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Wirtschaft der Türkei - Türkiye Ekonomisi - Economy of Turkey

Erstellt von Popeye, 24.12.2007, 03:46 Uhr · 2.971 Antworten · 251.611 Aufrufe

  1. #981
    Avatar von Leonidas300

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    FINANZMÄRKTE

    Türkische Zentralbank verwirrt mit Senkung des Leitzinses

    Deutsch Türkische Nachrichten, Regina Körner | Veröffentlicht: 05.08.11, 17:30 | Aktualisiert: 06.08.11, 09:39 | 1 Kommentar
    Auf den Börsen ging es in der vergangenen Woche vor allem abwärts. Die türkische Zentralbank überraschte die Welt durch eine Senkung der Leitzinsen. Beobachter rätseln über die Ursachen für diesen Schritt.

    Empfehlen8



    Themen: Börse, Finanzpolitik, Leitzins, Lombardsatz, Moody’s, Nihat Ergun, Rezession, Staatsverschuldung, TCMB, Türkei, Türkische Zentralbank
    Wird die Taktik der Türkischen Zentralbank aufgehen? Experten sind sich da nicht so sicher. (Foto: ddp images)

    Weltweit brachen gestern und heute die Börsenkurse ein: Laut Spiegel verlor der Nikkei in Tokio 3,7 Prozent. Die Börse in Hongkong fiel sogar um 4,7 Prozent, die Aktien in Shanghai notierten 1,7 Prozent im Minus. Der Markt in Sydney verbuchte ein Minus von 4,0 Prozent, die Börse in Seoul von 3,7 Prozent. Der DAX brach am Freitag zeitweise um mehr als 4% ein. Während Analysten noch bemüht sind, die Gründe zu benennen, verwirrte die Türkische Zentralbank (TCMB) die Finanzmärkte laut Presseberichten zusätzlich durch eine überraschende Senkung des kurzfristigen Leitzinses von 6,25% auf 5,75%.Auf ihrer Internetseite hat die TCMB diesen Schritt mit Sorgen um die Staatsverschuldungskrisen in Europa und die gedämpften globalen Wachstumserwartungen begründet. Um den Abwärtstrend in der kurzfristigen Zinsentwicklung abzubremsen, erhöhte die TCMB außerdem den Tagesleihzins von 1,5% auf 5%, während der Lombardsatz (den von der Zentralbank festgesetzten Zinssatz, zu dem sich Banken bei den Zentralbanken Geld leihen können) weiterhin bei 9% bleibt. Insgesamt will die TCMB so das Risiko einer Rezession in der Türkei mit ihrer schnell wachsenden Wirtschaft vermindern.
    Türkischer Zentralbank Wachstum wichtiger als Preisstabilität?

    Kritiker beurteilen den Schritt allerdings als kontraproduktiv. Damit würden bisherige Anstrengungen, die brodelnde Wirtschaftsentwicklung durch gezielte finanzpolitische Maßnahmen zu beruhigen, untergraben. Hürriyet Daily News berichtet, Wirtschaftsexperten würden den Schritt so interpretieren, dass der TCMB wirtschaftliches Wachstum wichtiger sei, als Preisstabilität.
    Das türkische Wirtschaftswachstum betrug 2010 mit 8,9% deutlich mehr, als erwartet. Allerdings warnte die Ratingagentur Moody’s diese Woche, dass die stetig wachsende Staatsverschuldung und das Ungleichgewicht zwischen Exporten und heimischem Konsum die erwarteten Wachstumsraten beeinträchtigen könnten: Die Wirtschaft zeigt leichte Anzeichen einer Überhitzung. In diesem Jahr dürfte das Kreditvolumen um fast 40 Prozent gegenüber dem letzten Jahr zunehmen. Grund dafür sind die starke private Konsumnachfrage und intensive Investitionstätigkeit. Gleichzeitig hat die türkische Lira im letzten Jahr rund 16% gegenüber Dollar und Euro verloren.
    Gezieltes Handeln der Regierung, um Türkei zu schützen

