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Sammelthread Kurdistan

Erstellt von radeon, 31.01.2005, 20:43 Uhr · 1.438 Antworten · 86.549 Aufrufe

  1. #61
    Avatar von lupo-de-mare

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    Kurdische Terror- und Drogen Clan morden Kurden

    Andersdenkende auf der Todesliste

    Die an den Rand gedrängte PKK geht auch gegen Ex-Kämpfer vor



    Am 6. Juli wurde in Diyarbakir, der kurdischen Metropole der Türkei, mit einem einzigen Schuss von hinten ins Genick der kurdische Politiker Hikmet Fidan getötet. Seitdem ist in kurdischen Kreisen vieles nicht mehr wie zuvor. Denn der Kurde Fidan wurde, davon ist seine Familie überzeugt, von der kurdischen Guerilla PKK ermordet, für die er selbst zehn Jahre seines Lebens im Gefängnis saß. "Die PKK hat meinen Vater getötet", zitierte die türkische Zeitung Milliyet Fidans 23 Jahre alten Sohn Zinnar. Freunde des Toten erzählten dem seriösen Blatt Vatan, dass dieser "am Tag zehn Drohungen bekam", weil er sich von der Linie der Radikalen freischwamm und friedliebenden Kurden als Hoffnungsträger galt.

    So offen haben Kurden kaum je darüber gesprochen, dass die PKK -- trotz der Verhaftung ihres Gründers Abdullah Öcalan 1999 -- weiter versucht, die politisch-kurdische Szene in der Türkei zu kontrollieren. Aber die Fidan-Freunde glauben auch, dass dies den Militanten immer weniger gelingt. Der Mord an Fidan, der auch eine Zeit lang Vizechef der legalen Kurden-Partei Dehap war, ist für sie eine Wegmarke. Fidans Ehefrau Siyam sagt, man habe ihren Mann auch zwingen wollen, der neuen Bewegung der prominenten Kurden-Politikerin Leyla Zana beizutreten "oder den Mund zu halten". Zanas Bewegung wurde bislang den Geruch nicht los, sie sei auf Befehl des auf der Insel Imrali im Marmarameer einsitzenden Öcalan gegründet worden. Zana kam zum Kondolieren zu Fidans Frau, aber die konnte "ihr nicht ins Gesicht sehen". Hasan Cemal, Kurden-Kenner der Milliyet, vermisst bis heute eine eindeutige Verurteilung des Mordes durch Zana. Er glaubt, die PKK habe eine "Todesliste Andersdenkender".

    "Wir erleben einen dramatischen Prozess", schreibt der Chefredakteur der liberalen Zeitung Radikal, Ismet Berkhan. Er glaubt, "die Demokratisierung" der Türkei "sei die Antwort auf alles". Die EU-Reformen hätten die Stimmung entspannt, damit werde die PKK mit der Zeit marginalisiert. Gerade dies störe die Radikalen. Kurdische Kämpfer haben jüngst ihre Aktivitäten im Südosten deutlich verstärkt. Anschläge in westlichen Touristenzentren, wie am vergangenen Wochenende in Kusadasi mit fünf Toten, werden ebenso militanten Kurden zugeschrieben.

    Der Druck auf die PKK aber wächst von innen und außen. In der Türkei geht die kurdische Szene auf Distanz, und in den PKK-Rückzugsgebieten in Iran und im Irak geraten die Kämpfer unter Druck. Beide Länder wollen künftig mit der Türkei bei der Verfolgung der PKK kooperieren. Der türkische Vize-Generalstabschef Ilker Basbug überraschte am Dienstag mit der Ankündigung, die USA hätten den Befehl zur Verhaftung von PKK-Führern im Irak erteilt. Die Türkei fordert schon lange, dass US-Truppen gegen PKK-Lager im Nordirak vorgehen. Der gesamte Plastiksprengstoff für Anschläge auf Züge im Südosten sowie den Minibus in Kusadasi soll aus dem Irak stammen. Basbug drohte, falls der Irak "nicht das Nötige tut", um die PKK zu stoppen, habe die Türkei ein "Recht auf Selbstverteidigung" und "grenzüberschreitende Verfolgung". Christiane Schlötzer

    (SZ vom 20.7.2005)

  2. #62
    Avatar von lupo-de-mare

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    Türkische Agenten sollen in Anschlag verwickelt sein

    Und wie in Madrid, London, WTC I, Philippien, ISI - 11.9.01 ist erneut direkt ein Geheimdienst in Anschläge verwickelt.


