BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Seite 1 von 7 12345 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 63

Warum werden behinderte Menschen noch immer als Last angesehen...

Erstellt von Synonym, 06.06.2011, 21:28 Uhr · 62 Antworten · 3.146 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    31.01.2011
    Beiträge
    1.393

    Warum werden behinderte Menschen noch immer als Last angesehen...

    Unsere Gesellschaft - behinderte und nicht behinderte Menschen Für viele Menschen bedeutet Integration behinderter Menschen leider immer noch, dass man diese "mitmachen" lässt. Noch viel zu wenig hat sich in unserem Bewusstsein etabliert, dass auch behinderte Menschen für die Allgemeinheit wertvolle Leistungen erbringen können und integrativer Bestandteil der Gesellschaft sind. Es ist höchste Zeit diesen "Inklusiven" Gedankenansatz im Bewusstsein der Menschen zu etablieren.

    Der Gedanke der Inklusion ist an sich nicht neu. Er geht davon aus, dass unsere Gesellschaft aus behinderten und nicht behinderten Menschen besteht und jeder Mensch als Teil der Gesellschaft einen Beitrag zu dieser leistet. Die Möglichkeiten für einen solchen Beitrag sind sehr individuell, aber schon der Ansatz selbst sollte dazu führen, einen respektvollen Umgang mit allen Menschen zu fördern.

    Fast alle die mit behinderten Menschen arbeiten vertreten die Meinung, dass sie selbst von dieser Arbeit, von den Bekanntschaften und Freundschaften die sich so ergeben, profitiert haben. Warum ein Großteil der Gesellschaft auf diese Perspektive verzichtet, kann ich mir nur mit "Angst vor dem Anderssein" erklären.

    Was dieses "Anderssein" bedeuten kann wurde mir bewusst, als ich mit einem blinden Herrn sprach und er mir im Verlauf der Unterhaltung im Plauderton mitteilte, dass er eigentlich gar nicht anders sein möchte als er ist. Er ist gut ausgebildet, Eigentümer einer Firma die sich mit Hilfsmitteln für Blinde und sehbehinderte Menschen befasst, verheiratet und hat viele Freunde. Seine Welt ist ganz bestimmt eine andere als die, die wir kennen und uns vorstellen können, aber er ist mit seiner Welt zufrieden.

    Eine wesentliche Voraussetzung für diese Einstellung ist zweifellos die Ausbildung. Oft werden Begabungen aufgrund von Behinderungen in anderen Bereichen nicht erkannt und gefördert. Die Selbstverständlichkeit eine der geistigen Fähigkeiten entsprechende Ausbildung zu bekommen ist einer der wesentlichsten Aspekte, wenn wir eine Gesellschaft aufbauen wollen in der jeder Mensch einen Beitrag entsprechend seiner Fähigkeiten leisten kann. Behinderte Menschen sind oft auf die Unterstützung ihrer Familien angewiesen und es bedarf mitunter erheblicher Anstrengungen die Hürden zu überwinden um als behinderter Mensch zu einer hochqualifizierten Ausbildung zu kommen.
    Wenn man sich vor Augen hält wie frustrierend dieser Kampf für einen Menschen sein muss, nur um an Ausbildung heranzukommen die für jeden anderen gleich intelligenten aber nicht behinderten selbstverständlich ist kann ich mir gut vorstellen, warum Menschen bitter und frustriert werden und schließlich resignieren.
    Wir, als Gesellschaft oder System haben dann einen Menschen dazu gezwungen, lebenslänglich auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Wir haben diesem Menschen verweigert sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich selbst entsprechend seiner Fähigkeiten zu entwickeln. Wir haben ihn gezwungen von Unterstützungen zu leben, weil wir ihm die Möglichkeit verweigert haben sich die Voraussetzungen dafür zu schaffen seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

    Genau diese Unterstützungen und Leistungen, insbesondere die damit verbundenen Kosten, werden von der Öffentlichkeit wahrgenommen und führen zum Bild des "Behinderten als Kostenfaktor" in unserer Gesellschaft.
    Natürlich kann nicht jeder behinderte Mensch unmittelbar in den Arbeitsprozess integriert werden. Die Möglichkeiten sind sehr individuell. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass eine gute Ausbildung für alle Menschen auch dazu führt den Betreuungsaufwand an sich zu verringern.

    Ausbildung führt dazu, dass sich Menschen selbst beschäftigen können und Interessen entwickeln. Es ermöglicht, unabhängig von den körperlichen Möglichkeiten, eine als sinnvoll empfundene Beschäftigung die zu einem Selbstwertgefühl und zu einer gegenseitigen Wertschätzung führt. Ausbildung als selbstverständliches Recht fördert auch die persönliche Entwicklung. Wer immer nur fast mit Gewalt durchsetzen muss in die nächste Schulstufe übernommen, oder zum nächsten Kurs zugelassen zu werden wird dieses Verhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit in seinem späteren Leben beibehalten. Das führt in Betrieben und Arbeitsstätten mitunter zu Problemen und Missverständnissen zwischen behinderten und nicht behinderten Mitarbeitern.

    Natürlich kostet Ausbildung Geld und es ist mitunter nicht leicht behinderten Menschen eine solche Ausbildung zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass man die reine Kostenersparnis die sich daraus ergibt nur schwer kalkulieren kann und daher eine genaue Kosten-Nutzenrechnung basierend auf Geldbeträgen nicht möglich ist. Ich persönlich bin der Meinung, dass auf lange Sicht in jedem Fall die gesamte Gesellschaft profitieren würde. Nicht zuletzt durch andere Gedanken und Perspektiven die, wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, oft zu alternativen Lösungsansätzen für Probleme und zu Entwicklungen führen die vorher "undenkbar" waren. Insbesondere Wissenschaft und Forschung könnten davon sehr stark profitieren.

