bedrohung«. Alle Massenvernichtungswaffen Israels, wie hochentwickelt sie auch sein mögen, können diesen Feind nicht vertreiben.

    Wir wollen zu beschreiben versuchen, in welchen Schritten der Niedergang Israels seit 1967 erfolgte. Der Abstieg begann mit dem Trauma von 1973 im Jom-Kippur-Krieg, es folgten 1980/82 der Rückzug aus dem Sinai, 1993 das Osloer Abkommen, im Mai 2000 die Flucht aus dem Libanon und heute der Trennzaun sowie die Abkopplung von Gaza.


    Eigene Atommacht

    Israel hat sein Schicksal seit seiner Gründung mit dem Imperialismus verbunden. Es versuchte, die Unterstützung der westlichen Staaten zu gewinnen, indem es ihren Interessen im östlichen Mittelmeerraum diente. Das war so schon im Krieg von 1956 gewesen. Israel schloß sich auf Geheiß aus Paris Frankreich und Großbritannien im Krieg gegen Ägypten an, nachdem dessen Präsident Gamal Abd al-Nasser den Suez-Kanal verstaatlicht hatte.

    David Ben Gurion, der erste Premierminister des Landes, sah in der militärisch-technologischen Überlegenheit den Schlüssel für die Zukunft. Mit mehr als nur ein bißchen Größenwahn verwandelte er den gerade erst geborenen Staat in eine Nuklearmacht. Israel wurde das sechste Mitglied des Clubs der Atomwaffenbesitzer, nach den USA, der Sowjetunion, Frankreich, England und China. Bereits am Vorabend des Krieges von 1967 war es in der Lage, eine Atombombe zu zünden. (Avner Cohen, Israel and the Bomb, Columbia University Press, 1998, S. 19, hebr.) Es ist nicht entscheidend, wie Israel die Bombe bekam, oder wie und zu welchem Preis es Frankreich dazu bewog, den nuklearen Brennstoff zu liefern. Interessant ist, warum Israel unbedingt Atombomben in seinem Arsenal haben wollte. Gewöhnlich lautet die Antwort: Als winziger westlicher Eindringling in ein »Meer von Arabern« und unter dem steten Schatten des Holocausts fühlte Israel, daß es ein Abschreckungsmittel brauchte, auf das es immer zurückgreifen könne. Diese Abschreckung garantiere nur die eigen Atommacht. Doch ist das bestenfalls die halbe Wahrheit. In Anbetracht der israelischen Siege in den 50er und 60er Jahren wies Israel arabische Friedensangebote zurück. Seine Führer waren nicht bereit, sich mit den bestehenden Grenzen zufrieden zu geben. Diese Politik wollten sie unter nuklearer Deckung durchführen, damit den Arabern die Aussichtslosigkeit von Widerstand klar sei. Die Bombe sollte Israels strategische Stellung als Regionalmacht sichern und die Nachbarn seinem Willen unterwerfe

    http://www.jungewelt.de/2005/08-11/003.php

  5. #445
    ja der ging vielleicht unter aber der us amerikanische läuft schon seit 1945 auf hochturen und wird die ganze welt vernicht. danke uncle sam

  6. #446
    Avatar von lupo-de-mare

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    Militärisch nicht lösbar – neoliberal auch nicht

    Der Niedergang des israelischen Kolonialismus. Teil 2 und Schluß

    Noch berauscht von dem Sieg im Sechstagekrieg von 1967 lehnte die israelische Führung im Anschluß daran politische Lösungen ab. Das sollte sich als vergebene Chance für eine langfristige Konfliktlösung erweisen. Am Vorabend des Yom-Kippur-Kriegs von 1973 bestand das »Küchenkabinett« von Premierministerin Golda Meir aus Moshe Ayan, Yisrael Galili und ihr selbst. »Sie hatte die Wahl zwischen einer vielversprechenden politischen Option, die Israel als Vorspeise alles anbot, was es sich bei einer politischen Einigung mit den Arabern wünschen konnte,« schreibt Uri Bar-Yosef von der Unversität Haifa, »und der Alternative eines Krieges, auf den sich – wie die drei annahmen – Israel tatsächlich zubewegte. Sie haben die Angelegenheit nicht einmal diskutiert. ... Ihr Verhalten kann zum Teil mit ihrer Zuversicht erklärt werden, daß die IDF (offizielle Bezeichnung der israelischen Armee) einen Krieg gewinnen und Israel anschließend mit besseren Karten an den Verhandlungstisch gehen würde.« (Uri Bar-Yosef u. a.: The Watchman Fell Asleep: The Surprise Of Yom Kippur and Its Sources, 2001, S. 179)

