Endlcih kommt langsam die Wahrheit heraus, das 40.000 Ausländer von Hilfs Organisationen in Wirklichkeit die Morde und den Bürgerkrieg im Sudan finanzieren.

Einige Bilder der vom Westen ausgerüsteten Banditen





Und da werden sogar Kinder Soldaten von den Helfern mit Waffen ausgerüstet!
01. Oktober 2006
SUDAN
Entrückte Christen, Charity-Roadies und Uno-Praktikanten

Der Ort Lokichokio, Kenia, nahe der südsudanesischen Grenze, ist geradezu überschwemmt von Entwicklungshelfern. Von hier aus werden Lebensmittel in den Sudan geliefert. SPIEGEL-Korrespondent Thilo Thielke beschreibt, wie die Helfer von der Bürgerkriegsbegeisterung ergriffen werden.
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Lokichokio muss für Entwicklungshelfer das Paradies auf Erden sein. Mitten in der Wüste gelegen, verirren sich kaum von den Lastern des Kapitalismus oder Tourismus befallene Ignoranten in dieses Barackendorf. Schon lange hat das fernab passierbarer Routen gelegene Kaff keine Offroadreisenden mehr gesehen, für die Afrika statt eines interessanten Problems nur eine sportliche Herausforderung darstellt.

Nüchterne Blechcontainer verleihen dem Ort außerdem die nötige klösterliche Aura. Es ist wie auf einem Kirchentag: Überall schweben einem entrückte Christen entgegen, die milde in die Gegend schauen; Charityroadies, die unermüdlich Container mit Medikamenten vollpacken und sich Pfadfinderutensilien wie Leathermans, Mini-Maglights und Motorolas an ihre Gürtel gehängt haben; Uno-Praktikanten in Bluejeans und Schlabberhemden mit Sinnsprüchen drauf: Fight Aids, Polio, Sleeping Disease, Malaria, Guinea Worm.

Abends diskutieren sie über die jüngsten Hilfsmarotten. Im Moment ist das "Gendermainstream" - Geschlechterverhältnishauptrichtung. Damit kann man sich stundenlang die Zeit vertreiben, denn hinter den Nonsenswörtern verbirgt sich nichts als Leere. Trotzdem strahlen alle die schier unerträglich gute Laune aus, die nur diejenigen innerlich erleuchtet, denen ein erfülltes Leben nicht nur die Gelegenheit gegeben hat, anderen zu helfen, sondern sich dessen auch ständig bewusst zu sein. Der kenianische Ökonom James Shikwati schätzt die Zahl der Ausländer, die sich auf diese Art in Afrika die Zeit vertreiben auf 40.000.


Die meisten scheinen aus Norwegen zu kommen und arbeiten für Norwegian People's Aid, eine Hilfsorganisation, die offenbar eine Art Patenschaft für den Befreiungskampf der Südsudanesen übernommen hat. Immer wieder wird den sonst bestimmt ganz friedlichen Aktivisten aus dem Land der Fjorde vorgeworfen, Geldbeschaffer der Kriegspartei SPLA zu sein.

Es ist schon interessant zu beobachten, wie die Bürgerkriegsbegeisterung Menschen ergreifen kann, die ihre Kinder zu Hause noch nicht einmal mit einem Holzgewehr Räuber und Gendarm spielen lassen und ihre Mitgliedschaften in Friedensgrüppchen kaum noch zählen können. Sie würden ihre klammheimliche Freude am Krieg gegen Khartum allerdings nie zugeben, sondern etwas von ihrer Pflicht, den Menschen zu helfen, erzählen und daß sie nur deshalb ständig ins Elendsgebiet reisen, weil sie Zeugen der Greuel sein müssen und in der Nacht der Zivilisation den Elenden beistehen.

Diese sich meist etwas keusch gebärdende Kriegslust braucht ein paar Zutaten: Die Dritte Welt mit ihren armen Menschen.

Ein möglichst interessantes Terrain: Dschungel, Wüste, Savanne.

