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EUROPA HAT EIN ARMUTSPROBLEM

Erstellt von skenderbegi, 26.02.2007, 10:33 Uhr · 18 Antworten · 905 Aufrufe

  1. #11
    hahar
    Zitat Zitat von T1tt0l4r00c4
    Zitat Zitat von hahar
    Zitat Zitat von skenderbegi
    was denkt ihr wie die welt 50 bis 100 jahren aussehen wird und ganz speziell europa?

    in europa vorallem im westen ist die einheimische bevölkerung am "aussterben" sein bezw. am veralten.....

    so wird in zukunft eine emigrations-welle aus nordafrika über europa kommen .....
    in 50 jahren wird nichts mehr sein wie es heute ist! pension weg, krankenversicherungen werden verschwinden! die reichen werden immer reichr! unsere kinder werden froh sein wenn sie irgendeine arbeit erhalten! dass wird alles der fall sein, ausser die menschen erwachen!
    So haben sie vor 50 jahren auch geredet denoch wurde es immer besser :!:
    woher wisst du wie man vor 50 jahren dachte?? bist du denn schon so alt??

  2. #12
    Avatar von Yutaka

    Registriert seit
    13.01.2006
    Beiträge
    4.998
    Zitat Zitat von hahar
    Zitat Zitat von T1tt0l4r00c4
    Zitat Zitat von hahar
    Zitat Zitat von skenderbegi
    was denkt ihr wie die welt 50 bis 100 jahren aussehen wird und ganz speziell europa?

    in europa vorallem im westen ist die einheimische bevölkerung am "aussterben" sein bezw. am veralten.....

    so wird in zukunft eine emigrations-welle aus nordafrika über europa kommen .....
    in 50 jahren wird nichts mehr sein wie es heute ist! pension weg, krankenversicherungen werden verschwinden! die reichen werden immer reichr! unsere kinder werden froh sein wenn sie irgendeine arbeit erhalten! dass wird alles der fall sein, ausser die menschen erwachen!
    So haben sie vor 50 jahren auch geredet denoch wurde es immer besser :!:
    woher wisst du wie man vor 50 jahren dachte?? bist du denn schon so alt??
    Mit 59 Jahren auf dem Buckel sollte ich es wohl wissen oder

  3. #13
    hahar
    Zitat Zitat von T1tt0l4r00c4
    Zitat Zitat von hahar
    Zitat Zitat von T1tt0l4r00c4
    Zitat Zitat von hahar
    Zitat Zitat von skenderbegi
    was denkt ihr wie die welt 50 bis 100 jahren aussehen wird und ganz speziell europa?

    in europa vorallem im westen ist die einheimische bevölkerung am "aussterben" sein bezw. am veralten.....

    so wird in zukunft eine emigrations-welle aus nordafrika über europa kommen .....
    in 50 jahren wird nichts mehr sein wie es heute ist! pension weg, krankenversicherungen werden verschwinden! die reichen werden immer reichr! unsere kinder werden froh sein wenn sie irgendeine arbeit erhalten! dass wird alles der fall sein, ausser die menschen erwachen!
    So haben sie vor 50 jahren auch geredet denoch wurde es immer besser :!:
    woher wisst du wie man vor 50 jahren dachte?? bist du denn schon so alt??
    Mit 59 Jahren auf dem Buckel sollte ich es wohl wissen oder
    jetzt ech! bist du wirklich so alt????? oder ist das nur ein joke??

    zum thema: besser geworden? was ist besser geworden? die technologie hat uns europäern ein leben ermöglicht dass es niemals gab, da gebe ich dir recht! aber die technologie hat uns auch schwach/faul gemacht, dafür werden wir bezahlen! es ist so wie skenderbegi gesagt hat, es ist ein globales problem! europa kann nicht ohne afrika leben, so weenig wie afrika ohne europa leben kann!

  4. #14
    cro_Kralj_Zvonimir
    Die USA muss zusammen wachsen und als neue Supermacht erblühen um mit Indien China und USA zu konmurieren!!!!