    12.11.2005
    vorheriger Artikel Seite 8 - Politik

    Türkische Agenten sollen in Anschlag verwickelt sein

    Beamte nach Attentat im kurdischen Südosten des Landes gefasst / Geheimdienst bestreitet Vorwürfe
    Von Kai Strittmatter



    Istanbul - Türkische Sicherheitskräfte sind angeblich in einen Bombenanschlag auf einen Buchladen im vorwiegend kurdisch besiedelten Südosten des Landes verwickelt. Das berichteten türkische Zeitungen am Donnerstag. Bei der Explosion in der Stadt Semdinli nahe der Grenze zum Irak und zu Iran kam am Mittwoch ein Mann ums Leben. Ein zweiter wurde getötet, als unmittelbar nach dem Anschlag aus einem fahrenden Auto heraus Schüsse auf die sich versammelnde Menschenmenge abgegeben wurden.

    Zunächst war der Anschlag den Terroristen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK zugeschrieben worden. Wie die türkische Presse berichtet, hat sich jedoch herausgestellt, dass unter den mutmaßlichen Attentätern offenbar Beamte des Geheimdienstes der Gendarmerie sind. Die aufgebrachte Menge hatte drei Verdächtige am Tatort gefasst und beinahe gelyncht. Der Geheimdienst bestreitet die Täterschaft. "Ein dunkler Fall", lautete die Schlagzeile des Massenblatts Hürriyet. "Schmutziges Spiel" titelte die Zeitung Sabah.

    Premier Tayyip Erdogan versprach Aufklärung. Sein Innenminister Abdülkadir Aksu erklärte am Donnerstag, er habe Inspektoren nach Semdinli entsandt. Der Besitzer des Buchladens erzählte Journalisten, wie er eine Handgranate in seinen Laden habe rollen sehen. Außerdem sei eine Person davongelaufen. Nach der Explosion und seinen Hilferufen sei der flüchtende Mann mit zwei Komplizen von Passanten gefasst und der Polizei übergeben worden. Die Polizisten stellten fest, dass es sich um Mitarbeiter des Geheimdienstes der Gendarmerie handelte - und ließen die drei Männer nach der Befragung wieder frei. Diese seien nur zufällig zum Zeitpunkt der Explosion vor Ort gewesen, verbreitet nun der Geheimdienst: Sie hätten den Buchladen überwachen sollen, dessen Besitzer ein ehemaliges Mitglied der PKK sei. Zum Zeitpunkt der Explosion seien sie "Zigaretten holen" gegangen. Nicht erklären konnte der Geheimdienst die Funde in dem Auto der drei Männer: Die Polizei stellte dort den Zeitungen zufolge drei Kalaschnikows, Material zum Bombenbau sowie eine Landkarte sicher, auf der der Ort des Anschlags eingezeichnet war. Auto und Nummernschild waren als Staatsbesitz registriert.

    Demonstranten in der betroffenen Provinz Hakkari fordern nun Aufklärung, auch über andere Anschläge in ihrer Provinz: In den vergangenen drei Monaten waren in Hakkari 14 Bomben explodiert, denen auch mehrere Polizisten und Soldaten zum Opfer fielen. Bislang wurden die Anschläge ausnahmslos der PKK zugeschrieben, die seit der Aufkündigung ihres einseitig ausgerufenen Waffenstillstands im vergangenen Jahr die Angriffe wieder verstärkt hat.

