[h2]Ein West-Niveau wird erst in Jahrzehnten erreicht werden - Städter profitieren, die Landbevölkerung bleibt arm[/h2]
Wien - Der Wohlstand der Bevölkerung in den osteuropäischen Ländern nimmt stetig zu. Letztes Jahr stieg die Kaufkraft in der Region um durchschnittlich 400 Euro pro Haushalt. Der private Konsum wächst dementsprechend. Dennoch werden noch Jahrzehnte vergehen, bis die Osteuropäer beim verfügbaren Einkommen westeuropäisches Niveau erreichen. Das geht aus einer Studie von RegioData Research hervor, die heute, Donnerstag, veröffentlicht wurde.
Slowenien an der Spitze
An der Spitze der Verfolgergruppe hat Slowenien seine Führungsposition gefestigt: Die preisbereinigte Kaufkraft eines slowenischen Haushalts beträgt 22.660 Euro im Jahr, das sind knapp 80 Prozent des österreichischen Wertes. Zur Spitzengruppe gehören auch Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Kroatien und Polen - wobei aber z.B. die Slowaken auf nur 48,6 Prozent der österreichischen Kaufkraft kommen und Kroatien auf 41,1 Prozent.
Die nächste Gruppe im Ranking bilden die baltischen Länder, Russland, Rumänien, Bulgarien und die Türkei - die RegioData-Studie erfasst in ihrem Vergleich auch die gesamte Türkei. Das große neue EU-Mitgliedsland Rumänien hat gemessen an der Kaufkraft der Haushalte 23,7 Prozent des österreichischen Niveaus erreicht.
Deutlich abgeschlagen sind Serbien, Bosnien, Mazedonien und Albanien - Schlusslichter sind Weißrussland, die Ukraine und Moldau. Die Ukraine ist mit ihren mehr als 46 Millionen Einwohnern ein bedeutender Markt - die ukrainischen Haushalte verfügen aber nicht einmal über ein Fünftel (18,3 Prozent) der Kaufkraft der Österreicher.
Durchschnittswerte
Insgesamt sind die ermittelten Kaufkraft-Daten natürlich mit Vorsicht zu genießen, da es sich um Durchschnittswerte handelt, die regionalen Unterschiede aber gewaltig sind. "Im Gegensatz zu den westeuropäischen Ländern steigen in Osteuropa die regionalen Wohlstandsunterschiede nach wie vor an", sagt Mark Ruhsam, Marketingleiter von RegioData Research. "Das betrifft vor allem die Unterschiede zwischen Stadt und Land. Während die Bevölkerung in den Städten an Kaufkraft dazu gewinnt und 'urbane Eliten' entstehen, profitiert die ländliche Bevölkerung kaum bis gar nicht." Von mehr als 100 untersuchten Regionen erreichen mehr als die Hälfte nicht einmal ein Fünftel des österreichischen Kaufkraftniveaus.
Inflationsbereinigt stehen einige ländliche Regionen de facto schlechter da als vor der Wende. Die Abwanderung aus Regionen mit wenig Jobangeboten, Bildungseinrichtungen und Infrastruktur in die boomenden Städte hält daher an. Mittelfristig werden die regionalen Unterschiede eher größer als kleiner werden.
Vom gesamteuropäischen Kaufkraftvolumen - einschließlich der Türkei und des europäischen Teils Russlands - von rund 7,3 Billionen (7.300 Milliarden) Euro entfallen rund 13 Prozent auf die mittel- und südosteuropäischen Länder. Den größten Teil dieses Kuchens machen Russland sowie die bevölkerungsreichen Märkte Polen und die Türkei aus. In der Betrachtung der Kaufkraft je Haushalt ergibt sich jedoch ein anderes Bild.
"Die Entwicklung moderner Retailflächen in der Region übersteigt in Ihrem Ausmaß und Ihrer Geschwindigkeit die Kaufkraftentwicklung bei weitem", warnt RegioData-Geschäftsführer Wolfgang Richter vor einem möglichen Risiko. "In einzelnen Regionen gibt es deutlich mehr Projekte als Potenzial für diese zur Verfügung steht." (APA)



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