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Spaniens Generation Weder-Noch

Erstellt von Dinarski-Vuk, 25.10.2010, 15:06 Uhr · 9 Antworten · 802 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Dinarski-Vuk

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    Spaniens Generation Weder-Noch

    Der Bericht ist zwar ein paar Monate alt, aber die Situation ist immernoch die gleiche, leider.

    Sie studieren nicht, und sie arbeiten auch nicht - mit diesem Klischee kämpfen Spaniens Jugendliche. 40 Prozent von ihnen haben keine Stelle, der Jobmarkt muss dringend reformiert werden. Ministerpräsident Zapatero gerät immer stärker unter Druck. Die jungen Menschen wenden sich ab.
    Mit rund 20 Prozent hat Spanien die zweithöchste Arbeitslosenquote der Europäischen Union. Doch am härtesten hat es die Jugendlichen getroffen. Von den unter 25-jährigen Spaniern haben 40 Prozent keinen Job - innerhalb von zwei Jahren hat sich die Quote verdoppelt. Eine Generation, die K.o. geschlagen wurde, sagen einige. Mutlos und lustlos, sagen andere.
    Eine faule Jugend, die sich bei den Eltern ausruht und sich von ihnen aushalten lässt, das ist das Bild, das durch Spanien schwirrt.
    Der ganze Artikel ist hier zu finden:

    Zapateros Spardiktat: Spaniens Generation Weder-Noch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

  2. #2
    Avatar von Dinarski-Vuk

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    Es ist ein kompliziertes, bzw. trauriges Thema, konnte mir in 2 Jahren Spanien Leben selbst ein Bild davon machen.

    Was ich mich immer wieder frage, was nützt eine Arbeitsrechtsreform, wenn es gar keine Arbeit(splätze) gibt, und das nicht erst seit "gestern"?

    Damit wir uns alle verstehen, in den vergangenen 30 Jahren haben alle spanischen Regierungen es versäumt, in Spanien eine solide, vernünftige Industrie aufzubauen, wirklich ALLE.

    So setzte man einseitig auf die Bauwirtschaft und den Tourismus und verabsäumte es, andere Industriebereiche zu fördern, was eben sehr wichtig wäre. Wichtig war nur der pelotazo (d.h. schnell und halblegal reich werden, möglichst ohne zu arbeiten, kommt mir zum Teil bekannt vor, Stichwort Balkan).
    Die spanischen Politiker und Wirtschaftsbosse machten es vor, die Bürger wollten nachziehen ... eine endlose Geschichte.

    Welche Arbeitsmöglichkeiten bieten sich den jungen und nicht mehr so jungen Spaniern und Spanienrinnen denn z.B. an der Costa Blanca?
    Kellner in einem Restaurant oder Kassierer in einem Supermarkt, das war's so ziemlich (Verwandter von mir ist dort Kellner).

    Es gibt mehr als genug Anwälte, Ärzte, Handwerker, Verkäufer, etc. und andere Industrie gibt es nicht, nada.
    Da jeder (glaubt) Kellner, Koch, Maurer,etc. ohne jede Ausbildung sein zu können, fehlt es in jeder Hinsicht auch an Professionalität und Qualität, wer dort war weiss wovon ich rede.

    In anderen Küstenregionen sieht es kaum besser aus, vom Inland, das verödet ganz zu schweigen (war 2 Monate an der Küste).

    Es nützt nichts, dass sich die spanische Wirtschaft den Anstrich zu geben versucht, durch "Billiglöhne" ein "interessanter" Industriestandort zu sein, wenn die Effektivität und die Qualität der spanischen Arbeitskräfte anerkannt schlecht sind?
    Auch hier hat der Staat es versäumt, von Anfang an solide Reformen im Schul- und Ausbildungswesen zu praktizieren.

    Die Landwirtschaft wurde von allen spanischen Regierungen sträflich vernachlässigt, heute sieht man wo man ist. Also bietet auch sie keine Alternative mehr. Als Bauer kann man - auch systembedingt - wegen der vielen sog. intermediarios (heisst zwischenhändler) nicht mehr leben.

    Die Fischerei, einst ein wichtiger Arbeitgeber in Spanien, liegt am Boden, war schon zu meiner Zeit geschockt, konnte es nicht glauben. Traditionelle Fischereibetriebe (Konserven,etc.) z.B.in Andalusien oder Galicien angesiedelt, in strukturschwachen Zonen die einzige Industrie, werden oder sind bereits geschlossen, traurige Sache.