    Zumindest bei dem Bombenanschlag vom vergangenen Mittwoch halten es nun viele mit dem lokalen Abgeordneten der Oppositionspartei CHP, der am Donnerstag dem Sender NTV sagte: "Diese Explosion war das Werk der Sicherheitskräfte." Türkische Kolumnisten hatten in der Vergangenheit öfter spekuliert, dass es auch innerhalb der Sicherheitskräfte Gruppen gebe, denen an einer Fortdauer des Konfliktes mit der PKK gelegen sei.

    (SZ vom 12.11.2005)

  3. #63
    Avatar von lupo-de-mare

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    Jetzt wird die SAche immer spannender! Es erinnert an die kriminellen Aktivitäten inklusive des Drogen Handels der früheren Mutterland Partei unter Tanja Ciller und Mesut Yilmaz.

    14.11.2005

    Ausland
    Nick Brauns

    Konterguerilla auf frischer Tat ertappt

    Türkei: Staatliche Bombenleger in kurdischer Stadt enttarnt. Ankara schickt Sonderermittler in den Südosten

    Die Bevölkerungsproteste gegen Anschläge der türkischen Konterguerilla in der südostanatolischen Provinz Hakkari dauerten auch am Wochenende an. Indes entsandte die Regierung in Ankara zwei Sonderermittler in die entlegene kurdische Kleinstadt Semdinli. Diese sollen die Hintergründe des Bombenattentats auf eine Buchhandlung klären, bei dem in der Nacht zum Donnerstag ein Mensch getötet und 15 weitere verletzt wurden. Allerdings scheint die Sachlage schon jetzt eindeutig: Passanten war es gelungen, die fliehenden Attentäter zu stellen. Ihre Ausweise wiesen sie als Unteroffiziere des türkischen Militärgeheimdienstes JITEM aus. Der dritte war ein von ihnen angeleiteter Überläufer aus der PKK (Arbeiterpartei Kurdistan) namens Veysel Ates.

    Im Kofferraum des auf einen Jandarma-Mann zugelassenen Fluchtwagens fanden Einwohner von Semdinli neben Handgranaten, Kalaschnikows und Munition einen Plan mit Anschlagszielen sowie Todeslisten mit Namen von 105 Personen, die angeblich die PKK/ KONGRA-GEL unterstützen und als Milizen tätig sind. Der Name des beim Anschlag unverletzt gebliebenen Eigentümers des Buchladens »Umut« (Hoffnung), Seferi Yilmaz, stand rot markiert an erster Stelle. Als Angehöriger der PKK-Guerillaeinheit, die am 15. August 1984 den bewaffneten Kampf in den kurdischen Gebieten der Türkei einleitete, hatte er 15 Jahre im Gefängnis verbracht. Nurten Tarhan, eine Delegierte der neugegründeten »Bewegung für eine demokratische Gesellschaft«, deren Haus vor zwei Wochen bei einem Anschlag beschädigt wurde, fand sich ebenso auf der Liste wie Bürgermeisters Hursit Tekin sowie einige der kurdischen DEHAP-Partei nahestehende Stammesführer.

    Mit Schüssen auf die Menge versuchte ein Soldat am folgenden Tag, die Untersuchung des Fluchtwagens durch einen Staatsanwalt zu verhindern. Wieder wurde ein Passant getötet. Die Bevölkerung errichtete daraufhin Barrikaden und stürmte eine Polizeistation. In mehreren kurdischen Städten sowie vor dem türkischen Innenministerium in Ankara kam es in den vergangenen Tagen zu Protesten. In der Provinzhauptstadt Hakkari wurden einige Menschen verletzt, als die Polizei mit Tränengas und Schußwaffen gegen eine Protestdemonstration mit rund 3 000 Teilnehmern vorging. Zur Beerdigung der Getöteten strömten am Freitag rund 10 000 Menschen aus der ganzen Provinz in Semdinli zusammen.