Einen Schurkenstaat mit üblen Verbündeten und einem gemeinen Diktator.

Eine Truppe, die sich zum Beispiel Revolutionsbefreiungsvolksbewegungsfront nennt und einen diesmal wirklich ganz gerechten Sozialismus, besser aber noch: einen dritten Weg, ohne Bonzen und Folterzellen einzuführen verspricht. Wieder mal eine Truppe mit Kürzel, das nur Eingeweihte dechiffrieren können: Swapo, SPLA, FSLN, FMLN, SLA, RPF etc.

Dazu ein paar Kalaschnikows, Revolutionslieder, Cheguevarakostüme, Lagerfeuer, Buschtrommeln.

Thilo Thielke, 38, ist seit vier Jahren Afrika- Korrespondent des SPIEGEL mit Sitz in Nairobi. Immer wieder bereiste er den Sudan.
Magnus Verlag

Darüber entstand sein Buch "Krieg im Lande des Mahdi. Darfur und der Zerfall des Sudan". Das Buch erscheint Ende September im Magnus Verlag, Essen.
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Wenn man unsere Hilfsrevoluzzer auf die vielen Millionen Tote anspricht, die diese von ihnen co-finanzierte und munter angeheizte "Volksbefreiung" produziert, erntet man im besten Fall verständnislose Blicke: Die Genozide werden schließlich immer von den anderen verübt, während die Rebellen bloß gerechte Kriege begonnen haben. Die Dinkafurtutsis wurden zuvor schließlich wahnsinnig "marginalisiert", wie das Modewort der diesjährigen Kriegssaison lautet.

Dahinter steckt die sozialdemokratisch-protestantische Überzeugung, daß jedes Unrecht aus Prinzip bekämpft werden muss, egal in welchem Blutbad das Experiment endet, heißt: Weil die Südsudanesen benachteiligt werden, muß die SPLA für ihre Rechte kämpfen und einen Krieg beginnen: zwei Millionen Tote. Weil die Darfuri benachteiligt werden, muß die SLA für ihre Rechte kämpfen und einen Krieg beginnen: 400.000 Tote. Weil die Tutsis benachteiligt werden, muß die RPF für ihre Rechte kämpfen und einen Krieg beginnen: 800.000 Tote. Undsoweiter. Als sei es eine Bürgerpflicht, das faschistische Gesicht des Staats hervorzubomben.

Wenn das dann geglückt ist und das Land im Blut versinkt, wird anklagend auf die Mörder gezeigt, und der Aufrührer legt sich ganz erschöpft auf die Couch seiner Sympathisanten aus der politisch-korrekten Volksbefreiungsschickeria und formuliert gemeinsam mit ihnen schlaue Aufsätze über das finstre Wesen des Kriegs und daß es kein richtiges Leben gibt im falschen. Da liegt er dann, der Volksbefreier, und kann nicht anders, und seine Landsleute liegen im Massengrab. Und der Aktivist sagt: Wir haben eine ganz besondere Verantwortung für diese Menschen in Afrika, jetzt erst recht. Er sagt: Wir! Er meint aber nicht sich und seine Helferkolonne, sondern er meint jene, die sich aus dem Volksbefreien bisher herausgehalten haben und nur zufällig vom selben Stamm sind wie er selbst. Die sollen jetzt gefälligst zahlen. Für Schulen und Straßen und den nächsten Krieg. Und dafür, daß sie bislang so tatenlos waren, als sich die anderen für Afrika abgerackert haben.

Und dann kommt Mia Farrow vorbei, die nach ihren vielen Woody-Allen-Filmen ohnehin schon ganz verwirrt ist, und denkt, sie ist im falschen Kriegsfilm, und befiehlt einen Uno-Angriff. Im Fernsehen.

Lesen Sie demnächst auf SPIEGEL ONLINE, wie Mia Farrow Darfur bereist - und Hollywood vorfindet

http://www.spiegel.de/politik/auslan...439435,00.html