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Sammelthread Kurdistan

Erstellt von radeon, 31.01.2005, 20:43 Uhr · 1.438 Antworten · 86.539 Aufrufe

  1. #421

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    Zitat Zitat von Elma2 Beitrag anzeigen
    Umgerechnet wären es nur 2.280.000 Kurden.
    Da die BDP Kurden Partei auch 2,8 Mio hat bestätigt uns auch nur.

  2. #422
    Avatar von Arbeiter

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    Zitat Zitat von Vollkornbrot Beitrag anzeigen
    Da die BDP Kurden Partei auch 2,8 Mio hat bestätigt uns auch nur.
    Meine Zahl war aber 2,28 Mio. und nicht 2,8 Mio.

  3. #423

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    Zitat Zitat von Elma2 Beitrag anzeigen
    Meine Zahl war aber 2,28 Mio. und nicht 2,8 Mio.
    Ein paar zerquetschte Kurden fallen eben unter den 7% andere aus es wurde nur gefragt als was sie sich sehen und nicht welche Partei sie Wählen also passt das schon.

  4. #424

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    Was für 2 Millionen in der Türkei lebten während der Volkszählung 1985 14-18 Millionen Kurden seit daher kann man nur ihre Zahl schätzen und was glaubt ihr was in den Jahrzehnten passiert ist sind da eben mal 14 Millionen Kurden ausgewandert oder was

    http://m.welt.de/article.do?id=polit...in-der-Tuerkei

    hier Mann wir werden immer mehr

  5. #425

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    Zitat Zitat von EmreKurde Beitrag anzeigen
    Was für 2 Millionen in der Türkei lebten während der Volkszählung 1985 14-18 Millionen Kurden seit daher kann man nur ihre Zahl schätzen und was glaubt ihr was in den Jahrzehnten passiert ist sind da eben mal 14 Millionen Kurden ausgewandert oder was

    http://m.welt.de/article.do?id=polit...in-der-Tuerkei

    hier Mann wir werden immer mehr
    Ich schätze die Zahl der Kurden zwischen 8-13 Mio. Ihr könnt auch 30 Mio sein Klasse statt Masse.

  6. #426
    Avatar von Tatar

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    Zitat Zitat von Vollkornbrot Beitrag anzeigen
    Du meinst die Ethnien statistisch erfassen? Wofür sowas denkt sich auch nur ein Kommunist aus. In der Türkei Leben 76 Mio Menschen wovon sich laut einer Umfrage 2012 90% als Türken, 3% als Kurden und 7% als andere sehen.
    Quelle?

  7. #427

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    Langzeitstrategie der PKK

    Gegen die Familie, gegen den Islam

    Die PKK rekrutiert auch während des Friedensprozesses Jugendliche. Dabei nutzt sie aggressive Methoden und verfolgt eine perfide Langzeitstrategie. Im Visier der Terrorgruppe: kurdische Familien und religiöse Werte.






    Von Caspar Schliephack | 08.10.2013 07:00

    Der Osten Anatoliens und besonders die von Kurden bewohnten Städte und Dörfer gelten seit jeher als erzkonservativ. In den oft bitter armen Regionen herrschen bis heute traditionelle Familienstrukturen und der Kontakt zwischen den Geschlechtern unterliegt strengen Regeln.

    Im Kampf um politischen, ökonomischen und sozialen Einfluss hat die PKK sich nun in vielen kurdischen Gebieten als Verfechterin von Freiheit und Frauenrechten und damit als vermeintliche Alternative zum konservativen Islam in der Region stilisiert. Doch dass die PKK die kurdischen Jugendlichen selbstlos von den scheinbaren Fesseln ihrer Familien befreien will, ist wie auch schon im Fall der westlichen Vorbilder im Kampf um die „gesellschaftliche Emanzipation“ zweifelhaft.

    Wie bereits der westeuropäische kommunistische Vordenker Wilhelm Reich in seiner Schrift „Die sexuelle Revolution“ (1932) geschrieben hat, ist „eine der Hauptaufgaben der sozialen Revolution die Aufhebung der Familie“, denn wenn die Familie ideologisch oder strukturell festgehalten werde, werde das Kollektiv und somit die übergeordnete politische Einheit in ihrer Entwicklung gebremst. Im Klartext: Die Familie, insbesondere die religiöse, ist für totalitäre Kräfte ein potenzieller Störfaktor im politischen Kampf und muss deshalb beseitigt werden.