    Das Wall Street Journal berichtet, am Freitag haben der türkische Finanz-, Wirtschafts- und Industrieminister der Öffentlichkeit nacheinander versichert, es bestünde kein Grund zur Panik. Die türkische Regierung und Zentralbank würden gezielt handeln, um zu verhindern, dass die Türkei von weiteren globalen Einbrüchen in Mitleidenschaft gezogen würde.
    „Wir können keine Entwicklungen zulassen, die eine Rezession in der Türkei verursachen würden“, sagte Industrieminister Nihat Ergun bei einer Pressekonferenz in Ankara. Man sei sich innerhalb der Regierung über eine straffe Finanzpolitik einig, um einen Anstieg des Preisniveaus zu verhindern.
    Ob dies durch billigeres Geld erreicht werden kann, darf Experten zufolge allerdings bezweifelt werden.

  2. #982
    Avatar von Katana

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    Zitat Zitat von Firtina Beitrag anzeigen
    das die wirtschaft immer mehr wächst ist natürlich sehr gut.. nur finde ich das nicht nur großstädte wie istanbul , izmir ... davon profitieren sollten.. es sollte auch in die städte im osten der türkei investiert werden( hakkari, van ... usw. ) ich vermisse einen generellen aufschwung.. ich vermute mal das am ende die reichen reicher und die armen ärmer werden ..
    Blödsinn, bei dem anhaltenden türkischen Wirtschaftswachstum profitieren viele zahlreiche Städte entlang der Schwarzmeerküste und in Anatolien.

    Erst mal genauer informieren.

  3. #983
    Avatar von Katana

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    Zitat Zitat von Leonidas300 Beitrag anzeigen
    FINANZMÄRKTE

    Türkische Zentralbank verwirrt mit Senkung des Leitzinses

    Deutsch Türkische Nachrichten, Regina Körner | Veröffentlicht: 05.08.11, 17:30 | Aktualisiert: 06.08.11, 09:39 | 1 Kommentar
    Auf den Börsen ging es in der vergangenen Woche vor allem abwärts. Die türkische Zentralbank überraschte die Welt durch eine Senkung der Leitzinsen. Beobachter rätseln über die Ursachen für diesen Schritt.

    Empfehlen8



    Themen: Börse, Finanzpolitik, Leitzins, Lombardsatz, Moody’s, Nihat Ergun, Rezession, Staatsverschuldung, TCMB, Türkei, Türkische Zentralbank
    Wird die Taktik der Türkischen Zentralbank aufgehen? Experten sind sich da nicht so sicher. (Foto: ddp images)

    Weltweit brachen gestern und heute die Börsenkurse ein: Laut Spiegel verlor der Nikkei in Tokio 3,7 Prozent. Die Börse in Hongkong fiel sogar um 4,7 Prozent, die Aktien in Shanghai notierten 1,7 Prozent im Minus. Der Markt in Sydney verbuchte ein Minus von 4,0 Prozent, die Börse in Seoul von 3,7 Prozent. Der DAX brach am Freitag zeitweise um mehr als 4% ein. Während Analysten noch bemüht sind, die Gründe zu benennen, verwirrte die Türkische Zentralbank (TCMB) die Finanzmärkte laut Presseberichten zusätzlich durch eine überraschende Senkung des kurzfristigen Leitzinses von 6,25% auf 5,75%.Auf ihrer Internetseite hat die TCMB diesen Schritt mit Sorgen um die Staatsverschuldungskrisen in Europa und die gedämpften globalen Wachstumserwartungen begründet. Um den Abwärtstrend in der kurzfristigen Zinsentwicklung abzubremsen, erhöhte die TCMB außerdem den Tagesleihzins von 1,5% auf 5%, während der Lombardsatz (den von der Zentralbank festgesetzten Zinssatz, zu dem sich Banken bei den Zentralbanken Geld leihen können) weiterhin bei 9% bleibt. Insgesamt will die TCMB so das Risiko einer Rezession in der Türkei mit ihrer schnell wachsenden Wirtschaft vermindern.
    Türkischer Zentralbank Wachstum wichtiger als Preisstabilität?

