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Wohin steuert die Ukraine?

Erstellt von frank3, 02.12.2013, 21:46 Uhr · 9.045 Antworten · 471.051 Aufrufe

  1. #3811

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    Boss, alle wo die USA mitgemischt haben ne?

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    Boss, das sind doch Kadyrows Männer, also Söldner und keine Kämpfer, die Russland als Besatzer ansehen und Tschetschenien unabhängig sehen wollen.

  2. #3812
    Avatar von DerBossHier

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    Zitat Zitat von hrhrhrvat Beitrag anzeigen
    Boss, alle wo die USA mitgemischt haben ne?
    mitgemischt ist die Untertreibung des Jahrhunderts aber nicht nur die Amis. In Syrien sind die Russen ja auch aktiv und in Afghanistan waren sie es mal. Wobei sie indirekt den Westen in diesem Krieg unterstützt haben.

    Und jetzt mal ehrlich brate. Wenn die Politiker Russlands geisteskrank sind (mag ja wirklich sein ) was sind dann McCain, John Kerry, Sarah Palin und Bombama?

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    Zitat Zitat von hrhrhrvat Beitrag anzeigen
    Boss, alle wo die USA mitgemischt haben ne?

    - - - Aktualisiert - - -

    Boss, das sind doch Kadyrows Männer, also Söldner und keine Kämpfer, die Russland als Besatzer ansehen und Tschetschenien unabhängig sehen wollen.
    Ich weiß ja nicht ob das stimmt aber es sollen 20.000 Tschetschenen für den Kampf bereit sein. Wenn das stimmt gute Nacht Ukraine !

  3. #3813

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    Boss, haste mich jemals hier USA verteidigen sehen. Die USA sind mit unter das kaputteste Land und Volk, das es gibt, aber diese USA Phobie hier ist ja nicht zum Aushalten.

  4. #3814
    Avatar von Arbeiter

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    Zitat Zitat von DerBossHier Beitrag anzeigen

    Und jetzt mal ehrlich brate. Wenn die Politiker Russlands geisteskrank sind (mag ja wirklich sein ) was sind dann McCain, John Kerry, Sarah Palin und Bombama?
    Das Böse in Person...


  5. #3815
    Avatar von DerBossHier

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    Zitat Zitat von hrhrhrvat Beitrag anzeigen
    Boss, haste mich jemals hier USA verteidigen sehen. Die USA sind mit unter das kaputteste Land und Volk, das es gibt, aber diese USA Phobie hier ist ja nicht zum Aushalten.
    USA Phobie? Nein ? USA Außenpolitikphobie? JAAAA Du unter anderem gibst die Schuld nur Russland aber das ist falsch brate. Es genügt wenn du dir nur zwei Videos anschauen würdest ohne sofort abzublocken.Russland und Putin sind mitschuldig an dieser Situation aber warum gibt die USA 5 Mrd. $ für ein Regime Change aus in der Ukraine? Warum wird Biddens Sohn zum Chef im größten Ukrainischen Gaskonzern. Es gibt weitere Beispiele..

    Es geht mal wieder um Öl, Gas, Geld und um den Feind zu schwächen. Es ging nie um Demokratie oder Frieden. Lese dir bitte diesen Artikel durch.

    Schmutzige Deals: Worum es im Syrien-Krieg wirklich geht



    Syrien ist der Spielball in einem knallharten wirtschaftlichen Konflikt um den globalen Energie-Markt. Es geht um den Zugriff auf Erdöl und Erdgas und um die Währung, in der diese Ressourcen bezahlt werden. Die Amerikaner haben viel zu verlieren, die Russen auch. Der Strippenzieher im Hintergrund kommt aus Saudi-Arabien
    Schmutzige Deals: Worum es im Syrien-Krieg wirklich geht | DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN
    Am ende haben sowieso die Zivilisten die Arschkarte wie überall.