    Die türkische Zeitung Today’s Zaman veröffentlichte am Montag einen Bericht, in dem mehrere Wissenschaftler die Langzeitstrategie der PKK in Bezug auf die kurdische Gesellschaft analysieren. Sie warnen einerseits vor dem Missbrauch des Islam durch die PKK und dem wachsenden Einfluss der PKK auf Teile der kurdischen Bevölkerung.

    Die PKK als selbstlose Anwältin der kurdischen Frauen?


    Die Terrororganisation bekämpft dem Bericht zufolge die traditionellen, konservativen Familienstrukturen und strebt die Schaffung einer vermeintlich liberaleren, kurdischen Parallelgesellschaft an. Dabei setzt sich die PKK offiziell auch für die Rechte der kurdischen Frauen ein. Doch was nach einer Gesellschaftsreform nach westlichem Vorbild und einer Neuauflage der 68er-Revolte klingen mag, ist den in Today’s Zaman zu Wort kommenden Experten nach in Wahrheit Teil einer langfristigen Rekrutierungsstrategie der PKK.


    Wie überall auf der Welt wollen auch die kurdischen Eltern in der Türkei nicht, dass ihre Kinder in den Krieg ziehen und dort ihr Leben verlieren. Die traditionellen Familienstrukturen – so streng und veraltet sie bisweilen auch sein mögen – schützen oft die perspektivlosen Jugendlichen vor dem schädlichen Einfluss Dritter und bewahren sie somit nicht selten vor dem sicheren Tod in den Bergen.

    Um die kurdischen Jugendlichen ihrer familiären Obhut entziehen und sie so leichter zum Anschluss an die PKK manipulieren zu können, propagiert die Terrororganisation in den kurdischen Regionen der Türkei dem Zeitungsbericht zufolge in Südostanatolien Slogans wie „Freiheit für Frauen“ und einen liberaleren Islam.

    Halil İbrahim Bahar, Experte an der türkischen Denkfabrik Ankara Strategy Institute (ASE), sagte gegenüber Today’s Zaman, die PKK versuche durch die Schaffung einer alternativen kurdischen Gesellschaft einen Parallelstaat in der Region zu errichten. Durch die Betonung der Eigenständigkeit der kurdischen Frauen von ihren Familien und unter dem Deckmantel der Frauenrechte versucht die PKK, neue Familienstrukturen zu erschaffen, die ihrer Ideologie entsprechen und ihren Zwecken dienen, so Bahar. Der Experte warnte davor, dass die Frauen durch die PKK niemals „befreit“ werden, sondern letztlich in die Berge gelockt und in die eigene PKK-Hierarchie eingebunden würden.





    PKK und der Islam: Instrumentalisierung und gleichzeitige Schwächung

    In den letzten Jahren ließen sich in Bezug auf die Religion im Südosten der Türkei Entwicklungen beobachten, die in direktem Zusammenhang mit der Langzeitstrategie der PKK gesehen werden: So etwa die Schwächung religiöser Werte innerhalb der kurdischen Gesellschaft, die schrumpfende Zahl von Kurden, die regelmäßig Moscheen besuchen und die steigende Anzahl an Frauen, die kein Kopftuch mehr tragen.


    Der Chef des Instituts für Sozialwissenschaft der staatlichen Van Yüzüncü Yıl Universität, Zeki Taştan, erklärte gegenüber der Zeitung, dass die PKK gezielt die moralischen Werte der kurdischen Jugendlichen negativ beeinflusse. So versuche die PKK anscheinend Spannungen und ein Entfremden zwischen der konservativen Elterngeneration und ihren Kindern zu erzeugen, um die Jugendlichen sozial weitgehend von ihren Familien zu isolieren. Der Einschätzung des Wissenschaftlers zufolge ist die Veränderung der sozialen Struktur besonders in Kleinstädten wie Hakkari und Şırnak deutlich zu beobachten. Aber auch in großen Städten der Region wie Mardin, Diyarbakır oder Van seien bereits erste Veränderungen der Sozialstruktur zu erkennen.


    Die PKK scheint bei ihrem „Kampf um die Köpfe“ großen Druck auf die Familien auszuüben. Mehrere Polizeioffiziere in der Region berichteten, dass seit dem momentan laufenden Friedensprozess zwischen der türkischen Regierung und der PKK auf kurdischen Familien ein nie dagewesener Druck seitens der PKK laste. Familien, die sich gegen die zunehmende Einflussnahme der PKK auf ihre Kinder, speziell auf ihre Töchter, wehrten und die Polizei kontaktierten, erhielten daraufhin oft Morddrohungen. Viele Familien hätten sich aus Angst vor den schwerbewaffneten PKK-Einheiten dem Willen der PKK gebeugt und ihre Kinder der Terrororganisation übergeben müssen.


