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Büchnerpreisträger fordert strengere Bestrafung von “Blasphemie”

Erstellt von Marcin, 22.06.2012, 20:49 Uhr · 2 Antworten · 539 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Marcin

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    Büchnerpreisträger fordert strengere Bestrafung von “Blasphemie”

    Büchnerpreisträger fordert strengere Bestrafung von “Blasphemie”

    Martin Mosebach: Staat muss religiöse Überzeugungen von Mehrheiten schützen.

    Blasphemisch: Postkarte aus der Art Collection der Giordano-Bruno-Stiftung.

    Grundrechte – Der Schriftsteller und Träger des Georg-Büchner-Preises Martin Mosebach will, dass Meinungsäußerungen über das Christentum und andere kritische Ausdrucksformen mit Bezug zur Religion zukünftig wieder härter bestraft werden.
    Das forderte Mosebach als bekennender Anhänger des Monarchen Papst Benedikt XVI., der seit 2005 vom Fake-Staat Vatikanstadt aus regiert, in einem Essay, der am Dienstag in der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung veröffentlicht wurde.
    „Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird“, schrieb Mosebach im Aufsatz und zweifelte zunächst an, dass die Bundesrepublik Deutschland ein weltanschaulich neutraler Staat sei.
    Dabei verwies er darauf, dass dem Grundgesetz der Bezug auf einen Gott vorangestellt wurde und er meinte dazu: „Es war der Gott des Christentums, an einen anderen dürfte man Ende der 1940er Jahre schwerlich gedacht haben.“
    Und auch wenn diese religiöse Bindung des Grundgesetzes in den letzten Jahrzehnten „gelinde gesagt beeinträchtigt worden ist“, werde es auf lange Sicht keine neue Verfassung geben. „Alle wesentlichen politischen Kräfte sind sich hierin einig.“
    In einem Staat, in dem die Bürgerinnen und Bürger ein Gewaltmonopol des Staates mit der Abtretung von Rechten an den Staat in Kauf nehmen, gerate die Relation zwischen dem Gehorsam der Menschen und der Gewährleistung staatlichen Schutzes in Gefahr, wenn „eine hinreichend große Gruppe sich in ihrer religiösen Überzeugung nicht mehr vom Staat beschützt sieht“.
    Er kritisierte weiter, dass die Bischöfe heute gegenüber blasphemischen Äußerungen „verlegen zur Seite“ blickten, denn „sie wollen sie bloß nicht wahrnehmen, um nicht Stellung beziehen zu müssen.“
    Tatsächlich sind manche Äußerungen ranghoher Theologen im Zuge der Aufdeckung des jahrzehntelang durch die katholische Kirche vertuschten sexuellen Missbrauchs seltener geworden.
    Zuvor hatten die Kleriker traditionell nichtreligiöse und atheistische Weltanschauungen sowie deren Anhänger diffamiert, religionskritische Äußerungen hingegen unter anderem mit Strafanzeigen und Klagen bekämpft. Nun langsam erkennen einige Bischöfe, dass sich immer mehr Menschen nicht von den Lügen einschüchtern lassen und ihre Meinung zur Religion und der katholischen Kirche selbstbewusst vertreten.
    Die seit einiger Zeit entspanntere Situation im Bereich der Meinungs- und Kunstfreiheit verändert habe nun laut Mosebach das Auftreten einer „starken islamischen Minorität“, wegen der sich die Politik mit Menschen konfrontiert sähe, „die in Hinsicht Blasphemie keinen Spaß verstehen.“
    Der Schriftsteller will offenbar die Auffassung verbreiten, dass die starke katholische Majorität in Deutschland sogenannten „blasphemischen“ Äußerungen zu irgendeiner Zeit tolerant gegenüber gestanden habe.
    Und gegenüber den heute hin und wieder verbreiteten künstlerischen Ausdrucksformen, die Religionskritik und Karikaturen enthalten, drückte er seine Missbilligung aus: „Blasphemie als lässige Attitüde oder als kalkulierte Spielerei ist billig und feige, ihr künstlerischer Ertrag bleibt dementsprechend gering.“
    Laut Martin Mosebach habe die Geschichte gezeigt, dass Schranken der „Entstehung von Kunst höchst förderlich gewesen“ seien. Ein Fakt ist hier wohl, dass Denkschranken und Sprechverbote höchst förderlich für die Kunst waren, Milliarden von Menschen an die absonderlichen Lügen des Katholizismus zu binden.
    Was der Schriftsteller deshalb verlangt ist klar. Denn in Deutschland stellt der Paragraph 166 des Strafgesetzbuches die Beschimpfung von religiösen Bekenntnissen unter Strafe, wenn diese geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Bis zu drei Jahre Gefängnis sind dafür vorgesehen.
    Seit einigen Jahren wurde keine dementsprechenden Strafurteile mehr ausgesprochen. Zuletzt entschied ein Berliner Gericht, ein dementsprechendes Strafverfahren gegen den Blogger Jörg Kantel nicht zu eröffnen, weil dessen Äußerungen nach Auffassung der Richterin nicht geeignet waren, den öffentlichen Frieden zu stören.
    Kantel hatte auf die katholische Kirche einen Begriff angewendet, nach dem die Kirche eine Sekte mit der primären Aufgabe sei, Kinder sexuell zu missbrauchen. Die Richterin stellte also fest, dass das Ansehen der Kirche so tief gesunken ist, dass auch die von Kantel verwendete Bezeichnung nicht noch mehr den öffentlichen Frieden stören könne, als die Aufdeckung der riesigen Missstände in der Kirche, welche weiter von Mosebach unterstützt wird.
    Allerdings ist Martin Mosebach selbst wenig zurückhaltend, wenn es um Äußerungen über Angehörige von Gesellschaften geht, die kein katholisches Bekenntnis haben: Zuletzt hatte er Aufsehen erregt, weil er in einem vielbeachteten Interview die konfessionsfreien und nichtreligiösen Menschen in den neuen Bundesländern als „reduzierte Existenzen“ bezeichnete, die in ihrer „Vollausbildung als Menschen“ beeinträchtigt seien