  5. #15
    Avatar von skenderbegi

    Registriert seit
    27.09.2006
    Beiträge
    11.090
    Ländliche Armut –
    eine politisch-ökonomische Perspektive
    Einleitung
    Gegenstand dieses Artikels ist Armut als ein
    dynamischer Zustand, als ein Phänomen, das
    durch generelle gesellschaftliche Prozesse verursacht,
    reproduziert und/oder verändert wird.
    Nur wenn man Armut in dieser Weise denkt,
    macht es überhaupt Sinn, von „ländlicher Armut“
    zu sprechen. Ländliche und städtische
    Armut können nur dann unterschieden werden,
    wenn man das „Land“ als einen Ort spezifischer
    Entwicklungsprozesse versteht, die in urbanen
    Regionen nicht oder nicht in der selben Weise
    anzutreffen sind.
    Um ländliche Armut zu verstehen, muß man
    also mit einer Analyse der Wandlungsprozesse
    beginnen, die in ländlichen Gesellschaften,
    insbesondere der entwickelten Länder, vor sich
    gehen, und versuchen, deren Auswirkungen auf
    die Lebenslagen und -chancen der verschiedenen
    ländlichen Bevölkerungsgruppen nachzuzeichnen.
    Wenn man über ländliche Armut
    spricht, hat man es also nicht mit dem Land als
    Raum zu tun – Raum an sich generiert weder
    Armut noch Wohlstand. Worauf es ankommt,
    ist die Art und Weise, wie Räume im Entwicklungsprozeß
    genutzt werden. Wohlstand und
    Armut sind in jeweils bestimmter Weise im
    Raum verteilt – als Ergebnis gesamtgesellschaftlicher
    und zunehmend globaler Investitions-,
    Restrukturierungs- und Reorganisationsprozesse,
    die bestehende räumliche Differenzen
    zur Gewinn- und Sicherheitsmaximierung
    nutzen.
    Die Nutzung der Räume betrifft nicht alle
    ihre Bewohner gleichermaßen, sondern wird
    von den verschiedenen Klassen, Altersgruppen,
    Geschlechtern und kulturellen Gruppen auf verschiedene
    Weise erfahren. Beispielsweise beeinflussen
    in ländlichen Regionen sowohl
    das Geschlecht als auch das Alter den Zugang
    zu Vermögen und anderen materiellen Ressourcen.
    Sie beeinflussen auch, wenngleich in anderer
    Weise, den Zugang zu Bildung und Wissen,
    zu marktfähigen Qualifikationen und kulturellem
    Kapital. Veränderungen in der Nutzung
    ländlicher Räume – wie z.B. eine Reduzierung
    der Landwirtschaft zugunsten industrieller
    Produktion in multinationalen Unternehmen
    – können den relativen Wert von Bodenbesitz
    gegenüber Qualifikationen und somit
    die Verteilung von Armut zwischen den Geschlechtern
    und Altersgruppen verändern. Das
    heißt nicht, daß der Raum an sich keine Bedeutung
    für die Existenz oder Erfahrung ländlicher
    Armut hätte, sondern lediglich, daß die
    Untersuchung ländlicher Armut nicht beim
    Raum, sondern bei den sozialen Gruppen ansetzen
    muß bzw. bei den sozialen Prozessen,
    die diese Gruppen in einem jeweils konkreten
    Raum-Zeit-Kontext hervorbringen. Mit anderen
    Worten, wir haben es hier nicht mit „armen
    Gegenden“ zu tun, sondern mit „armen Menschen“.
    Arme Menschen gibt es sowohl in reichen
    als auch in armen Gegenden, und arme
    wie reiche Gegenden können sich in ländlichen
    Räumen befinden.
    Was ist ländliche Armut?
    Die Definition von Armut generell und ländlicher
    Armut im besonderen ist Gegenstand einer
    ausgedehnten kontroversen Debatte (vgl.
    u.a. Curtin et al. 1996; Pringle et al. 1999) und
    soll hier nicht ausführlich diskutiert werden.
    An dieser Stelle sei nur angemerkt, daß ich einen
    Ansatz, der Armut als einen relativen und
    nicht absoluten Zustand behandelt (vgl. Curtin
    et al. 1996: 5), für den geeignetsten Zugang
    halte. Ein Beispiel dafür ist die Einführung einer
    „Armutsgrenze“, die Menschen verortet,
    deren Einkommens- bzw. Wohlstandsniveau
    sich in einem bestimmten Maße unterhalb des
    4 Hilary Tovey
    jeweiligen gesellschaftlichen Durchschnitts
    befindet (40 Prozent, 50 Prozent, 60 Prozent –
    je nach Entscheidung des Autors). Im Unterschied
    zu anderen Konzepten richtet der relativistische
    Ansatz die Aufmerksamkeit auf soziale
    Ungleichheit, insbesondere Ungleichheit
    hinsichtlich des Zugangs zu Ressourcen, die
    maßgeblichen Einfluß auf die Lebenschancen
    haben. Für die meisten entwickelten Länder,
    in denen Armut in der Regel nicht das physische
    Überleben in Frage stellt, scheint mir diese
    Herangehensweise am angemessensten. Ein
    relativistischer Ansatz impliziert schließlich,
    bei der Suche nach Lösungen für das Armutsproblem