    Kritiker beurteilen den Schritt allerdings als kontraproduktiv. Damit würden bisherige Anstrengungen, die brodelnde Wirtschaftsentwicklung durch gezielte finanzpolitische Maßnahmen zu beruhigen, untergraben. Hürriyet Daily News berichtet, Wirtschaftsexperten würden den Schritt so interpretieren, dass der TCMB wirtschaftliches Wachstum wichtiger sei, als Preisstabilität.
    Das türkische Wirtschaftswachstum betrug 2010 mit 8,9% deutlich mehr, als erwartet. Allerdings warnte die Ratingagentur Moody’s diese Woche, dass die stetig wachsende Staatsverschuldung und das Ungleichgewicht zwischen Exporten und heimischem Konsum die erwarteten Wachstumsraten beeinträchtigen könnten: Die Wirtschaft zeigt leichte Anzeichen einer Überhitzung. In diesem Jahr dürfte das Kreditvolumen um fast 40 Prozent gegenüber dem letzten Jahr zunehmen. Grund dafür sind die starke private Konsumnachfrage und intensive Investitionstätigkeit. Gleichzeitig hat die türkische Lira im letzten Jahr rund 16% gegenüber Dollar und Euro verloren.
    Gezieltes Handeln der Regierung, um Türkei zu schützen

    Das Wall Street Journal berichtet, am Freitag haben der türkische Finanz-, Wirtschafts- und Industrieminister der Öffentlichkeit nacheinander versichert, es bestünde kein Grund zur Panik. Die türkische Regierung und Zentralbank würden gezielt handeln, um zu verhindern, dass die Türkei von weiteren globalen Einbrüchen in Mitleidenschaft gezogen würde.
    „Wir können keine Entwicklungen zulassen, die eine Rezession in der Türkei verursachen würden“, sagte Industrieminister Nihat Ergun bei einer Pressekonferenz in Ankara. Man sei sich innerhalb der Regierung über eine straffe Finanzpolitik einig, um einen Anstieg des Preisniveaus zu verhindern.
    Ob dies durch billigeres Geld erreicht werden kann, darf Experten zufolge allerdings bezweifelt werden.
    Die Lehman Broth. Weltwirtschaftskrise hatte die Türkei sogut wie garnicht gekratzt, der Wirtschaftspolitik welche die AKP führt sei gedankt.

    Man versucht immer mehr von der europäischen Abhängigkeit loszukommen indem man sich mehr auf Afrika, Kaukasus, Naher Osten und Asien spezialisiert. Bauindustrie, Konsumgüter, Dienstleistung, Visafreiheit mit zahlreichen Nachbarstaaten uvm. sprechen für sich.

    In diesem aktuellen Fall hoffe ich, das die Strategie aufgeht. Die Zentralbank senkt den Leitzins wodurch die Lira billiger wird und mehr Geld in Umlauf kommt. Dadurch wird der Konsum und der Import gestärkt, andererseits wird die Lira künstlich entwertet um nicht den Export zu gefährden....

  4. #984

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    Zitat Zitat von Iason Beitrag anzeigen

    Das sind Militärparolen, ich weiß ehrlich gesagt nicht wofür die gut sind..

    Ich als 24 Jähriger damals im Militär hab bei solchen Parolen meinen Mund gehalten, genauso wie meine Kameraden aus den USA, Finnland, Kanada und Australien (alle über 22) , nur die jungen Griechen aus Griechenland sangen mit dabei.

    Hast eine Warnung bekommen dafür, zurecht, oder ungerecht, es interessiert mich nicht, der Mod kann kein Gr.

    Normaler Weise müsste man nach dieser Warnung, auch alle Pro-Amerikaner warnen, denn denen Parolen hören sich noch brutaler an.

    Und: ausgerechnet T-Tiger musste so was melden, der in seiner Signatur Kriegsflugzeuge trägt, ist das nicht witzig?

  5. #985
    economicos
    Zitat Zitat von NickTheGreat Beitrag anzeigen
    Das sind Militärparolen, ich weiß ehrlich gesagt nicht wofür die gut sind..

