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Abrahamische Ökumene (Judentum, Islam, Christentum)

Erstellt von Frieden, 09.04.2011, 15:24 Uhr · 4 Antworten · 1.949 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    13.02.2010
    Beiträge
    13.015

    Abrahamische Ökumene (Judentum, Islam, Christentum)

    zu aller erst musst ihr verstehen um was es hier geht, daher paar Versen, aus dem Koran, die bestätigen das Muhammad keine neue Religion brachte und das "Muhammedaner" (wie im Duden geschrieben steht) nicht aus Islam enstandene Begriff ist, sondern viel später nach ihm erfunden wurde.

    Dazu auch paar Versen aus der Bibel (NT), Jesus, der Abraham nicht verneinte und auch keine neue Religion "Christentum" brachte.

    So auch im Judentum, siehe dazu:
    Jehudi bezeichnet einen Nachkommen Judas, später die Bewohner des gleichnamigen Reiches. Dieser Name bedeutet schlicht „judäisch“ oder „Judäer“. Daraus entstand der Begriff Jude(n). Weil das ehemalige Südreich Juda und die Provinz Judäa in der Geschichte des Volkes Israel die herausragende Stellung einnahmen, gilt diese Bezeichnung heute für alle Menschen israelitischer Herkunft und Angehörige des Judentums.

    Juda (Bibel)

    das heißt, der Bergriff "Jude" stammt viele jahre später nach Abraham. genau so alle andere (Gruppirungen/Sekten)-Stämme.

    "Islam" ist keine neue Religion

    Sure 16:120-123
    Abraham war eine Gemeinschaft (umma) (für sich), Allah demütig ergeben, ein Hanief und kein Heide, dankbar für Allahs Wohltaten. Allah hat ihn erwählt und auf einen geraden Weg geführt. Und Wir gewährten ihm Gutes in dieser Welt, und im Jenseits wird er sicherlich unter den Rechtschaffenen sein.
    Daraufhin haben wir dir(
    Muhammad) (die Weisung) eingegeben: Folge der Religion (milla) Abrahams, eines Haniefen(=Gottsuchender), - er war kein Heide.

    Der "Heide" im Koran, ist jemand der Irrelehrt(alles andere, doch kein "Gottes Wort" ) oder einer der Gefährten Gott beigesellt= das Gegenteil von "Hanief" (wie Abraham) Gottsuchender. Abraham wurde auch als Vorbild und als einziger "Imam" für die Gläubige von Gott erwählt auch für die Menschen die heute meinen, Gott wird man bei andere Imame/Gelehrten/Priestern/Predigern...wie Pierre Vogel finden, werden davon durch Irrelehre nur verblendet, und somit sind sie als Schriftbesitzer, die die Schrift(Gottes Offenbarungen) nicht verstehen können/werden...solche sind weit von "Imam Abraham" entfernt! Wer sich jedoch mit Offenbarungen befasst, wird es verstehen und sich nicht als einziger "Wahrheitbesitzer", geschweige den als "Rechtgeleiteter" mit (von Gott) nicht auserwählte "...Imame.." erklären, sondern höchstens, als Gottsuchender! der sich um Wissen (sowohl in der Natur) aber auch im innerem über sich selbst... befragt/erforscht und durch diese ergebung den Weg zum Gott folgt...

    Sure 2:124
    "Und (damals) als Abraham von seinem Herrn mit Worten auf die Probe gestellt wurde! Und er erfüllte sie. Er(
    Gott) sagte: ""Ich will dich zu einem Vorbild (imaam) für die Menschen machen."" Abraham sagte: ""(Bezieh in deine Verheißung) auch Leute von meiner Nachkommenschaft (ein)!"" Allah sagte: ""(Aber) auf die Frevler erstreckt sich mein Bund nicht."""

    .........


    "Christentum" nicht von Jesus gewollt/gebracht

    Matthäus 10:5-6:
    "Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel."

    Matthäus 15:24
    ...Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel.

    Apostelgischichte 11:26
    Barnabas aber zog aus gen Tarsus, Saulus(Paulus) wieder zu suchen; und da er ihn fand, führte er ihn gen Antiochien. Und sie blieben bei der Gemeinde ein ganzes Jahr und lehrten viel Volks; daher die Jünger am ersten zu Antiochien Christen genannt wurden.


    Als Urchristentum bezeichnet man die Anfangszeit des Christentums, die vom Tod des Jesus von Nazaret um 30 oder 33 bis zur Abfassung der letzten urchristlichen Schriften, die später in das Neue Testament (NT) aufgenommen wurden, reicht. In der Regel werden die Entstehung des Evangelium nach Johannes (etwa 90–100)[1] bzw. die Trennung vom Judentum (um 135) als ungefähre Epochengrenze angesehen.[2]

    Diese Entstehungsphase umfasst in etwa jenen Zeitraum, den auch die Apostelgeschichte des Lukas – die erste Darstellung des Urchristentums mit historischem Anspruch – beschreibt. Sie befasst sich unter anderem mit der Jerusalemer Urgemeinde, die die Geschichte des Urchristentums maßgeblich bestimmte. Dieses verstand sich nicht als eigene Religion, sondern als ein Teil des Judentums. Es wurde auch von anderen jüdischen Gruppen und im Römischen Reich zunächst als jüdische Gruppe wahrgenommen.

