EU-Parlament: Österreicher hinterfragen ausschließlich den Islam

Österreichische Abgeordnete des europäischen Parlaments scheinen besondern aktiv zu sein, wenn es um Anfragen zum islamistischen Terror, des Islam in Europa oder die Unterdrückung von christlichen Minderheiten in islamischen Ländern geht. Doch die Missstände in der katholischen Kirche oder die Diskriminierung von Muslimen, werden nicht thematisiert.


167 Abgeordnete des EU-Parlaments haben an einer Studie teilgenommen, die die religiösen Ansichten der Parlamentarier unter die Lupe nimmt. Im Vordergrund steht die Frage, wie sich jene religiösen Ansichten in der Tagespolitik wiederspiegeln. Jenes Forschungsprojekt „Religion in the European Parliament“, welches vom französischen Soziologen, Prof. François Foret, geleitet wird, ist noch nicht abgeschlossen.
Die brasilianische Politologin Julia Mourão Permoser ist ebenfalls an dem Projekt beteiligt und legt ihr Augenmerk auf die österreichischen Volksvertreter. Dabei fand sie heraus, dass nahezu „doppelt so viele österreichische als andere EU-Abgeordnete“ sich weigern Aussagen über ihre Religiosität zu machen, erklärt sie der Tageszeitung Standard. Nur ein Bruchteil der österreichischen Abgeordneten bezeichnet sich hingegen als „nicht religiös“ oder gottlos. Mourão Permoser kommt zu dem Fazit, dass es für österreichische Abgeordnete nur die Möglichkeit gibt sich als Christ zur Religion zu äußern oder man äußert sich gar nicht.
In einem Zeitraum von 2009 bis Ende Januar 2012 gab es insgesamt 2390 parlamentarische Anfragen der mehrheitlich katholischen Österreicher, wovon 75 Prozent religiöse Angelegenheiten betrafen. Dabei ging es um die Diskriminierung christlicher Minderheiten in islamischen Ländern, islamistischen Terror und die Integration des Islam in Europa. 77 Prozent meinen, dass die Religion in der Frage des EU-Beitritts der Türkei im EU-Parlament eine große Rolle spiele. „Religion wird also vor allem dann zum Thema gemacht, wenn es darum geht, die Religion der ,anderen’ zu thematisieren“, zitiert der Standard die brasilianische Wissenschaftlerin, Julia Mourão Permoser.
Dass das Christentum nicht zwangsläufig Stellung gegen den Islam beziehen muss und anders herum, sagte der deutsche Pfarrer, Jürgen Fliege, in einem Interview mit der DTN. Christentum und Islam seien „altehrwürdige Äste voller Früchte an einem einzigen Stamm“, so Fliege. Er sprach auch einen Missstand an, der in vielen EU-Ländern verbreitet ist. So verhindern konfessionsgebundene, insbesondere katholische Kindergärten sowohl die gesellschaftliche, als auch die religiöse Integration von Muslimen. Denn christliche Kindergärten gelten für viele deutsche Eltern als Ort, wo es keine „Türken und Muslime“ gebe. Deshalb werden sie bevorzugt. Sie wollen die gesellschaftliche Realität nicht anerkennen, meint Fliege


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