    Der Krieg brach noch im selben Jahr aus und erschütterte Israel bis in seine Grundfesten. Die Menschen verloren das Vertrauen in seine Führung, die das Desaster nicht vorausgesehen hatte. Vier Jahre später vertrieb die Wählerschaft erstmals die Arbeitspartei und brachte den Likud unter Menachem Begin an die Macht. Israels gerade offenbarte Verwundbarkeit zeigte ihre Wirkung: Begin trat in Verhandlungen mit Ägypten ein. Das Ergebnis war der Rückzug vom Sinai. Der spätere Ministerpräsident Shimon Peres behauptet, der Krieg von 1973 hätte der letzte sein können, und der Libanonfeldzug von 1982 habe den Friedensprozeß verhindert. Stimmt das? War der Krieg im Libanon ein Fehler, der Betrug eines verrückten Verteidigungsministers Ariel Sharon, eine Anomalität in der israelischen Militärpolitik? Das scheint unglaublich.


    Krieg im Libanon

    Obwohl Begins Regierung einen Friedensvertrag mit Ägypten unterzeichnete und aus dem Sinai abzog, hat Begin den Traum von einem Groß-Israel nie aufgegeben. Nach seiner Wiederwahl 1981 machte er sich daran, das palästinensische Problem mit militärischen Mitteln zu beseitigen. Im August des Jahres ernannte er den kriegslüsternen Sharon zum Verteidigungsminister. Im Libanonkrieg, der im Juni 1982 begann, ließ Begin seinem blinden Haß auf die Palästinenser freie Bahn, die er als »zweibeinige Tiere« und Todfeinde des jüdischen Volkes titulierte.

    Wenn wir verstehen wollen, welcher Logik Israel folgte, als es den Krieg anzettelte, müssen wir die internationalen Bedingungen einbeziehen. Ein Jahr zuvor hatte Ronald Reagan James Carters Platz im Weißen Haus eingenommen. Reagan begann einen Kreuzzug gegen die Sowjetunion, der die Scham von Vietnam ausradieren sollte. Begin witterte eine neue Chance. Er brach nach Amerika auf und legte Reagan einen eigenen Vorschlag vor: Israels Schmach von 1973 sollte ausradiert werden, im Libanon dagegen war vorgesehen, eine neue Ordnung zu etablieren. Reagans Konzept war, daß Israel daran beteiligt werden sollte, die sowjetischen Fortschritte im Nahen Osten zu blockieren. Zu diesem Zweck würde es nicht schaden, die PLO zu schwächen und Syrien eine Lektion zu erteilen. Die einzige US-amerikanische Sorge dabei war, daß der Libanonkrieg nicht ausbrechen dürfe, ehe sich Israel am 25. April 1982 vollständig vom Sinai zurückgezogen hätte. Und so geschah es. Der Krieg begann kurz nach dem Rückzug vom Sinai und kurz vor den libanesischen Wahlen, die für August anberaumt waren. Aus Israels Sicht diente er vor allem dem Zweck, die Libanesen von der Einschüchterung durch die PLO zu befreien, um anschließend einen Wahlsieg von Bashir Gemayel, einem Christen, zu garantieren. Begin glaubte, der Libanon würde dann Frieden schließen, so wie es Ägypten getan hatte.

    Viele stimmten mit dem damaligen Stabschef Raphael Eitan überein, der den Libanonkrieg als »die Schlacht für das Land Israel« betrachtete. Durch die Eliminierung der PLO in diesem Land würde Israel indes die Kontrolle über die Westbank und Gaza für immer sicherstellen. Aber der als 48-Stunden-Einsatz vorgesehende Überfall dauerte länger. Die Weltöffentlichkeit, die USA und die Israelis selbst befürworteten zwar einen kurzen militärischen Übergriff, taten sich aber schwer, das zweimonatige Einhämmern auf Beirut mit Tausenden verletzter Zivilisten zu schlucken, das in einem Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila endete. Der israelische Konsens war erschüttert. Der tiefe Riß, den dieser Krieg verursachte, brachte zum ersten Mal das Phänomen der Kriegsdienstverweigerung hervor. Antikriegsdemonstrationen erreichten nie dagewesene Ausmaße. Jetzt war klar, daß die Armee auf libanesischem Boden nichts zu gewinnen hatte. Der Libanonkrieg beendete Israels militärische Optionen für die absehbare Zukunft; Israel zog sich zurück und klammerte sich an eine schmale »Sicherheitszone« im Südlibanon: Ein totaler Rückzug hätte eine politische Niederlage allzu deutlich gemacht. Der Rückzug vom Sinai indes war die Gegenleistung für Frieden mit Ägypten. Im Gegensatz dazu war Israel aus dem Libanon mit leeren Händen zurückgekehrt. Im Mai 2000 ordnete Premierminister Ehud Barak einen gänzlichen Rückzug an.


