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Deutschland droht stärkste Rezession aller Zeiten

Der Bundesrepublik droht nach Einschätzung führender Konjunkturexperten die stärkste Rezession in ihrer Geschichte. Das Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) senkte seine Prognose für 2009 drastisch und erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,0 Prozent.


Die Zahl der Arbeitslosen werde voraussichtlich um fast 600.000 steigen. Die Finanzmarktkrise wirke sich weitaus stärker auf die Weltwirtschaft aus als zuvor absehbar, erklärte das RWI am Mittwoch.
Im September hatte das RWI, das zu den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten in Deutschland zählt, noch ein Wachstum von 0,7 Prozent vorhergesagt. Trifft die neue Einschätzung zu, käme auf die Bundesrepublik die schlimmste Rezession seit ihrem Bestehen zu. Am stärksten war die deutsche Wirtschaft bisher 1975 geschrumpft. Damals sank das BIP in Folge der Ölkrise um 0,9 Prozent.
Die Konjunktur habe sich in den vergangenen Monaten weltweit und in Deutschland deutlich stärker abgeschwächt, als man dies in dem am 12. September abgeschlossenen Konjunkturbericht prognostiziert habe, erklärte das Institut. Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers habe am 15. September eine regelrechte Abwärtsspirale in Gang gesetzt.
RWI rechnet mit fast 600.000 mehr Arbeitslosen
Vor allem der deutsche Export werde sich im kommenden Jahr deutlich abschwächen, erklärten die Konjunkturexperten. Beschäftigung und Staatseinnahmen würden sinken. Allerdings erwartet das Institut, dass der private Konsum zumindest bis Mitte 2009 stabil bleibt - besonders, weil die Inflationsrate im Jahresschnitt auf 0,9 Prozent zurückgehen werde. Grund dafür seien insbesondere die gesunkenen Weltmarktpreise für Rohstoffe und Energie.
Die schwache Konjunktur dürfte laut RWI von nun an auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Zwar würden viele Unternehmen versuchen, zunächst Entlassungen zu vermeiden und stattdessen Kurzarbeit anmelden oder Guthaben auf Arbeitszeitkonten nutzen, erklärten die Experten. Gleichwohl rechneten sie damit, dass die Zahl der Arbeitslosen um fast 600.000 zunehmen wird.
Verschlechtern werde sich auch die Lage der öffentlichen Haushalte. Zum einen seien zur Stabilisierung der Konjunktur höhere staatliche Ausgaben beschlossen und neue Subventionen eingeführt worden, zum anderen dürfte laut RWI das Aufkommen besonders der gewinnabhängigen Steuern rückläufig sein.
RWI empfiehlt Reform der Einkommenssteuertarife
Eine Reform der Einkommensteuer könnte nach Auffassung des RWI helfen, den Abschwung zu begrenzen und die deutsche Wirtschaft schneller wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Mit einer Reform, die die Steuerbelastung der Bürger noch 2009 um rund 25 Milliarden Euro reduziere, könnte das BIP demnach um 0,7 Prozent höher ausfallen als vorausgesagt. In der zweiten Jahreshälfte könnten dann bereits wieder positive Raten erzielt werden.