Im Schmiergeldskandal von Siemens soll sich Volker Jung als erster ehemaliger Zentralvorstandsmitarbeiter vor Gericht verantworten. Mit ihm stehen drei weitere Ex-Zentralvorstände im Visier der Ermittler.

Die Athener Staatsanwaltschaft wolle den 69-jährigen Volker Jung im Zusammenhang mit Geschäften mit der griechischen Telefongesellschaft OTE vor Gericht bringen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Dies wäre die erste Anklage gegen einen früheren Zentralvorstand im Schmiergeldskandal des Industriekonzerns.

Jung habe gegenüber den Staatsanwaltschaften in Athen und München bestritten, von den Korruptionspraktiken bei Siemens gewusst zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der Industriekonzern für lukrative Aufträge Millionenbeträge an OTE-Manager gezahlt und auch bei anderen Projektvergaben, wie für ein Projekt bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen, sollen Bestechungsgelder gezahlt worden sein.

Auch in München ermittle die Staatsanwaltschaft gegen den langjährigen Siemens-Manager. Mit Jung stünden zudem drei weitere Ex-Zentralvorstände im Verdacht, Schmiergeldzahlungen des Konzerns an Geschäftspartner und Regierungen geduldet oder gar angeordnet zu haben, schreibt das Blatt weiter. Ob Anklage erhoben wird, sei noch offen.

Jung arbeitete von 1992 bis 2003 im Zentralvorstand und war bei Siemens zeitweise auch für Geschäfte in Griechenland zuständig gewesen. Der Münchner Konzern hatte in den vergangenen Jahren mit dem größten Korruptionsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte Schlagzeilen gemacht. Zwischen 1999 und 2006 sollen bei Siemens rund 1,3 Milliarden Euro Schmiergeld geflossen sein. (sh/Reuters)