    In den vergangenen Monaten wurden in der Provinz Hakkari fast 20 Anschläge verübt. Sie blieben allesamt unaufgeklärt. Nach Presseberichten sollen die Offiziere auch einen Autobombenanschlag vor einer Militäreinrichtung in Semdinli, bei dem am 1. November 23 Menschen verletzt wurden, verantwortlich sein. »In dieser Region wird alles, was passiert, der PKK zugeschrieben«, meint der Parlamentsabgeordnete Esat Canan von der kemalistischen CHP im Interview mit dem Sender BBC. Es sei allerdings »seit jeher bekannt«, daß »ein großer Teil der Vorfälle« nicht den aufständischen zuzuschreiben ist. Canan befürchtet nun eine Vertuschung der Ereignisse von Semdinli, da die zwei im Fluchtfahrzeug gestoppten Unteroffiziere inzwischen aus der Haft entlassen wurden. Am Freitag detonierte erneut eine Bombe unter dem Wagen eines Staatsanwalt in der Stadt Silopi – wohl zur Einschüchterung der Justiz. Verletzt wurde niemand.

    Derweil hat die Bevölkerung selbst die Aufklärung des Verbrechens in die Hand genommen. Kurdische Internetseiten veröffentlichten einige der bei den Attentätern gefundenen Dokumente. Guerilla-Kommandant Bahoz Erdal kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur ANF an, die kurdischen Volksverteidigungskräfte würden angesichts der »schmutzigen Angriffe« in Semdinli nicht schweigen. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, der Guerilla Informationen zu liefern.

    http://www.jungewelt.de/2005/11-14/007.php

  4. #64
    Avatar von lupo-de-mare

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    Bomben, Agenten und die Tiefen des Staates

    Die Verwicklung von Geheimdienstleuten in einen tödlichen Anschlag reißt in der Türkei den Kurdenkonflikt auf und bringt den Premier in Bedrängnis
    Von Kai Strittmatter



    Istanbul, 21. November - Er ist gekommen. Zwölf Tage hat er sich Zeit gelassen, Tage, in denen Bomben explodierten, Gewehre abgefeuert wurden, in denen Menschen starben. Kritik und Spott konnte er in den Zeitungen zuletzt über die Zögerlichkeit seiner Regierung lesen, jener Premier Tayyip Erdogan, der sich Kopftüchern und Auslandsinvestoren widmete, der in Dubai Hände schüttelte und in Dänemark Pressekonferenzen boykottierte, derweil in seinem eigenen Land Tausende auf die Straße gingen, sich ihre Wut und ihre Hilflosigkeit von der Seele brüllten. Jetzt aber steht er da, am Montagmorgen, an diesem trostlosen Flecken. Völlig überraschend ist er aufgetaucht, stellt sich der Menge, und gibt ein Versprechen: "Lasst euch von den Nebeln nicht täuschen", ruft er mit donnernder Stimme über den Platz: "Wir werden alles aufklären!"

    Sie applaudieren. Es ist ein großes Wort. Aber glauben sie es? Hat der Staat die Größe, sich selbst terroristischer Akte zu überführen? Vor allem: dieser türkische Staat?

    Semdinli. Das Wort wühlt die Nation auf, seit nun fast zwei Wochen. Der Name eines kleinen Städtchens ist es. Weiter weg von Istanbul geht nicht in der Türkei: 20 Kilometer sind es von hier zur irakischen Grenze, 30 Kilometer zur nächsten iranischen Stadt. Kurdenland.

    Die Nebel. Zogen auf am 9. November, da waren gerade die Rauchschwaden der letzten Explosion im Land verweht: Eine Handgranate war es diesmal, explodiert in einem Buchladen in Semdinli. Ein Mensch starb. Wie Reflexe kamen die ersten Meldungen: Das war das Werk von Terroristen der PKK, der Kurdischen Arbeiterpartei. Die PKK hatte erst vergangenes Jahr einen einseitig verkündeten Waffenstillstand aufgekündigt und ihre mörderischen Angriffe in der Türkei wieder aufgenommen. Seither wird fast jede Bombe der PKK zugeschrieben.

