Tod im Südchinesischen Meer: Taiwan droht den Philippinen - International Nachrichten - NZZ.ch

Taiwan verlangt eine Entschuldigung, weil die philippinische Küstenwache einen taiwanischen Fischer erschossen hat. Taipeh verstärkt die Patrouillen in den umstrittenen Gewässern.

Patrick Zoll, TokioTaiwan droht den Philippinen damit, keine Visa für philippinische Gastarbeiter mehr auszustellen, seinen offiziellen Vertreter in Manila abzuziehen und dessen philippinischen Gegenpart in Taipeh auszuweisen. Grund für den Ärger Taipehs ist ein Zwischenfall in der Bashi-Meerenge im Südchinesischen Meer, welche beide Länder als ihre exklusive Wirtschaftszone betrachten. Dabei kam in der vergangenen Woche ein taiwanischer Fischer ums Leben. Laut philippinischen Angaben wollten die Taiwaner bei einer Kontrolle ein Schiff der philippinischen Fischereibehörde rammen. Die nach Taiwan zurückgekehrten Überlebenden bestreiten dies. Taipeh fordert eine Entschuldigung der philippinischen Regierung und eine Entschädigung für die Familie.
Marine eingeschaltet

Seit das von über fünfzig Schüssen getroffene Fischerboot nach Taiwan zurückgeschleppt wurde, gehen die Wogen der Entrüstung hoch. Taiwans Präsident Ma Ying-jeou sagte, die Brutalität der philippinischen Seite sei unentschuldbar, es handle sich um eine illegale Exekution. Ein Parlamentarier von Mas Partei KMT liess sich gar dazu hinreissen, von Krieg zu sprechen: Taiwan müsse attackieren und alle philippinischen Schiffe in den umstrittenen Gewässern versenken. Unter öffentlicher Kritik, dass sie die Fischer ungenügend schütze, hat die taiwanische Küstenwache drei grosse, mit Kanonen bewaffnete Patrouillenschiffe entsandt, die laut taiwanischen Medien von einer Fregatte und Helikoptern der Marine begleitet werden.
Um solche Zwischenfälle künftig zu vermeiden, will Taipeh mit Manila ein Abkommen über die gemeinsame Nutzung der Fischgründe schliessen. Als Vorbild dient ein Abkommen mit Japan für Gewässer um die umstrittenen Diaoyutai/Senkaku-Inseln. Bisher hat sich Manila wenig interessiert gezeigt, da es Ärger mit Peking befürchtet. Die Philippinen haben nur mit China offizielle diplomatische Beziehungen, und Peking reagiert äusserst empfindlich darauf, wenn andere Länder mit Taipeh Abkommen schliessen, denn es betrachtet die Insel als abtrünnige Provinz.
Das chinesisch-japanische Verhältnis ist stark gestört, seit Japan letzten Herbst die Senkaku-Inseln verstaatlichte, welche Peking Diaoyu nennt und für sich beansprucht. Mit dem Abkommen konnte Tokio einen Schulterschluss zwischen Peking und Taipeh verhindern. Für die Philippinen hingegen ist das Kräfteverhältnis mit China deutlich ungleicher. Bereits jetzt gelingt es den Philippinen mehr schlecht als recht, dem selbstbewusst auftretenden China in umstrittenen Gewässern im Südchinesischen Meer die Stirn zu bieten. Es setzt darum auf die Uno.
Diplomatisch isoliert

Taiwan hat diese Möglichkeit nicht. Die Republik China − so die offizielle Bezeichnung Taiwans − wird nur von 23 kleineren Ländern anerkannt, ist wegen Chinas Veto von grossen internationalen Organisationen ausgeschlossen und darum diplomatisch entsprechend isoliert. Auch die USA, Taiwans engster Verbündeter, stehen Taipeh nur so weit bei, als dies die viel wichtigeren Beziehungen zu China nicht zu stark belastet. China schlug über seine Staatsmedien vor, gemeinsam gegen die Philippinen vorzugehen. Doch vor dieser Umarmung fürchtet man sich auf der Insel fast ebenso wie vor der Isolation. Dies ist der Grund für das eigenmächtige, martialische Auftreten.


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