Luxus-Yachthafen

Porto Montenegro statt Portofino

Von Steffen Uttich
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Hafen von Montenegro - die kitschig-natürliche Abendstimmung wird inklusive sein

24. April 2009 Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Als Peter Munk vor fünf Jahren mit einem Hubschrauber die Bucht von Kotor überflog, zeigte sich der kanadische Milliardär von diesem Teil der montenegrinischen Adria-Küste begeistert. Vor seinen Augen entfaltete sich nicht nur der größte Naturhafen des östlichen Mittelmeers in seiner ganzen Schönheit. Überwältigt war er auch von der Berglandschaft direkt in Küstennähe.
Seine anfängliche Reserviertheit gegenüber dieser kleinen, gerade nach politischer Unabhängigkeit von Serbien strebenden Nation wich augenblicklich. An ihre Stelle trat ein ehrgeiziger Plan, der inzwischen konkrete Gestalt annimmt: In der Bucht von Kotor, auf dem Gelände des ehemaligen Marinestützpunkts Tivat, entsteht ein neuer Treffpunkt der Schönen und Reichen - ein Yachthafen vom Feinsten, der es mit den Luxus-Destinationen am Mittelmeer wie Monte Carlo und Porto Cervo aufnehmen soll.




Eine 100 Millionen Euro schwere Investition

In diesem Sommer, wenn der Hafenbetrieb in „Porto Montenegro“ mit den ersten 90 fertiggestellten Liegeplätzen anläuft, werden mehr als 100 Millionen Euro verbaut sein. Auch die ersten 30 Wohnresidenzen können dann wahrscheinlich schon besichtigt werden. Den Auftrag hat sich gerade der österreichische Strabag-Konzern gesichert. Für die erste Ausbauphase, die in den nächsten Jahren abgeschlossen werden soll, stehen nach Angaben von Hauptfinanzier Munk 300 Millionen Euro zur Verfügung.
Auf 650 Liegeplätze für Yachten aller Größenklassen kann die Kapazität aufgestockt werden - inklusive Trockendock und Reparatureinrichtungen. Gleichzeitig entsteht an Land ein buntes Gemisch aus Wohnanlagen, Hotels, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Sportanlagen. Für den Jetset, der sich rasch auf seine Yacht einfliegen lassen will, liegt der Flughafen von Tivat nur sieben Kilometer entfernt.
Vorbild Monaco
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Es ist die Geschichte von Monaco, die die Phantasie der politischen Führung von Montenegro auf dem Weg in die Unabhängigkeit beflügelte. Als das kleine Fürstentum im 19. Jahrhundert seine volle Souveränität von Frankreich erhielt, vergab es die Betriebserlaubnis für ein Casino und führte ein großzügiges Steuersystem ein. Luxushotels siedelten sich an, die reiche ausländische Touristen anzogen. Der bekannte Yachthafen von Monte Carlo entstand. Reiche Engländer und russische Aristokraten sorgten für die notwendige finanzielle Unterstützung eines Konzepts, das dem kleinen Monaco schließlich zu ungeahntem Wohlstand verhalf.
Diese Historie war für die montenegrinischen Politiker auf dem Weg in die Unabhängigkeit so etwas wie ein Master-Plan. Auch die Rolle der einstigen reichen Engländer und Russen für die unentbehrliche Anschubfinanzierung ist inzwischen vergeben. Eine Gruppe namhafter und vor allem vermögender Investoren hat sich in den vergangenen Jahren zusammengefunden. Angeführt wird sie von Munk als wesentlicher treibender Kraft hinter dem Projekt - und größter Geldgeber. Er erlangte seinen Reichtum vor allem durch die Gründung des Rohstoffunternehmens Barrick Gold, das unter seiner Führung zum größten Goldminenkonzern der Welt aufstieg. Ihm zur Seite stehen unter anderen der britische Bankier Jacob Rothschild, der französische LVMH-Chef Bernard Arnault, der russische Rohstoffmagnat Oleg Deripaska und der als reichster Unternehmer Ungarns geltende Sándor Demján.
„Wir brauchen keine Kredite“
Vor dem Hintergrund der Finanzkrise, die die Weltwirtschaft fest im Griff hat, wirkt das Geschehen an der Küste von Montenegro fast schon anachronistisch. Doch in der Darstellung von Munk ist das Projekt weitgehend krisenresistent. Bedroht die restriktivere Kreditvergabe der Banken für große Immobilienprojekte das Vorhaben? „Wir brauchen keine Kredite“, beantwortet der Kanadier diese Frage. Porto Montenegro werde komplett durch Eigenkapital finanziert.
Fast wie an der Côte d'Azur: Nur die vielen Wälder lassen vermuten, dass es doch nicht Saint Tropez sein kann, sondern Montenegro ist