    Dann aber wurden die Dinge plötzlich auf den Kopf gestellt, und die Nation rieb sich die Augen: Aufgebrachte Passanten fassten den mutmaßlichen Täter und seine Komplizen, als die unmittelbar nach dem Anschlag flüchten wollten. Beinahe hätte die Menge sie gelyncht, übergab sie aber doch der Polizei. Und siehe da: Zwei wiesen sich aus als Geheimdienstagenten der Gendarmerie; der Dritte war ein Ex-PKK-Mann, der seit einiger Zeit für den Staat als Informant arbeitet. Als man, noch am Tatort, das Auto der drei fand, zeigten die Fernsehsender Bilder wie aus einem schlechten Spionage-Thriller: Im Kofferraum lagen Kalaschnikows, Material zum Bombenbau und eine Karte, auf welcher der Buchladen rot angekreuzt war. Das Auto gehört der Gendarmerie. Noch während der herbeigeeilte Staatsanwalt den Wagen untersuchte, kam ein zweites Auto angerast, aus dem heraus das Feuer auf die Menge eröffnet wurde: Ein Passant wurde tödlich getroffen.

    Seither "kocht der Südosten", wie die liberale Zeitung Radikal schreibt. Und es liegt Nebel über dem Land. Darin tappen sie nun herum, Politiker wie Journalisten, Türken wie Kurden, und versuchen die Wahrheit zu erhaschen. Wird sie je ans Licht kommen? Eine Menge Leute glaubt nicht daran. "Die Türkei ist das Land der Vertuschungen", schreibt der Kommentator Ilnur Cevik aus Ankara.

    Alles nur Schminke?


    Für den Premier Tayyip Erdogan ist es eine Prüfung, vielleicht eine der schwersten seit seinem Amtsantritt. Es ist ein Lackmustest, der zeigen wird, ob die Türkei wirklich auf dem Weg zu einem Rechtsstaat ist. Ob sie die Zeiten hinter sich gelassen hat, da Sicherheitskräfte im Südosten des Landes einen schmutzigen Krieg führten. Oder ob all die Reformen nur Schminke sind, die das Land in seinem Buhlen um die Europäische Union aufträgt. Es geht aber um noch mehr: um das Verhältnis von Kurden und Türken, das sich an einer kritischen Wegscheide befindet. Im Sommer noch hatten viele Erdogan für seinen Mut Beifall gezollt, als er sich in Diyarbakir vor einem kurdischen Publikum hinstellte und sagte, ja, die Türkei habe ein "Kurdenproblem", und man müsse es gemeinsam lösen. Bislang aber ließ Erdogan den Worten keine Taten folgen - und die Vorfälle von Semdinli drohen nun ausgerechnet den Kämpfern von der PKK in die Hände zu spielen, die sie auszuschlachten versuchen: Seht, kurdische Brüder und Schwestern, dieser Staat legt selbst Bomben, dieser Staat lügt, diesem Staat könnt Ihr nie vertrauen.

    Der Premier hat versprochen, dem Anschlag auf den Grund zu gehen. Ihm muss daran liegen. Schon haben die Proteste auf einen Vorort von Istanbul übergegriffen, wo Demonstranten am Sonntag einen gepanzerten Wagen der Polizei in Brand steckten. Vier Menschen sind inzwischen bei Protesten ums Leben gekommen. Selbst unter denen jedoch, die an Erdogans Willen glauben, gibt es viele, die zweifeln, ob er die Macht dazu hat. Weil es andere Mächte gibt im Land, Mächte, von denen eine Regierung hier besser die Finger lässt.

