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Was wäre Berlin ohne die Türken?

Erstellt von TurkishRevenger, 17.10.2010, 13:24 Uhr · 189 Antworten · 15.251 Aufrufe

  1. #1
    TurkishRevenger

    Was wäre Berlin ohne die Türken?

    Berlin ohne Türken? Undenkbar. Oder doch? Aber was wäre dann mit der Bergmannstraße, dem Oranienplatz? Mit dem Markt am Maybachufer und dem Trubel am Kottbusser Tor? Etepetete statt Köfte?
    Die Wilmersdorfisierung von Kreuzberg wäre jedenfalls kaum mehr aufzuhalten, und die „besseren“ Ecken von Neukölln würden dem Gebiet rund um den Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg bis aufs blondierte Haar ähneln, wo der Latte macchiato Nationalgetränk ist und alle irgendwie gleich und gleich gut aussehen. Und ziemlich langweilig. Selbst der berühmt-berüchtigte „Gemüsetürke“ um die Ecke, den inzwischen fast jeder anständige Deutsche stolz vorweisen kann, bildet hier eine winzige Minderheit. Dort, im Bionade-Reich der Besserlebenden, wo die Heizpilze aus dem Boden schießen und sich jeder zum „Kreativen“ und „Künstler“ berufen fühlt, der ein Glas aufgeschäumter Milch aus eigener Kraft halten kann.
    Nein, ohne die insgesamt rund 170.000 türkischstämmigen Menschen in Berlin, darunter viele mit deutschem Pass – etwa 5 Prozent der Gesamtbevölkerung, so viel Statistik muss auch nach dem Sarrazin-Wirbel sein – wäre Berlin nicht Berlin. Nicht so schön rau, schräg und manchmal abgründig. Das Klischeewort „bunt“ verkneifen wir uns auch an dieser Stelle nicht.



    6500 Firmen mit türkischen Chefs in Berlin

    Niemals hätte die deutsche Fußballnationalmannschaft mit Özil & Co. derart begeisternd ein „Auswärtsspiel“ im Olympiastadion gewinnen können. Dank an euch, türkische Fans! (Übrigens hat der Berliner Fußballverband heute 35000 Mitglieder mit Migrationshintergrund und es gibt 24 türkische Fußballklubs.)
    Harald Juhnke, ein großer Berliner, prägte einst den Satz „Die Türken gehören zu Berlin wie der Korn zur Molle“, wobei wir nicht verschweigen wollen, dass man die Sentenz auch umdrehen könnte: Harald Juhnke gehörte zur Molle wie die Türken zu Berlin. Ohne die Einwanderer aus der Türkei, die seit den frühen Sechzigerjahren nach Deutschland, vor allem aber ins damals noch geteilte Berlin kamen, um hart zu arbeiten, hätten Kollege Kasupke und alle anderen Eingeborenen gar nicht mitbekommen, dass es jenseits der Mauer auch andere Wesen gibt als West-Berliner Insulaner, Ostpreußen, Niederschlesier und Zonenflüchtlinge. Dr. Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung erklärt: „Vor dem Mauerfall hatte Berlin allgemein eine zurückgehende Einwohnerzahl, weil die Stadt in ihrem damaligen Status einer Frontstadt nicht besonders attraktiv war. Der Zuzug der türkischen Gastarbeiter hat diese rückläufige Bevölkerungszahl gestoppt, die Einwohnerzahl stabilisiert.“
    Während in Westdeutschland und anderen europäischen Staaten bereits die ersten Gastarbeiter arbeiteten, hatte die Berliner Wirtschaft noch wenig Bedarf. Das änderte sich mit dem Bau der Mauer 1961, als über Nacht 56283 Berufspendler aus dem Osten entfielen. So fehlten am 14. August 1961 rund 17000 Arbeitnehmer der Metall- und Elektroberufe (Siemens, Telefunken, AEG etc.), 6000 Bauleute, 5000 Näherinnen, 3800 Verkäuferinnen sowie 150 Krankenschwestern.
    Dr. Frank Gesemann von M&S-Migration und Stadtentwicklung forscht an den soziokulturellen Auswirkungen: „Fest steht, dass die Türken die Jobs für gering Qualifizierte übernommen haben und den Deutschen in jedem Fall einen sozialen Aufstieg ermöglicht haben.“
    Weg von den Gastarbeitern, von den gering Qualifizierten, zu den Karriere-Zahlen, die die IHK vor wenigen Tagen herausgegeben hat: Es gibt 6500 Betriebe mit türkischem Chef in Berlin. Am häufigsten in der Dienstleistungsbranche, der Gastronomie und bei Imbissen.