    Die PKK definiert sich selbst als marxistisch und hat entsprechend ein kompliziertes Verhältnis zur Religion. Doch in der gesellschaftlichen Langzeitstrategie der PKK nimmt die Religion – bzw. deren Instrumentalisierung und gleichzeitige Schwächung -einen wichtigen Platz ein.


    PKK-Imame sollen Diyanet verdrängen


    Um den kurdischen Nationalismus zu beflügeln, argumentierte die PKK in der Vergangenheit, dass sich das kurdische Volk von den Türken nicht nur in der Sprache und Kultur, sondern auch in der Religion unterscheide. Die PKK habe daher teilweise sogar den Zoroastrismus befürwortet, so der türkische Soziologe Necati Alkan in Today’s Zaman.

    Nachdem die PKK von konservativen kurdischen Bevölkerungsteilen keine Unterstützung erfahren hatte, begann die Terrororganisation dem Bericht nach damit, den Islam bewusst in ihre Politik einzubeziehen. So passte sie nach dem Erstarken des konservativen Islams in der Türkei während der 1980er-Jahre auch ihr Auftreten an diese Entwicklung an.
    Der Soziologe Necati Alkan erklärte darüber hinaus, dass die PKK bereits eigene Propaganda-Teams, bestehend aus PKK-freundlichen Imamen, gebildet habe und bei den Beerdigungen gefallener PKK-Kämpfern bewusst religiöse Zeremonien abhalte und eigene Imame zu PKK-Demonstrationen schicke. So will die PKK Alkan zufolge die Anerkennung der eigenen Imame innerhalb der kurdischen Bevölkerung erreichen. Er warnte auch davor, dass die Terrororganisation in Urfa eine theologische Akademie plane und in der Provinz Tunceli eine religiöse Akademie für kurdische Aleviten errichten wolle.

    Der ASE-Experte Bahar wies auf die gängige Beschuldigung der PKK hin, die von der staatlichen Diyanet İşleri Başkanlığı (Präsidium für Religionsangelegenheiten, kurz Diyanet) entsandten Imame seien türkische Spione. Die PKK versuche so, das Vertrauen der kurdischen Muslime in die offiziellen religiösen Einrichtungen der Türkei zu untergraben. Gleichzeitig errichte die PKK eigene Moscheen und stellt dort eigene Imame, so Bahar.


    Die Zahl der potentiellen Opfer der PKK-Langzeitstrategie ist gewaltig: „Der Bevölkerungsanteil von Jugendlichen in Van, Tunceli, Hakkari und Ağrı (...) ist 50 Prozent höher als im Westen (der Türkei). Und dieser Anteil wird in den kommenden Jahren noch wachsen“, so der Sozialwissenschaftler. Die türkische Regierung muss nun schnellstmöglich einen Weg finden, den Bestrebungen der PKK endgültig Einhalt zu gebieten, ohne dabei aber den Friedensprozess zu gefährden.


    Wie ernst die Lage ist, zeigt die Tatsache, dass die PKK seit Beginn des Friedensprozesses mehr als 2000 neue Kämpfer rekrutierte – viele davon Jugendliche.

    Hier mehr über die Gründe, warum kurdische Jugendliche sich der PKK anschließen und in die Berge gehen: Eine Studie der Anti-Terrorabteilung der Türkei und einStatement des Polizeichef von Diyarbakır.

    http://dtj-online.de/gegen-die-familie-gegen-den-islam-11211

  8. #428
    Avatar von Arbeiter

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    Für Kurdistan und gegen den Rest der Welt

    Syriens kurdische Rebellen kämpfen gegen al-Qaida. Die Türkei helfe den Islamisten, sagen sie – und präsentieren Dokumente

    Die Islamisten haben sich dort hinten im Wald verschanzt", sagt Kommandant Schorwasch. Mit einem Funkgerät in der Hand zeigt er auf einige Baumwipfel am Rande von Alouk, einem syrischen Dorf unweit der türkischen Grenze. "Sie sind keine 700 Meter von uns entfernt." Plötzlich knallt ein Schuss, und das unverwechselbare Sausen einer Kugel aus einem Scharfschützengewehr ist zu hören. "Sie sind nervös", meint Schorwasch schmunzelnd. "Besser, wir gehen in Deckung." Der 25-Jährige ist an diesem Frontabschnitt der Verantwortliche der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Nach dem Abzug der Regimetruppen von Präsident Baschar al-Assad haben diese Milizen kurzerhand den Schutz der Kurdengebiete übernommen. "Zum Glück", erklärt Schorwasch, nun hinter einer hohen Mauer stehend. "Sonst wären wir längst von den Islamisten überrollt worden, und es hätte ein Blutbad gegeben."


