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06. September 2007, 21:30 – Von Walter Niederberger </I>[h3]Erdgas für 40 Milliarden Dollar sinnlos verfeuert[/h3]
Trotz der Klimaschutz-Initiative der Weltbank fackeln Ölfirmen noch immer Erdgas in einem Umfang ab, mit dem sich halb Afrika versorgen liesse.

Nach wie vor werden Unmengen von Erdgas ungenutzt in die Luft geschleudert oder abgefackelt. Einem Bericht der Weltbank zufolge ist Russland der Hauptsünder. Aber auch Kasachstan, Saudi-Arabien und China fackeln mehr Gas ab als vermutet. Die Förderfirmen verbrennen weltweit bis zu 170 Milliarden Kubikmeter Erdgas, Russland allein 50 Milliarden Kubikmeter - dreimal mehr als bisher ausgewiesen. Dagegen scheint Nigeria auf besserem Weg, da es erstmals Gas in einem Kombikraftwerk zur Stromerzeugung nutzt.
Die Studie der Weltbank stützen sich auf die Auswertung von Satellitenbildern der amerikanischen Wetterbehörde. Sie verglich Aufnahmen im Zeitraum von 1995 bis 2006. Trotz gestiegener Erdölförderung blieb die Menge des abgefackelten Gases weltweit relativ konstant, nämlich zwischen 150 und 170 Milliarden Kubikmeter. Würde sie kommerziell genutzt, könnten die Firmen dafür rund 40 Milliarden Dollar lösen. Werbung




Doch die Frage der Wirtschaftlichkeit ist genau der springende Punkt. Erdgas fällt in den Ölfeldern als Nebenprodukt an. Im Unterschied zu Öl kann es nicht so leicht aufbereitet und transportiert werden. Über lange Distanzen lässt sich Erdgas nur als verflüssigtes, stark gekühltes LNG in Spezialschiffen verschieben. Dafür sind teure Verladeanlagen und eine hoch spezialisierte Technologie nötig; exakt das, was Ländern wie Nigeria weit gehend fehlt. Kommt hinzu, dass Gas nicht global gehandelt wird und der Preis regional stark schwankt. Die Anreize für Ölfirmen, das Gas zu nutzen, waren bisher klein; deshalb wurde es kurzerhand abgefackelt.[h5]Einfachstes Klimaschutzprojekt [/h5]

Diese Verschleuderung macht angesichts der steigenden Energiepreise aber immer weniger Sinn; ökologisch ist sie ein Desaster. Das abgefackelte Erdgas verursacht CO2-Emissionen im Umfang von 390 Millionen Tonnen; das ist mehr als die erwartete Reduktion des Clean Development Mechanismus innerhalb des Kyoto-Protokolls. Ein Verzicht auf das Abfackeln würde einen erheblichen Beitrag zur Klimaschutz leisten, sagt Weltbank-Direktor Somit Varma: «Ölproduzierenden Länder und Firmen müssen ihren Beitrag deutlich verbessern«. Anne Marghrete Mellbye von der norwegischen Statoil verweist darauf, dass der Verzicht aufs Abfackeln eines der einfachsten Klimaschutzprojekte ist, da es sofort und direkt wirksam wird. Norwegen ist einer der Staaten, der das Abfackeln mit so hohen Bussen belegt dass die Förderfirmen fast alles Gas verwerten.
In Nigeria und Sibirien aber ist das Umstellen auf eine bessere Technologie nicht so einfach. Die Förderanlagen liegen oft abgelegen und es gibt kaum lokale Abnehmer. Die Weltbank sichert deshalb seit 2002 eine Anschubfinanzierung zu. In Nigeria ist seit 2004 das umfangreichste Projekt unterwegs: Das Erdgas wird in einem nahe der Förderanlagen gebauten Kombikraftwerk genutzt. Der produzierte Strom von 480 Megawatt soll 12 Prozent des Inlandbedarfs decken. Das Vorhaben wird von Eni Nigeria und Agip getragen. Eine weitere Initiative von Shell, Total und Eni zielt darauf ab, das Erdgas zu verflüssigen und zu verschiffen. Schwieriger ist die Lage in Sibirien, da Russland der Anti-Abfackel-Initiative nicht beigetreten ist. Geplant ist ein Spezialgesetz, mit dem das Abfackeln ab 2010 für illegal erklärt und Ölfirmen mit hohen Bussen bestraft würden. Wie hart jedoch durchgegriffen wird, hängt vom politischen Willen ab, sagt Bent Svensson, Direktor des Weltbank-Programms. Die Bank will demnächst Projekte in Katar und Indonesien in Angriff nehmen. Solange die grossen Verschwender wie Venezuela, Brasilien und Russland abseits stehen, wird der Klimaschutz an den Ölbohrtürmen aber nur kleine Fortschritte machen.

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schade schade....

am beispiel von norwegen sollte man auch mit den anderen ländern verfahren.
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