    über eine Restrukturierung der Gesellschaft
    nachzudenken, die mehr Gleichheit mit
    sich bringt. Im weiteren werde ich darlegen,
    warum eine Orientierung auf mehr Gleichheit
    in der Verteilung der vorhandenen Ressourcen
    eine wirksamere Antwort auf das Armutsproblem
    bieten kann als der Versuch, das absolute
    Niveau der verfügbaren Ressourcen durch ökonomisches
    Wachstum zu steigern – in der Hoffnung,
    ein Teil der Wachstumsgewinne würde
    dann irgendwann bis zu den Armen „durchsikkern“.
    The Rural – zum Begriff
    des Ländlichen
    Der Begriff des Ländlichen ist im öffentlichen
    Diskurs in mindestens zwei Formen anzutreffen.
    Es gibt das Ländliche – the Rural – als
    Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung
    und als Objekt von Ideologien. Eine
    dritte Version – das Ländliche als Objekt fachpolitischer
    Maßnahmen – kombiniert für gewöhnlich
    wissenschaftliche und ideologische
    Komponenten in mehr oder weniger unreflektierter
    Weise.
    Als Forschungsgegenstand, so die allgemeine
    Annahme, hat das Ländliche eine gewisse
    objektive Existenz, die man kenntlich machen
    und kategorisieren kann. Als Merkmale einer
    ländlichen Region gelten zum Beispiel eine
    geringe Bevölkerungsdichte, die Dominanz der
    natürlichen Ressourcenverwertung in der lokalen
    Wirtschaft, oder (in zunehmendem Maße)
    das Vorhandensein von „Natur-“ bzw. „Umweltressourcen“.
    Gleichwohl gibt es erhebliche
    Kontroversen darüber, welche dieser objektiven
    Merkmale die Spezifik des „Ländlichen“
    – im Gegensatz zum „Urbanen“ – eigentlich
    ausmachen. Darüber hinaus gibt es das Problem,
    daß im Verlauf der Geschichte die Unterschiede
    zwischen verschiedenen ländlichen Regionen
    und Gegenden rapide angewachsen sind
    und heute deutlich zutage treten. Das wirft die
    Frage auf, ob die Zusammenfassung eines so
    breiten Spektrums unterschiedlicher sozioökonomischer
    und räumlicher Entitäten in einer
    einheitlichen Kategorie des „Ländlichen“ überhaupt
    sinnvoll ist. In letzter Zeit kommen nicht
    wenige Untersuchungen zu dem Schluß, daß
    die Unterschiede zwischen verschiedenen ländlichen
    Regionen heute nicht geringer, sondern
    mitunter gar größer sind als die Unterschiede
    zwischen Stadt und Land.
    Die meisten Studien zum „ländlichen Irland“,
    die das Ländliche als objektive Entität
    unterstellen, gehen von dem modernistischen
    Standpunkt aus, daß Modernität urban und industriell
    sei, ländliche Regionen mithin immer
    ein gesellschaftliches Problem darstellten. Sie
    gelten als traditionsverhaftet und modernisierungsbedürftig,
    leiden unter geringen Durchschnittseinkommen,
    niedrigem Bildungsniveau,
    Abwanderung usw. Diese Denkweise behandelt
    ländliche Armut als ein Merkmal von
    Regionen statt von Menschen. Sie legt uns
    nahe, die Armutsursachen in den betreffenden
    Regionen selbst zu suchen und Indikatoren zu
    entwickeln, die anzeigen, welche Regionen arm
    und welche relativ wohlhabend sind. Sie regt
    aber nicht dazu an, zu prüfen, inwieweit die
    Ursachen für ländliche Armut vielleicht in den
    „entwickelten“ urbanen Regionen und ihre
    Aktivitäten zu suchen wären.
    Des weiteren erscheint das Ländliche im öffentlichen
    Diskurs als Objekt von Ideologien.
    Damit ist gemeint, daß Gesellschaften im allgemeinen
    mit dem ländlichen Raum und ländlicher
    Lebensweise spezifische symbolische
    Bedeutungen und Wertvorstellungen verbinden,
    die die Art und Weise prägen, wie die Landbewohner
    ihr Leben wahrnehmen. Mormont
    (1990) behauptet sogar, die Unterscheidung
    zwischen dem „Ländlichen“ und dem „Urbanen“,
    die dem Ländlichen jeglichen erdenklichen
    Inhalt verleihen kann, sei ein Produkt der
    Vorstellungen, die in der Gesellschaft existieren
    und von verschiedenen sozialen Gruppen
    für ihre jeweiligen Ziele mobilisiert werden.
    Ländliche Armut – eine politisch-ökonomische Perspektive 5
    Kämen die relevanten gesellschaftlichen Akteure
    zu dem Schluß, daß das „Ländliche“ und
    das „Urbane“ keine nützlichen Mobilisierungsbegriffe
    mehr abgeben, dann würde es in
    der Gesellschaft auch keine bedeutsame Stadt-
    Land-Differenzierung mehr geben.
    Aus ideologischer Perspektive muß das
    Ländliche keineswegs als „Problem“ erscheinen.
    Oftmals ist eher das Gegenteil der Fall,
    denn die meisten modernen Industriegesellschaften
