von Walter Müller | 12. April 2010, 18:01

Seit Montag Prozess in Graz um riskante Ostgeschäfte - Zwei Manager angeklagt

Graz - Wer trägt die Verantwortung? Sind es die beiden Ex-Manager der Hypo Steiermark, die seit Montag wegen Veruntreuung von 40 Mio. Euro vor dem Grazer Straflandesgericht stehen? Oder sind beide gar nur "arme Teufel, die am Pranger" stehen, die auf Geheiß der Hypo-Konzernleitung ab 2000 riskante Leasinggeschäfte in Kroatien und Bosnien abgewickelt haben und damit einen Millionenschaden verursachten, wie es deren Verteidiger Harald Christandl formulierte?
Bis Anfang Juli will das Grazer Gericht klären, ob die beiden Manager zweier Hypo-Leasingfirmen wissentlich und vorsätzlich Millionen in den Sand gesetzt und dabei den Vorstand übergangen haben, oder ob die teilweisen "Luft" -Geschäfte - in 1000 Fällen existierte laut Hypo-Anwalt gar kein Leasinggut - mit Wissen des Vorstandes durchgezogen wurden.
Ankläger Wolfgang Redtenbacher will nachweisen, dass der ehemalige Geschäftsführer Peter S. (64) und der Prokurist Franz F. (52) die Pleite-Geschäfte weitergeführt hatten, obwohl schon sehr früh absehbar gewesen sei, dass dies in Millionenverlusten für die Bank enden werde. Der Schaden sei mit 40,5 Mio. Euro ohnehin gering gehalten, nach Schätzung des Gerichtsgutachters Fritz Kleiner hat das "Balkan-Abenteuer" der Hypo Steiermark mehr als 200 Mio. Euro gekostet, in dessen Folge Haupteigentümer Raiffeisen 50 Mio. Euro an die Hypo zuschießen musste, weil die Landesbank in Schieflage geraten war.
Als "kaltblütig und hartgesotten" bezeichnete Hypo-Anwalt Guido Held den Hauptangeklagten, der vor Gericht den Grandseigneur gab, und die Vorwürfe mit Kopfschütteln quittierte. Für die Verteidigung ist die Sachlage klar: Der "Star-Verkäufer" Peter S., habe nach den Vorgaben des Vorstandes gehandelt. Im heimischen Markt sei nichts mehr drinnen, deshalb sollten Kroatien und Bosnien beackert werden. Christandl: "Es hat geheißen: bringt Umsatz, Umsatz, Umsatz. Das Risiko war allen bewusst." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.04.2010)


"Er ist kaltblütig und hartgesotten" - Banken - derStandard.at ? Wirtschaft