    Mit "Islamisten" sind vor allen Dingen die beiden Al-Qaida-Ableger Nusra-Front und Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) gemeint. "Aber auch einige Brigaden der als moderat geltenden Freien Syrischen Armee kämpfen gegen uns", erklärt der YPG-Kommandant.
    Die Islamisten und ihre Verbündeten versuchen seit etwa sechs Monaten gezielt, in die Kurdengebiete zwischen Ras al-Ain und Kamischli im Nordosten Syriens einzudringen. Die Region entlang der Grenzen zur Türkei und dem Irak liefert 60 Prozent der Ölproduktion Syriens und besitzt reiche Gasvorkommen. In Kriegszeiten ist sie von enormer strategischer Bedeutung. Die Bewohner sind nun von der Außenwelt abgeschnitten, eingeklemmt zwischen den geschlossenen Außengrenzen im Norden und den Al-Qaida-Verbündeten im Süden. Nur Schmuggelware dringt bisweilen zu ihnen.
    "Wir haben die Islamisten überall geschlagen", erzählt Schorwasch zufrieden. "Sie mussten sich an allen Fronten zurückziehen und versuchen nun, auf dem Land Stützpunkte zu errichten." In Alouk seien die Islamisten mitten in der Nacht mit 400 Kämpfern eingedrungen. "Wir brauchten eineinhalb Tage, bis wir das Dorf zurückerobern konnten", sagt der YPG-Kommandant. Einer der umstehenden Soldaten, der schon 15 solcher Kämpfe hinter sich hat, spricht von "der härtesten Schlacht", die er miterlebt habe. "Sie wollten keinen Schritt zurückweichen."
    In der Moschee des Dorfes sind die Wände voller Einschusslöcher. Die Eingangstür ist durchlöchert, Stücke der bronzefarbenen Kanzel des Imam wurden von den Projektilen abgesprengt. Die Vorhänge hängen in Fetzen, der Boden ist übersät mit Patronenhülsen, dazwischen liegen überall verstreut leere Thunfischdosen und Schmelzkäsepackungen. Man betritt die Moschee durch ein Loch in der Wand, das mit einem Vorschlaghammer geschlagen wurde. Er liegt mit abgebrochenem Stiel in einer Ecke.
    Insgesamt seien 39 Gegner getötet worden, erzählt Kommandant Schorwasch. Die YPG habe nur sechs Mann verloren. Das Opferverhältnis falle bei anderen Gefechten ähnlich aus. Die YPG wird wie eine reguläre Armee geführt. Viele ihrer Soldaten sind erfahrene Kämpfer und waren für die kurdische Sache im Iran, dem Irak und auch in der Türkei im Einsatz. Es gibt genügend Geld, um Waffen zu kaufen. Zum Teil soll es aus dem Drogenhandel stammen. In vielen deutschen Großstädten kontrollieren Kurden den Heroinhandel.
    Im Garten des Bauernhofs sieht man vier frische Erdhügel. Verwesungsgeruch liegt in der Luft. Die Leichen der Islamisten wurden eilig verscharrt. "Angeblich duften Märtyrer wie Rosen", sagt Kommandant Schorwasch grinsend. "Riechen Sie es? Mit Rosen hat das nichts zu tun."
    Der Glaube radikaler Muslime ist den Kurden völlig fremd, obwohl die meisten von ihnen Sunniten sind. Ihre Traditionen sind in Glaubensdingen liberal. Hier trinkt man auch Alkohol, selbst im Fastenmonat Ramadan. Der örtliche Mullah Farkat Scheichu ist natürlich gar nicht glücklich über den Alkoholkonsum, "aber jeder kann tun, was er gerne möchte", sagt er. Der Scheich tritt für eine säkulare Gesellschaft ein. "In Syrien gibt es verschiedene Religionsgemeinschaften. Es kann keinen islamischen Staat geben, der für alle festlegt, wie sie zu leben haben." In den Augen der Nusra-Front würden solche Meinungen den Geistlichen zu einem Ketzer machen, der mit dem Tod bestraft gehört. Mindestens 20 Menschen sollen die Islamisten hier schon mit dem Messer geköpft haben, kurdische Kämpfer, aber auch Jesiden, Anhänger einer eigenständigen antiken Religion, die im Kurdengebiet ansässig sind.