    Vor allem aber würde man einer ganzen Gruppe unserer Gesellschaft eine große Last abnehmen, wenn der Zugang zu Ausbildung für alle Menschen real selbstverständlich gemacht würde. Man könnte sehr viel Leid und Frustration verhindern, wenn sich das Bewusstsein etabliert, dass die geistigen Fähigkeiten von körperlichen Behinderungen absolut unabhängig sind und Ausbildung auch bei vorliegen von geistigen Behinderungen sinnvoll ist.


    Anton F. Neuber

  2. #2

    Registriert seit
    22.02.2011
    Beiträge
    1.858
    Weil es dumme Menschen gibt,der Mensch ist das dümmste Lebewesen aber sogleich auch das schlauste

  3. #3
    Avatar von Indianer

    Registriert seit
    13.11.2010
    Beiträge
    24.885
    schwierigkeiten mit dem "anders sein" ist zum grossen teil hilflosigkeit und angst.

  4. #4

    Registriert seit
    17.07.2008
    Beiträge
    3.114
    Oh nein....er ist wieder da
    welcome back

  5. #5
    Avatar von Kure

    Registriert seit
    10.10.2010
    Beiträge
    1.083
    Kenne eine Behindertenwerkstatt, die kaputte Einkaufswagen repariert.

  6. #6

    Registriert seit
    31.12.2009
    Beiträge
    9.979
    ganz einfach, der moderne homo sapiens sapiens denkt eben zuerst an sich, behinderte oder alte sind für ihn nur eine last welche man nicht tragen muss, bis man selber in einem alter angelangt ist und hilfe benötigt, die erwartungsgemäß ausbleibt......

    und so lebt man in anonymen heimen und verrottet....

  7. #7

    Registriert seit
    17.07.2008
    Beiträge
    3.114
    Meine Schwester musste mal studienbedingt einen halben Tag im Rollstuhl verbringen. Sie hat gesagt es war schrecklich da sie garnicht mehr ernst genommen wurde und man sie nicht mehr für zurechnungsfähig hielt.

  8. #8
    Avatar von Lilith

    Registriert seit
    15.04.2010
    Beiträge
    19.303
    Danke für das Thema.

    Es ist zum einen leider Gottes tatsächlich etwas dran, was veliki turcin schrieb. Oft verbindet man mit behinderten Menschen solche Einschränkungen, dass sie ein Leben lang nie zu einem selbstbestimmten Leben fähig, dazu in der Lage sind, sich selbst ernähren zu können. Mein Cousin ist körperlich und geistig schwer behindert. Es wurde aufgrund gewisser "Gefährdungen" schon seinerzeit per Pränataldiagnostik festgestellt und seine Eltern hat man, kann schon fast sagen, förmlich gedrängt zu einer Abtreibung. Das gewichtigste Argument war: "Sie müssen wissen, sie werden das Kind sonst immer viel aufwendiger als normal betreuen müssen. Und sie werden es ihr Leben lang an der Backe haben"

    Und dann stimme ich auch Indianer zu. Gerade bei geistigen Behinderungen kommt teils Angst, teils einfach Hilflosigkeit, wie man damit umgehen kann und soll. Gerade das merke ich beim Umgang von "Neuen" mit meinem Cousin. Und auch wenn es "überschaubare" körperliche oder auch geistige Beeinträchtigungen sind. Viele können sich, ausgehend vom "Normalstandard", dem sie unterliegen, einfach auch nicht so recht vorstellen, was jemand unter anderen Verhältnissen leisten kann, was ihm auch zugemutet werden kann etc. Wir setzen das Level fast automatisch unwillkürlich tiefer an. Und dann ist das Problem, das gerade in der heutigen Zeit um viele Arbeits- und Ausbildungsplätze Konkurrenz bei der Bewerbung herrscht, Und dann nimmt man schneller jene, denen man so vielleicht auch unbewusst mehr zutraut. Und das ist in der Regel der "Normale".

  9. #9
    Avatar von Lance Strongo

    Registriert seit
    16.07.2009
    Beiträge
    5.424
    Behinderte Menschen SIND eine Last für Familien. Nur lässt dieser behinderte Mensch selbst und die Liebe zu ihm diese Empfindung unwichtig erscheinen. Ich habe den Text nicht gelesen, will ich auch nicht. Ich wollte nur das hier sagen.

  10. #10

    Registriert seit
    31.12.2009
    Beiträge
    9.979
    also ich würde mir keine behinderten kinder wünschen d.h. abtreiben lassen,falls es sein sollte (gott bewahre es jedem), das würde ich seelisch nicht verkraften.

Seite 1 von 7 12345 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. warum werden eigentlich immer alle....
    Von John Wayne im Forum Rakija
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 12.12.2010, 14:54
  2. Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 24.11.2009, 00:58
  3. Werden wir Ausländer immer pauschal als schuldig angesehen?
    Von Samoti im Forum Kriminalität und Militär
    Antworten: 22
    Letzter Beitrag: 17.03.2008, 17:23
  4. Warum ist Radovan Karadzic noch immer nicht gefangen?
    Von Krajisnik im Forum Geschichte und Kultur
    Antworten: 20
    Letzter Beitrag: 06.06.2005, 11:50