    Als ob Poroschenko eine Veränderung mitbringen wird. Er gehörte doch selber zum Janukowitch System. Das ist wie damals bei uns in der Ex-Yu. Die größten Kommunisten sind heute die größten Demokraten und Kapitalisten geworden und die würden sich wieder verkaufen nur um an der Macht zu bleiben. Maidaner und eine Brigaden lehnen doch jetzt schon Poroschenko ab. Julia die Gasprinzessin droht mit einer neuen Revolution.

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    Zitat Zitat von hrhrhrvat Beitrag anzeigen
    Boss, haste mich jemals hier USA verteidigen sehen. Die USA sind mit unter das kaputteste Land und Volk, das es gibt, aber diese USA Phobie hier ist ja nicht zum Aushalten.

  6. #3816
    Avatar von Baba Jula

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    Zitat Zitat von Lilith Beitrag anzeigen
    Sie sollten wirklich so eine Art Sicherheitskorridor für Menschen einrichten, die raus aus der Kampfzone wollen und mit Waffen und Krieg nichts zu tun haben. Und dann sollen sich unsere testosterongeschwängerten Superhelden auf beiden Seiten doch die Köppe einkloppen. Vielleicht machts im Hirn mal irgendwann Klick.

    Ansonsten. Ich nehme an, dass der ganze Dreck und so etwas wie die Wahrheit, sei es auf Maidan, sei es jetzt im Donbass sowieso dann hervor kommt, wenn das alles vorbei ist. Und vielleicht und hoffentlich werden sich dann Richter finden für all jene, die Morde, Kriegsverbrechen etc. zu verantworten haben. Allseits. Und ich glaube kaum, dass das alles die ukrainische Gesellschaft zusammen bringt. Ich denke, Odessa war schon so etwas wie ein point of no return.
    Mit allem Respekt, aber ich verstehe nicht, nach den Ereignissen von Heute, was
    man mit einer solchen Gleichermacherei bezwecken möchte. bin nicht sicher ob das
    der Weg zur "Wahrheit" ist...
    Wie in so vielen Konflikten gibt es kein eindeutiges schwarz und weiss, aber genauso
    wenig passt hier alle sind gleichermassen verantwortlich und schuldig.
    Aber für diese Gewalteskalation in der Ukraine trägt Kiew die alleinige Verantwortung.
    Alleine diesen militärische Exzess als Anti-Terror-kampf zu bezeichnenist an
    Schwachsinn kaum zu überbieten.

    Ob sich Gerichte und Richter finden werden ? bin mir nicht sicher, wenn man sich
    die internationale Lage so anschaut. Anklagepunkte wären genügend vorhanden.
    Nur heute als Beispiel - wir haben einen Piloten und einen Offizier der den Befehl
    gab Kassetenbomben abzuwerfen. Nicht etwa um eine militärische Einheit oder
    Objekt auszuschalten, sondern es wurden bewusst Kassetenbomben verwendet
    um wahllos Menschen in einer
    Innenstadt zu töten. Da liegen nun diese drei ermordeten Frauen (Foto) vor dem
    Gebäude...und redet irgendjemand von einen internationalen Strafgerichtshof ?
    also vom besten Redenhalter der Welt und Friedensnobelpreisträger Obama
    habe ich dazu nix gehört....
    vermutlich sind die Frauen so eine Art Leichen II Klasse.

    Sicherheitskorridore, das klingt gut, aber Kampfzonen sind nicht eingegrenzt,
    bzw. es gibt keine klareFront. Das liegt an der Kriegführung der Kiewer Soldteska.
    Alles irgendwie wahllos. Da wird ein Flughafen angeriffen, dort eine
    Strassensperre beschossen, dann in ein Wohgebiet geballert...und alles an
    verschieden Ortschaften.

    wenn man an einem Ende der Gewalt interessiert ist, dann sollte diese
    hirnlose "Anti-Terror-kampf" gestoppt werden....und den zu stoppen
    schafft man Gleichmacherei siche nicht ^^

    Pozdrav
    Baba

  7. #3817
    Avatar von Hundz Gemajni

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    Was habe ich Tag davor gesagt,
    "Gut das Bild-Zeitung und Claus Kleber uns immer so gut aufklären...."