    pflegen Ideologien, die ländliches
    Leben und ländliche Umgebung zu potenten
    Symbolen des Guten schlechthin aufwerten.
    Dies erklärt den Umstand, daß, wie Studien zu
    ländlicher Armut in Großbritannien ergaben,
    einige ländliche soziale Gruppen, die nach
    Maßgabe objektiver Indikatoren als arm gelten,
    sich selbst gar nicht als arm beschreiben
    oder ihre Armut nicht als inakzeptables Problem
    betrachten. Die subjektive Bedeutung
    von Armut für die Armen – und für die Wohlhabenden
    – ist stark kulturell und ideologisch
    geprägt. Natürlich variieren Kulturen und Ideologien
    zwischen verschiedenen Gesellschaften
    und zwischen verschiedenen Klassen. Daher
    sollte man nicht davon ausgehen, daß, weil in
    den fortgeschrittenen Zentren Europas das
    ländliche Leben als erstrebenswert gilt, dies
    auch in den weniger entwickelten und peripheren
    Ländern der Fall wäre. Irland hat über zwei
    Jahrhunderte lang massive Abwanderungen
    vom Land in die Stadt (gewöhnlich ins Ausland)
    erlebt, die nicht nur ökonomische Ursachen
    hatten. Die auf dem Lande blieben, bekamen
    regelmäßig zu hören, es fehle ihnen an
    Intelligenz und Initiative, und sahen ihre Lebensweise
    systematisch entwertet und delegitimiert
    (Brody 1973). Ländliche Armut in Irland
    wird subjektiv ganz anders erfahren als
    ländliche Armut in England.
    Die Produktion von Armut – Soziale
    Prozesse in ländlichen Regionen
    Eingangs habe ich dafür plädiert, ländliche Regionen
    als Ort von spezifischen ökonomischen
    und sozialen Prozessen zu betrachten. Insofern
    verwende ich hier eine „objektive“ Definition
    des Ländlichen. Um diesen Ansatz auszubauen,
    betrachte ich im weiteren das „ländliche
    Irland“ als eine räumliche und soziale Manifestation
    globaler kapitalistischer Entwicklung.
    In dieser Perspektive erscheinen ländliche wie
    urbane Regionen als von denselben übergreifenden,
    nationalen und internationalen Entwicklungsprozessen
    geprägt, welche jedoch in
    den unterschiedlichen Raumtypen verschiedene
    Ergebnisse hervorbringen. Dies liegt primär
    daran, daß Kapitalismus über eine räumliche
    Arbeitsteilung funktioniert, die unterschiedliche
    ökonomische Unternehmungen in unterschiedlichen
    Raumtypen ansiedelt. Mit Bezug
    auf ländliche Armut stellt sich damit die Frage,
    wie sozioökonomische Restrukturierungsprozesse
    innerhalb eines globalen Rahmens Ressourcen
    und Gelegenheiten unter verschiedenen
    sozialen Gruppen verteilen bzw. umverteilen.
    Was macht nun das spezifisch Ländliche
    aus? Nach dem schon zitierten Band „Armut
    im ländlichen Irland“ zeichnen sich ländliche
    Regionen vor allem dadurch aus, daß sie über
    eine Geschichte landwirtschaftlicher Produktion
    verfügen (Curtin et al. 1996: 11). Die Betonung
    von Geschichte ist wichtig, denn heute
    ist Landwirtschaft nur in einer Minderheit der
    ländlichen Regionen Irlands der dominante
    Produktions- oder Beschäftigungszweig. Industrielle
    und Dienstleistungsberufe lösen den
    Landwirt als Hauptberuf der Mehrheit der
    Landbewohner in vielen Regionen ab. Viele
    zuvor agrarische Regionen erleben einen Bevölkerungsrückgang,
    weil die Menschen in
    Städte oder Stadtrandgebiete ziehen. Tourismus
    beginnt die Agrarwirtschaft als hauptsächlichen
    Nutzer des ländlichen Raums und der
    natürlichen Ressourcen abzulösen. Dennoch
    lassen sich die räumlichen und sozialen Charakteristika
    der Landbevölkerung noch immer
    am besten als Resultat der Existenz einer örtlichen
    Agrarwirtschaft zumindest in der jüngeren
    Vergangenheit verstehen.
    Dies vorausgesetzt, muß die Analyse der
    Distribution und Dynamik ländlicher Armut bei
    der Organisation der Agrar- und Ernährungswirtschaft
    ansetzen. Die irische Landwirtschaft
    der Gegenwart zeichnet sich durch zwei auffallende
    Merkmale aus. Sie durchlebt zum einen
    einen rapiden Rückgang der Zahl der „Farmer“
    (nicht der Bodenbesitzer), einhergehend mit
    einer zunehmenden Konzentration der Produktion.
    Der NESC-Bericht „Neue Ansätze zur
    ländlichen Entwicklung“1 schätzt, daß heute
    6 Hilary Tovey
    rund 60 Prozent der gesamten Farmproduktion
    und 40 Prozent der gesamten Farmfläche auf
    ca. 20 Prozent der Farmbetriebe entfallen (Commins/
    Keane 1994: 45). Diese Farmen erwirtschaften
    ein Einkommen, das etwa dreimal über