    Spanien bezeichnet sich als "achtgrösste Wirtschaftmacht" der Welt und brüstet sich der protzigen Infrastrukturmassnahmen wie AVE, Autobahnen, Kulturbauten, Autorennstrecken, etc.
    Doch schaut man genau hin, so sieht man dass das "nur" Tünche ist. Wie vor 50 Jahren waren z.B. elektrische Leitungen nach wie vor oberirdisch verlegt, auch in Neubaugebieten, die Qualität der Häuser ist miserable, so als ob die Welt noch nie etwas von Isolierung, Lärm- und Schallschutz, etc, gehört hätte. Das geben sogar spanische Bauunternehmer achselzuckend zu (sogar unser presidente senor Perez)

    Man kommt demnächst zwar mit dem AVE in 2 Stunden von Alicante nach Madrid, doch es gibt keine direkte Zugverbindung von Alicante nach Valencia, also auch nicht nach Barcelona, es ist vorläufig auch keine geplant.

    Das Wasserleitungssystem ist so marod und veraltet, dass 30% oder mehr des kostbaren Nass’ in der Erde versickern. Es gibt keiner vernünftige (Berufs)Feuerwehr in vielen Regionen Spaniens, man glaubt es erst wenn man dort war oder gelebt hat.

    Die Liste der Mängel in der Infrastruktur ist endlos ... was auch der Grund war, dass ich nicht dort mein "Brot" verdiene.

    Also nochmal: Wozu eine Arbeitsrechtsrefom, wenn es gar keine Arbeit gibt und auch nach der Reform keine geben wird?

  3. #3
    Avatar von Dinarski-Vuk

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    Fazit:

    Erst eine Generation von politisch Verantwortlichen (träumerisch), die in der Lage sind, sich vom alten politischen Blockwesen zu trennen und auf Sachebene Politik zu betreiben kann einen Totalabsturz in die Bedeutungslosigkeit Spaniens verhindern, trifft aber wohl auch auf andere Länder zu.

    Es kann nicht sein, dass es Länder wie Ruanda oder Simbabwe gibt, die in Teilen Spanien technologisch überlegen sind.

  4. #4
    bolan
    spanien ist wirtschaftlich gesehn eh shcon dem untergang geweiht... was folgt ist ein ausverkauf, wenn dieser nicht shcon von statten gegangen ist...

  5. #5
    Avatar von Dinarski-Vuk

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    Zitat Zitat von bolan Beitrag anzeigen
    spanien ist wirtschaftlich gesehn eh shcon dem untergang geweiht... was folgt ist ein ausverkauf, wenn dieser nicht shcon von statten gegangen ist...
    Bolan, die Krise in Spanien ist mittlerweile auch eine Folge der Kapitulationserklärung der wirtschaftlichen Intelligenz vor der politischen Dummheit im Lande.

    Das ist eben noch nicht "alles", ein anderes Beispiel, Häusern in Küstennähe droht der Abriss (wurde auch bei vielen durchzogen), viele Ausländer, die sich günstig Ferienwohnungen bsp. in Andalusien gekauft haben, erfahren nun auf schmerzhafte Weise, dass ihr Eigentum nicht rechtens ist, Korruption und Destruktion herrscht dort an Tagesordnung.

  6. #6
    bolan
    Zitat Zitat von Dinarski-Vuk Beitrag anzeigen
    Bolan, die Krise in Spanien ist mittlerweile auch eine Folge der Kapitulationserklärung der wirtschaftlichen Intelligenz vor der politischen Dummheit im Lande.

    Das ist eben noch nicht "alles", ein anderes Beispiel, Häusern in Küstennähe droht der Abriss (wurde auch bei vielen durchzogen), viele Ausländer, die sich günstig Ferienwohnungen bsp. in Andalusien gekauft haben, erfahren nun auf schmerzhafte Weise, dass ihr Eigentum nicht rechtens ist, Korruption und Destruktion herrscht dort an Tagesordnung.
    na ja man kanns ja einfach mit den ex-yu staaten vergleichen... wobei einzig die glorreiche geschichte spanien "am leben erhält"...
    vetternwirtschaft ist ja auch da an der tagesordnung... das wirtschaften in die eigene tasche usw...
    wobei ich muss sagen bin nicht sooo sehr mit dem thema vertraut ^^

  7. #7
    Avatar von Dinarski-Vuk

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    Zitat Zitat von bolan Beitrag anzeigen
    na ja man kanns ja einfach mit den ex-yu staaten vergleichen... wobei einzig die glorreiche geschichte spanien "am leben erhält"...
    vetternwirtschaft ist ja auch da an der tagesordnung... das wirtschaften in die eigene tasche usw...
    wobei ich muss sagen bin nicht sooo sehr mit dem thema vertraut ^^
    Auch ein interrasantes Thema WIESO die Spanier keine Weltmacht mehr sind, aber auch dass kann man in 2 Gruppen einteilen, die sich untereinander bedingen: gesellschaftlich-wirtschaftliche Gründe und militärisch-politische Gründe:

    Auf der einen Seite hatten die Spanier zwar Einnahmen aus den Gold-und Silberminen Zentral- und Südamerikas (und zwar reichlich), aber ihre Ausgaben waren höher als ihre Einnahmen (allein die Flotten die zum Schutz der Handelswege bereitstehen mussten, verschlangen schon den grössten Teil des Wertes der von Amerika nach Spanien transportiert wurde).