    Schadensbegrenzung

    Nach der Vertreibung der PLO während des Libanonkriegs nach Tunis verschob sich der Schwerpunkt des Problems mit den Palästinensern auf die besetzten Gebiete. Im Dezember 1987 begannen die Palästinenser angesichts der in die Sackgasse geratenen Besatzung und der Sturheit der Likud-Regierung unter Yigal Shamir die erste Intifada. Die relative Schwäche der PLO hatte eine neue Stimme hervorgebracht, die nicht nur militärisch geprägt war: die Stimme des palästinensischen Volkes in den besetzten Gebieten. Israel fand sich einem Problem gegenüber, für das es keine Lösung hatte: einem Kampf gegen ein ganzes Volk. Wieder wurde die zionistische Führung unvorbereitet getroffen. Die Revolte verschob das Hauptschlachtfeld von externen Fronten wie Ägypten oder Libanon in den israelischen Hinterhof. Je länger die Intifada andauerte, desto tiefer durchdrang der Gedanke das Bewußtsein vieler Israelis, daß das Land zu den ursprünglichen Konfliktlinien mit den Palästinensern zurückkehrte.

    Die Israelis spürten, daß ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Die USA schlossen daraus, daß die Zeit für einen politischen Prozeß gekommen war. Ohne die Sowjetunion hatten sie von einem palästinensischen Staat nichts mehr zu befürchten. Nach dem Golfkrieg beriefen sie 1992 die Konferenz von Madrid ein. Als sich die Wahlen von 1992 näher rückten und Shamir zu keinerlei Zugeständnissen an die Palästinenser bereit schien, konzentrierte Washington seine Unterstützung auf den Kandidaten der Arbeitspartei, Yitzhak Rabin. Unter dem Druck, der Veränderungen durch die Intifada war Rabin bereit, ein Tabu zu brechen und die PLO anzuerkennen. Das Ergebnis dieser Annäherung waren die Verträge von Oslo von 1993. Diese beinhalteten aber nicht die Grundlagen zur Lösung des Konflikts. Obwohl auf palästinensischer Seite Kompromißbereitschaft zu erkennen war, hatte Israel wieder taktisches Geplänkel vorgezogen. Die Siedlungen blieben unberührt. Statt Souveränität erhielten die Palästinenser ein Marionettenregime, das Israel helfen sollte, die Umstellung von direkter Besatzung zum Neokolonialismus zu vollziehen. Auf israelischer Seite verursachte Oslo gleichwohl eine tiefe Krise. Zwischen denen, die an ein Groß-Israel glaubten, und den Unterstützern eines Kompromisses tat sich ein Abgrund auf. Anfang 1994 ließ der Arzt Baruch Goldstein ganz allein die Verträge entgleisen, indem er Gottesdienstbesucher einer Moschee in Hebron massakrierte. Höhepunkt dieses Konfliktes war Ende 1995, als ein fanatischer Rechter Rabin ermordete.

    Seltsamerweise stärkte der Mord die politische Rechte. Unter Führung Benjamin Netanjahus kam der Likud an die Macht. Obwohl Ehud Barak von der Arbeitspartei ihn 1999 ersetzte, war auch seine Amtszeit kurz. Die große Mehrheit der Palästinenser sah in den Osloer Verträgen nur Enttäuschung. Noch bevor Yassir Arafat im Jahre 2000 nach Camp David fuhr, war für ein mögliches Akommen die Unterstützung der palästinensischen Öffentlichkeit erloschen. Er wußte, daß er ohne diese Unterstützung nicht unterschreiben konnte. Bald nach dem Scheitern der Gespräche brach die zweite Intifada aus. Dieses Mal jedoch war sie kein Volksaufstand, sondern eine gewalttätige Rebellion, angeführt von der Hamas, die ein Mittel einsetzte, auf das Israel keine Antwort hatte: die Selbstmordattentäter. Der Likud übernahm von Barak die Regierungsgeschäfte – diesmal unter Sharon – und führte eine Politik fort, die ursprünglich die Arbeitspartei hervorgebracht hatte: die völlige Trennung von den Palästinensern.