    Die Armee. Vielen Türken gilt sie, bislang zumindest, als eine der vertrauenswürdigsten Institutionen. Viermal schon haben die Generäle in der Geschichte der Republik geputscht, gegen Regierungen, die sie für unfähig hielten. Oder für zu islamisch, das war der Fall beim letzten, gewaltlosen Coup 1997. Die jetzige AKP-Regierung beruft sich auch auf islamische Wurzeln, man beäugt sich also ohnehin misstrauisch. Was das Militär mit Semdinli zu tun hat? Die Verdächtigen gehören der Gendarmerie an, und die Gendarmerie ist als Milizpolizei der Armee unterstellt. Das Publikum spitzte die Ohren, als der oberste Befehlshaber der Landstreitkräfte, General Yasar Büyükanit, sich zu Wort meldete: Er kenne einen der Festgenommenen, das sei ein "guter Soldat", zu nichts Bösem fähig.

    Zuerst behaupteten die Verdächtigen, sie seien zufällig zum Zeitpunkt der Explosion vor Ort gewesen. Sergeant Ali Kaya sagte, man habe vor dem Buchladen gehalten, um "zur Toilette zu gehen". Nein, man sei "Zigaretten holen" gegangen, erklärte der mutmaßliche Bombenleger Veysel Ates dann, bevor er es sich später anders überlegte: Sie hätten Lotteriescheine kaufen wollen. Mittlerweile streuen Militärkreise auch andere Versionen: Das Ganze sei ein teuflischer Trick der PKK, um die Armee anzuschwärzen. Oder: Gut möglich, dass die Agenten die Bombe gelegt haben - aber sie hätten den Kampf gegen die PKK eben in die eigenen Hände genommen. "Sie dachten, so könnten sie den Staat retten. Indem sie ihre eigenen Regeln machen", zitiert Hürriyet einen anonymen hohen Offizier. Vielleicht war es so. Vielleicht auch nicht. Kaum einer in der türkischen Presse jedenfalls kauft die These von den wildgewordenen Einzelgängern. Welche Probleme die türkische Armee auch habe, schrieb ein Kommentator: Jeder Türke wisse, dass Disziplinlosigkeit nicht dazu zähle.

    Eine dunkle Legende


    Es ist die Zeit für eines der liebsten Hobbys der Türken: Verschwörungstheorien spinnen. Viele raunen nun von "Susurluk", in Anspielung auf einen Skandal, der die Türkei 1996 erschütterte: In der Nähe der Stadt Susurluk verunglückte damals ein Wagen. In den Trümmern starben ein hoher Polizeioffizier, ein rechtsradikaler Gangster und seine Freundin. Der vierte Passagier, ein kurdischer Klanführer und Parlamentsabgeordneter, überlebte. Und schwieg. Bis heute. Versuche, die merkwürdige Fahrgemeinschaft von Staats- und Unterweltsfiguren aufzuklären, wurden im Ansatz erstickt. Als populäre Chiffre aber lebte Susurluk weiter - und gab jenem Mythos Nahrung, den sie in der Türkei den "tiefen Staat" nennen: Irgendwo in den Tiefen des Apparates, so die Legende, treffen sich Elemente des Militärs, der Bürokratie und der Justiz, um sich immer wieder gegen die gewählte Regierung und die Demokratie zu verschwören. Sie tun dies dann, wenn sie ihre ultranationalistische Agenda in Gefahr wähnen, aber auch, wenn sie lukrative Geschäfte bedroht sehen. "Hätten wir damals die Verantwortlichen für Susurluk bestraft - Semdinli wäre nie passiert", sagte der oppositionelle Abgeordnete Esat Canan von der Provinz Hakkari, zu der Semdinli gehört. "Es gibt zwei Staaten in der Türkei", meldete sich Ex-Präsident Süleyman Demirel im Sender NTV zu Wort: "Es gibt den Staat - und es gibt den tiefen Staat." Demirel war als Premier 1971 und 1980 selbst gleich zweimal Opfer eines Militärputsches geworden.