  8. #3818

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    Zitat Zitat von Hamburg1711 Beitrag anzeigen
    Da wird ein souveränes Land destabilisert und Teile davon annektiert und die Welt schaut zu.
    Nee die Welt macht mit und verfolgt ihre eigenen Interessen.

    - - - Aktualisiert - - -

    Zitat Zitat von DerBossHier Beitrag anzeigen
    Welche Länder sind für dich noch lächerlich? Syrien,Libyen, Irak, Vietnam und Afghanistan?

    @Lilith, Damien

    Warum kämpfen Tschetschenen für die Separatisten. Der Reche Sektor hat doch die Tschetschenen damals im Krieg unterstützt.
    Vermutlich gibt es solche und solche Tschetschenen. Und dann gibt's wahrscheinlich Männer, denen langweilig ist, wenn es keine Arbeit und keine "Action" gibt. Das sind die, die sich dann mal zusammen mit dem Rechten Sektor die Köpfe einschlagen sollen.

  9. #3819

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    ohne worte



    Hab nicht alle "Qualitätsmedien" gecheckt, aber z.B. "Zeit Online" schweigt es konsequent tot.

  10. #3820
    Avatar von Arbeiter

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    Ukraine: Eine Allianz gegen die Bevölkerung

    Stefan Korinth 03.06.2014

    IWF und Oligarchen und das investitionsfreundliche Klima

    Nicht nur gegen Janukowitsch persönlich sind viele Menschen auf den Maidan gegangen. Sie protestierten dort auch gegen die Oligarchenmacht im Allgemeinen und für bessere Lebensbedingungen. Die Freude deutscher Medien über Petro Poroschenkos Wahlsieg[1] ist vor diesem Hintergrund völlig unverständlich. Der in der ukrainischen Politik seit langem etablierte Milliardär stellt das glatte Gegenteil der Maidan-Forderungen dar. Doch es kommt noch schlimmer: Läuft alles wie bisher, werden sich die einheimischen Industriebarone und die kommenden IWF-"Reformen" noch als äußerst ungesunde Kombination für die Bevölkerung erweisen.

    Alexander Janukowitschs Vermögen wurde Ende Februar 2014 auf gut eine halbe Milliarde US-Dollar geschätzt. Damit konnte der gelernte Zahnarzt innerhalb weniger Jahre wie aus dem Nichts einen beträchtlichen Wohlstand aufbauen.[2] Kein Wunder - sein Vater Viktor war genau zu der Zeit erster Mann im Staat.

    Eine typische Geschichte in der Ukraine. Wer politische Macht hat, nutzt sie in der Regel aus, um sich, seine Familie und seinen Clan in ungeahnten Dimensionen zu bereichern. Öffentliche Ressourcen werden in Private überführt, staatliche Machtmittel eingesetzt, um private Gegner zu behindern oder ganz aus dem Weg zu räumen.

    Seilschaften mit Tradition


    Bei Leonid Kutschma, der das Land von 1994 bis 2005 als Präsident führte, war das schon so. Der Pipeline-Geschäftsmann Viktor Pintschuk konnte nach der Hochzeit mit Kutschmas Tochter Olena ein Milliardenvermögen anhäufen. Auch Julia Timoschenko aus dem Dunstkreis von Kutschmas Ministerpräsidenten Lazarenko[3] wurde in dieser Zeit zur milliardenschweren "Gasprinzessin". Im Gegensatz dazu wurden Kritiker Kutschmas wie etwa der Gründer der Internetzeitung "Ukrainskaja Prawda", Georgi Gongadse, ermordet.[4]

    Petro Poroshenko; Foto: Kathrin Möbius; Lizenz: CC BY 4.0

    Ein ähnliches Bild unter dem folgenden Präsidenten Viktor Juschtschenko: Der mit ihm vertraute Großindustrielle Petro Poroschenko verfünffachte sein Vermögen seit 2005.[5] Probleme bekam hingegen Juschtschenkos Feind, der Magnat Rinat Achmetow. Waren die Steuerbehörden doch kurz nach Juschtschenkos Amtsantritt plötzlich Dauergäste in Achmetows Firmen. Schließlich war der steinreiche Donezker "Businessman" Finanzier von Juschtschenkos Hauptkonkurrent um den Präsidentenposten. Achmetow floh zeitweise ins Ausland.