    Jedoch begriffen auch die Urchristen seit dem Apostelkonzil (etwa 48) die Völkermission als Aufgabe aller Christen. Denn ihre Verkündigung war auf weltweite Ausdehnung angelegt. Das Urchristentum umfasste daher bald nicht nur die Gemeinden in Judäa, sondern auch im gesamten östlichen Mittelmeerraum bis hin zu Rom. Mit dem Ende der Urgemeinde um 135 war auch seine Trennung vom Judentum besiegelt.
    ...
    ...
    quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Urchristentum


    Jesu Stammbaum

    Matthäus 1:1.2
    Dies ist das Buch von der Geburt Jesu Christi, der da ist ein Sohn Davids, des Sohnes Abrahams.

    Johannes 8
    Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Samen seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn meine Rede fängt nicht bei euch.
    Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so tut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt.
    Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so tätet ihr Abrahams Werke. Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. Ihr tut eures Vaters Werke. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren, wir haben einen Vater, Gott.
    Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt.


    das ganze oben wird man verstehe, wenn man es zusammen Kombiniert, die Juden, die Jesus suchten handelten nicht nach Abraham, sondern waren (durch verschiedene Lehre und Sekten) verloren gegenagen und so waren die nicht fähig, "Gottes Wort" zu erkennen, sie bedrohten es sogar zu töten...!

    die "Hadith"-Muslime machen ähnliche fehler, und durch verschiedene Lehre und Sekten sind die nicht besser wie Christen oder Juden, die meisten sind verloren gegangen, und weit entfernt von Abrahamische Religion...!

    Sure 30:31,32
    Aber nein! Diejenigen, die freveln, folgen in (ihrem) Unverstand ihren (persönlichen) Neigungen. Und wer könnte diejenigen rechtleiten, die Allah (nun einmal) irregeführt hat? Sie haben (dereinst) keine Helfer.
    Richte nun dein Antlitz auf die Religion! (Verhalte dich so) als Hanief! (Das ist) die natürliche Art (fitra), in der Allah die Menschen erschaffen hat. Die Art und Weise, in der Allah (die Menschen) geschaffen hat, kann man nicht abändern. Das ist die richtige
    (Abrahamische) Religion. Aber die meisten Menschen wissen (es) nicht.
    Wendet euch zu ihm. Und fürchtet ihn, verrichtet das Gebet (salaat) und seid keine Heiden,
    (Leute) die ihre Religion (in verschiedene Gruppen/Sekten) aufgeteilt haben und zu Parteien geworden sind, wobei jede Gruppe/Sekte sich (nunmehr in kurzsichtiger Weise) über das freut, was sie (als eigene Lehrmeinung) bei sich hat!


    doch ich gebe zu, es ist schwer zu verstehen. Ich befasse mich damit seit mehrere Jahren, bis ich es verstanden habe.... Aber nicht nur ich, jeder andere wird es verstehen, der gewillt ist das ganze zu studieren, so wie der hier:

    IV. WAS IST ABRAHAMISCHE ÖKUMENE?

    Vertrauen gewinnt man nur durch eine konstruktive Theologie des Anderen. Eine Theologie also, in der das Glaubenszeugnis anderer Menschen eine konstruktive Rolle spielen kann: eine eigene Würde besitzt, einen Respekt vor dem je anderen Weg. Für mich als Christen ist diese Theologie des Anderen verknüpft mit meinen Studien zu Abraham als gemeinsamen Vater des Glauben von Juden, Christen und Muslimen. Dabei werde ich oft gefragt, wie ich selber dazu kam, mich dem Programm einer Abrahamischen Ökumene zu verschreiben. Ich muß dabei gestehen: Lange Zeit schienen mir Abraham-Geschichten zu Ende gedeutet. Nichts war ihnen mehr abzugewinnen. Keine Spannung ging von ihnen aus, keine Tiefe, kein Ruf. Es gab eine Erfahrung, die dies änderte. Im Jahre 1989 bekam ich Gelegenheit, in einer Trialog-Gruppe von jüdischen, christlichen und muslimischen Theologinnen und Theologen in den Vereinigten Staaten mitzuarbeiten. Dieses Unternehmen besteht noch heute und wurde anfangs finanziell und organisatorisch ermöglicht durch den »National Council of Christians und Jews« in New York. Einmal im Jahr trafen wir uns, um über Grundfragen von Judentum, Christentum und Islam gemeinsam zu debattieren. Der Lerngewinn war enorm. Zwar hatte ich mich in Deutschland zumindest mit jüdischer Gegenwartstheologie befaßt, hatte einzelne Dialog-Begegnungen mit jüdischen Theologen wie Nathan Peter Levinson oder Pinchas Lapide, hatte mich in Lehrveranstaltungen um Grundfragen des jüdisch-christlichen Dialogs gekümmert. Aber die muslimische Theologie war mir völlig unbekannt. Nie wurde ich in meinem theologischen Studium aufgefordert oder gar angeleitet, als Christ den Islam als der einzigen nachchristlichen Weltreligion theologisch ernst zu nehmen.

    In den Gesprächen hörte ich immer wieder einen Namen, der mich aufhorchen ließ: Abraham. Hörte ich, daß Judentum, Christentum und Islam sich nicht nur monotheistisch-prophetische, sondern auch abrahamische Glaubensgemeinschaften nennen. Gerade meine muslimischen Partner legten größten Wert auf die Feststellung: Abraham spielt auch im Islam eine zentrale Rolle zur Identifikation muslimischen Glaubens. Ja, der Islam ist ohne Abraham undenkbar. Das ließ mich die alttestamentlichen und neutestamentlichen Quellen neu lesen, und ich begriff, daß Abraham auch für mich als Christ eine entscheidende Bedeutung hat.
    »Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams«, so beginnt die christliche Ur-Kunde, das Neue Testament, in seinem allerersten Satz.