    Ich als 24 Jähriger damals im Militär hab bei solchen Parolen meinen Mund gehalten, genauso wie meine Kameraden aus den USA, Finnland, Kanada und Australien (alle über 22) , nur die jungen Griechen aus Griechenland sangen mit dabei.

    Hast eine Warnung bekommen dafür, zurecht, oder ungerecht, es interessiert mich nicht, der Mod kann kein Gr.

    Normaler Weise müsste man nach dieser Warnung, auch alle Pro-Amerikaner warnen, denn denen Parolen hören sich noch brutaler an.
    Ist jedem selbst ueberlassen, in den anderen Laendern ist es nicht anders. Ich fand das immer motivierent, wenn ich z.B. mein Knie bei den Strafliegstuetze abgesetzt haben und der offizier schrie: Mono oi tourkoi kanoun auto ! etc. Die wurden immer ins laecherliche gezogen...

  6. #986

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    Zitat Zitat von karter91 Beitrag anzeigen
    Ist jedem selbst ueberlassen, in den anderen Laendern ist es nicht anders. Ich fand das immer motivierent, wenn ich z.B. mein Knie bei den Strafliegstuetze abgesetzt haben und der offizier schrie: Mono oi tourkoi kanoun auto ! etc. Die wurden immer ins laecherliche gezogen...
    Ich fands eher beschämend, ich schämte mich dafür, obwohl ich nicht selbst gesungen habe...genau, in den anderen Ländern sieht es auch nicht anders aus....die Offiziere sind schuld an der ganzen Sache, wenn Du es motivierend fands, dann tut es mir leid für dich....ich hab mich von den Offizieren nicht beeinflussen lassen.

  7. #987
    Avatar von Ts61

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    Zitat Zitat von TurkishTiger Beitrag anzeigen
    Blödsinn, bei dem anhaltenden türkischen Wirtschaftswachstum profitieren viele zahlreiche Städte entlang der Schwarzmeerküste und in Anatolien.

    Erst mal genauer informieren.


    Ja sie bekommen den Rest vom Kuchen da hast du recht!

    Wieviel sie bekommen wissen wir alle und man sieht es auch im Osten der Türkei!

    Im Vergleich zum Westen ist es ein Eselwitz was die Städte im Osten bekommen.

  8. #988
    Avatar von Candaroğlu

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    Zitat Zitat von NickTheGreat Beitrag anzeigen
    Und: ausgerechnet T-Tiger musste so was melden, der in seiner Signatur Kriegsflugzeuge trägt, ist das nicht witzig?
    Bilder von Kampfjets kannst du doch nicht mit brennenden Flaggen vergleichen.

  9. #989
    Avatar von Katana

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    Jetzt les ich es erst, Nick hats nochmal nacheditiert.

    Hab ich ein Video im Wirtschaftsthread Griechenland gepostet wo Fahnen verbrannt werden und Soldaten den Griechen in Sprechchören den Tod wünschen?

    Das ist eindeutig zuviel und diese Diskussion hat eigentlich in diesem Thema nix zu suchen.

    Was ist mit den Kampfjets?

  10. #990
    Avatar von Katana

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    Die anatolischen Tiger kommen

