BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Ergebnis 1 bis 2 von 2

US-Republikanern droht lange Vorwahlschlacht

Erstellt von Ego, 04.01.2012, 12:28 Uhr · 1 Antwort · 324 Aufrufe

  1. #1
    Ego

    US-Republikanern droht lange Vorwahlschlacht

    Es ist das knappste Caucus-Ergebnis in der Geschichte Iowas: Mit nur acht Stimmen siegt der Republikaner Mitt Romney gegen seinen Rivalen Rick Santorum. Auf dem langen Weg zur US-Präsidentschaftskandidatur steht den Republikanern nun ein zermürbender Flügelkampf bevor.

    Iowas lange Nacht beginnt überall mit dem Fahneneid. Auch in der Turnhalle der Western Hills Elementary School, einer Grundschule bei Des Moines, wo sie von den Klappstühlen springen, die Hand aufs Herz legen und ihrer Nation ("unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle") ewige Treue schwören.


    An der gekachelten Wand kleben Plakate der Kandidaten, darüber hängen Basketballkörbe. "Sportsgeist" steht groß über der Tür. Gopal Krishna, der Vizechef der Iowa-Republikaner, legt persönlich letzte Hand an die Dekoration. "Ein spannendes Rennen", sagt er zufrieden und fügt prophetisch hinzu: "Alles ist möglich." Krishna - ein Inder, der seit 1970 in Iowa lebt - wird Recht behalten. Sonst sind US-Vorwahlen ja oft eine klare Sache, vor allem hier in Iowa, dem Maisstaat, der immer anfangen darf. Doch diesmal wird das zu einer historischen Hängepartie: Der moderate Mitt Romney und der extreme Rick Santorum, die Antipoden der Republikanischen Partei, liefern sich bis tief in die Nacht ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
    Am Ende gewinnt Romney - mit acht Stimmen, dem schmalsten Caucus-Vorsprung in der Geschichte Iowas. Zu wenig also, um ihn zum klaren Sieger zu erklären: Santorum, lange abgeschrieben, hat ihm und der Partei den Fehdehandschuh hingeworfen.

    Lügen, Verleumdungen, Attacken
    Und so steht den USA erneut wohl ein langer Vorwahlzank bevor. Vor vier Jahren waren es die Demokraten, mit ihrem epischen Kampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton. Jetzt sind es die Republikaner, bei denen sich die Parteispitze verzweifelt gegen eine immer weiter nach rechts driftende Basis stemmt. So viel steht damit nun fest: Obamas Gegnern droht ein potentiell vernichtender Flügelkampf.
    Und diesen Kampf werden Mitt Romney und Rick Santorum in den nächsten Wochen ausfechten. Der eine hat das Geld, die Logistik und den Rückhalt der Partei-Granden, kann aber mit seinem Image des kühlen Opportunisten keinen so recht inspirieren und erreicht selbst in Iowa nur 26 Prozent. Der andere brennt für seine Ideale, redet wie ein Priester und begeistert die Basis, ist aber so rechtsaußen, dass sich das Establishment vor einem Wahlkampf gegen US-Präsident Barack Obama fürchtet.
    Beide sichern sich in Iowa ihre ersten sechs Delegierten für den Wahlparteitag im Sommer. Dass Romney am Ende die Nominierung bekommt, daran bestehen zwar kaum Zweifel. Die Frage ist: zu welchem Preis? Schon der Auftakt von Iowa verkam zur Schlammschlacht mit allen Mitteln, in dem die Lager der Kandidaten auch vor Lügen, Verleumdungen und Privatattacken nicht zurückscheuten.
    Im Vergleich dazu geht es in den 1770 Caucus-Bezirken Iowas am Dienstagabend relativ gesittet zu. Für ein, zwei Stunden treffen sich die Republikaner da zum Polit-Kaffeeklatsch, in Schulen, Kirchen, sogar Wohnzimmern, um zu debattieren und dann per Hand abzustimmen.

    "Wir brauchen einen Krieger", ruft Santorums Fürsprecher
    In der Western Hills Elementary School trudeln sie mit Kind und Kegel ein. Einige tragen Jogginganzüge, als seien sie schon auf dem Weg ins Bett, andere sind herausgeputzt wie für einen Abschlussball. Viele geben sich jetzt noch kokett unentschieden - selbst Parteivize Krishna. Ein schlechtes Omen.
    Zum Auftakt liest Bezirkschef John Bloom die Spielregeln vor. Erstens: Nur Parteimitglieder dürfen abstimmen. Zweitens: Jeder hat eine Stimme. Drittens: Obama muss aus dem Amt gejagt werden. Nachdem diese Grundwerte verankert sind, richten Vertreter der Kandidaten letzte Appelle an besagte Unentschlossene, in alphabetischer Reihenfolge, für je drei Minuten.
    Der Kontrast zwischen den Hauptrivalen ist krass. Justin Walker, der Beauftragte Mitt Romneys, erscheint in weißem Hemd und silberner Krawatte. Er sieht aus wie ein Zeuge Jehovas und jauchzt: "Guten Abend, und es ist ein toller Tag, in Iowa zu sein!" Der Höhepunkt seiner kurzen Rede ist der Umstand, dass Romney "seit 43 Jahren mit seiner Frau verheiratet ist".
    Für Rick Santorum spricht Kelly Quinn. Die matronenhafte Hausfrau hat Ehemann Pete mitgebracht, einen Nationalgardisten, der bei der bloßen Erwähnung Santorums bebt, sowie Gabriel, 10, und die Zwillinge Grace und Faith, 8. Ein Erzengel, "Grazie", "Glaube": drei Namen als Programm. "Wir brauchen einen Krieger", sagt Quinn. Einen Gotteskrieger für "Amerikas moralisches und kulturelles Erbe".
    Ganz unerwartet tritt Ralph Reed vor, der berüchtigte Moralapostel der neunziger Jahre und Gründer der Christian Coalition. Reed lebt in Georgia, doch er ist heute hier, um eine alte Sache neu zu beleben - die Kulturkriege der Rechten gegen die Linken: "Das brennt in den Herzen und bewegt die Seelen von Millionen."