    42 Tonnen Döner werden in Berlin täglich verzehrt

    Wo wir bei der berühmten „Berliner Erfindung“ wären: dem Döner. In den 70er-Jahren kleidete ein Berliner Gastarbeiter das Tellergericht erstmals in einen Fladen, garnierte es mit Salat und Soße, würzte es intensiver als gewohnt. Die Türken schmeckten ihr Zuhause, die Berliner mampften mit. Inzwischen gibt es in der Hauptstadt 1100 Döner-Läden, täglich werden 42 Tonnen Döner verzehrt.
    Ohne das wirklich Fremde wäre „Toleranz“, was im Wortsinn ja auch „ertragen“ und „aushalten“ bedeutet, nur ein leeres Wort. So wurde es mit Leben erfüllt, gerade auch deshalb, weil sich die multikulturellen Träume vom permanenten Karneval der Kulturen, die seit den Siebzigerjahren vor allem in Kreuzberg gepflegt wurden, nicht erfüllt haben. Wie würden die Autonomen und Anarchos heute dastehen, so ganz ohne all die Menschen mit Migrationshintergrund? Der antirassistische, antiimperialistische und antifaschistische Kampf ginge praktisch ins Leere, und statt mit dem zwiebelsatten Döner Royal müssten sie sich nach der obligatorischen Straßenschlacht am 1. Mai mit einer Currywurst stärken, womöglich noch mit Pommes und Majo von McDonald’s! Na, so was! Und für wen sollte sich dann wohl Hans-Christian Ströbele in seinem lebenslangen Kampf gegen das herrschende Unrecht einsetzen? Eben. Nicht zuletzt Reibungen und Konflikte machen ja die Metropole aus, und wer wissen will, wie ein Leben „ohne Ausländer“ aussieht, der hat es nicht weit.
    Er muss bloß mal raus nach Brandenburg fahren, wo allenfalls ein einsamer Vietnamese in seinem Bretterverschlag seine Gemüsepfanne „Saigon de luxe, superscharf“ anbrät. Der Rest ist Tristesse nach Landesart. Weit und breit niemand, der dich „voll krass“ und „konkret“ anspricht mit dem Kreuzberger Grußwort: „Ey Alter, was guckst du?!“ Kanak Sprak vom Feinsten, von Kaya Yanar satirisch veredelt, von Django Asül ins Bayerische übersetzt und von Fatih Cevikkollu hinaus in die Welt getragen, bis nach Wanne-Eickel. Ohne die türkischen Einwanderer hätten in den Sechziger- und Siebzigerjahren deutsche Frauen aus dem Hunsrück oder dem Sauerland an den Werkbänken schuften müssen. Und erst die Wohnungen. Im alten Kreuzberger „SO 36“ gab es zahlreiche Altbauten, die auf ihren Abriss warteten und von ihren Besitzern vernachlässigt wurden. Die heruntergekommenen Behausungen mit Ofenheizung und Außentoilette fanden nur schwer deutsche Mieter, und so durften hier türkische Gastarbeiter einziehen. Praktischer Vorteil: Die Vermieter konnten sie leichter wieder loswerden, wenn abgerissen werden sollte.
    Im ganzen Sanierungsgebiet Kottbusser Tor / Oranienstraße lebten Anfang der Achtzigerjahre die meisten türkischen Haushalte ohne Sammelheizung, 89 Prozent besaßen kein Warmwasser, 84 Prozent hatten kein Bad oder keine Dusche und 73 Prozent keine Innentoilette. Kurz: Ohne die Türken wären damals noch viel mehr Häuser „instandbesetzt“ worden – Innensenator Lummer wäre die Hausbesetzerbewegung endgültig über den Kopf gewachsen. Die Revolution wäre ausgebrochen. Undenkbarer Zustand.
    „Liebe Ausländer“, hieß es damals rührend politisch korrekt, „lasst uns bitte nicht mit den Deutschen allein!“ Heute können wir sagen: Haben sie auch nicht! Und das war, frei nach Klaus Wowereit, auch gut so. Jetzt fehlt nur noch, dass Mesut Özil öffentlich bekennt: „Ich bin ein Berliner!“



    Migration: Was wäre Berlin ohne die Türken? - B.Z. Berlin - Reinhard Mohr, Türken

  2. #2
    Mudzo
    eine stadt ohne türken

  3. #3
    Jewel Paix
    meine lieblingsstadt.

  4. #4
    Chavo
    Was wäre Berlin ohne die Türken?

    Leer, sicherer, aufgeräumt.

  5. #5
    phαηtom
    kerkük türktür türk kalacak
    was heißt das in deiner sig?

  6. #6
    IbishKajtazi
    Zitat Zitat von Chavo Beitrag anzeigen
    Was wäre Berlin ohne die Türken?

    Leer, sicherer, aufgeräumt.

    Kann ich als Berliner nur unterschreiben, der Rest der was von Multikulti ist geil labert, hat keine ahnung von Berlin.

  7. #7

    Registriert seit
    12.10.2010
    Beiträge
    2.194
    Zitat Zitat von Vanni Beitrag anzeigen
    meine lieblingsstadt.

    warum?

  8. #8
    Fan Noli
    Zitat Zitat von Vanni Beitrag anzeigen
    meine lieblingsstadt.
    wegen den Türken?^^

  9. #9
    Beogradjanin
    Sauberer....

  10. #10
    TurkishRevenger
    Hat sich überhaupt jemand den Text durchgelesen?
    Der Thread ist eigentlich nicht dazu da, dass ihr auf den Threadtitel antwortet

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