    Ich folgerte daraus: Wenn Juden, Christen und Muslime in Abraham den »Vater ihres Glaubens« erblicken, dann müßte doch auszuloten sein, was eine solche Gestalt auch für heute bedeutet. Gewiß: Gerade auch um Abraham gibt es Streit zwischen den Religionen. Dies wird im Buch ohne alle Schönfärberei ausführlich geschildert: die Funktionalisierung Abrahams zum Wahrheitsbeweis der eigenen Religion gegen Andere. Aber an der tiefen Verwandtschaft des Glaubenszeugnisses von Juden, Christen und Muslimen an den einen Gott, den Schöpfer, Bewahrer und Richter der Weit, kann es keinen Zweifel geben. Dies theologisch auszuloten, sah ich mich herausgeforderte - in Aufnahme des Werkes von Louis Massignon (18831962), einem der bedeutendsten westlichen Orientalisten des 20. Jahrhunderts mit bahnbrechenden Arbeiten zur islamischen Mystik.


    Er, Massignon, war es gewesen, der als tiefgläubiger Katholik schon früh in diesem Jahrhundert seiner Kirche die Augen dafür zu öffnen versuchte, daß der Islam für Christen nicht - wie bisher angenommen - Häresie, götzendienerisches Heidentum oder gar eine Macht des Antichristen ist, sondern einen Gottesglauben in Kontinuität zur biblischen Tradition verkündet, sich selbst von der Wurzel Abrahams her ableitet. Massignons kleine Schrift »Die drei Gebete Abrahams« aus dem Jahr 1949, die Gebete für Sodom (Gen 18, 22-33), für Ismael (Gen 17, 18-21) und Isaak (Gen 22, 1-19) kann man mit Fug und Recht als »Gründungsurkunde« einer christlichen Theologie der abrahamischen Ökumene bezeichnen, mit epochalen kirchengeschichtlichen Wirkungen. »Der Heilswille umfaßt aber auch die, weiche den Schöpfer anerkennen, unter Ihnen besonders die Muslime, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird«: dieser für die katholische Kirche historisch analogielose Satz über den Islam, wie ihn das Zweite Vatikanische Konzil (»Lumen Gentium« Nr. 16) aussprach, wäre ohne das Werk Louis Massignons nicht möglich gewesen (vgl. dazu jetzt: die informative Studie von S. Griffith, »Sharing the Faith of Abraham: the >Credo< of Louis Massignon«, in: Islam and Christian-Muslim Relations 8, 1997, S. 193-210).


    Während ich an meinem Abraham-Buch schrieb, drang im Februar 1994 eine Schar fanatischer jüdischer Siedler in die lbrahim-Moschee von Hebron ein, der Überlieferung nach die Grabstätte von Abraham und Sara. 29 dort betende Muslime wurden ermordet, blieben in Blutlachen auf dem Boden liegen. All das geschah, um den so hoffnungsvoll begonnenen Friedensprozeß zwischen Israelis und Palästinensern zu torpedieren. Mord am Grabe Abrahams durch die Kinder Abrahams! Und dieser Mord setzte eine neue Gewaltspirale in Gang, floß denn auch kurze Zeit später unschuldiges jüdisches Blut durch neue entsetzliche Terrorangriffe von Palästinensern.

    Mir wurde klar, an weichem Stoff ich arbeitete. Von Abraham erzählen hieß gleichzeitig die Trauergeschichte zwischen Juden, Christen und Muslimen aufarbeiten, eine Geschichte von Blut, Tränen und Gewalt. Hieß aber auch eine Hoffnungsgeschichte festhalten, eine Geschichte des vertrauenden Glaubens und der unerschütterbaren Hoffnung trotz allem. Von Abraham erzählen hieß vor allem Vergleiche anstellen zwischen einst und jetzt und sich erschrocken erinnern, wie weit die Kinder Abrahams das Erbe ihrer Stammeltern Abraham, Hagar und Sara ruiniert haben.

    Deshalb brauchen wir eine neue interreligiöse Kommunikationspraxis - in Deutschland und weltweit. Konkret heißt das:

    (1) Religionsgemeinschaften haben in der einen Weltgesellschaft, in der wir leben, mehr denn je Verantwortung dafür, daß die Gewaltbereitschaft und die Totalitätsansprüche in ihren jeweiligen Glaubensgemeinschaften abgebaut werden. Hier aber müssen die Prozesse wechselseitig sein, damit die Friedlichen und Dialogbereiten in den Religionen nicht die Dummen sind. Verstärken kann man diese Prozesse durch vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den Religionen. Diese müssen darauf abzielen, daß Friedfertigkeit und Kooperationsbereitschaft nicht ausgenutzt werden. Ja, ein Testfall für die Glaubwürdigkeit jeder Religion ist die Behandlung von Minderheiten in ihrem jeweiligen Einflußbereich; Vertrauen untereinander wird in dem Maße wachsen, wie man sich zu Anwälten von Andersgläubigen im jeweiligen Herrschaftsgebiet macht.

    (2) Insbesondere brauchen wir in allen drei abrahamischen Religionen einen Wechsel der Mentalitäten. Überall gibt es noch zu viel an gewaltbereitem Fanatismus und selbstgerechtem Totalitätsanspruch. Überall noch zu viel politisch-taktischer Verstellung (oft hinter der Fassade von Dialog- und Kooperationsbereitschaft), um den Herrschaftsanspruch der eigenen Religion auf Kosten aller anderen durchzusetzen. Eretz-Israel-Fanatiker im Judentum gehören genauso dazu wie protestantische Missions-Fundamentalisten, welche alle anderen Religionen durch Bekehrung auslöschen wollen, katholische Heilsexklusivisten, die Nichtchristen Unheil androhen und ihnen nichts als ihre Defizite vorhalten, sowie muslimische Extremisten, die von einer »Weltmacht Islam« träumen und mit einer dualistischen Ideologie vom »Haus des Islam« und »Haus des Krieges« die Menschheit noch weiter spalten.

