BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Erweiterte Suche
Kontakt
BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen
Benutzerliste

Willkommen bei BalkanForum - das Forum für alle Balkanesen.
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Blumen für Giordano Bruno

Erstellt von F21, 20.02.2012, 15:51 Uhr · 2 Antworten · 813 Aufrufe

  1. #1
    F21
    Avatar von F21

    Registriert seit
    23.12.2008
    Beiträge
    235

    Blumen für Giordano Bruno

    Blumen für Giordano


    Blumen für Giordano / Fotos © Evelin Frerk
    BERLIN. (hpd) Anlässlich des 412. Jahrestags des Todes von Giordano Bruno, der am 17.2.1600 in Rom verbrannt wurde, legten Mitglieder der Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg am Giordano-Bruno-Denkmal am Potsdamer Platz in Berlin für alle Opfer religiöser Gewalt einen Kranz und Blumen nieder.

    Mitglieder der Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburgs (EHBB e.V.), der Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung, hatten sich am Freitagabend am Giordano-Bruno-Denkmal in Berlin versammelt, um seines Todes, stellvertretend für alle Opfer religiöser Gewalt zu gedenken.
    Philipp Möller, der 1. Vorsitzende der EHBB hatte dazu eine Rede ausgearbeitet. Die Zitate von Giordano Bruno wurden von Hellge Haufe, dem 2. Vorsitzenden des Vereins vorgetragen.











    Liebe Freundinnen und Freunde,
    liebe Freidenker, Humanisten, Naturalisten, Agnostiker, Atheisten, Antitheisten, Säkularisten und Skeptiker...
    Heute vor exakt 412 Jahren wurde der Dominikanermönch Giordano Bruno nach fast acht Jahren Gefangenschaft und Folter auf dem Campo de Fiori in Rom verbrannt.
    Der Grund?
    Ketzerei und Magie - oder zumindest das, was die heilige Inquisition der katholischen Kirche darunter verstand... So schrieb Bruno:
    "Ich behaupte, dass das All unendlich ist, dass eine Unzahl von Weltkörpern existiert: Gestirne, Erden, Sonnen. Ich glaube an ein unendliches Universum, als Schöpfung der unendlichen Allmacht, da ich es der göttlichen Güte und Macht für unwürdig erachte, wenn sie unzählige Welten schaffen kann, nur eine endlich begrenzte Welt geschaffen zu haben."
    Diese Skizze eines heliozentrischen Universums war ein Schlag ins Gesicht des katholischen Irrglaubens, die Erde - bewohnt von Gottes Ebenbild - stehe im Mittelpunkt allen Seins.
    Vor allem aber stand seine pantheistische Weltanschauung - nach der Gott nichts weiter sei als die Gesamtheit aller Elemente in einem unendlichen Universum - in krassem Widerspruch mit den Lehren der katholischen Kirche - und tut es auch heute noch. So dauerte es genau 400 Jahre, bis sich der päpstliche Kulturrat im Jahre 2000 dazu herabließ, Brunos Verurteilung als Unrecht zu bezeichnen - eine vollständige Rehabilitierung des ehemals Geistlichen fand bis heute nicht statt.
    Neben seinen kosmologischen Überlegungen - und einigen mystischen Behauptungen, die aus heutiger Perspektive nicht mehr haltbar sind - zeichnete Bruno das Bild einer naturalistischen Weltanschauung, erkannte die Einheit von Körper und Geist - also den Monismus - stellte Überlegungen zur biologischen Abstammungslehre an und formulierte erste Grundzüge einer evolutionär-humanistischen Ethik.
    Berühmt wurde auch folgender Satz von Bruno, mit dem er seine Haltung gegenüber der klerikalen Obrigkeit unmissverständlich ausdrückte...
    „Wer richtig urteilen will, muss vollständig ablassen von jeder Glaubensgewohnheit, die er von Kindheit an in sich aufgenommen hat. Die allgemeine Meinung ist nicht immer die wahrste."
    So gedenken wir heute einem Mann, der mutig für das einstand, was er Kraft seiner Vernunft für richtig und wichtig hielt und wofür er von den selbsternannten Vertretern des fiktiven Alphamännchens Namens „Gott“ verurteilt wurde. Wir gedenken einem Mann, der sich auf die Ideen von Platon und Epikur berief; einem Mann der Spinoza, Galilei, Goethe, Nietzsche und Leibniz beeinflusste.
    Doch der religiöse Wahnsinn, dem in der Geschichte dieses Planeten unzählige Menschen zum Opfer gefallen sind, hat bis zum heutigen Tage kein Ende gefunden... und so nutzen wir diesen Anlass, um all der Menschen zu gedenken, die für falsche Ideen gestorben sind, noch heute sterben und - so wie es aussieht - auch in Zukunft sterben werden müssen.
    Den Opfern der Kreuzzüge, der Hexen- und Ketzerverbrennungen und des dreißigjährigen Krieges.
    Den Menschen, die ihr Leben in blutigen Kämpfen zwischen Katholiken und Protestanten in Irland lassen mussten, in den Auseinandersetzungen zwischen Moslems und Christen im ehemaligen Jugoslawien, zwischen Schiiten und Sunniten in Afghanistan oder in den nicht enden wollenden Konflikten im sogenannten Nahen Osten.
    Wir denken aber auch an die rund 10.000 Kinder, die in Afrika in den vergangen Jahren von christlichen Hasspredigern als Hexen bezeichnet und verbrannt wurden, denen, die in den TwinTowers ums Leben kamen als islamistische Religioten sich am „dekadenten Westen“ rächten und solchen die wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Unglaubens oder wegen harmloser Veröffentlichungen im Internet gefoltert, gepeinigt oder zum Tode verurteilt werden.
    Wir erinnern daran, dass Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit - also auch die Freiheit, frei von Religion zu sein - ja, sogar das Recht auf Blasphemie unveräußerliche Menschenrechte darstellen, die von zentraler Bedeutung sind für die Stabilität einer friedlichen, freien und toleranten Gesellschaft.
    Wir alle - Humanisten und Atheisten, Agnostiker, Skeptiker und Konfessionsfreie - wären vor 412 Jahren an der Seite von Giordano Bruno... verurteilt und bei lebendigem Leibe verbrannt worden.
    Die letzten Worte Giordanos Brunos waren:
    „Mit größerer Furcht verkündet Ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegen nehme.“
    »Stille...«