    Zeitgleich drückte vor allem das Silber, das auf den europäischen Markt geschwemmt wurde, den Wert des Silbers (es war auch nicht gerade förderlich, dass das Münzfälscherhandwerk blühte) es kam also zur Inflation.

    Mit der Wirtschaft konnten sie (oder haben sie unterschätzt) nie gut umgehen, sie hätten sich die Babyloner als Vorbild nehmen sollen, hehe.

    Tja ... heute assoziert niemand mehr, dass Spanien DAS mal eine Weltmacht war, das Spanien des El Cids, Jakobsweg etc., sonder nur noch mit Ibiza's, Mallorca's , Jürgen Drews

    Aber gut dass sie eine Weltmacht in beinahe allen Sportarten sind, wenn man schon die Wirtschaft der Spanier nicht beneidet, dann umso mehr im SPORT !

  8. #8
    bolan
    Zitat Zitat von Dinarski-Vuk Beitrag anzeigen
    Auch ein interrasantes Thema WIESO die Spanier keine Weltmacht mehr sind, aber auch dass kann man in 2 Gruppen einteilen, die sich untereinander bedingen: gesellschaftlich-wirtschaftliche Gründe und militärisch-politische Gründe:

    Auf der einen Seite hatten die Spanier zwar Einnahmen aus den Gold-und Silberminen Zentral- und Südamerikas (und zwar reichlich), aber ihre Ausgaben waren höher als ihre Einnahmen (allein die Flotten die zum Schutz der Handelswege bereitstehen mussten, verschlangen schon den grössten Teil des Wertes der von Amerika nach Spanien transportiert wurde).

    Zeitgleich drückte vor allem das Silber, das auf den europäischen Markt geschwemmt wurde, den Wert des Silbers (es war auch nicht gerade förderlich, dass das Münzfälscherhandwerk blühte) es kam also zur Inflation.

    Mit der Wirtschaft konnten sie (oder haben sie unterschätzt) nie gut umgehen, sie hätten sich die Babyloner als Vorbild nehmen sollen, hehe.

    Tja ... heute assoziert niemand mehr, dass Spanien DAS mal eine Weltmacht war, das Spanien des El Cids, Jakobsweg etc., sonder nur noch mit Ibiza's, Mallorca's , Jürgen Drews

    Aber gut dass sie eine Weltmacht in beinahe allen Sportarten sind, wenn man schon die Wirtschaft der Spanier nicht beneidet, dann umso mehr im SPORT !
    na ja was bringt es ihnen eine weltmacht im sport zu sein, wenn das land verkommt... traurig was da mit spanien passiert... mochte das land und die leute schon immer...

    war vor par wochen unten... genauer gesagt in barcelona... aber schon da merkt man das vieles einfach nur noch fassade ist...

  9. #9
    Avatar von Paokaras

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    Die Griechen sind schuld an der EU krise

  10. #10
    Avatar von Dinarski-Vuk

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    Zitat Zitat von bolan Beitrag anzeigen
    na ja was bringt es ihnen eine weltmacht im sport zu sein, wenn das land verkommt... traurig was da mit spanien passiert... mochte das land und die leute schon immer...

    war vor par wochen unten... genauer gesagt in barcelona... aber schon da merkt man das vieles einfach nur noch fassade ist...
    Ist in Spanien leider so, aber mag das Land und die Menschen auch sehr, dass in Spanien Gesetze nur auf dem Papier existieren, in der Praxis aber permament missachtet werden, ganz speziell wenn es sich bsp. um die lukrative Bauwirtschaft geht, dass ist eben die Realität auf der iberischen Halbinsel.
    Letztens gab es da auch so eine "geniale" Idee der spanischen Regierung, um diee Schuldenkrise zu bewältigen, sollen die Steuersünder Staatsanleihen kaufen, bzw. zu niedrigen Zinsen, im Gegenzug würden die "Betrüger" straffrei davonkommen ... Hoolywood-Pur.

    Barcelona sagst du, schon eine schöne Stadt oder (nur der Klub gefällt mir nicht:icon_smile ?

    Aber dort sollte man Klubs wie "Cafe Zurich" der "Hard Rock Cafe" meiden, spiegelt absolut nichts wieder was spanischer/katalanischer Kultur zu tun hat und ist nicht empfehlenswert, vorallem wenn man andere Kulturen kennen lernen möchte. Warst du evtl. im "Can Culleretes", ist wohl das älteste Restaurant Barcelonas, dass Essen wie im Himmel, man konnte nie genug davon haben. Ansonsten gibt es dort unendlich viel zu sehen und erleben und wie du schon sagtest, auch die andere Seite der Medaille.

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