    Das alles aber ist das Gegenteil von abrahamischer Ökumene. Das ist Mißbrauch der Religion zu totalitären Missionsansprüchen und größenwahnsinnigen Weltbekehrungskonzepten. Die größte Blasphemie, so habe ich von einem meiner muslimischen Kollegen in den Vereinigten Staaten, Professor Mahmoud Ayoub, gehört, ist die Idolatrie. Und die schlimmste Form von Idolatrie ist die Selbstvergötzung des eigenen Staates, der eigenen Nation oder der eigenen Religion. In Namen des wahren Gottes sind solche blasphemischen Vergötzungsträume in allen Religionen radikal zu entmythologisieren und als das zu entlarven, was sie sind: die religiöse Maskierung kruder menschlicher Herrschaftsgelüste.

    V. ANSÄTZE ZU EINER THEOLOGIE DES ANDEREN


    In allen Religionen aber haben sich Stimmen zu Wort gemeldet, weiche von vornherein bereits sind, aus der eigenen Glaubensüberzeugung heraus die Existenz der anderen Geschwister Abrahams zu respektieren und als Bereicherung zu erfahren. Eine Ökumene der Kinder Abrahams, die ihren Namen verdient, wird es nämlich nur dann geben, wenn Juden, Christen und Muslime bereits sind, Schluß damit zu machen, sich als »Ungläubige«, »Abgefallene« öder »Überholte« oder »Defizitäre« abzuqualifizieren. Und ob sie positiv bereit sind, sich als »Brüder« und »Schwestern« im Glauben an den Gott Abrahams gegenseitig anzunehmen. Für die katholische Kirche verweise ich auf die epochemachende Konzilserklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (»Nostra aetate«), in Nr. 3 heißt es:

    »Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten. Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.«


    Dies Erklärung bedarf dringend der weiteren theologischen Fortschreibung. Der gleich anschließende Passus »Nostra aetate« Nr. 4 über das Verhältnis der Kirche zum Glauben Israels ist in den letzten 40 Jahren in einer beispiellos kreativen Weise auch lehramtlich immer wieder fortgeschrieben, präzisiert und konkretisiert worden. Für »Nostra aetate« Nr. 3 fehlen entsprechende Rezeptionsprozesse.

    Ähnlich aufregend sind die Entwicklungen auch im Islam. Wenn es auch eine starke Strömung zum Exklusivismus und Absolutismus in der Geschichte des Islam gegeben hat und gibt, so darf dies alles den Blick für die innere Pluralität isiamischer Theologie nicht verstellen. Längst haben sich auch hier Stimmen erhoben, die für ein gleichberechtigtes Miteinander von Juden, Christen und Muslimen auf der Basis des Koran eintreten. Für mein Abraham-Buch wurde die Arbeit von Mohammed Salim Abdullah wichtig. Ich werde nie vergessen, welchen Eindruck die Lektüre seines Buches »Islam. Für das Gespräch mit Christen« (1992) auf mich gemacht hat. Hier sah ich einen Mann am Werk, der in seiner islamischen Tradition das tat, was ich in der christlichen Tradition tun wollte: aus den eigenen Glaubensquellen heraus eine konstruktive Theologie des Anderen zu entwickeln, bei der beides zugleich möglich sein sollte: Festhalten an der Identität des eigenen Glaubens und zugleich maximale Offenheit für die Anliegen und die Perspektiven der jeweils anderen Glaubensgeschwister. Unvergessen sind mir Sätze aus diesem Buch wie diese, daß Juden, Christen und Muslime sich als »Dialoggemeinschaft, als Tischgemeinschaft oder als Wettbewerbsgemeinschaft« zusammenfinden könnten, ein Gedanke, den Mohammed Salim Abdullah später einmal so formulierte:

    »Wir haben einen gemeinsamen Ursprung. Der Prophet hat darauf verwiesen, daß seine Lehre eine Religion im biblischen Umfeld sei. Wir sind die Söhne Ismaels. Diesen ist verheißen, daß sie eines Tages an der Seite ihrer Brüder stehen werden. Der Koran sagt in der 5. Sure, daß alle drei Wege: Christentum, Judentum und Islam legitim seien. Die Vielfalt der Religionen ist gewollt, damit die Kinder Abraham im Guten miteinander wetteifern können. Das heißt, Gott wird mich danach beurteilen, wie ich mit Juden und Christen umgegangen bin. Und im jeweils umgekehrten Fall ist es genauso.«
    (Evangelische Kommentare, Nov. 1998)

    VI. ABRAHAMISCHE ÖKUMENE KONKRET


    In diesem Geist ist abrahamische Ökumene keine schöne Illusion. Sie ist lebendige Wirklichkeit. Sie vollzieht sich an vielen Orten und in vielen Ländern. Und ich nenne beispielhaft Organisationen, zu denen ich nach Erscheinen des Abraham-Buches persönliche Verbindungen aufnehmen konnte. Ich will damit all die ermutigen, die vor lauter Problemen immer nur resigniert abwinken. Es gibt überall auf der Welt Menschen, Gruppen, Organisationen, die sich bereits jetzt schon - allem Elend mit den Religionen zum Trotz - für die Ideale einer Verständigung und Zusammenarbeit zwischen den Geschwistern Abrahams einsetzen. Die abrahamische Ökumene ist keine Wunschphantasie im Gehirn eines Theologen, sondern verbürgte Realität. Sie hat Adressen, Telefone, Faxe und e-mail:

    (1) Seit 1967 leistet die »Fraternité d'Abraham«, die »Bruderschaft Abrahams«, in Frankreich interreligiöse Verständigungsarbeit im Geiste Louis Massignons. Emile Moatti sowie Professor Maurice Ruben Hayoun bin ich dabei besonders verbunden. Unter der Schirrnherrschaft der Führer der drei großen religiösen Traditionen in Frankreich hat sich diese »Fraternité d'Abraham« der Aufgabe verschrieben, die »spirituellen, moralischen und kulturellen Werte aus der abrahamischen Tradition« zu fördern und das »Verständnis füreinander zu vertiefen sowie die soziale Gerechtigkeit und die moralischen Werte, den Frieden und die Freiheit zu schützen und zu fördern«.