    Die Erfolgsstory türkischer Unternehmer in Afrika

    von Alain Vicky

    Die türkischen Unternehmer richten ihren Blick wieder nach Afrika. Der Präsident des türkischen Unternehmer- und Industriellenverbands Tuskon ist begeistert: "Das Interesse an einem Zugang zum afrikanischen Markt hat stark zugenommen. Jeden Tag erhalten wir dutzende Nachfragen zu Informationen über diesen Kontinent".1
    Der 2005 gegründete Verband zählt mittlerweile 29 000 Mitglieder. Im Gegensatz zu der bekannteren Unternehmervereinigung Tüsiad repräsentiert Tuskon hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen, doch rund 100 der Tuskon-Mitglieder gehören mittlerweile zu den 500 größten türkischen Unternehmen. Präsident Rizanur Meral erklärt die Attraktivität von Tuskon damit, dass sich der Verband vor allem um die "Entwicklung von Geschäftsaktivitäten" bemüht: "In Anatolien verfügen wir über eine solide Produktionsstruktur, die von der haci babalar [der älteren Generation der Mekka-Pilger] aufgebaut wurde und die jetzt die kravatli ogullari [die ,Söhne mit Krawatte'] weiterentwickeln wollen."
    Tuskon ist das neue Aushängeschild der Unternehmer in der Türkei. Das Land mit einer Bevölkerungszahl von 75 Millionen ist mittlerweile auf Platz 17 der größten Volkswirtschaften vorgerückt.(2) Und was den Außenhandel betrifft, bringen es die 20 größten Wirtschaftsmetropolen des Landes heute auf einen Exportumsatz von jeweils einer Milliarde US-Dollar pro Jahr oder mehr. Zu diesen Metropolen zählen inzwischen - neben der seit jeher dominierenden Wirtschaftsregion Istanbul - vor allem die Großstädte Zentralanatoliens wie Kayseri, Konya, Gaziantep.
    Seit 1998 ist die Türkei zurück auf der großen Bühne der Weltwirtschaft. Damals unternahm es Ismail Cem, der Außenminister der konservativen Regierung von Mesut Yilmaz, die "internationale Ausrichtung der Türkei neu zu definieren, um den Status des reinen Westalliierten zu überwinden und die Rolle eines aktiven und konstruktiven globalen Akteurs einzunehmen". Nach Ansicht des Ökonomen Mehmet Özkan und des Politologen Birol Akgün(3) war diese Neuausrichtung "zum Teil" eine Reaktion auf die Entscheidung des Europäischen Rats von 1997, den Antrag der Türkei auf den Beitritt zur EU abzulehnen.(4) Mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von über 5 Prozent bot der "schwarze Kontinent" für Ankara neue außenwirtschaftliche Perspektiven. Doch logistische Probleme und Spannungen innerhalb der damaligen Regierungskoalition verhinderten die sofortige Realisierung der Afrika-Pläne im Rahmen dieser Neuorientierung.
    Erste Schritte in dieser Richtung unternahm dann seit 2002 die AKP-Regierung. Treibende Kraft war von Anfang an der Politikwissenschaftler und außenpolitische Berater von AKP-Chef Erdogan, Ahmet Davutoglu, der 2009 zum Außenminister befördert wurde. 2005 wurde für die türkische Außenpolitik das "Afrikanische Jahr" ausgerufen. Recep Tayyip Erdogan reiste als erster türkischer Ministerpräsident nach Afrika, besuchte Pretoria und Addis Abeba, den Sitz der Afrikanischen Union. 2007 folgte eine weitere Initiative: Die Türkei organisierte eine Ministerkonferenz der ärmsten Länder (Least Developed Countries, LDC), zu denen 33 afrikanische Staaten gehören. Aus diesem Anlass bewilligte Ankara Entwicklungsgelder in Höhe von 20 Millionen US-Dollar für den Zeitraum bis 2011.
    "Made in Turkey" gilt in Afrika mehr als "Made in China"