    Unter dem Anti-Maidan-Präsidenten Viktor Janukowitsch konnte sich dann ein anderer Oligarch finanziell verbessern. Sergeij Tigipko, früherer Vorstandsvorsitzender des größten ukrainischen Geldhauses, der "PrivatBank", war bereits unter Kutschma Wirtschaftsminister und Nationalbankdirektor. Während Janukowitschs gesamter Regierungszeit bekleidete er dann den Posten des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Der Internetzeitung "Ukraine-Nachrichten" zufolge hat ihm seine Regierungsbeteiligung "finanziell nicht geschadet". Tigipko ist heute Milliardär.[6]

    Selbstverständlich bekämpfte auch Janukowitsch seine persönlichen und geschäftlichen Feinde mit staatlichen Mitteln. Dazu gehörten neben Julia Timoschenko auch ihr Parteifreund und Finanzier der Bergbau-Oligarch Konstantin Shewago.[7]Trotz aller interner Verteilungskämpfe - ein Verlierer stand immer fest: Die ukrainische Bevölkerung. Die Top-Politiker und Wirtschaftsbosse des Landes bilden seit jeher eine Allianz gegen ihr Volk.

    Die Wahl der Milliardäre


    Timoschenko, Poroschenko, Tigipko - sie alle traten kürzlich zur Wahl des neuen ukrainischen Präsidenten an.[8] Sie alle sind steinreich und seit langem in der ukrainischen Politik aktiv. Sie sind die Regel. Denn Wirtschaftsbosse sind in der Ukraine häufig selbst Politiker.[9] Hauptberufliche Staatsmänner wiederum betreiben ein privates Business ungeniert nebenbei. In der Ukraine bedingen sich wirtschaftliche und politische Macht in so extremer Weise, dass sie kaum noch auseinanderzuhalten sind. Aus reinem Eigennutz beherrschen einige wenige Menschen dort Konzerne, Industrien, Ministerien, Parlamente und die gesamte Bevölkerung. Das ist die Definition von Oligarchie.

    Parlamentarische Arbeit in Kiew: Fast alle Fraktionen der Rada sind mit Großindustriellen durchsetzt. Weil diese sich im Parlament nur selten sehen lassen, stimmen die anwesenden Kollegen für sie gleich mit ab. Das ist natürlich verboten. Doch auch der neue Premierminister Jazenjuk (Bild rechts) bedient sich der beidhändigen Methode. Foto: Ausschnitt

    Zehntausende Ukrainer waren im Winter in die Kiewer Innenstadt gekommen, damit all das aufhört. Janukowitsch war das Symbol für diese Zustände und sollte weg, alle anderen Oligarchen am besten gleich mit ihm. Mit weniger Korruption, mehr Rechtsstaat und Regeln, die für alle gelten, wird es auch mehr Wohlstand und bessere Perspektiven für die Jugend geben, so die Idee. In den idealistischen Augen vieler junger Ukrainer sollte gerade die Europäische Union Garant und Ziel dieses Weges gleichzeitig sein.

    Elitentausch statt Revolution


    Doch ziemlich schnell gelang es den Oppositionsparteien den Maidan zu kapern und für ihre machtpolitischen Interessen zu benutzen.[10] Und nun ein halbes Jahr später erwarten die Ukrainer weniger Wohlstand und dasselbe oligarchische System wie zuvor.[11] Die auch von deutschen Medien so bezeichnete "Revolution" ist nichts weiter als ein ordinärer Elitentausch auf politischen Posten.[12]