    (2) 1977 wurde in Los Angeles die Academy for Judaic, Christian und Muslim Studies gegründet, deren Arbeit ich im November 1997 kennenlernen konnte. 12 Millionen Menschen umfaßt eine Metropole wie Los Angeles. Neben Millionen Christen [eben auch Hunderttausende von Juden und Hunderttausende von Muslimen dort. Vom Gründervater dieser Academy, Dr. George Grose, einem christlichen Theologien, zitiere ich gerne dieses Wort:
    »Judentum, Christentum und Islam haben miteinander zusammenhängende Bestimmungen. Sie sind getrennt und unterschieden, aber zusammengebunden. Sie werden zusammen handeln bis ans Ende der Tage. Diese Interaktion ist immer dreifach. Wenn es ein Zusammenspiel zwischen zweien gibt, wart einen Moment, wart einen Tag, warte tausend Jahre - der Dritte wird erscheinen.«

    Das heißt: Die Glaubensexistenz von Christen ist vom Kern her trialogisch strukturiert. Christen können ihr Glaubenszeugnis nicht ohne das jüdische und muslimische und umgekehrt Juden und Muslime nicht ihr Glaubenszeugnis ohne die jeweils anderen reflektieren. Die trialogische Grundstruktur des Glaubens gilt für alle drei Kinder Abrahams.

    (3) Das hat man auch in Schweden erkannt, so daß dort 1991 die Children of Abraham Foundation for Religious and Cultural Coexistence gegründet werden konnte. Diese Stiftung, deren Arbeit ich im März 1999 durch einen Besuch in Stockholm konkret studieren konnte, hat sich vor allem der Arbeit in öffentlichen Schulen verschrieben, der Arbeit also mit jüdischen und muslimischen Kindern in einer säkularen und nur noch teilweise christlichen Umgebung. Dorothea Rosenblad arbeitet hier seit vielen Jahren in einer bewundernswerten Weise unermüdlich.

    (4) Ebenso wichtig ist das Three Faith Forum in Großbritannien, die einzige Organisation, die interreligiöse Verständigungsarbeit konkret vor Ort in institutionalisierter Form mit Juden, Christen und Muslimen durchführt.


    Die Erfahrungen all dieser Organisationen sind wichtig, um auch bei uns in Deutschland interreligiöse Kommunikation und Zusammenarbeit zu institutionalisieren. Die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erzwingen neue Konzeptionen - in Zusammenarbeit von Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaft. Mittlerweile leben wieder rund hunderttausend Juden in Deutschland (in 83 Gemeinden), aber auch rund drei Millionen Muslime. Die Präsenz einer so starken religiösen Minderheit aber hat es in Deutschland noch nie gegeben. Selbst das Judentum, im letzten Jahrhundert die bisher größte religiöse und kulturelle Minderheit, hat zu Beginn der 30er Jahre in Deutschland rund sechshunderttausend Menschen umfaßt. Noch nie also gab es in Deutschland eine religiöse Minderheit in der Größenordnung des Islam und noch nie war diese Religion der Islam. Das stellt unser Land vor neue und gesellschaftliche und politische Herausforderungen, zumal man tagtäglich erfährt: die Präsenz solcher Minderheiten löst Abwehrreaktionen aus: mentale Abschottungen auf beiden Seiten, Verweigerung des Dialogs, Selbstghettoisierung, fremdenfeindliche Übergriffe.


    Anfänge aber sind auch bei uns in Deutschland gemacht: mit Friedensgebeten, Friedenswochen, Wochen der Brüderlichkeit. In vielen Städten arbeiten bereits jetzt schon Juden, Christen und Muslime (mit Vertretern anderer Religionsgemeinschaften) zusammen. Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob wir nicht - nach dem Vorbild von Interreligious City Councils amerikanischer und englischer Städte - so etwas wie interreligiöse Foren insbesondere, in den Ballungszentren konkret einrichten. Abrahamische Foren wurden im Herbst 2001 im Raum Frankfurt, Mannheim, Stuttgart u.a. eingerichtet. Gerade in einer Zeit zunehmender Fremdenfeindlichkeit, Angriffen auf jüdische Einrichtungen, Gewalttaten mit rechtsradikalem Hintergrund käme alles darauf an, daß Juden, Christen und Muslime sich gegenseitig ihrer Solidarität, Verständigungsbereitschaft und Zusammenarbeit versichern.

    Verwiesen sei auf zwei jetzt schon bestehende besondere Initiativen:

    - Auf die seit dreißig Jahren alljährlich stattfindende »Ständige Konferenz von Juden, Christen und Mustimen in Europa« (JCM) in Bendorf, organisiert vom Leo-Baeck-College in London und dem Hedwig-Dransfeld-Haus. Ein einzigartiges Experiment in der interreligiösen Begegnung, wie es neulich von Rabbi Jonathan Magonet in seinem Buch »Abraham - Jesus - Mohammed. Interreligiöser Dialog aus jüdischer Perspektive« (Gütersloh 2000) eindrucksvoll beschrieben wurde.