    2008 war ein weiteres Jahr der türkisch-afrikanischen Annäherung. Im August fand in Istanbul das erste Gipfeltreffen der türkisch-afrikanischen Kooperation statt, an dem 42 afrikanische Staaten teilnahmen. Im Oktober erlangte die Türkei mit Unterstützung von 51 der 52 afrikanischen Staaten einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Und im Dezember wurde an der Universität Ankara ein Institut für angewandte Afrikaforschung gegründet.
    Die schwächelnde europäische Wirtschaft und die 2008 ausgebrochene globale Finanzkrise waren für die neue Generation türkischer Unternehmer, die "anatolischen Tiger", eine große Chance, das von der türkischen Diplomatie eröffnete Terrain zu nutzen. Nachdem sie schon im lange im Mittleren Osten und Zentralasien aktiv waren, begannen sie nun sich auch in Subsahara-Afrika zu engagieren.
    Dazu bemerkt Sedat Laciner vom Thinktank Usak in Ankara: "Im Gegensatz zur Elite des Industriellenverband Tüsiad, die vor allem mit dem Westen Geschäfte macht und das Risiko meidet, haben die Tuskon-Unternehmer in Afrika eine neues Betätigungsfeld gefunden." Ähnlich betont Ihsan Daghi, der AKP-nahe Chefredakteur der Zeitschrift Inside Turkey und Dozent am Institut für internationale Beziehungen der Technischen Universität Ankara, man könne die neue Politik der türkischen Regierung in Afrika und anderen Weltgegenden nicht verstehen, "ohne die Aktivitäten dieses neuen privatwirtschaftlichen Sektors zu berücksichtigen".
    Die Erfolgsstorys dieses Sektors haben dazu beigetragen, die anfängliche Skepsis vieler türkischer Beobachter abzubauen. "Als die Türkei für 2005 das ,Afrikanische Jahr' ankündigte, waren viele hohe Beamte, Diplomaten und die Presse skeptisch", berichten Özkan und Akgün. "Die meisten dieser Leute sahen darin eine Verschwendung von Zeit, Energie und Humanressourcen. Die Einzigen, die an diese Initiative glaubten und sie unterstützten, waren die Unternehmerverbände und die AKP-Regierung selbst. Aber seit die ersten Erfolge sichtbar wurden, sind all die kritischen Stimmen verstummt."
    Die Entwicklung der diplomatischen und Handelsbeziehungen der Türkei mit dem afrikanischen Kontinent zeigt sich darin, dass Ankara innerhalb eines Jahrzehnts die Zahl seiner Botschaften in Afrika verdreifacht hat; heute sind es 27, und 15 davon wurden allein 2009 und 2010 eröffnet. Damit unterhält die Türkei genauso viele Vertretungen in Afrika wie Indien. Die Türkei hat Beobachterstatus bei der Afrikanischen Union, beteiligt sich an fünf UN-Friedensmissionen in Afrika(5), und vor der Küste Somalias kreuzen ein Dutzend türkischer Fregatten, die zu der internationalen Antipirateriemission gehören. Zudem gehört die Türkei zu den nichtafrikanischen Teilhabern an der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfEB)(6) und strebt die Einrichtung einer Freihandelszone mit der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) an.(7)
    Turkish Airlines, die achtgrößte Fluggesellschaft der Welt, fliegt mittlerweile 14 Städte und 12 Länder in Afrika an. Das Volumen des Handels zwischen der Türkei und den subsaharischen Ländern soll sich 2009 auf fast 20 Milliarden US-Dollar vergrößert und damit seit 2003 verdreifacht haben (Hauptpartner sind dabei Südafrika und Nigeria). Die türkischen Exporte in die Länder südlich der Sahara beliefen sich 2009 auf 10,2 Milliarden Dollar, das sind mehr als 10 Prozent der türkischen Gesamtausfuhren.
    Diese Erfolge haben eine konkrete Basis: Produkte "Made in Turkey" (wie Baumaterialien, Lebensmittel, Maschinen, Textilien, Bekleidung, medizinische Geräte, Informationstechnologie, Hygiene- und Reinigungsmittel) sind 20 bis 30 Prozent billiger als die entsprechenden EU-Produkte und haben bei den afrikanischen Konsumenten einen besseren Ruf als die aus China.
    Aluminiumtöpfe und eine Brücke in Khartum