    "Alle Islamisten haben einen Schlüssel und einen Löffel bei sich", erzählt der kurdische Journalist Taha Khalil, der lange Jahre als Autorin der Schweiz und Deutschland lebte. Heute leitet er eine Gesprächsrunde bei Rohani TV, einem Sender, der den Kampf der YPG propagandistisch unterstützt. "Den Schlüssel brauchen sie", so fährt Khalil fort, "um nach dem Märtyrertod das Tor zum Paradies zu öffnen." Der Löffel sei für das Abendmahl mit dem Propheten Mohammed. Ein gefangener Islamist sei hier kürzlich zum Tode verurteilt worden, weil er acht Menschen, darunter drei Mädchen, den Kopf abgeschnitten haben soll. Als letzten Wunsch habe er um ein Glas Wasser gebeten und darin geheimnisvoll mit seinem Himmelsschlüssel gerührt. Nachdem er es in einem Zug ausgetrunken hatte, wollte er davongehen – in der Überzeugung, der Trunk habe ihn unsichtbar gemacht. "Diese Leute glauben wirklich, was man ihnen erzählt", meint Khalil. "Und das macht sie so gefährlich."
    Für ihn ist es völlig unbegreiflich, wie die Extremisten zur treibenden Kraft innerhalb der syrischen Rebellen werden konnten. Ende September vereinigten sich 13 führende Gruppen zu einem neuen Block, der damit die stärkste Militärmacht innerhalb der Opposition repräsentiert. Die Mitglieder sind überwiegend islamistische Fraktionen, darunter die Nusra-Front und Achrar al-Scham, aber auch die bislang als moderat eingestufte Liwa Tawhid aus Aleppo. Die Syrische Nationale Koalition (SNC) wird als Regierung abgelehnt und die Scharia zur einzigen Quelle des Rechts erklärt.
    So irrational die Islamisten in vielen Fällen wirken mögen, bei ihrer Buchführung sind sie gewissenhaft. Die YPG konnte in einem der Lager der Nusra-Front bisher einmalige Dokumente erbeuten. Über ausländische Rekruten in den Reihen des Al-Qaida-Ablegers aus dem Irak wurde bereits viel berichtet. Nun ist zum ersten Mal eine Liste ausländischer Kämpfer aus dem Originalbestand der Miliz einzusehen: Von April bis Juli 2013 waren es danach 180 junge Männer aus Ländern wie dem Irak, Tunesien, Saudi-Arabien, Marokko oder Pakistan, die in Syrien in den Heiligen Krieg zogen. Die Liste ist keine Gesamtaufstellung aller Ausländer bei der Nusra-Front, sondern zeigt nur die Rekruten einer einzigen Filiale der Terrorgruppe. Insgesamt gibt es Tausende von ausländischen Kämpfern bei al-Nusra. Aber aus dieser Liste ist abzulesen, wer da kämpft. Denn darin sind auch persönliche Details festgehalten. Da ist etwa Abu Khalid aus Marokko, der von Beruf Bäcker ist, "aber kein Brot mehr backen, sondern kämpfen will". Er sei ledig, von "guter Gesundheit", und seine finanzielle Situation wird als "schlecht" beschrieben. Im Juli kam Abu Aleis aus Tunesien, ein Elektromechaniker, ebenfalls Single, aber finanziell "gut" gestellt. Es ist ist eine lange, traurige Liste von jungen Menschen, die alle nach Syrien gekommen sind, bereit, als Märtyrer zu sterben.
    Interessant sind auch Reisepässe, die Männer der YPG bei toten Kämpfern der Nusra-Front und in deren Basen gefunden haben wollen. Hier bekommen die Namen Gesichter und Geschichten. Rabar Tarik Maaraf und Sarkaui Mohammed Sair stammen beide aus Sulaimania, einer Stadt im kurdischen Teil des Irak. Beide waren gerade 18 geworden. Freunde vielleicht, die beschlossen haben, die Welt mit Waffengewalt zu verändern. Gemeinsam reisten sie am 24. Mai nach Syrien ein. In ihren Pässen steht der Ausreisestempel der Türkei. "Die lassen alle rein", sagt YPG-Sprecher Khalil. "Die Türkei unterstützt die Islamisten, weil sie gegen uns Kurden Krieg führen."