    dem Durchschnittseinkommen der irischen Farmen
    liegt (Frawley/Commins 1996: 23). Die
    übrigen 80 Prozent der Farmerhaushalte müssen
    ihren Lebensunterhalt zunehmend aus alternativen
    Quellen beziehen, aus Lohnarbeit
    oder staatlichen Sozialleistungen. Zum anderen
    vollzieht sich eine regionale Verlagerung
    der Agrarproduktion: Landwirtschaftliche Produktion,
    die früher über die gesamte Insel verstreut
    war, konzentriert sich zunehmend in großen
    kommerziellen Farmen im Süden und im
    Osten (Commins 1996). Böden außerhalb dieser
    Regionen sind für die Landwirtschaft und
    Lebensmittelproduktion von zunehmend marginaler
    Bedeutung. Um diese Wandlungsprozesse
    zu erklären, müssen wir die irische Landwirtschaft
    als Teil einer integrierten Ernährungswirtschaft
    betrachten (Goodman 1991;
    McMichael 1994), die zunehmend in globalem
    Maßstab agiert.
    Konzentration und vertikale Kontrolle
    der globalen Ernährungswirtschaft
    Es gibt zwei Haupttypen von strategischen
    Akteuren der globalen Ernährungswirtschaft –
    transnationale Konzerne und Nationalstaaten.
    Die Lebensmittelindustrie scheint, global betrachtet,
    stärker in den Händen weniger Großkonzerne
    konzentriert zu sein als jeder andere
    Wirtschaftszweig (Bonanno et al. 1994; Tovey
    1991). Nach Goodman et al. (1989) lassen sich
    die involvierten transnationalen Konzerne
    zwei verschiedenen Typen zuordnen. Einige
    sind in sehr unterschiedlichen Zweigen aktiv,
    insbesondere in der Chemie und Biochemie,
    bedingt durch ihr Interesse an einer industriellen
    Lebensmittelproduktion, die biochemische
    Verfahren und Erzeugnisse nutzt (Goodman et
    al. bezeichnen das als „Substitutionimus“, weil
    landwirtschaftlich erzeugte Nährstoffe durch
    industriell hergestellte Substanzen ersetzt werden).
    Andere haben ihre Wurzeln in konventionellen
    Zweigen der Ernährungswirtschaft,
    z.B. in der Verarbeitung oder im Transport, und
    sind von dort aus expandiert, um integrierte
    Produktions- und Verwertungsketten zu entwickeln,
    oftmals zentriert um ein bestimmtes
    Agrarprodukt wie Salat oder Hähnchen. Heffernan
    (1984) und Heffernan/Constance (1994)
    berichten von Unternehmen, die mit dem Export
    und Schiffstransport von US-amerikanischem
    Getreide begonnen haben und heute den
    ganzen Sektor kontrollieren, der mit Geflügel
    (oder Rindfleisch) auf der Basis von Getreidefütterung
    zusammenhängt – von den Brutanlagen
    über die Produktion verbrauchsfertiger
    Geflügelteile bis hin zu den Fast Food-Restaurants.
    Global gesehen ist die kapitalistische Ernährungs-
    und Agrarwirtschaft in Form einer
    internationalen Arbeitsteilung organisiert, die
    nicht nur regionale Differenzen in Arbeitskräfteangebot
    und Arbeitskosten, sondern auch die
    klimatischen und die Zeitunterschiede zwischen
    verschiedenen Weltregionen für die Gewinnmaximierung
    nutzt. So produzieren z.B.
    mexikanische Bauern-Holdings Erdbeeren und
    andere Südfrüchte, die innerhalb weniger Stunden
    nach der Ernte zu den saisonfernen nordamerikanischen
    Verbrauchermärkten geflogen
    werden. Die Ernährungswirtschaft arbeitet
    primär auf der Basis einer ausgedehnten
    Kapitalkontrolle über die unmittelbare Agrarproduktion,
    wobei die Konzerne für gewöhnlich
    mehr an der Kontrolle über Familienfarmen
    (z.B. mittels Produktionsverträgen) interessiert
    sind als daran, Land aufzukaufen und selbst
    Lohnarbeiter für die unmittelbare Produktion
    anzustellen. Eine bestimmte Art von „Familienfarmen“
    scheint besonders geeignet für diese
    Form der Kontrolle, bei der sich Kapital mit
    Wissenschaft und Technologie verbündet, um
    solche Inputs und Regeln für das Farmmanagement
    bereitzustellen, die einen Output zu den
    vertraglich vereinbarten Qualitäts- und Preisbedingungen
    gewährleisten.
    Infolge dieser Entwicklung der globalen Ernährungswirtschaft
    sehen sich die Farmer zunehmend
    vor die Wahl gestellt, sich entweder
    als machtlose und abhängige Teilnehmer in die
    von Großkonzernen kontrollierte Ernährungsindustrie
    „vertikal integrieren“ zu lassen oder
    von der kommerziellen Agrarwirtschaft übergangen
    und marginalisiert zu werden. Eine jüngere
    Studie zum biologischen Landbau in Kalifornien
    zeigt, daß selbst im Bereich der nichtkonventionellen
    Lebensmittelproduktion, wo
    Ländliche Armut – eine politisch-ökonomische Perspektive 7