    - Auf die Aktivitäten von der Stiftungen, die sich insbesondere auch dem Anliegen einer abrahamischen Ökumene verpflichtet haben: in erster Linie die Stiftung Weltethos (Tübingen), die zahlreiche Initiativen an der Basis von Gemeinden, Schulen und Volkshochschulen unterstützt. Aber auch die Herbert Quandt-Stiftung in Bad Homburg, die seit einigen Jahren einen Schwerpunkt »Trialog der Kulturen« fördert und darin insbesondere das von der University of Birmingham federführend betriebene Projekt »Towards a Trialogue in European Curricula«, eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme europäischer Schul-Curricula in den Fächern Religion, Geschichte und Sprache/Literatur im Blick auf Empfehlungen für ein solides Grundwissen zum Trialog, das dann in den jeweiligen nationalen Curricula konkretisiert werden könnte. Einübung von vernetztem Denken in Sachen Religion heißt die Devise!


    VII. WIE DURCHHALTEN?


    Ich werde oft gefragt, wie man durchhalten könne angesichts einer entsetzlichen Gewaltgeschichte zwischen den Religionen. Wie sollte man auch nicht verzweifeln, da man tagtäglich sieht, wie in vielen Ländern der Erde der Religionsfriede verraten, erstickt oder verhöhnt wird? Was hindert einen daran, zynisch abzuwinken, wenn es um ein neues Engagement zugunsten der Verständigung der Kinder Abrahams geht? Was läßt einen nicht resignieren, wenn man sieht, wie im Namen der Religion Menschenrechte verletzt, Frauen diskriminiert, Indoktrination betrieben, Kriege legitimiert und Terror durchgeführt wird?

    »Ich bin ein Clown und sammle Augenblicke«, heißt es in einem der größten Romane von Heinrich Böll unter dem Titel »Ansichten eines Clowns«. Wenn mich die negativen Nachrichten aus den Religionen wieder einmal resignieren lassen, rufe ich mir - gleichsam wie ein Narr positive Momente in Erinnerung. Dazu gehören drei Zeichen, die ich in jüngerer Zeit erfahren habe:

    - Im Herbst 1998 erhielt ich einen Besuch aus der vom Bürgerkrieg entsetzlich betroffenen bosnischen Hauptstadt Sarajewo. Ein protestantischer Pfarrer aus Deutschland hatte dort eine Friedensinitiative unter dem Titel »Abraham« ins Leben gerufen. Ich konnte kaum glauben, was er mir erzählte: Trotz allem war es ihm gelungen, insbesondere Jugendliche jüdischer, christlicher und muslimischer Herkunft zu gewinnen, um über die Gräben des Hasses, der Gewalt und der Zerstörung Brücken der Verständigung zu bauen. Der Name, der dem interreligiösen und interkulturellen Anliegen Profil gab, war kein anderer als Abraham.

    - Ein zweites, mich ermutigendes Zeichen kam im August des Jahres 2000. Ein Gymnasiallehrer aus Hannover (OStR Reinhard Tegtmeier-Blanck) informierte mich über sein interkulturelles und interreligiöses Theaterprojekt »Nathan der Weise«, das er mit deutschen Jugendlichen aus Hannover und jüdischen und muslimischen Jugendlichen aus Israel durchführte. Kaum glaublich: Sollte es wirklich möglich gewesen sein, trotz aller politischen und religiösen Hindernisse ein solches Projekt zu verwirklichen? Juden, Christen und Muslime über die politischen Abgründe der Geschichte und Gegenwart hinweg zusammenzubringen? Auch hier war es mir eine Ermutigung, daß mein Buch »Vom Streit zum Wettstreit der Religionen Lessing und die Herausforderung des Islam«, das ich dem Abraham-Buch 1998 folgen ließ, geholfen hatte, neben der jüdischen auch die islamische Dimension von Lessings Stück ernstzunehmen. In diesem Buch führe ich denn auch den Nachweis: Lessings »Nathan der Weise« ist der literarische Archetyp einer abrahamischen Ökumene im 18. Jahrhundert. Aber daß sein Stück im Zentrum eines Gegenwartsprojektes mit Jugendlichen aus Deutschland und Israel stehen würde, hätte ich nicht zu träumen gewagt.

    >- Am 28./29. Oktober 2000 fand in Filderstadt das »Erste Abrahamfest« statt. Juden, Christen und Muslime aus dem Großraum Stuttgart kamen (oft erstmals) zusammen, begegneten sich bei Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops. Ein von christlichen und muslimischen Jugendlichen geschriebenes und inszeniertes Theaterstück verstand es auf eindrucksvolle Weise, die Geschichte Abrahams, wie sie in der Hebräischen Bibel, im Neuen Testament und im Koran überliefert ist, in die heutige Zeit zu übertragen und für das Miteinander gerade junger Juden, Christen und Muslime in Deutschland fruchtbar zu machen. Organisiert wurde dieses eindrucksvolle Treffen von der örtlichen christlich-islamischen Gesellschaft (unter der Leitung von Michael Blume und Murat Aslanoglu), die ihre Gesellschaft so vorstellen:

    »Die Christlich-Islamische Gesellschaft wurde 1998 von vorwiegend jungen Christen und Muslimen gegründet, um sich gemeinsam für mehr Verständnis, Liebe und Frieden zwischen den Religionen und Kulturen, gegen Extremismus, Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit zu engagieren.
    Zu unserer großen Freude entwickelt sich der >Dialog< bald zu einem >Trialog< mit dem Judentum weiter und erreicht mittlerweile immer mehr Menschen. Dabei bleibt uns wichtig, daß bei jeder Begegnung das Respektieren von Unterschieden ebenso dazugehört wie das Finden von Gemeinsamkeiten.
    Im Deutschland und Europa der Zukunft werden Kulturen und Religionen enger denn je beieinander leben - wie, das gestalten wir heute mit!«


    Ich habe es selber bei vielen interreligiösen Begegnungen erlebt: Es braucht so etwas wie einen abrahamischen Geist, um alle Resignation zu überwinden. Es braucht das, was ich abrahamische Spiritualität nenne: radikales Gottvertrauen allen Vergeblichkeiten des Augenblicks zum Trotz. Denn abrahamische Spiritualität heißt: sich aufmachen ohne alle Sicherheiten, weil man sich sich von Gott auf einen Weg gestellt sieht. Heißt unter Umständen loslassen dessen, was vertraut ist; Preisgabe dessen, was zu festen Besitzständen zu gehören scheint. Heißt alles Irdische in Synagoge, Kirche und Umma relativieren zugunsten des je größeren Gottes. Was umgekehrt bedeutet: Wenn es einen Verrat an Abraham gibt, dann ist es die Seelenverhärtung, die Erstarrung in überkommener Traditionen, die Resignation angesichts schier übermächtiger Probleme. Abrahamische Spiritualität ist das stärkste Gegengift gegen einen lähmenden Fatalismus. Die Geschichten Abrahams sind in Bibel und Koran sind die beste Zynismusprophylaxe.

    Das hat Folgen bis in den Raum der Realpolitik hinein. Auch hier gibt es nicht nur die entsetzliche Geschichte von Gewalt, Blut und Tränen, hier gibt es auch Momente einer Friedens- und Glücksgeschichte zwischen den Religionen. Dazu gehört ein Moment im Jahr 1977. Jahrzehntelang hatten Israel und Ägypten blutige Kriege gegeneinander geführt. Der letzte lag gerade vier Jahr zurück, da unternimmt der ägyptische Staatspräsidenten Anwar el-Sadat seine sensationelle Friedensreise nach Israel und spricht vor dem israelischen Parlament, der Knesset.

    Tiefgläubiger Muslim, der er war, sieht sich Sadat von abrahamischer Spiritualität durchdrungen, und aus dieser Spiritualität heraus wollte er ein Friedenszeichen für die Völker setzen. Welch ein seltsamer Moment in der Geschichte von Juden und Muslimen, als Sadat vor der Knesset von Abraham sprach. Weich ein seltsamer Moment auch der interreligiösen Begegnung Muslim Christ, die der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt in Zusammenhang mit Anwar el-Sadat überliefert hat. In seinen Erinnerungen findet sich ein Gespräch mit dem Ägypter in den 70er Jahren. Und immer, wenn ich diese Passage überdenke, wird mir bewußt, was interreligiöse Kommunikation im Tiefsten und Besten sein kann: Aufschließen des Herzens des Anderen und ihn freimachen für das Beste und Tiefste, was die eigene Tradition zu sagen hat:

    »Einmal führten wir in Ägypten mehrere Tage lang ein Gespräch über religiöse Fragen. Wir fuhren zu Schiff nilaufwärts, schließlich bis nach Assuan. Die Nächte waren völlig sternenklar. Wir saßen stundenlang an Deck, hatten Unendlichkeit und Ewigkeit über uns und sprachen über Gott. ...
    Sadat hoffte auf eine große friedliche Begegnung von Judentum, Christentum und Islam. Sie sollte symbolisch auf dem Berge Sinai stattfinden, dem Mosesberg, wie er im Arabischen genannt wird. Dort sollten nebeneinander eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee gebaut werden, um die Eintracht zu bezeugen. Tatsächlich hat Sadat 1979, zwei Jahre nach seiner Jerusalemreise, dort einen Grundstein für die Gotteshäuser gelegt ... Sadats Friedenswille entsprang dem Verständnis und dem Respekt vor den Religionen der anderen. Erst von ihm habe ich gelernt, Lessings Parabel von den drei Ringen voll zu begreifen. Sadat hat Lessing wohl kaum gekannt, aber er hat Lessings Mahnung nicht bedurft. ...
    Der Mord am 6. Oktober 1981 setzte allen Vorhaben und Visionen dieses ganz und gar ungewöhnlichen Mannes ein Ende. Er war von einer für Regierungschefs ungewöhnlichen Offenheit gewesen, und niemals vorher oder nachher habe ich mit einem ausländischen Staatsmann derart ausführlich über Religion gesprochen. Ich habe ihn geliebt. Wir waren bis auf zwei Tage gleichaltrig. Unsere nächtliche Unterhaltung auf dem Nil gehört zu den glücklichsten Erinnerungen meines politischen Lebens.«


    Literatur zur Vertiefung:
    K.-J. Kuschel, Streit um Abraham, Was Juden, Christen und Muslime trennt - und was sie eint, Düsseldorf 2001.
    Ders., Vom Streit zum Wettstreit der Religionen. Lessing und die Herausforderung des Islam, Düsseldorf 1998.


    quelle: Freunde Abrahams - Vortrag Kuschel

    Sure 3:67
    Abraham war weder Jude noch Christ. Er war vielmehr ein (Allah) ergebener Hanief, und kein Heide.

