In dem Kriegs-geschüttelten Land boomt der Konsum und die Bauwirtschaft. Groß-Investitionen bleiben aber wegen der politischen Lage aus.
SARAJEWO/WIEN. In Bosnien und der Herzegowina steigt der Optimismus. Nach Jahren des Wiederaufbaues hat nun ein wahrer Neubau-Boom eingesetzt, berichtet Astrid Pummer, Österreichs Handelsdelegierte in Sarajewo. Das Auftragsvolumen ist im ersten Halbjahr 2007 im kroatisch-bosnischen Landesteil um 37,5 Prozent gewachsen, im serbischen Teil sogar um 61,7 Prozent.


Da zudem der Privatkonsum – zum Teil aus Krediten finanziert – stark anwächst, wächst die Wirtschaft rasant: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigert sich heuer um rund sechs Prozent. Laut Ökonomen wird es in nächsten Jahren stabil hoch bleiben. Die meisten Konsumprodukte werden freilich importiert. Das treibt das Handelsbilanzdefizit auf ständig neue Rekordwerte, für heuer werden 14 Prozent des BIP erwartet.

Dass es den Leuten sukzessive besser geht, ist freilich nur die halbe Wahrheit. Denn gleichzeitig lähmt sich das Land selbst. Das Dayton-Abkommen, das 1995 den Krieg beendete, hat einen Bundesstaat mit zwei „Entitäten“ errichtet, die weitgehend voneinander unabhängig agieren. Jeder Versuch einer Vereinheitlichung oder Zentralisierung ist schwierig.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat erst kürzlich das Land aufgefordert, den einheitlichen Wirtschaftsraum zu „vollenden“.
Ein wichtiger Schritt war die Einführung einer gemeinsamen Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn 2006. Seither ist aber nicht viel geschehen. Der IWF listet beinahe unglaubliche Missstände auf: So ist es nicht möglich, Pensionsansprüche von einer Entität in die andere zu überschreiben.

[h2]Überschuss an Facharbeitern[/h2]
So verwundert es nicht, dass der Zustand der Wirtschaft nicht gut ist – das hohe Wachstum geht von einem niedrigen Niveau (2535 Dollar Pro-Kopf-Einkommen) aus. Die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei 44 Prozent. Bezieht man die Schattenwirtschaft von 35 Prozent des BIP ein, so schätzen Experten die Arbeitslosigkeit auf 27 Prozent.

Wenn die Rahmenbedingungen passen, dann kommen auch die Investoren, betont Pummer. Das zeigt das Beispiel Brcko. Diese Stadt im Nordosten Bosniens ist nicht Teil der beiden Entitäten, sondern hat einen separaten Status und wird von einem US-Gouverneur verwaltet. Die Infrastruktur ist dort passabel, es gibt international übliche Anreize für Investoren. Die Folge: Ausländische Firmen kommen – unter ihnen die Agrana, die eine Zuckerfabrik errichtet.

In Bosnien sind derzeit gut 400 österreichische Unternehmen tätig. Vor Ort investiert sind derzeit 180, um zehn mehr als im Vorjahr. Österreich ist mit einer Summe von bisher 950 Mio. Euro der größte Investor im Land.
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Ein großes danke nochmal an Österreich das sie in BIH so viel investieren.

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