Berlin (Reuters) - Die Euro-Schwäche hat der deutschen Industrie im März zum stärksten Wachstum seit zehn Jahren verholfen.

In der Euro-Zone ging es immerhin noch so stark nach oben wie seit November 2006 nicht mehr. Der Aufschwung in der Industrie hält damit bereits seit sechs Monaten an, wie die Experten von Markit am Donnerstag zu ihrer Umfrage unter 3000 Firmen mitteilten. "Die Eurozone-Industrie wurde im März von einem regelrechten Boom erfasst", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Es klafften aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern so weit auseinander wie nie zuvor in der Geschichte der Umfrage: Vor allem das unter einer Schuldenkrise leidende Griechenland rutscht tiefer in die Rezession.

Auch in Frankreich und Italien laufen die Geschäfte immer besser, und Spaniens Industrie vermeldet ebenfalls wieder Zuwächse. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Eurozone gewann 2,4 Zähler auf 56,6 Punkte und lag damit sogar noch höher als in einer Schätzung angenommen. Das deutsche Barometer stieg um drei Punkte auf 60,2 Zähler und damit ebenfalls stärker als zunächst angenommen. Die konjunkturelle Erholung sei intakt, sagte Postbank-Expertin Fabienne Riefer. "Nach einem witterungsbedingt wohl schwachen Start ins Jahr 2010 dürften die Frühlingsmonate insbesondere für Deutschland umso erfreulicher ausfallen."

SCHWACHER EURO HILFT EXPORT

Die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" schnellte so stark nach oben wie nie zuvor in der Geschichte der Umfrage. In der Euro-Zone war es immerhin das stärkste Wachstum seit zehn Jahren. Dabei spielte die jüngste Euro-Schwäche eine wichtige Rolle: Durch die Schwäche werden europäische Produkte in anderen Währungsgebieten günstiger. "Asien und die USA hatten bei den Auslandsbestellungen im März eindeutig die Nase vorn", schrieben die Experten. Der Euro hatte in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. Ein wichtiger Grund hierfür war die Haushaltskrise in Griechenland.

Die Firmen profitieren auch vom Aufbau der Lagerbestände, der Einführung neuer Produkte und der generellen Marktbelebung. Die Quote aus Auftrageingang und Fertigwarenlager notierte nach Markit-Berechnungen nur knapp unter ihrem Höchstwert, "was darauf hindeutet, dass die Firmen ihre Produktion in den nächsten Monaten weiter steigern müssen, um die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten". Dennoch hielt der Stellenabbau an, wenngleich mit deutlich gedrosselter Geschwindigkeit.

Griechenlands Industrie bekam dagegen das Sparprogramm der Regierung in Athen zu spüren. Die Inlandsnachfrage gab deutlich nach, was die Firmen vor allem auf die staatlichen Maßnahmen wie die höhere Mehrwertsteuer zurückführten. Die Regierung in Athen will so im Kampf gegen die Schuldenkrise allein in diesem Jahr ihr Haushaltsdefizit um vier Prozentpunkte kappen. Griechenland droht 2010 erneut ein Rezessionsjahr, die Notenbank erwartet ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um zwei Prozent.
Ich verstehe dann aber nicht warum die Deutschen meckern ihr Land wird reicher und andere immer ärmer.



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