    Unterdessen hat sich ein weiterer Konflikt entwickelt: der Konflikt des Bevölkerungswachstums. Was wird Israel tun, wenn in weiteren zehn oder zwanzig Jahren mehr Araber als Juden zwischen Jordan und Mittelmeer leben werden? Wie wird es in der Lage sein, eine Bevölkerung zu regieren, die es nicht haben will? Wie wird es unter solchen Umständen weiter behaupten können, sowohl jüdisch als auch demokratisch zu sein?


    Demographische Faktoren

    Nach dem Sechstagekrieg 1967 schien es, daß Israels militärische Stärke dazu in der Lage wäre, abschreckend zu wirken und weitere Konfrontationen zu vermeiden. Die Ereignisse haben jedoch diese Seifenblase zum Platzen gebracht. Heute wissen wir, daß die Siege von 1967 keinen strategischen Wert hatten. Sie haben die Lösung des Grundproblems, dem Konflikt zwischen dem Zionismus und dem palästinensischen Volk, nur aufgeschoben. Auf jeden taktischen Sieg folgte ein strategischer Rückschlag. Der Krieg von 1967 führte zur Entstehung einer stärkeren PLO, die unabhängig war von den arabischen Staaten. Der Libanonkrieg von 1982 sollte die PLO vernichten, aber ihr Exil in Tunis verlegte lediglich das Zentrum des Kampfes und brachte die erste Intifada hervor. Israel versuchte, diese Intifada durch das Osloer Abkommen zu beenden, aber wieder entschied es sich für einen taktischen Sieg und errichtete (an Stelle eines wirklich souveränen Staats) ein Marionettenregime. Palästinensische Enttäuschung und Zorn machten sich in der zweiten Intifada Luft. Diese hatte den Abkopplungsplan zur Folge, bei dem es sich um einen erneuten Versuch handelt, eine Lösung zu verschieben – indem man sich unilateral von 1,5 Millionen Palästinensern in Gaza trennt und sich zugleich beharrlich an die meisten Siedlungen in der Westbank klammert.

    Verschafft man sich einen Überblick über die Situation, so sieht man, daß die Konfrontation nicht mehr eine zwischen Nationalstaaten ist. Heute kämpft Israel auf zwei Ebenen: Mit der palästinensischen Zivilbevölkerung und mit sich selbst. Eine innere Uneinigkeit stellt die Existenz des Landes in Frage. Hinzu kommt eine tiefe ökonomische Krise, mit der der Abbau des Wohlfahrtsstaats einhergeht. Die zweite Intifada hat Israels Traum von einer Weiterführung der Besatzung auf Basis eines neokolonialistischen Systems begraben. Andererseits ist es weiterhin nicht bereit, der Gründung eines lebensfähigen palästinensischen Staats zuzustimmen. Was dann? Man sucht nach schnellen Lösungen und Wunderkuren. Eine solche ist die Trennmauer, die zeigt, daß es die Green Line (die Grenze zwischen Westjordanland und Israel) gibt. Eine andere ist, den Gazastreifen abzukoppeln, wodurch das Tabu von Siedlungsräumungen gebrochen wird.


    Globalisierung für Israel

    Als ein Ergebnis der neuen Realität hat sich die politische Landkarte Israels ziemlich verändert. Die beiden großen Parteien, Likud und Arbeitspartei, haben begriffen, daß es die internationalen, ökonomischen und sozialen Realitäten der Nation nicht mehr erlauben, sich als Supermacht aufzuführen. Während die Linken in der Arbeitspartei wie Yossi Beilin und Yael Dayan herausgedrängt wurden, hat der Likud seine Hardliner neutralisiert. Die beiden Seiten des israelischen Establishments schließen sich zusammen und führen die Abkopplung herbei.

    Bei dieser Vereinigung der Kräfte innerhalb der israelischen Elite spielt die Globalisierung eine wichtige Rolle. Das Friedensprojekt wurde erst möglich, nachdem die Staatsführung in den 90er Jahren realisierte, daß es besser sei, Teil des ökonomischen Globalisierungsprozesses zu werden, als das neozionistische Projekt der Siedlungen und der Unterdrückung der Palästinenser fortzusetzen. Der israelischen Rechten, den »Jihadisten« aus Jerusalem, fügten sie damit eine Niederlage bei. Mittlerweile sind sie zu einer archaischen Minderheit geworden, die immer noch von einem Groß-Israel träumen. Die Globalisierungsbefürworter hingegen werden von Linken und Rechten begrüßt; ihr Programm besteht aus Ablehnungen in zwei Richtungen: Sie sagen »Nein« zu einem unabhängigen, lebensfähigen palästinensischen Staat und »Nein« zu einem Groß-Israel. Sie beschäftigen sich mit einer Konflikteindämmung ohne allerdings ohne nach langfristigen Lösungen zu suchen.