    Romneys klarer Sieg in der Turnhalle
    Er bekommt den größten Jubel des Abends. In der Tat sind in Iowa längst totgeglaubte Reizthemen neu auferstanden: Abtreibung, Schwulenrechte, Gott und Glaube. Nun muss sich zeigen, ob das nur die übliche Basis-Bauchpinselei war - oder ein Menetekel für den späteren Hauptwahlkampf gegen Obama: Geht es nach Santorum, wird der Wahlkampf zum Glaubenskrieg.
    Das Ergebnis ist weniger repräsentativ für ganz Iowa: Romney siegt zumindest in der Turnhalle haushoch, mit 80 Stimmen, trotz der plumpen Intervention Reeds. Gefolgt von Santorum (45), Ron Paul (36), Newt Gingrich (22), Rick Perry (12) und den anderen. Zwei Personen im Saal haben auch nach all dem Gerede "keine Meinung".
    Diese Unentschlossenheit reflektiert sich auch in den weiteren Resultaten der Nacht. Romney und Santorum jagen sich bis zuletzt in einem dramatischen Duell. Um 22 Uhr beträgt Santorums Vorsprung gerade mal 13 Stimmen, um 22.30 Uhr 115 Stimmen, um 22.40 Uhr 79 Stimmen. 45 Minuten später hat Romney mit 62 Stimmen wieder die Nase vorn.
    Es ist 1.37 Uhr in der Nacht, als Matt Strong, der Parteichef der Republikaner in Iowa, im Kongresszentrum von Des Moines vor die müden Journalisten tritt und das vorläufige Endergebnis verkündet. Romney: 30.015 Stimmen. Santorum: 30.007 Stimmen. Die allerletzten Zahlen kommen aus einem Wahlbezirk, der ironischerweise Clinton heißt.
    Alle wollen weitermachen
    Romney und Santorum wagen es in dieser Nacht noch nicht, sich voreilig zum ersten oder zweiten Sieger zu küren. Beide erscheinen vor dem Endergebnis vor den Fans, um dem jeweils anderen zu gratulieren.
    Was wiederum einen Domino-Effekt hat: Auch die meisten anderen Kandidaten nehmen das zum Vorwand, im Rennen zu bleiben, so lange ihr Geld reicht. "Bevor wir so weit sind, uns mit Barack Obama eine Debatte zu liefern", ahnt Gingrich nach seinem enttäuschenden vierten Platz, "wird es vorher noch eine lange Debatte in der Republikanischen Partei geben."





    Und alle wollen mitreden bei dieser Debatte. Ron Paul, dank seiner sonderlichen Thesen die Nummer drei im Rennen, spricht von "drei Siegern" und schwört: "Wir machen weiter." Selbst die weit abgeschlagene Michele Bachmann gibt keinerlei Anzeichen, dass sie aufgeben will: Sie habe ihr Flugticket nach South Carolina schon "gebucht und bezahlt". Nur Rick Perry kündigt an, er werde nun erst mal nach Texas zurückkehren und überlegen, ob es für ihn "noch einen Weg nach vorne gibt in diesem Wettbewerb". Eine Kapitulation auf Raten: Eigentlich hatte Perry bereits etliche Vorwahlauftritte in South Carolina avisiert.
    Dort geht der Kampf demnächst weiter, nach einem Zwischenstopp im moderaten New Hampshire. Dort liegt Romney vorne. Neuer Favorit in South Carolina: Santorum.



    Drama von Iowa: US-Republikanern droht lange Vorwahlschlacht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

  2. #2

    Registriert seit
    25.12.2011
    Beiträge
    2.615
    Erinnert mich irgendwie an die Römische Republik.
    Villeicht kommt ja bald ein neuer Caesar und wird alleinherrscher

Ähnliche Themen

  1. Wie lange
    Von Perun im Forum Rakija
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 28.02.2011, 23:48
  2. lange ist es her
    Von De_La_GreCo im Forum Rakija
    Antworten: 27
    Letzter Beitrag: 23.02.2011, 16:44
  3. Wie lange Schlaft ihr?
    Von Der_Freak im Forum Balkan und Gesundheit
    Antworten: 68
    Letzter Beitrag: 13.08.2009, 19:31
  4. Wie lange noch....
    Von Zurich im Forum Religion und Soziales
    Antworten: 18
    Letzter Beitrag: 08.03.2007, 23:34