    Seit vier Jahrzehnten kämpft die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) gegen den türkischen Staat für das Selbstbestimmungsrecht der Kurden. Heute gibt es zwar Friedensverhandlungen, aber Ankara scheint den Kurden auch heute nicht mit allen Rechten als ethnische Minderheit anerkennen zu wollen.
    "Wir kämpfen für die ganze Welt", behauptet Abedselam Ahmed vom Westkurdistanrat in Kamischli. "Alle wollen al-Qaida in Syrien loswerden, aber wir sind die Einzigen, die auch wirklich gegen die Terroristen kämpfen." An eine Unterstützung durch die USA oder Europa sei jedoch nicht zu denken, ergänzt sein Ratskollege Hakam Challo. "Die Türkei lässt nicht zu, dass der kurdische Erzfeind unterstützt wird", wirft Abdelkarim Omar, der Dritte im Bunde, ein. "Obwohl wir die einzige Gruppe der syrischen Opposition sind, die echte Demokratie in einem säkularen Staat will", meldet sich Ahmed wieder zu Wort. Die drei Männer sind Mitglieder der Partei der Demokratischen Union (PYD), dem politischen Arm der Miliz YPG. Ein großes Foto des türkischen Kurdenführers Abdullah Öcalan hängt in den Büroräumen der PYD. Es lässt keinen Zweifel an der ideologischen Ausrichtung dieser syrischen Partei.
    In Kamischli besitzen Regierungstruppen Assads noch einige Kasernen und kontrollieren den Flughafen. "Wir machen keine gemeinsame Sache mit dem Regime, wie manche behaupten mögen", erklärt der Ratsvorsitzender Ahmed. "Wir wollen unsere Bevölkerung schützen und die Zerstörung unserer Stadt verhindern." Die Soldaten der syrischen Armee würden hier nur geduldet. Wenn man hier unterwegs ist, dann hat man bisweilen den Eindruck, dass es wirklich so ist: Etwa an einem Checkpoint der YPG, wo sich ein syrischer Armeeoffizier bei den wachhabenden Kurdenkämpfern über den Verkehrsstau beschwert. Die jungen Milizionäre lachen ihn einfach aus. Verärgert steigt der Offizier wieder zu seinen Kameraden in denGeländewagen und braust davon. "Die können gar nichts tun", kommentiert ein YPG-Mann an der Straßensperre und winkt verächtlich ab.
    Aber auch unter den Kurden gibt es Antipathien und viel Misstrauen. "Das sind Wölfe im Schafspelz", behauptet Hasan Salih von der Kurdischen Einheitspartei (KUP). Der 66-Jährige meint damit die YPG und ihre Politfunktionäre. "Für mich haben sie einen geheimen Pakt mit dem Regime", erklärt Salih, der 2003 die erste Demonstration gegen das Assad-Regime organisierte und mehrfach im Gefängnis saß. "Sie geben sich demokratisch, haben aber an Mitbestimmung kein Interesse." Als es im Juli in Amuda Proteste gegen willkürliche Verhaftungen durch die YPG gab, hätten die Milizionäre sofort geschossen. "Drei Menschen mussten sterben, und etliche wurden verletzt", berichtet Salih in seinem dunklen Büro im Souterrain eines Wohnhauses in Kamischli. "Da wir keine Diktatur durch eine andere ersetzt haben wollen", führt der Parteivorsitzende aus, "sind wir dem SNC in der Türkei beigetreten" – also dem syrischen Oppositionsrat, dem auch die anderen Rebellen angehörten. Die YPG war nicht begeistert, das wisse er, aber eine kurdische Vertretung innerhalb der neuen syrischen Gegenregierung sei notwendig. Salih kann sich nur schwer durchringen, der YPG etwas Positives abzugewinnen. "Aber angesichts der islamistischen Bedrohung bewaffnen auch wir uns", gibt der ältere Herr zu. "Was die YPG leistet, können wir trotzdem nicht." Bisher ist es den kurdischen Milizen gelungen, die radikalen Islamisten abzuwehren. Die Frage ist nur, ob sie auch weiter standhalten können, nachdem sich die Islamisten zu dem neuen Bündnis zusammengeschlossen haben. Für Syriens Kurden geht es um die Existenz.

