Studienzentrum beantragt Abberufung von Türkeiforscher Sen



Essen (AFP) — Der Türkeiforscher Faruk Sen soll von seinem Posten als Direktor des Essener Zentrums für Türkeistudien (ZfT) abberufen werden. Dies beantragte der ZfT-Vorstand in einer Sondersitzung, nachdem Sen die Lage von Türken in Europa mit der Judenverfolgung in der NS-Zeit verglichen hatte. Seinen Antrag richtete der Vorstand an den Düsseldorfer Integrationsminister Armin Laschet (CDU) als Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung ZfT. Laschet will dazu nun eine Sondersitzung des Kuratoriums einberufen. Sen, der das renommierte ZfT 1985 mitbegründete, kündigte rechtliche Schritte gegen die drohende Abberufung an.
Das Institut der Universität Duisburg-Essen will der deutschen Öffentlichkeit Informationen und Hintergründe zur Türkei, den türkischen Migranten und Zuwanderern aus anderen Herkunftsländern zur Verfügung stellen. Es ist eine Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Der umstrittene Judenvergleich stammt aus einem Artikel von Sen, den die türkische Zeitung "Referans" im Mai veröffentlicht hatte. Darin bezeichnete der Türkeiforscher die Türken als "neue Juden Europas". Mit diesen Äußerungen habe Sen "dem deutsch-türkischen Verhältnis, der Integrationspolitik und vor allem dem Stiftungszweck schwer geschadet", erklärte der ZfT-Vorstand nach seiner kurzfristig einberufenen Sitzung.
Sen bezeichnete die Forderung nach seiner Abberufung in der Berliner "tageszeitung" als "Überreaktion des Vorstands". Dessen Beschluss sei "absolut falsch" und für ihn nicht hinnehmbar. "Das ist eine Entscheidung, gegen die ich mich juristisch wehren werde", sagte Sen, der sich laut "taz" zur Zeit in Istanbul aufhält. In einer Erklärung von Sen hieß es, nach einem Gespräch mit dem früheren Vizevorsitzenden des jüdischen Zentralrats, Michel Friedman, bedauere er ausdrücklich die Verwendung der Bezeichnung "neue Juden Europas".
Laschet wies darauf hin, dass die Sondersitzung des Kuratoriums laut Satzung frühestens in 14 Tagen stattfinden könne. Die ebenfalls vom ZfT-Vorstand beantragte sofortige Entbindung Sens von seinen Geschäften obliege der Satzung zufolge dem Vorstand selbst. Zugleich erneuerte Laschet seine Kritik an den Äußerungen des 60-jährigen Wissenschaftlers. Dessen historische Vergleiche seien "inakzeptabel".
Das Institut der Universität Duisburg-Essen will der deutschen Öffentlichkeit Informationen und Hintergründe zur Türkei, den türkischen Migranten und Zuwanderern aus anderen Herkunftsländern zur Verfügung stellen. Es ist eine Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen.



AFP: Studienzentrum beantragt Abberufung von Türkeiforscher Sen


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