    Die EU fordert schon lange, die türkische Armee müsse sich der zivilen Regierung unterordnen. Erdogan hat entsprechende Reformen durchgesetzt. Teile des Militärs sind unglücklich mit der AKP-Regierung: Mit all der Rücksicht auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit seien ihnen die Hände gebunden im Kampf gegen den Terrorismus der PKK, sagen sie. Sind es solche Zirkel, die nun wieder außergerichtliche Morde planen? Sind es welche, die gar nicht wollen, dass der Terrorismus abstirbt? Weil sie sich ganz gut darin eingerichtet haben, mit Pfründen legaler und illegaler Art? Oder weil sie die Regierung untergraben und zurück zu autoritärer Herrschaft wollen? Fragen, die in der alten Türkei ohne Antwort geblieben wären. Und diesmal?

    Semdinli ist eine Chance. "Eine Chance für den Staat, seine Bande zu den Kurden zu stärken", sagt der kurdische Bürgermeister von Diyarbakir, Osman Baydemir. Wenn die Verantwortlichen bestraft werden. Eine Chance, Europa zu zeigen, dass die Türkei tatsächlich einen weiten Weg zurück gelegt hat seit Susurluk 1996. "Aus allem Schlechten kann etwas Gutes entstehen", schreibt der bekannte Kolumnist Mehmet Ali Birand. Sein Wunsch, fast flehentlich: "Bitte vertuscht es nicht wieder. Sonst sehen wir nie das Licht."

    (SZ vom 22.11.2005)

  5. #65
    Avatar von lupo-de-mare

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    25.11.2005

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    Nick Brauns

    Geheimdienstler als Bombenleger

    Sechsköpfiges Kommando des türkischen Militärgeheimdienstes enttarnt. Untersuchungsausschuß zu Anschlägen im kurdischen Südosten der Türkei gegründet

    Der Skandal um die Wiederbelebung der staatlichen Konterguerilla im Südosten der Türkei hält an. Am Donnerstag meldete die kurdische Nachrichtenagentur DozaMe, daß die türkische Polizei sechs Agenten des Militärgeheimdienstes JITEM festgenommen hat. Sie werden verdächtigt, zwischen dem 10. und 22. November in der Stadt Silopi Anschläge auf den Wagen eines Staatsanwalts, auf eine Polizeiwache sowie ein Bekleidungsgeschäft ausgeführt zu haben. Die Attentate, bei denen es keine Verletzten gab, waren zunächst vom Gouverneur und den Medien der PKK (Arbeiterpartei Kurdistan) zugeordnet worden.

    In den vergangenen zwei Wochen war es in den kurdischen Landesteilen der Türkei zu Massenprotesten gekommen, nachdem Agenten des JITEM bei einem Anschlag auf eine Buchhandlung in der Provinz Hakkari auf frischer Tat ertappt worden waren. Fünf Demonstranten waren dabei von der Polizei erschossen worden. Wie die kurdische Guerilla meldete, wurden bei einem Vergeltungsangriff in der Provinz Sirnak 15 türkische Soldaten und ein Guerillakämpfer getötet. Während die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vor der Bevölkerung weitgehend geheimgehalten wurden, hatte DozaMe im Internet eine im Auto der JITEM-Agenten gefundene Namensliste von kurdischen Kollaborateuren des Geheimdienstes veröffentlicht. Indes bestritt der Oberkommandierende der türkischen Armee, General Yasar Büyükanit, gegenüber der Tageszeitung Hürriyet, daß aus Ankara Befehle für Anschläge gekommen seien. »Ich kann diese Frage nicht beantworten, da wir wirklich nicht wissen, was passiert ist«, antwortete der General auf die Frage, ob ein untergeordneter Kommandeur derartige Anschläge befohlen haben könnte.

    Unterdessen beschloß die türkische Nationalversammlung die Einrichtung einer parlamentarischen Untersuchungskommission zur Aufklärung. Mit der Absetzung des Gouverneurs von Hakkari, Erdogan Gürbüz, erfüllte das Innenministerium zudem eine Forderung der Bevölkerung.

    http://www.jungewelt.de/2005/11-25/005.php

  6. #66
    Rehana

    Kurden feiern Neujahrsfest

    "Symbol des friedlichen Kampfes"
    Wie in den vergangenen Jahren verlief die Demonstration absolut friedlich
    Vergrößern
    Wie in den vergangenen Jahren verlief die Demonstration absolut friedlich (Bild: dpa)
    Mehr als 15.000 Kurden aus dem gesamten Bundesgebiet haben am Samstag in Frankfurt friedlich das kurdische Neujahrfest Newroz begangen. Sie demonstrierten wie jedes Jahr für eine baldige Lösung der "Kurdenfrage".