    Blumen für Giordano | hpd

  2. #2
    Avatar von Lahutari

    Registriert seit
    08.12.2010
    Beiträge
    5.050
    Wie recht er doch hatte

  3. #3
    Avatar von BlackJack

    Registriert seit
    11.10.2009
    Beiträge
    65.417
    So bedauernswert Brunos Schicksal vor der blutrünstigen Inquisition auch ist, so teile ich nicht die überschwängliche Wertung des Bildes, welches mit seinem Namen verbunden ist. Er wird oft in einem Atemzug genannt mit Galileo Galilei, was aber ganz klar nicht gerechtfertigt ist. Galilei war Wissenschaftler und hat versucht durch Experiment und Beobachtung das Geschehen mathematisch zu beschreiben. Giordano Bruno war trotz wissenschaftlich klingender "Theorien" über das Universum und (berechtigter) Ablehnung des geozentrischen Weltbildes reiner "Naturphilosoph", der Religion, Philosophie, Visionen und sonstwas in seine Werke einfließen ließ.

    Letzendlich war Giordano Bruno ein "ganz normaler" Ketzer.

Ähnliche Themen

  1. Vielen Dank für die Blumen..
    Von allesineinem im Forum Rakija
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 14.03.2010, 17:51
  2. Borat -> Bruno
    Von sky im Forum Humor - Vicevi
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 07.04.2009, 16:03
  3. Bruno aus Österreich
    Von Grasdackel im Forum Rakija
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 26.09.2008, 19:18
  4. Antworten: 26
    Letzter Beitrag: 03.04.2008, 14:42
  5. Braunbär Bruno ist tot :(
    Von Makedonec_Skopje im Forum Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt
    Antworten: 75
    Letzter Beitrag: 06.07.2006, 16:59