    Revolution ist der völlige Umsturz der bestehenden Ordnung. Laut Duden Fremdwörterbuch ist sie die "Aufhebung bzw. Umwälzung der bisher als gültig anerkannten Gesetze oder der bisher geübten Praxis". Doch das etablierte System der Oligarchie wird von den neuen Machthabern nicht angetastet. Kein Wunder, sind sie doch selbst Teil davon.[13]

    Für die Wohlstandshoffnungen der Bevölkerung ist das keine gute Nachricht. Die meisten Ukrainer sind so arm, weil ihre Eliten so unermesslich reich sind. Seit der Unabhängigkeit des Staates sind skrupellose "Businessmen"[14] damit befasst, Reichtum und Ressourcen der Ukraine in ihren Händen zu konzentrieren. Diese "bisher geübte Praxis" zu beenden, ist Grundvoraussetzung dafür, dass auch Durchschnitts-Ukrainer zukünftig ein Leben ohne substanzielle Nöte und permanente Existenzängste führen können.

    Besteuerung statt Schmiergeld

    Dazu müssen die finanziellen Seilschaften zwischen Politik, Justiz, Polizei und Wirtschaft gekappt werden. Oligarchische Mafia-Aktionen wie Schmiergeldzahlungen, Erpressungen und Auftragsmorde müssen konsequent verfolgt und geahndet werden. Öffentliche Güter dürfen nicht mehr in privaten Händen landen. Für all das muss jedoch auch ein grundsätzlicher mentaler Wandel aller ukrainischen Eliten her. Dieser Wandel ist weder realistisch noch wäre er schnell umsetzbar.

    Ein wichtiger Schritt, den Staatshaushalt wieder ins Lot zu bringen, wäre nun, die Oligarchen spürbar[15] und vor allem prinzipiell[16] bei ihren Privatvermögen und Konzernen[17] zu besteuern.[18] Kriminell reich gewordene Geschäftsleute würden so zumindest teilweise an der Finanzierung gesellschaftlicher Aufgaben beteiligt. Zudem müssten Steuerhinterziehung und Steuerflucht rechtsstaatlich verfolgt werden. In nachgewiesenen Erpressungs-, Unterschlagungs,- und Korruptionsfällen müssen Großindustrielle und ihre Angehörigen enteignet werden.

    Fatalerweise ist dieser Weg mit Präsident Poroschenko, mit Regierungschef Jazenjuk sowie deren internationalen Unterstützern von IWF, US-Regierung und EU genauso unrealistisch wie die Verwandlung von Oligarchen in ehrbare Kaufleute. Es ist sogar zu erwarten, dass oligarchische Kräfte noch gestärkt werden.

    Oligarchen schneiden sich nicht ins eigene Fleisch

    Warum ist das zu erwarten? Zum einen schaden sich die Großindustriellen nicht selbst. Dies haben sie in den vergangenen 20 Jahren zur Genüge bewiesen. Neben Poroschenko der einer der zehn reichsten Ukrainer ist, haben also auch die anderen direkt beteiligten Milliardäre und Multimillionäre wie die Gouverneure[19] Igor Kolomojski[20], Sergej Taruta[21] oder Igor Paliza kein Interesse an derartigen Reformen.

    Auch die indirekt an der neuen Regierung beteiligten Großindustriellen haben bereits Schlüsselpositionen mit ihren Leuten besetzt. Multimillionärin Timoschenko hat trotz verlorener Präsidentschaftswahlen mit Premier Arsenij Jazenjuk, Innenminister Arsen Awakow oder Nationalbankpräsident Stepan Kubiw Entscheider aus ihrer Partei an den Schaltstellen.[22] Der einflussreiche Milliardär Viktor Pintschuk kann sich etwa auf Wirtschaftsminister Pawlo Scheremeta verlassen. Dieser ist gleichzeitig Präsident der Pintschuk gehörenden "Kiyv School of Economics".[23]

    Parteien für Sozialkürzungen und Deregulierung

    Zum zweiten haben auch die regierenden Parteien eine extrem business-freundliche Agenda. So wird etwa die unter Janukowitsch beschlossene Erhöhung des Mindestlohns von ihnen nicht umgesetzt. Zudem erklärte Regierungschef Jazenjuk bereits, dass er das Steuersystem vereinfachen wird. Derartige Töne sind auch von neoliberalen Reformern hierzulande bekannt. Dass diese Steuerreform nicht zu Mehreinnahmen führen wird, sollte jedem bewusst sein. Generell ist die Stärkung der Staatseinnahmen kein Ziel dieser national-liberalen Regierung.