    "Die Bauern des afrikanischen Kontinents erkennen auf den ersten Blick die Qualität unserer Produkte" sagte Metin Demir, Generaldirektor bei Pancar Motors, vor einer Delegation von 40 Unternehmern aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK), die im Mai 2008 aus Anlass der "Türkisch-Afrikanischen Handelsbrücke"nach Istanbul gekommen waren. Pancar Motors produziert seit mehr als 50 Jahren Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen, und Demir konnte stolz erklären: "Wenn man sie zu pflegen weiß, halten unsere Motoren jahrelang."
    Die Chefs von Arzu Metal, Seref und Serdar Sayoglu, sind ebenfalls zufrieden. Ihre Firma produziert Kochtöpfe und Teeservice aus Aluminium, die bei den afrikanischen Kunden gut ankommen, "weil sie billiger sind als Küchenutensilien aus Edelstahl".
    Neben den großen türkischen Baufirmen, die mit riesigen Infrastrukturprojekte beauftragt sind - wie die Kaduna-Autobahn im Norden Nigerias und die Al-Mak-Nimr-Brücke in Khartum -, haben inzwischen über 400 kleine und mittelständische türkische Unternehmen in Afrika Fuß gefasst und im letzten Jahr mehr als 500 Millionen Dollar investiert. Während des Besuchs von Präsident Abdullah Gül in Kamerun im März 2010 meinte Toussaint Mboka Tongo, Präsident der Unternehmervereinigung Mecam: "Die Türkei kann den lokalen afrikanischen Kleinunternehmern, die ihre Rohstoffe weiterverarbeiten müssen, in vielen Dingen helfen."
    Ähnlich wie Peking mischt sich auch Ankara nicht in die inneren Angelegenheiten seiner afrikanischen Partnerländer ein. Das schließt jedoch offene Kritik an den Partnern nicht aus: Angeblich hat der türkische Ministerpräsident Erdogan beim Türkisch-Afrikanischen Gipfel 2008 den sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir, der kurz zuvor vom Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) beschuldigt worden war, wegen der Situation in Darfur scharf kritisiert.
    Allerdings hat die Türkei, die auch Mitglied der Arabischen Liga ist, in der Darfur-Frage nie von einem Völkermord gesprochen.(9) Die Verbindungen zwischen den beiden Ländern sind eng, der Sudan gehörte 1820 bis 1855 zum Osmanischen Reich (siehe Kasten). Heute sind mehr als 80 türkische Firmen im Sudan niedergelassen. Für den sudanesischen Botschafter in Ankara, Omer Haidar Abu Zaid Idem, ist die Türkei auch deshalb so populär, weil sie sich für die Palästinenser einsetzt, wie die Unterstützung der "Gaza-Flottille" im September 2010 gezeigt habe. Zudem habe sich Ankara, an der Seite Brasiliens, 2010 gegen die neuen Iran-Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gestellt.
    Die Hinwendung der Türkei zu Afrika blieb international natürlich nicht unbemerkt. Ankaras "neo-osmanische" Ambitionen im Nahen Osten werden sehr genau beobachtet. Manche Experten sehen auch einen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Expansion und der Ausbreitung des Islam. So hat etwa die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet 2010 ein hochrangiges Treffen mit muslimischen Würdenträgern aus Afrika organisiert, und im selben Jahr wurden 300 afrikanische Studenten zum Theologiestudium in der Türkei eingeladen.(10)
    In die Schusslinie geriet dabei vor allem die Organisation für Menschenrechte und humanitäre Hilfe (IHH), eine der Mitorganisatorinnen der "Gaza-Hilfsflottille" von 2010. Die IHH ist seit Mitte der 1990er Jahre in Afrika engagiert. Heute arbeitet sie in 41 Ländern, derzeit betreibt sie eine große Kampagne für die operative Behandlung von am grauen Star erkrankten Menschen, und das unter dem Motto: "Lasst die Türken 100 000 Afrikanern die Augen öffnen, damit 100 000 Afrikaner zusammen mit der Türkei sehen können." Die Verantwortlichen der IHH betonen: "Wir gehen zu denen, um die sich niemand kümmert."
    Beunruhigend ist auch die Verbindung zwischen den streng religiösen und nationalistischen Unternehmern von Tuskon und der Fethullah-Gülen-Bewegung.(11) Deren Gründer ist ein islamischer Prediger und Religionsphilosoph, der angesichts der Mobilisierung sehr vieler Anhänger von den Zeitschriften Foreign Policy und Prospect zum "einflussreichsten Denker der Welt" im Jahr 2008 erklärt wurde.



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