Auch die Verheerungen, die die Finanzkrise in den Vermögen der wichtigen Kundengruppe der russischen Oligarchen anrichtet, interpretiert Munk eher als großen Vorteil für Porto Montenegro. Die vermögende Kundschaft bekommt in der neuen Marina den Standard der anderen Luxus-Mittelmeerhäfen geboten - bei gleichzeitig geringeren Unterhaltskosten.
Der Verkauf läuft an
Die Vermarktung der Liegeplätze und Wohneinheiten ist inzwischen in Gang gekommen. Die Federführung hat das Maklerunternehmen Knight Frank in London und Moskau übertragen bekommen. Für die Liegeplätze der Yachten wird eine Tiefe von viereinhalb bis 16 Metern angegeben - geschützt durch einen bergartigen Hafendamm, der den Gezeitenunterschied gering hält und Strömungen verlaufen lässt. Die Wohnresidenzen werden als Stadthäuser, Apartments, Penthäuser, aber auch individuell gestaltete Gebäude und Zweifamilienhäuser angeboten. Kein Gebäude hat mehr als fünf Stockwerke.
Idealerweise sollen Liegeplätze und Wohnresidenzen im Doppelpack Käufer finden. Zumindest ist die Preisgestaltung entsprechend ausgelegt. So erhalten Käufer auf die Liegeplätze für ihre Schiffe einen Nachlass von 75 Prozent über den Zeitraum von drei Jahren, wenn sie gleichzeitig eine Residenz am Hafen kaufen. Die Wohneinheiten werden nach den Verkaufsunterlagen in der Größe von 65 bis 500 Quadratmetern angeboten und sollen zwischen 4000 und 8500 Euro je Quadratmeter kosten, wobei der Durchschnitt bei rund 6000 Euro pro Quadratmeter liegt - inklusive Steuern. „Alle Residenzen in Porto Montenegro werden mit einem gesicherten Eigentumsrecht verkauft“, heißt es in den Unterlagen. Es gebe keine Einschränkungen für den Wiederverkauf der Apartments oder Liegeplätze, sobald der Eigentümer das Grundrecht erworben habe.
Kleines Land, große Pläne
Tatsächlich bemüht sich die noch junge Republik Montenegro, mit einem großen Entgegenkommen ihren Teil zur Erfüllung des Traums vom zweiten Monaco beizutragen. So verfügt beispielsweise der junge Australier Oliver Corlette als verantwortlicher Projektleiter von Porto Montenegro, wenn es darauf ankommt, über einen direkten Draht zur Regierung. „Das Land ist klein genug, um große Dinge zu vollbringen“, lautet seine Einschätzung.
Einen Blick in die Zukunft Montenegros als aufstrebender Treffpunkt der Superreichen gewährte schon wenige Monate nach der Unabhängigkeit 2006 der James-Bond-Film „Casino Royale“. Die Schlüsselszene des Films - ein Pokerduell zwischen dem britischen Geheimagenten und seinem Kontrahenten Le Chiffre - siedelten die Drehbuchautoren in der einstigen jugoslawischen Teilrepublik an. Sie wollten ihrer Zeit offensichtlich voraus sein. Ein edles Hotel mit einem Casino für höchste Ansprüche war in dem Streifen zu bewundern, umrahmt von einem malerischen Straßenbild aus engen Gassen und gemütlichen Restaurants. Die Kulissen mussten damals noch in Tschechien und auf den Bahamas aufgebaut werden. Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass schon bald an Originalschauplätzen gedreht werden kann.


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