    Die neuen Herren Kiews fahren vielmehr die Ausgaben der öffentlichen Hand zurück. Subventionen werden gestrichen (Grundnahrungsmittel, Treibstoff, Energie), Renten gedeckelt, Beamtengehälter gekürzt, Tausende Staatsangestellte direkt entlassen.[24] Hinzu kommt die Währungsabwertung des Griwna, die zu einer Inflation im zweistelligen Prozentbereich führt.[25]

    Zusammengefasst: Viele Ukrainer haben durch diese Neuerungen weniger Geld zur Verfügung als vorher. Dafür steigen die Lebenshaltungskosten in sämtlichen Segmenten rapide an. Durch solche Austeritätsmaßnahmen wird die bestehende Wirtschaftskrise verschärft. Viele weitere Menschen werden arbeitslos. Zeitgleich wird ein schon jetzt kaum existenter Sozialstaat weiter gestutzt. Das alles entspricht aber nicht nur der Ideologie, der nun herrschenden Parteien, sondern auch den Forderungen des IWF.

    Westliche Geldgeber für "investorenfreundliches Klima"

    Der Internationale Währungsfonds ist genauso beeindruckt von der vorauseilenden Reformfreude der Übergangsregierung wie auch international agierende Bankhäuser.[26] Noch bevor die Vor-Ort-Analyse des IWF im März in Kiew beendet war und weit bevor es Präsidentschaftswahlen gab, hatten Jazenjuk und Turtschinow entscheidende Verträge unterschreiben und richtungweisende Gesetze verabschieden lassen.

    Es ist auffällig, dass Reformen so schnell wie möglich durchgesetzt wurden ohne auch nur auf demokratische Legitimation zu warten. Dies entspricht aber voll und ganz der Schock-Doktrin des IWF. Seit den 1970er Jahren zwang der Washingtoner Fonds immer wieder Ländern, die durch Krisen, Kriege oder andere Katastrophen geschwächt waren, ultra-liberale Wirtschaftsreformen auf. In der Regel folgte daraufhin ein Ausverkauf nationaler Ressourcen an westliche Konzerne und die Verelendung der Bevölkerung durch die Verlängerung der Wirtschaftskrisen und die Zerstörung von Sozialsystemen.[27]

    Auch andere internationale Geldgeber wie die EU, Japan oder die USA hatten ihre Kreditzusagen an eine schnelle Umsetzung genau dieser IWF-Reformvorhaben geknüpft. So sprach etwa US-Präsident Obama von einem "attraktiven Investitionsklima", das in der Ukraine nun geschaffen werden müsse. Geldgeber, die auf antisoziale Reformaufforderungen verzichten, scheint es nicht mehr zu geben. Bilaterale Erpressung scheint "in" zu sein. Was Russland die Gaspreise, das sind dem Westen die IWF-Kredite: politische Waffen.

    Macht-Eliten unter sich


    Die jetzt umgesetzten Reformpläne wurden schon seit Jahren vorbereitet. Die milliardenschwere Finanzierung "freiheitsorientierter" NGOs etwa durch die USA und Deutschland[28] sind genauso Indizien hierfür wie die reibungslose Maidan-Logistik und die zügige Nach-Maidan-Gesetzgebung. Dabei arbeiten ukrainische und westliche Freunde von Deregulierung und Privatisierung eng zusammen.