    http://www.welt.de/print/die_welt/po...-der-Welt.html

  9. #429

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    KURDEN-KRAWALLEEin Polizist am Ende seiner Möglichkeiten


    2012 erlebte Polizeidirektor Schäfer bei einem Kurden-Festival ein ihm bis dahin unbekanntes Ausmaß an Gewalt. Nun hat er sich das Erlebnis von der Seele geschrieben.VON HARDY PROTHMANN


    Dieter Schäfer (56) ist ein überzeugter Polizist. Einer, der Recht durchsetzt. Auch mit harten Mitteln, wenn es sein muss. Da gibt es kein Vertun. Aber auch einer, der immer zuerst an die Vernunft appelliert und im Idealfall nichts durchsetzen muss.
    Der Angriff auf die von ihm geführten Beamten durch mehrere Hundert Steinewerfer, darunter Kinder und Jugendliche, beim Mannheimer Kurdenfestival hat ihn verändert: "Ich bin jetzt 33 Jahre im Dienst und habe 2.000 Einsatzstunden bei Menschenansammlungen aller Art verbracht, darunter viele Problemeinsätze. Aber ich bin noch niemals von einer so massiven und gezielten Gewalt überrascht worden", sagt der Polizeidirektor.

    Die Bilanz des 8. Oktobers 2012 und dreier Gewaltwellen gegen die Polizei: 73 verletzte Beamte, mehrere beschädigte Streifenwagen und weitere Sachschäden. Und eine von CDU-Abgeordneten und Tageszeitungen auf Landesebene geführte Debatte, ob man nicht "härter" gegen die Steinewerfer hätte vorgehen müssen. Hätte man nicht, befanden alle, die sich intensiv mit der Situation auseinandergesetzt haben.


    Dieter Schäfer hat sich den Einsatz in einem Buch von der Seele geschrieben: Die Gewaltfalle schildert eindrücklich eine unfassbare Aggression und eine Polizei nicht nur am Rande, sondern am Ende ihrer Möglichkeiten.
    Polizisten im Steinehagel

    Das Buch ist eine detailreiche und hochinteressante Dokumentation. Eine Pflichtlektüre für alle, die mit Polizeieinsätzen zu tun haben. Es handelt von der Vorgeschichte eines Marschs von rund 150 Kurdenüber mehrere Tage von Straßburg nach Mannheim bis zum Hagel Tausender Steine, der urplötzlich auf die Beamten niederging, von denen viele weder Helme noch Schutzkleidung anhatten.
    "Ich musste dieses Buch schreiben, für mich und meine Kollegen", sagte der Polizist. Wochenlang habe er nicht schlafen können, Reizhusten bekommen. Folgen einer Belastungsstörung. Was Schäfer umtreibt, ist die Frage nach der Verantwortung: "Von mir wird Führung und umsichtiges Handeln erwartet. Was aber tut man, wenn die staatliche Autorität nicht nur nicht anerkannt, sondern geradezu als hochgradige Provokation gesehen wird?"
    Bei der ersten Gewaltwelle wurde eine Hundertschaft Beamte in Straßenuniform auf dem Maimarktgelände von einem wütenden Mob kurdischer junger Männer angegriffen. Die warfen mit allem. Eine Getränkedose erwischte einen Beamten auf der Brust. Der ging zu Boden. Ein weiterer ebenfalls. Die Polizisten hielten die Angreifer mit Schlagstöcken auf Abstand und mussten sich und die verletzten Kollegen einzeln durch ein Drehkreuz vom Gelände retten.

    Die Katastrophe war nahe

    Herr Schäfer sitzt am Besprechungstisch in seinem Dienstzimmer. Er guckt eindringlich und sagt: "Die Situation war so gefährlich, dass die Beamten zum Selbstschutz von der Dienstwaffe hätten Gebrauch machen können." Und dann: "Stellen Sie sich das mal vor. Es hat wirklich nicht viel gefehlt. Schusswaffeneinsatz auf einem 'Kulturfestival' mit 40.000 Menschen. Wie fürchterlich wäre das gewesen? Das ist überhaupt nicht vorstellbar, aber es war ganz, ganz knapp davor."
    Im Buch schildert ein Polizeiobermeisters die Situation so: "Im Pulk von ca. 30-40 Beamten, umringt von Ordnern bewegten wir uns im Steinhagel in Richtung Ausgangstore. Der schreiende und tobende kurdische Mob drängte uns hinterher und warf alles auf uns, was ihnen in die Hände fiel. (…) Ich habe bei meinen bisherigen Einsätzen noch nie so eine gegen uns aufgebrachte, zu allem entschlossene, hasserfüllte, brutale Menschenmenge erlebt."
    Was Schäfer im Buch schreibt, schildert er auch im Gespräch: "Allein unsere Gegenwart wurde als massive Provokation verstanden. So gut wie alle Absprachen mit den Organisatoren hatten keine Gültigkeit. Das Maimarktgelände war kurzzeitig ein rechtsfreier Raum – wie ein Krisengebiet."