    man eigentlich starken Widerstand gegen eine
    kapitalistische Inkorporation erwarten würde,
    ein Trend zur Integration und Inkorporation
    eingesetzt hat (Buck et al. 1997). Das Inkorporationsinteresse
    der Ernährungsindustrie richtet
    sich zumeist auf relativ entwickelte Farmen
    mit intensiven Produktionsmethoden. Farmer,
    die nicht über das dafür nötige Kapital und die
    erforderlichen Qualifikationen verfügen, werden
    dagegen von der Ernährungsindustrie zunehmend
    externalisiert.
    Dank starker Farmer-Kooperativen im Bereich
    der Lebensmittelverarbeitung und der
    Vermarktung (zumindest in der Milchwirtschaft,
    weniger in der Rindfleischproduktion)
    war die irische Landwirtschaft bislang einigermaßen
    geschützt vor den Einflüssen der globalen
    Ernährungswirtschaft. Doch in dem Maße,
    wie bei den Kooperativen die Konzentration
    zu einigen wenigen Großorganisationen zunimmt
    und sie sich selbst in konventionelle
    börsennotierte Aktiengesellschaften umwandeln,
    nimmt dieser Schutz ab. Inzwischen stehen
    irische Milchproduzenten bereits im Wettbewerb
    mit Milchproduzenten aus anderen Teilen
    der Welt und konkurrieren mit ihnen als
    Lieferanten von Ausgangsprodukten, welche
    von irischen multinationalen Lebensmittelkonzernen
    verarbeitet und vermarktet werden.
    Eine zweite Gruppe von Akteuren der globalen
    Ernährungswirtschaft bilden die Nationalstaaten.
    Von den 50er bis zu den 70er Jahren
    haben die meisten Staaten ihre Ernährungswirtschaft
    und ihre Landwirte durch Produktions-
    und Exportsubventionen sowie Importkontrollen
    unterstützt. Die USA, als der weltpolitisch
    zunehmend dominierende Staat, haben
    ebenfalls Exporte subventioniert, um Produktion
    und Handel im internationalen Maßstab
    zu ihren Gunsten zu restrukturieren. Gleiches
    gilt für die EU, seit auch sie Überproduktion
    zu verzeichnen hat. Infolgedessen wurden
    Agrarproduktion und -handel in den letzten
    Jahrzehnten verstärkt in internationale Verhandlungen
    einbezogen, vor allem im Rahmen
    des GATT. Über das Schicksal der irischen
    Farmerfamilien und ihre Chancen, auch in der
    nächsten Generation noch als Farmer leben zu
    können, wird zunehmend in einer internationalen
    politischen Arena entschieden, die von
    geopolitischen Erwägungen und nationalen
    bzw. regionalen Interessen dominiert ist.
    Während dieser Periode hat sich in den meisten
    entwickelten Ländern innerhalb der Ernährungswirtschaft
    zugleich eine fundamentale
    Verschiebung der politischen Macht- und Einflußpositionen
    zu Lasten des unmittelbaren
    Farmsektors und zugunsten des Input-Sektors
    und der Bereiche Verarbeitung und Vermarktung
    vollzogen. In Irland hat diese Machtverschiebung
    seit den 80er Jahren (obwohl überraschend
    selten thematisiert) zu deutlichen
    Veränderungen in der staatlichen Agrarpolitik
    geführt. Staatliche Mittel für die Entwicklung
    der Farmwirtschaft werden in zunehmendem
    Maße auf solche Farmer konzentriert, die über
    günstige Voraussetzungen verfügen, ihre Produktion
    in einer Weise zu betreiben, die den
    Interessen der Ernährungsindustrie entspricht,
    d.h. zum Beispiel an solche Betriebe vergeben,
    die Qualitätsstandards oder ganzjährige Lieferung
    garantieren können. Farmen, die Förderung
    benötigen, werden dagegen zunehmend
    von staatlicher Unterstützung ausgespart. Parallel
    dazu ist auf der globalen Ebene eine
    Machtverschiebung von den Nationalstaaten
    zugunsten der transnationalen Konzerne zu
    verzeichnen, die „nationalstaatlich geregelte
    Rahmenbedingungen zunehmend als ein Hindernis
    für die weitere Integration eines potentiell
    globalen Agro-Ernährungssektors empfinden“
    (Curtin et al. 1996: 19) und die GATTVerhandlungen
    maßgeblich zugunsten von
    Vereinbarungen beeinflußt haben, welche die
    Abschaffung nationaler Regelsysteme vorsehen.
    Angesichts dessen verfügen die Nationalstaaten,
    solange sie bestrebt sind, in die globale
    Ökonomie integriert zu bleiben, immer weniger
    über die Option, Armut von Landwirten
    durch die Subventionierung der Agrarproduktion
    zu mindern. Weder in den USA noch in der
    EU haben Einkommensbeihilfen mittels Produktionssubventionen
    zu einer Lösung des
    Armutsproblems beigetragen. Der Effekt der
    Subventionen bestand vielmehr in einer Ausweitung
    der Kluft zwischen Groß- und Kleinproduzenten