    Vor dem Hintergrund dieses politischen und ideologischen Vakuums fragen sich Israelis zunehmend, was sie falsch gemacht haben. Haim Yavin, der altgediente Nachrichtensprecher, hat eine fünfteilige Serie gedreht, in der er die Siedler vernichtend kritisiert; er würde es vorziehen, Hebron mit einem Visum zu besuchen, sagt er. Der Historiker Tom Segev hat den Schluß gezogen, daß der Krieg von 1967 vermeidbar war: »Mehr und mehr Israelis nehmen ihn als ewigen Quell des Leides wahr.« (Haaretz, 8.6.2005) Und Popsänger Arik Ainsztein singt: »Das Land meiner Geburt geht vor die Hunde«. Der scheidende Stabschef, Moshe Ya’alon brachte die Gefühle vieler zum Ausdruck: »Nicht Iran, nicht Syrien und nicht Irak, ... die externe Bedrohung unserer Existenz geht von den Palästinensern aus ... Die Kombination aus Terrorismus und Demographie, zusammen mit unserer Unsicherheit über die Richtigkeit unseres Wegs sind das Rezept für eine Situation, in der es hier am Ende keinen jüdischen Staat mehr geben wird.« (Haaretz, 3.6.2005)

    Sind wir auf dem Weg zu einer dritten Intifada, wie Ya’alon warnt, oder wird Israel endlich begreifen, daß es als Besatzungsmacht nicht weitermachen kann? Wird es endlich damit beginnen, permanente Grenzen zu ziehen? Denn schließlich ist klar, daß keine der Konfliktparteien mit Waffengewalt siegen kann. Vieles hängt von Ereignissen ab, die weit von Jerusalem entfernt stattfinden – in Bagdad zum Beispiel. Die Existenz Israels hängt von der des amerikanischen Imperiums ab. Die Schwächung der globalen Stellung Amerikas muß dem israelischen Miniimperium als Warnsignal dienen. Es ist eine Schwäche des Realitätsverlustes und des Hochmuts von Imperien, die ein Sägen an tragenden Balken übersehen – solange vielleicht, bis das Dach über ihnen einstürzt.

    (Aus: Challenge Nr. 92, Juli/August 2005; Übersetzung aus dem Englischen von Martina Schwarz)

    * www.challenge-magazin.de
    artikel_ende

    http://www.jungewelt.de/2005/08-12/003.php

  7. #447

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    1.476
    Trotzdem harren Zehntausende Juden in Palästinensergebiet aus und widersetzen sich der Anordnung ihres Führers Sharon.

    Manche Menschen lernen es nie.

  8. #448

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    Der Thread liest sich sehr interesant.

    Ich freue mich, in Lupo einen engagierten Mitstreiter bei der virtuellen Verteidigung unseres Bollwerkes zu haben!

  9. #449
    Avatar von lupo-de-mare

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    Zitat Zitat von Kimyager
    Der Thread liest sich sehr interesant.

    Ich freue mich, in Lupo einen engagierten Mitstreiter bei der virtuellen Verteidigung unseres Bollwerkes zu haben!


    Die armen Kinder der Israelis!
    Es heisst immer Israel wäre ein so vorbildliches westlich orientiertes Land. Jetzt hat Israel die USA überholt und sind das westliche Land mit der höchsten Rate an Kinderarmut. Aber Geld für eine kleine Apartheid-Mauer durch Palästina hat man, und sogar die illegalen Siedler werden dafür belohnt dass sie abziehen !

    Israel has bypassed the United States and now leads Western countries when it comes to child poverty figures, according to a grim National Insurance Institute report released Monday.


    According to the report, child poverty grew by about 50 percent since 1988, with about a third of all children living below the poverty line. Meanwhile, 28,000 additional families dropped below the poverty line in 2004, comprising 107,000 Israelis, 61,000 of them children.

    Quelle: http://www.ynetnews.com/articles/0,7...124397,00.html

  10. #450

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    Hier ein weiterer interessanter Link.

    http://www.zmag.de/artikel.php?id=15...86f9bf87734881

    Das Ganze erinnert wirklich an das dunkle Kapitel deutscher Geschichte.

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