Rumänisch-türkische Kooperation: Die 10 Milliarden Dollar-Partnerschaft





Das von den Staatschefs der beiden Länder am Montag unterzeichnete strategische Partnerschaftsabkommen eröffnet eine neue Etappe der Beziehungen zwischen Rumänien und der Türkei. Die neue Partnerschaft visiert einerseits auslands- und sicherheitspolitische Aspekte an, einschließlich in punkto US-Raketenabwehrsystem, und andererseits den Ausbau der wirtschaftlichen Kooperation, insbesondere im Energiebereich. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hob dabei das Interesse seines Landes hervor, dass derzeitige bilaterale Handelsvolumen praktisch zu verdoppeln − man strebe ein künftiges bilaterales Handelsvolumen von 10 Milliarden Dollar jährlich an.

Gül bezeichnete die bilateralen Beziehungen als „besonders eng“, während Traian Basescu betonte, dass Rumänien den angestrebten EU-Beitritt der Türkei "vorbehaltlos" unterstützt. Er sei überzeugt, dass „die türkische Nation durch ihre Dimension, ihren Dynamismus und ihre Jugend einen erheblichen Beitrag zur Revitalisierung des traditionellen Europa leisten" könne, sagte das rumänische Staatsoberhaupt auf der gemeinsamen Pressekonferenz.

Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist die Türkei für Rumänien zurzeit der wichtigste Handelspartner außerhalb des Europäischen Union − Ende September lag der bilaterale Handelsaustausch bei 3,5 Milliarden Euro. Fokussiert wird nun besonders der Ausbau der Kooperation im Energiebereich − neben dem Nabucco-Pipelineprojekt dürften auch weitere, von Rumänien ins Auge gefasste Regionalprojekte wie etwa die Aserbaidschan-Georgia-Romania-Interconnection (AGRI, auch White Stream benannt) erörtert worden sein. Der Chef der AGRI Project Company, Corneliu Condrea, hatte erst vor wenigen Monaten erläutert, dass eine Aufnahme der Verhandlungen mit der Türkei empfehlenswert sei, damit Ankara Schiffstransporten mit tiefgekühltem Erdgas durch den Bosporus grünes Licht erteilt.

In punkto Bosporus machte der türkische Präsident seinem rumänischen Amtskollegen im Übrigen ein Kompliment, das bei Traian Basescu wie Öl runtergegangen sein dürfte − der rumänische Staatschef sei als ehemaliger Schiffskommandant ein herausragender Kenner des Bosporus, sagte Abdullah Gül. Basescu gab das Kompliment zurück und entgegnete, dass dies wohl zweifelsfrei auf die türkischen Kapitäne zutreffe.

Der rumänische Präsident unternimmt zurzeit einen zweitägigen Staatsbesuch in der Türkei, begleitet wird er dabei von Außenminister Teodor Baconschi und Wirtschaftsminister Ion Ariton. Am Dienstag stehen in Istanbul Gespräche mit dem türkischen Ministerpräsidenten, Recep Tayyip Erdogan, an, der sich zurzeit nach einem chirurgischen Eingriff erholt. Vor Ort beteiligt sich Traian Basescu sodann auch an einem rumänisch-türkischen Wirtschaftsforum.