    (Commins 1996) sowie in der Reproduktion
    von Kleinfarmen mit einem Einkommensniveau,
    das ihre Betreiber nach wie
    vor der Gefahr der Marginalisierung und ökonomischen
    Exklusion aussetzt.
    Inzwischen suchen die Staaten nach alternativen
    Wegen der Armutsbekämpfung. In der
    8 Hilary Tovey
    EU tendiert die Einkommensförderpolitik zu
    direkten Einkommenshilfen, die von der Nahrungsmittelproduktion
    gänzlich abgekoppelt
    sind, sowie dahin, Management und Kontrolle
    der Subventionen wieder auf nationaler Ebene
    anzusiedeln. Angesichts der historischen Erfahrung,
    die Irland mit der Arbeitslosenunterstützung
    außerhalb des Agrarsektors gemacht
    hat, sowie der Konzentration von Haushalten
    arbeitsloser Personen in Gruppen, die unterhalb
    der Armutsgrenze leben (Callan et al. 1989;
    1994), verspricht das für die Lösung des Problems
    ländlicher Armut wenig Gutes. Andere
    Lösungsversuche innerhalb der EU betreffen
    die Diversifikation der Landwirtschaft in andere,
    nicht ernährungswirtschaftliche Formen
    der Nutzung ländlicher und natürlicher Ressourcen
    sowie die Förderung von landwirtschaftlichen
    Nebenerwerbsbetrieben. Viele Farmerhaushalte
    sind inzwischen maßgeblich auf
    Einkommen aus nicht-agrarischen Erwerbsquellen
    angewiesen, um nicht unter die Armutsgrenze
    abzusinken (Commins/Keane 1994;
    Frawley/Commins 1996). Beide Wege der Einkommensförderung
    stimulieren die Entstehung
    hoch konzentrierter, industrialisierter und vertikal
    integrierter Formen der Landwirtschaft bei
    denjenigen Bodenbesitzern, die weiterhin als
    Vollerwerbsbetriebe Lebensmittel produzieren.
    Industrialisierung und Urbanisierung
    im ländlichen Irland
    Das Wachstum eines globalisierten Ernährungsund
    Farmsystems im letzten halben Jahrhundert
    verlief parallel zu einer globalen Restrukturierung
    der verarbeitenden Industrie. Auch
    hier wurde eine Arbeitsteilung implementiert,
    die auf einer Separierung der Produktionsstandorte
    von den Zentren des Managements
    und der finanziellen und technologischen Kontrolle
    des Produktionsprozesses basiert. Die Unternehmensleitungen
    blieben in den sozioökonomischen
    Zentren, die Produktionsprozesse –
    vor allem solche, die mit gering qualifiziertem
    Personal auskommen – wurden soweit wie möglich
    in periphere Länder oder Regionen verlagert.
    Wie in anderen Ländern auch, sind mit dem
    Rückgang der Farmproduktion in weiten Teilen
    Irlands seit den späten 60er Jahren die betreffenden
    ländlichen Regionen für transnationale
    Industrieunternehmen zu besonders attraktiven
    Standorten für die Ansiedlung arbeitsintensiver
    Produktionsprozesse mit geringen
    Qualifikationsanforderungen geworden. Hier
    wurden Arbeitskräfte verfügbar, die auf außeragrarische
    Einkommensquellen angewiesen,
    kaum gewerkschaftlich organisiert waren und
    zu relativ geringen Kosten beschäftigt werden
    konnten. Dies war besonders dann der Fall, wenn
    Teilzeitarbeit in der Fabrik eine Rolle spielte
    und niedrige Löhne damit begründet werden
    konnten, der Arbeiter habe noch eine andere
    Erwerbsquelle und die Fabrik sei bereit, das in
    der Arbeitsorganisation zu berücksichtigen.
    Curtin et al. (1996: 23) behaupten, daß – während
    Irland alle üblichen Krankheiten durchlitten
    habe, die mit der Strategie „Entwicklung
    durch ausländische Investitionen“ verbunden
    sind– „der wohl schlimmste Effekt darin bestand,
    daß diese Unternehmen hochmobile Investitionen
    repräsentierten. Je nach der Fluktuation
    der internationalen Märkte entscheiden
    diese Unternehmen mit einem Federstrich,
    Fabriken aufzumachen oder zu schließen, mit
    oftmals verheerenden Konsequenzen für die
    Städte und Dörfer, in denen diese angesiedelt
    waren“. Besonders an ländlichen Standorten
    waren Zweigbetriebe multinationaler Konzerne
    oftmals der einzig nennenswerte Arbeitgeber
    der Gegend. Indem sie größere Teile der
    örtlichen Arbeitskräfte in der Fabrik anstellten,
    haben sie die Leute dazu stimuliert, ihre bisherigen,
    eher marginalen wirtschaftlichen Aktivitäten
    einzustellen. Wurden solche Fabriken dann
    später geschlossen, geriet mitunter die gesamte
    lokale Wirtschaft in die Krise, weil es unmöglich
    war, die früheren Aktivitäten wiederzubeleben.
    So kam es z.B. häufig vor, daß Kinder