    Seite 2/2: "Ich habe zum ersten Mal geduckt hinter einem Streifenwagen Schutz gesucht"


    Was dieses Buch Die Gewaltfalle sehr besonders macht, ist die schonungslose Offenheit, mit der der Polizeidirektor schreibt. Man wundert sich, dass selbst eindeutige Kritik an Ausstattung und Taktiken der Polizei klar benannt wird. Die Polizeipräsidentin Caren Denner und Ministerialbeamte haben die Inhalte trotzdem freigegeben. Beispielsweise kritisiert Schäfer, dass die Polizei bei sozialen Netzwerken zu schlecht aufgestellt ist. Es beschreibt aber auch die Fassungslosigkeit eines erfahrenen Beamten, dem man nichts vormachen kann.
    Bevor es zum Angriff kam, startete vor allem über Facebook ein Shitstorm, der auch zeitgleich fortgesetzt wurde. Schäfer wurde als "rassistischer Einsatzleiter" beschimpft, Misshandlungen durch die Polizei behauptet. Während der Angriffe wurden Gerüchte über mehrere Tote gestreut – in der Menge brodelte es. Die Situation eskalierte.
    "Ich habe 33 Dienstjahre auf dem Buckel – aber ich habe zum ersten Mal geduckt hinter einem Streifenwagen Schutz gesucht und wusste für einen Moment tatsächlich nicht, wie man und konkret ich mit der Situation umgehen sollte. Meine Beamten erwarten Führung. Überall waren Frauen, Kinder, Alte, darunter hatten sich die Steinewerfer gemischt, die unter tausenden Festivalbesuchern Schutz erhielten. Da kann man nicht massiv vorgehen." Stattdessen musste die Polizei das Zeigen von verbotenen PKK-Fahnen und den Landfriedensbruch passiv hinnehmen.

    Ein fremder Konflikt

    Schäfer befahl den Rückzug auf Distanz. Um Druck aus der Situation zu nehmen. "Hier wurde auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland gegen deutsche Beamte ein internationaler Konflikt ausgetragen, mit dem wir nichts zu tun haben. Und in einer Art, auf die wir nicht vorbereitet sind", sagt Schäfer.
    Nach polizeilichen Erkenntnissen waren gut 100 der Angreifer "ausgesuchte PKK-Aktivisten mit Gewalterfahrung". Die hätten die anderen mitgerissen. "Und nachdem es vorbei war, sind die Täter im Gemenge der abziehenden Festivalbesucher entkommen."
    Polizeidirektor Dieter Schäfer hat mit Die Gewaltfalle ein Buch veröffentlicht, das bundesweit unter Polizeibeamten Anerkennung findet. Die Ächtung von Gewalt, insbesondere gegen Polizeibeamte, ist ihm das größte Anliegen. "Gewalt zu erfahren und rechtsstaatlich auszuüben gehört zu unserer Arbeit – aber diese Dimension sicher nicht."
    Schäfers Ansatz ist es, der berührt und nachdenklich macht. Nach dem Einsatz hatte er ein anonymes Forum aufgebaut, in dem sich die rund 800 eingesetzten Beamten austauschen konnten: "Auf Augenhöhe, der Dienstrang spielte keine Rolle. Man muss über solch traumatische Erfahrungen reden, bevor noch mehr Schaden eintritt."

    Kurden-Krawalle: "Ich habe zum ersten Mal geduckt hinter einem Streifenwagen Schutz gesucht" | ZEIT ONLINE




  10. #430
    Avatar von Harput

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    Ich habe so brutal gelacht, als ich mir das durchgelesen habe. Ich habe kein Mitleid, sorry. Schau dir mal die Kommentare an. Hätte das ein Türke geschrieben = Fascho.

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