Türken lieben ihre Konsumtempel
Studie: Das Land verkraftet noch 300 weitere Shoppingcenter

Istanbul/Hamburg - Die Wirtschaft boomt, die Bevölkerungskurve zeigt steil nach oben: Landesweit werden in der Türkei neue Einkaufszentren gebaut. Auch Mischobjekte gewinnen an Bedeutung. Wer Shoppingcenter baut und betreibt wie etwa die ECE aus Hamburg und die Metro Gruppe, dem muss das Land am Bosporus wie das Paradies auf Erden vorkommen. Es gibt eine robuste Wirtschaft mit jährlichen Wachstumsraten von 5,3 Prozent und eine junge wie stetig wachsende Bevölkerung, die es in die großen Städte zieht. Mehr als 30 Prozent der Türken ist unter 20 Jahre alt, 70 Prozent der Einwohner sind jünger als 35 Jahre. Und weil die Haushaltsgröße von fünf auf vier Personen gesunken ist, bleibt der türkischen Durchschnittfamilie auch mehr Geld für den Konsum übrig.

Nach einer Studie von Jones Lang LaSalle sind die Konsumausgaben seit 2001 jährlich um 3,2 Prozent gestiegen. 1300 Euro pro Jahr gaben die Türken 2006 im Einzelhandel aus, kaum weniger als Russen und Tschechen, aber mehr als Rumänen und Bulgaren. Zwar werden bis heute 70 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in lokalen Geschäften, auf Basars und Märkten erwirtschaftet, doch Shoppingcenter sind - vor allem in den Ballungsräumen - weiter auf dem Vormarsch.

Bis Ende 2006 hatten in der Türkei 134 Shoppingcenter mit zusammen 2,4 Mio. Quadratmetern ihre Pforten geöffnet. Davon befinden sich allein 45 Center in der 11,5-Millionen-Einwohner-Metropole Istanbul, 16 in Ankara und elf in Izmir. "Nur 72 Einkaufszentren sind seit Ende der achtziger Jahre außerhalb der drei größten Städte errichtet worden", sagt Yesim Turkgeldi von Jones Lang LaSalle Turkey.

Der Bedarf ist noch längst nicht gedeckt. Auf eintausend Einwohner kommen in der Türkei gerade einmal 34 Quadratmeter Shoppingcenterflächen.
In Deutschland und Polen sind es 124 Quadratmeter, in Schweden 400. Der europäische Durchschnitt liegt bei 176 Quadratmetern. "Angenommen, die Türkei könnte dieselbe Flächenversorgung pro Kopf erreichen wie Polen, dann wären in den nächsten zehn bis 15 Jahren weitere 300 Shoppingcenter durchaus tragbar", meint JLL-Mann Turkgeldi. Zumindest in Istanbul ist die Pipeline gut gefüllt. Nach Informationen des Beratungsunternehmens Colliers sind dort allein 35 weitere Konsumtempel in Bau und 30 zusätzliche in Planung. Damit bietet die Metropole Ende 2008 jedem Einwohner 174 Quadratmeter Shoppingcenterflächen.

Zahlreiche Provinzstädte, in denen zum Teil weitaus mehr Menschen leben als in Prag oder Budapest, fallen da mit einer Versorgung von durchschnittlich 40 bis 80 Quadratmetern pro Kopf weit zurück. Sechs bestehende Einkaufszentren managt das Hamburger Unternehmen ECE schon in der Türkei, das "Center Espark" mit 40 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist das erste eigene Development.

"Man geht mit der ganzen Familie und hält sich oft den ganzen Tag in der Immobilie auf", sagt Kerim Cin, Managing Partner beim Immobilienberater Colliers in Istanbul. Event- und Verweilflächen seien enorm wichtig. Das müsse schon bei der Planung berücksichtigt werden. So erklärt sich der Experte den großen Erfolg von gemischt genutzten Immobilienkomplexen in der Türkei, die Büro-, Wohn- und Einzelhandelsflächen auf intelligente Art miteinander verbinden. Als gelungenes Projekt nennt Cin das "Kanyon" in Istanbul. "Die Haupterrungenschaft liegt darin, dass in der Immobilie öffentliche Räume geschaffen wurden, die den Menschen das Gefühl geben, in einer lebendigen Straßenszene zu sein."


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