    wissenrockt.de » Büchnerpreisträger fordert strengere Bestrafung von “Blasphemie”

  2. #2
    Avatar von Schiptar

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    Warum erhält so einer den Büchnerpreis?!?

  3. #3
    Avatar von Marcin

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    30.10.2007

    Der Schriftsteller Martin Mosebach (Bild: Berlin Verlag)
    Pamphlet gegen Aufklärung

    Historiker kritisiert Martin Mosebachs Büchner-Preis-Rede

    Moderation: Karin Fischer

    Mit scharfen Worten hat der Historiker Heinrich August Winkler die Dankesrede des Schriftstellers Martin Mosebach bei der Verleihung des Georg-Büchner-Preises kritisiert. Für Mosebach seien Aufklärung und Französische Revolution ein Irrweg gewesen. Dieser Standpunkt sei reaktionär. "Ich würde von Geschichtsklitterung sprechen", sagte Winkler.



    Karin Fischer: Danton, Robespierre, die Französische Revolution 1789 und ein kämpferischer Dichter Georg Büchner, der mehrere Jahrzehnte später die Revolution zu sich selbst nämlich zu Wort kommen lässt. In keinem anderen Abschnitt der Geschichte, so schreibt Martin Mosebach in seiner Büchner-Preis-Rede, war das Reden so identisch mit dem Handeln wie hier. Es war die Zeit auch der Eiferer und die Frage heute, die sich stellt, ist mal wieder die, welche Ziele jene Art religiösen Fanatismus rechtfertigen, der zum Beispiel einen Antoine de Saint-Just antrieben, jenen Revolutionär und Anhänger Robespierres, der mit diesem gestürzt und am nächsten Tag, dem 28. Juli 1794, mit ihm gemeinsam das Schafott bestieg. Von Saint-Just ist der Satz überliefert: "Nicht die Gefängnisse haben überfüllt zu sein, sondern die Friedhöfe." Und ihn zitierte Martin Mosebach in einer aufschlussreichen Passage seiner Rede, die der neue Büchner-Preisträger als zukunftsträchtige Doktrin des Massenmords bezeichnet. Hier ist sie:

    Mosebach: "Soll eine Idee nicht ebenso gut wie ein Gesetz der Physik vernichten dürfen, was sich ihr widersetzt? Der Weltgeist bedient sich in der geistigen Sphäre unserer Arme ebenso, wie er in der physischen Vulkane oder Wasserfluten gebraucht. Was liegt daran, wenn sie nun an einer Seuche oder an der Revolution sterben? Das Gelangen zu den einfachsten Grundsätzen hat Millionen das Leben gekostet, die auf dem Weg starben. Ist es nicht einfach, dass zu einer Zeit, wo der Gang der Geschichte rascher wird, auch mehr Menschen außer Atem geraten."
    Zitat Ende. Wenn wir diesen Worten nun noch das Halbsätzchen hinzufügen, dies erkannt zu haben und dabei anständig geblieben zu sein, dann wären wir unversehens 150 Jahre später, und nicht mehr in Paris, sondern in Posen.

    Fischer: Das ist eine Linie von der Französischen Revolution, die ihre Kinder frisst bis zu Himmlers berüchtigter Rede vor den SS-Führern. Die Frage geht jetzt an den Historiker Heinrich August Winkler: Welches Geschichtsbild ist mit einer solchen Linie verbunden?

    Heinrich August Winkler: Es ist kein neues Geschichtsbild. Es gibt eine Tradition des Denkens, die man auch schon bei dem israelischen Historiker Jacob Talmon findet in seinem Buch über die Ursprünge des totalitären Denkens. Da ist in gewisser Weise Jean-Jacques Rousseau der Urvater des linken wie des rechten Totalitarismus. Man kann solche Linien ziehen, man kann solche Ähnlichkeiten der Denkstruktur nachweisen, aber man darf einen gewaltigen Unterschied nicht aus dem Auge verlieren. Die Französische Revolution hat in der terroristischen Phase eine Perversion der Aufklärung erlebt, eine Perversion der Werte, in deren Namen sie angetreten ist. Aber noch 1798 konnte Kant die Revolution trotzdem, trotz all dieser terroristischen Perversionen verteidigen und sagen, dieses war ein Phänomen in der Menschengeschichte, das sich nicht mehr vergisst. Ich denke, dass bei dem nationalsozialistischen Judenmord der Kampf gegen die Aufklärung eine entscheidende Rolle spielt. Die biologische Vernichtung von Menschen um der bloßen Tatsache willen, dass sie einer anderen Rasse angehören, das ist etwas anderes als wechselseitige Grausamkeiten in einem Bürgerkrieg. Und die Französische Revolution war nicht der erste Bürgerkrieg der Geschichte. Also hier werden Dinge miteinander verglichen, die man eigentlich nur vergleichen kann, um dann die Unterschiede deutlich herauszuarbeiten und nicht nur die Gemeinsamkeiten.

    Fischer: Tut Mosebach damit eigentlich Büchner Gewalt an, oder ist das nur für ihn ein interessanter Aspekt jeder Art von revolutionärer Utopie?

    Winkler: Für ihn ist das Entscheidende, glaube ich, das Zitat "Es lebe der König" von Lucile Desmoulins, damals ausgesprochen als ein Ausdruck des äußersten Protestes. Und ich glaube, dahinter verbirgt sich die eigentliche Botschaft der Rede, die Aufklärung und die Französische Revolution markieren einen Irrweg. Die Zeit davor war die gute Zeit. Und dieser Standpunkt ist schlichtweg reaktionär. Ich würde von Geschichtsklitterung, denn das Ancien Régime, gegen das sich die Französische Revolution auflehnte, hat die Menschenrechte mit Füßen getreten. Und deswegen denke ich, ist dieses Geschichtsbild, wenn es denn der Rede zugrunde liegen sollte, etwas, mit dem man sich sehr kritisch auseinandersetzen muss.

    Fischer: Revolution, Gewalt und dann der Umschlag in den Nihilismus ist also keine logische konsequente Reihe, sondern sehr, sehr konservative Geschichtspolitik?


    Winkler: Das kann man, denke ich, ohne dem Autor Unrecht zu tun, behaupten.

    Fischer: Vielen Dank! Heinrich August Winkler für die Bewertung der Rede von Martin Mosebach anlässlich der Büchner-Preis-Verleihung am Samstag.


    Pamphlet gegen Aufklärung - Historiker kritisiert Martin Mosebachs | Kultur heute | Deutschlandfunk

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