    Sendungslogo
    "Wir wollen ein Symbol des friedlichen Kampfes geben", sagte die Europaparlamentarierin Feleknas Uca (PDS) auf dem Rebstockgelände, wo am Mittag die zentrale Anschlusskundgebung stattfand. Uca forderte die Türkei auf, die demokratischen Grundrechte aller Menschen zu beachten. Die Kurden würden bereits seit Jahrzehnten ihrer Identität beraubt. Mit rund 20 Millionen Menschen seien die Kurden keine Minderheit, sondern ein Volk. Zuvor hatten sich die Teilnehmer in der Frankfurter Innenstadt versammelt und waren in zwei Zügen von der Alten Oper sowie der Bockenheimer Warte zum Rebstockgelände gezogen.

    Die Kurden nutzten die Veranstaltung einmal mehr, um auf ihre schwierige Situation in der Türkei hinzuweisen. Auf Transparenten und Fahnen forderten sie die Anerkennung ihrer Kultur und Sprache sowie die Freilassung des in der Türkei inhaftierten Anführers der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan. Zahlreiche Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Freiheit für Öcalan - Frieden in Kurdistan". Zudem wurden kurdische Fahnen geschwenkt.

  7. #67
    Avatar von Philippos

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    Tote bei Protesten der Kurden

    Die schwierige Lage der Kurden in der Türkei dauert weiter an.
    Gestern wurden bei Protesten der Kurden sieben Menschen getötet (darunter drei Kinder im Alter von 3 bis 9 Jahren). Die türkische Armee ging wieder mal wie üblich vor. (Die Balkanesen können froh sein, dass die Türken nicht mehr über ihre Länder herrschen).

    Hier der Bericht.

    http://archiv.tagesspiegel.de/archiv...06/2446141.asp

  8. #68
    Avatar von radeon

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    jetzt müsste nurnoch die situation eskalieren und BUUUUMMMMMSSSS turkei tot

  9. #69
    Avatar von Magnificient

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    Zitat Zitat von radeon
    jetzt müsste nurnoch die situation eskalieren und BUUUUMMMMMSSSS turkei tot
    Wow dein Demokratieverständnis, Menschenrechtsverständis lässt zu wünschen übrig! Die Türkei Tod ?? Wünscht du dir das etwa ? Aber cih sag dir eins!! Solche Leute wie dich wollen nur, dass sich die Türken und Kurden die Köpfe einschlagen, aber ihr werdet es nicht schaffen!

    Bevor Türkei kaputt geht...... kehre ich eher mit den vielen Nachfahren der Türkischen Makedonen zurück. Bin eigentlich so zufrieden, fahre jedes Jahr durch Greichenland in die Türkei. Unserer neue Heimat ist auch schön GRÜN, aber solltet ihr den Fehler in Zypern wiederholen...


    ...Radeon hier ein Bild von eurem Gottesmann Makarios der zypriotische Bin Ladin

    Makarios segnet eine Handgranate die die Türkischen Zivilisten zum Ziel habenn soll, damals waren die Türkischen Soldaten noch nicht auf der Insel.






  10. #70

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    Zitat Zitat von radeon
    jetzt müsste nurnoch die situation eskalieren und BUUUUMMMMMSSSS turkei tot
    Da du anti-albanischer Grieche bist, bin ich pro-türkisch.

    Die Türkei könnte jeden kurdischen Angriff zurückschlagen.

    Ausserdem habt ihr Griechen nichts zu lachen, in 24h könnte Athen schon brennen.

    4 Frontenkrieg gegen GR.

    Bulgarien, Mazedonien, Albanien und Türkei! 8)

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