Serbien verärgert die Ausländer
In der Deutschen Botschaft in Belgrad herrscht Entsetzen. Es werde eine gemeinsame Protestnote mit den anderen EU- Ländern bei der serbischen Regierung geplant, heißt es dort. Eine neue Zollverordnung, die seit Jahresbeginn gilt, hat für solche Aufregung und Verärgerung gesorgt.

Ausländische Manager, Journalisten und Unternehmer dürfen neuerdings während der Zeit ihres Aufenthaltes im Lande weder Hausrat noch ihr Auto zollfrei einführen, sondern müssen saftige Abgaben von bis zu mehreren zehntausend Euro entrichten. Schlimmer noch: Ausländer, die vor Jahren ihre persönlichen Habseligkeiten ins Land gebracht hatten, werden jetzt nachträglich kräftig zur Kasse gebeten.

"Es sieht so aus, dass man die Ausländer vertreiben will", meinen einige westliche Diplomaten in Belgrad. Dass hinter der neuen Zollverordnung aber wirklich eine dogmatische politische Linie steckt, wird von anderen Diplomaten jedoch bezweifelt. Es handle sich um eine "Mischung aus Schlamperei, Unwissenheit und Schildbürgerstreich". Doch weil eine neue serbische Regierung auf sich warten lässt, wagt niemand eine Prognose, wie es weitergehen könnte.

Von den Betroffenen wurden die neuen Zölle bisher ausnahmslos nicht akzeptiert. "Warum soll ich dem serbischen Staat Abgaben zahlen, damit ich in Belgrad meine gebrauchten Anzüge tragen und mein Auto nutzen darf", heißt es unisono. Die meisten angereisten Ausländer haben ihren Hausrat bereits wieder nach Hause geschickt und ihren Pkw außer Landes gebracht.

"Ein Schaden für das Land"
Selbst die Zollverwaltung, die nach eigener Darstellung vom Finanzministerium nicht über die neuen Zollverordnungen informiert wurde, ist empört. Die Abgaben für Ausländer seien "irrational hoch", heißt es. Auch im Informationsministerium schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen. "Das sind völlig wahnwitzige Bestimmungen, die dem Ansehen unseres Landes schaden", ist die Analyse eindeutig.

Nicht viel besser als den Ausländern erging es den serbischen Gastarbeitern, die bisher bei der Rückreise in ihre Heimat gebrauchte Haushaltsgüter im Wert von bis zu 5000 Dollar mitnehmen durften. Auch sie müssen jetzt 33 Prozent Zoll zahlen. Es sei ein Skandal, dass er zu Hause keine Arbeit finde, sich im Ausland durchschlagen müsse und dann noch für seinen Fleiß in Serbien bestraft werde, sagen sie.

Sollten die neuen Bestimmungen bestehen bleiben, droht auch der ohnehin darniederliegenden heimischen Wirtschaft schwerer Schaden. Denn kaum jemand mag glauben, dass westliche Firmen und ihre Manager, die trotz des widrigen Investitionsklimas nach Serbien gekommen sind, die neuen hohen Zollabgaben zahlen werden.