Premierminister als Verkäufer
Moskauer Tycoon erwirbt Montenegros größten Industriebetrieb
VON N. MAPPES-NIEDIEK (GRAZ)

Die russischen Touristen fühlen sich in Budva seit Jahren richtig wohl. Nur das Angebot in den Läden des montenegrinischen Seebades, meist Billigprodukte aus der Türkei, ließ bisher zu wünschen übrig. Stattdessen kauften einige wohl betuchte Gäste ganze Hotels. Jetzt aber erwirbt einer gleich den bei weitem größten Industriebetrieb des Landes. Manchen Montenegrinern wird es langsam mulmig.

Mitte April schloss Montenegros Premierminister Milo Djukanovic persönlich mit dem Moskauer Milliardär Oleg Deripaska einen Deal über zwei Drittel der Anteile am Aluminium-Kombinat Podgorica (KAP). Der Russe, einziger potenter Bieter bei der Privatisierung des Kombinats, will insgesamt mehr als 150 Millionen Euro investieren - die Hälfte als Kaufpreis, der Rest geht in die dringend nötige ökologische Sanierung der stromfressenden Dreckschleuder am Rande der Hauptstadt.

KAP-Aluminium macht über die Hälfte des Exportvolumens von Montenegro aus und ist der größte Arbeitgeber der Region. Für den Fall, dass der russische Käufer die Produktion unter die Hälfte fallen lässt, hat sich Djukanovic ein Rückkaufrecht ausbedungen.

Schon bei den Hotelverkäufen im vorigen Jahr war in Montenegros Öffentlichkeit Skepsis laut geworden. Das Moskauer Unternehmen Barkli hatte am weiten Sandstrand von Ulcinj für 2,5 Millionen Euro ein renommiertes Haus gekauft, ohne dass jemand wusste, wer dahinter steckt - das Geld traf aus Lettland ein, wo Barkli, eine Briefkastenfirma mit 200 Dollar Eigenkapital, gar nicht registriert ist. Monitor, Montenegros kritisches Wochenblatt, tippte auf Geldwäsche. Der Verdacht verdichtete sich, als das Hotel seine Türen zu Saisonbeginn geschlossen hielt.

Im Visier der Steuerfahnder

Auch mit dem Großakquisiteur Deripaska sind nicht alle Montenegriner glücklich. Mit 36 Jahren ist er der jüngste unter Russlands Superreichen. 1991 brach er sein Medizinstudium ab, ging als Broker an die neue Börse und stieg ins Aluminiumgeschäft ein - eine buchstäblich hart umkämpfte Branche im Russland der 90er Jahre. Nach Schätzungen ließen in den Mafia-Kämpfen ums Aluminium etwa hundert Menschen ihr Leben.

Deripaska wurde Schwiegersohn von Boris Jelzins Büroleiter und hielt sich gut. Sein Rusal-Konzern gehört neben der kanadischen Alcan und dem US-Konzern Alcoa zu den wenigen Großen der Branche. Seit dem Herbst allerdings ist Deripaskas Imperium ins Visier der Steuerfahnder geraten. Wie seine Kollegen im Ölgeschäft hat auch der Alu-Tycoon seine Geschäfte steuerfrei über Offshore-Firmen abgewickelt.

Zu den Ambitionen von Premier Djukanovic passt der Russland-Deal allerdings: Mit Privatisierungen lässt sich der politische Druck ausgleichen, den die EU-Diplomatie zurzeit auf seine Regierung ausübt. Im nächsten Jahr - nach Ablauf eines von der EU erzwungenen Moratoriums - will Djukanovic sein Land in die Unabhängigkeit von Serbien führen. Brüssel ist nach wie vor dagegen. Die russisch-montenegrinische Freundschaft, eine Art Bündnis zwischen Mücke und Elefant, reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als der Fürst der "Schwarzen Berge" sich der Türken zu erwehren hatte.

Aber auch privat und parteipolitisch könnte Djukanovic profitieren, wenn KAP an einen Russen und nicht an einen westlichen Käufer geht, der mit den zunehmend pingeligen EU-Behörden zusammenarbeiten müsste. Seit den 90er Jahren, als das Land unter UN-Aufsicht stand, ließ das Aluminium-Kombinat seine Exporte über die Firma Vektra laufen - eigentlich ein Auto-Importeur, dessen Besitzer Dragan Brkovic zu den engsten persönlichen Freunden Djuanovics und den wichtigsten Finanziers seiner Partei zählt.

Bei diesen Exporten wurde Brkovic reich, während KAP mehr als 100 Millionen Euro Schulden anhäufte.

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/wi...ft/?cnt=674170

Die Mafia hat mit Hilfe von Dukanovic längst Montnegro übernommen, wo man das Treiben dieser Leute auch am Grenz Übergang Hani Pot u.a. beim Zigaretten- Auto Schmuggel beobachten kann.