    Sure 60:4
    "In Abraham und denen, die mit ihm waren, habt ihr doch ein schönes Beispiel. (Damals) als sie zu ihren Landsleuten sagten: ""Wir sind unschuldig an euch und an dem, was ihr an Allahs Statt verehrt. Wir wollen nichts von euch wissen. Feindschaft und Haß ist zwischen uns offenbar geworden (ein Zustand, der) für alle Zeiten (an dauern wird) (abadan), solange ihr nicht an Allah allein glaubt."" Abraham sagte allerdings zu seinem Vater: ""Ich werde (Allah) bestimmt für dich um Vergebung bitten. Doch vermag ich gegen Allah nichts für dich auszurichten. Herr! Auf dich vertrauen wir, und dir wenden wir uns zu. Bei dir wird es enden.

    Shalom!
    Wasalam!
    Peace!

  2. #2

    Registriert seit
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    Länger würde es nicht gehen

  3. #3
    Avatar von Rockabilly

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    Habe alles gelesen.

  4. #4
    Avatar von Domoljub

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    Klar wollte Jesus nicht das Christentum gründen, er wollte das Judentum Revolutionieren.

    Aber das ganze Zeug, dass Mohammed in der Bibel Prophezeit wird, sind nur Interpretationen es steht nirgends eindeutig drinnen.

    @ Topic

    Irgendwie ist diese Ökumene ein reiner Wiederspruch. Gut bei Juden und Christen kann man ja noch ok sagen, diese zwei Religionen haben den selben Stammbaum und alles. Jesus wird im AT Prophezeit. Beim Islam bin ich mir nicht sicher, denn laut Islam ist die Bibel falsch bzw. verfälscht worden. KA also hat das ganze doch keinen Sinn.

  5. #5

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    13.015
    Zitat Zitat von Domoljub Beitrag anzeigen
    Aber das ganze Zeug, dass Mohammed in der Bibel Prophezeit wird, sind nur Interpretationen es steht nirgends eindeutig drinnen.
    darum geht es hier nicht... Du musst Muhammad nicht akzeptieren um das ganze oben zu verstehen.

    @EDIT
    Beim Islam bin ich mir nicht sicher, denn laut Islam ist die Bibel falsch bzw. verfälscht worden. KA also hat das ganze doch keinen Sinn.
    wo steht das die Bibel "ganz" verfälscht ist? Du meinst also, wenn Du prophezeiung im AT findest, dann ist es eindeutiger beweis das Islam wahr ist?

    Islam ist kein eigen Name, es bedeutet einfach; "Hingabe"-an-den-einen-Gott! wie Abraham es tat, so auch die Propheten nach Abraham...

    aber mal ehrlich, hast Du das ganze gelesen? denn wenn Du es tun würdest, würdest Du vielleicht auch verstehen warum Bibel (mit gebrachten Christentum) nur verfälscht sein kann bzw. es wurde darauf "angepasst" um so (von Jesus nicht gewollte/gebrachte "Christentum") Apostellehre zu stärken...

    diese zwei Religionen haben den selben Stammbaum und
    Ismael ist natürlich vergessen, das haben die "eine" ups. "zwei" religionen bekräftigt, um nochmal dritte von "eine" (Abraham Samen) zu spalten.... ( nur die einen sind ja von Gott auserwählt, Gott hat die andere ja für "Sinnlos&Überflüssig" erschaffen erklärt... und die zweiten (die Jesus folgen und manche unter ihnen ihm vergöttern) werden gerettet/erlöst, wenn die nur an die Erlösung glauben... und die dritten (manche unter ihnen) haben ja Einladung zum Paradies... )

    zum Thema:

    Durch den Ganzen Koran hindurch wird die Ergebung als "Millat Ibrahim" (Die Religion von Abraham) bezeichnet (2:130, 135; 3:95; 4:125; 6:161; 12:37-38; 16:123; 21:73;22:78). Des Weiteren informiert uns der Koran, dass Mohammed ein Nachfolger Abrahams ist (16:123). Aufgrund eines generellen Nichtwahrnehmens der Tatsache, dass Abraham der ursprüngliche Gesandte des Islam war, fordern manche sogenannten Muslime Gott heraus: "Wenn der Koran vollständig und detailliert ist [wie von Gott beansprucht], wo können wir dann die Anzahl der Rak'ahs (Einheiten) für jedes Kontaktgebet (Salât) finden?" Wir lernen vom Koran, dass alle religiösen Praktiken des Islam schon vor der Offenbarung des Koran bestanden haben (8:35, 9:54, 16:123, 21:73, 22:27, 28:27).

    Vers 16:123 ist der direkte Beweis, dass alle religiösen Praktiken unversehrt überliefert wurden, als Mohammed geboren wurde. Mohammed wurde auferlegt der "Religion Abrahams zu folgen". Wenn ich Sie darum bitte, einen Farbfernseher zu kaufen, ist vorausgesetzt, dass Sie wissen, was ein Farbfernseher ist. Ebenso müssen, wenn Gott Mohammed auferlegt, den Praktiken Abrahams zu folgen (16:123), diese Praktiken gut bekannt gewesen sein.

    Ein anderes Beispiel für die göttliche Bewahrung der islamischen Praktiken, die Abraham gegeben waren, ist die Aufbewahrung im Koran solcher Praktiken. Zum Beispiel wird die verfälschte Waschung in 5:6 in die ursprünglichen 4 Schritte zurückgebracht. Der Tonfall während der Kontaktgebete (Salât) wurde verzerrt – viele Muslime beten still. Dies wurde im Koran in 17:110 korrigiert. Das Fasten während Ramadan wurde modifiziert, um Geschlechtsverkehr während der Nacht zu erlauben (2:187). Zakat wird in 6:141 wiederhergestellt, und Hadsch wird auf die 4 korrekten Monate


    quelle: Abraham: Der erste Prophet der Ergebung

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