    Grundlage dieser Symbiose sind Elitenetzwerke. So treffen sich seit zehn Jahren etwa ukrainische Top-Politiker und Großindustrielle mit neoliberalen Reformern aus den USA und EU-Ländern jährlich an einem Wochenende auf der Krim.[29]Hinter diesem "ukrainischen Davos" steckt das "YES"-Netzwerk ("Yalta European Strategy")[30] des Milliardärs Viktor Pintschuk und des polnischen Ex-Präsidenten Aleksander Kwasniewski.[31] Bilder der Treffen - das letzte gab es zwei Monate vor Beginn des Maidan - deuten darauf hin, wie eng die die Kontakte zwischen ukrainischer Oberschicht und westlichen Macht-Eliten sind.[32]

    Nicht ganz zufällig stehen permanente "YES"-Gäste wie Poroschenko, Jazenjuk oder Klitschko heute im Zentrum der Nach-Janukowitsch-Ukraine.

    Den Gürtel enger schnallen


    Oligarch Pintschuk gab in einem Zeitungsartikel[33] unmittelbar nach der Machtübernahme der heutigen Kiewer Regierung die künftige politische Richtung vor: "Vielleicht zum ersten Mal in der modernen Geschichte der Ukraine, kann das ehrliche Reden über die Notwendigkeit von schmerzhaften Reformen tatsächlich die persönliche Stellung eines Politikers steigern", schrieb er, ohne zu erklären, warum dies so sein sollte oder was das mit den Maidan-Forderungen zu tun haben soll. Pintschuk fährt in Anspielung auf die erschossenen Regierungsgegner fort: "Normale Bürger haben bereits gezeigt, welche großen Opfer, sie für eine bessere Zukunft zu bringen, bereit sind." Das er nun auch selbst finanzielle Opfer bringen wird, ist eher nicht anzunehmen.[34]

    Zu ergänzen bleibt, dass auch die deutschen Medien mehrheitlich in den Kürzungs-Chor einstimmten: "Sparen, sparen, sparen" hieß es etwa bei Tagesschau.de oder mit kaum zu übertreffendem Zynismus bei Welt.de:

    • Die Ukraine lebt über ihre Verhältnisse.

    Doch dass über die politische Neuordnung der Ukraine berichtet wird, ist sowieso eher selten. Sowohl in ukrainischen als auch in deutschen Medien ist seit vielen Wochen der Bürgerkrieg im Osten des Landes das absolut dominante Thema. Dies hat den nützlichen Effekt, dass Mediennutzer sich ihren Kopf nicht über die Reformen, deren Ergebnisse und tatsächliche Profiteure zerbrechen müssen.

    Profiteur Poroschenko

    Petro Poroschenko wird in deutschen Medien oft als "Schokoladenkönig" bezeichnet. Das hört sich harmlos, gemütlich, ja fast schon niedlich an. Tatsächlich könnten die Journalisten ihn auch "Rüstungs-Oligarch" nennen, denn mit seiner Firma "Leninska Kuznya" ist er eben auch Waffenproduzent.[35] Und so wird klar, dass er gar nicht der Friedensstifter sein möchte, den das Land nun bräuchte. Bezeichnend, dass der Militärhaushalt als einziges staatliches Budget nicht von Kürzungen betroffen ist. Im März und April wurde der Etat für Krieger und Kriegsgerät insgesamt sogar um 12 Milliarden Griwna aufgestockt. "Oberste Priorität als Präsident hat für mich jetzt die Armee", sagte Poroschenko denn auch direkt nach seiner Wahl.[36] "Wir müssen die Soldaten dringend besser ausstatten." Auch westliche Rüstungskonzerne wird das freuen.

    Am Ende hat das ukrainische Volk diesen Mann demokratisch legitimiert, was auch mit der Medienmacht Poroschenkos und anderer Milliardäre zu tun hat. Gebraucht hätten die Menschen aber wirkliche Reformer, die den Konflikt im Osten sofort befriedet und den Wohlstand des Landes gerechter verteilt hätten. Stattdessen haben sie unter dem Beifall des Westens mit einem neoliberalen Kriegsgewinnler den Bock zum Gärtner gemacht.

    http://www.heise.de/tp/artikel/41/41926/

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