    abgewanderter Farmer, die – motiviert durch
    die Aussicht auf eine Beschäftigung in der Industrie
    – in ihre Dörfer zurückgekehrt waren,
    Teile des Farmlands der Familie als
    Wohngrundstücke nutzten, wodurch der ohnehin
    schon marginale Agrarbetrieb gänzlich lebensunfähig
    wurde (Duggan 1994).
    Der Rückzug der Landwirtschaft als hauptsächlichem
    Nutzer des ländlichen Raums hat
    diesen auch für neue Formen der „Urbanisierung“
    geöffnet. Das betrifft neben dem Bau von
    Ferienhäusern z.B. die Migration von Städtern
    in Schlafstädte, die in der Nähe der größeren
    Städte insbesondere an der Ostküste entstanLändliche
    Armut – eine politisch-ökonomische Perspektive 9
    den sind. Solche Veränderungen der Bevölkerungsstruktur
    eröffnen einigen Gruppen der
    Landbevölkerung neue Wohlstandschancen –
    jenen, die Land verkaufen können oder in der
    Bauwirtschaft tätig sind, kleinen Ladenbesitzern
    usw. Sie bringen aber auch neue Armutsrisiken
    mit sich, z.B. wenn sie einen Anstieg
    der örtlichen Boden- und Immobilienpreise
    verursachen oder wenn der Aufkauf von Farmland
    für Wohnungsbauprojekte lohnabhängigen
    Landarbeitern die Beschäftigungsgrundlage
    entzieht.
    „Urbanisierung“ schließt aber auch weniger
    sichtbare Veränderungen ein. So wird etwa
    unter der zunehmend städtisch geprägten Bevölkerung
    die Forderung laut, daß der ländliche
    Raum neben der Agrarwirtschaft auch für
    alternative Zwecke verfügbar werden soll. Ein
    neues Verständnis des „Ländlichen“ bildet sich
    heraus, das eher den „offenen Raum“ als einen
    Gesellschaftstyp im Sinn hat. Und es entstehen
    neue Ideologien, z.B. der Bewahrung des historisches
    Erbes oder der Umwelterhaltung
    (conservationist environmentalism). Sie betreffen
    die Landbewohner direkt oder indirekt,
    konfrontieren sie mit neuen Regeln darüber,
    was sie mit ihren Ressourcen tun dürfen und
    was nicht, eröffnen aber auch neue Chancen.
    Das Ländliche wird damit tendenziell zu einem
    Schlachtfeld, wo rivalisierende Ideologien
    ihre Kämpfe ausfechten, wobei sich die ursprünglichen
    Landbewohner von der Diskussion
    weitgehend ausgeschlossen fühlen (Tovey
    1994).
    Neue Formen ländlicher Ressourcenverwertung
    Die Konzentration der Agrarwirtschaft in bestimmten
    Regionen und auf einen bestimmten
    Typ von Farmen hat Raum für ein breites Spektrum
    anderer Formen der ländlichen Resourcenverwertung
    geschaffen. Die neuen, oder
    nicht ganz so neuen, Interventionen in die ländliche
    Ökonomie reichen von der materiellen
    Ausbeutung der Natur durch Bergbau, Forstwirtschaft
    und Fischerei bis zu ihrer kulturellen
    Verwertung im Tourismus und der Naturvermarktung
    durch Nationalparks, Landschaftsmuseen,
    das „ländliche Umweltschutzprogramm“
    usw. In vielen Fällen, insbesondere im
    Tourismus, sind die neuen Verwertungsformen
    Teil einer Strategie der Diversifizierung und
    integrierten Entwicklung des ländlichen Raumes,
    die Beschäftigung und Wohlstand in den
    betreffenden Gegenden fördern soll. Es ist allerdings
    darauf hinzuweisen, daß die Gewinne
    aus solchen Strategien nicht automatisch der
    Landbevölkerung oder deren bedürftigen Gruppen
    zugute kommen. Ressourcenentwicklung
    kann Veränderungen im Eigentum oder in den
    Formen der Bearbeitung der ländlichen Umwelt
    bewirken, die einige Gruppen weit mehr
    begünstigen als andere (Tovey 1996: 129).
    Ländliche Ressourcenentwicklung kann man
    nicht erklären, wenn man nur auf die Bemühungen
    lokaler Gruppen oder staatlicher Planungsbehörden
    zur Verbesserung der Lebensbedingungen
    der Landbevölkerung schaut.
    Marsden et al. (1993) behaupten, daß sich aus
    verschiedenen Gründen auf der Ebene der globalen
    Wirtschaft eine neues Interesse am ökonomischen
    Potential ländlicher (im Unterschied
    zu landwirtschaftlichen) Ressourcen
    entwickelt hat. Die Rezession der 80er Jahre
    hat große Kapitaleigentümer in Europa und
    anderswo dazu veranlaßt, nach neuen Investitionsmöglichkeiten
    zu suchen und Ressourcen
    und Räume, die zuvor als unprofitabel oder
    unproduktiv galten, neu zu beurteilen. In diesem
    Kontext gewann der ländliche Raum eine
    neue ökonomische Bedeutung. Ländliche Regionen
    gelten nicht mehr nur als Reservoir attraktiver
    Arbeitskräfte, sondern auch von Ressourcen,
    die dank wissenschaftlichem und technologischem
    Fortschritt heute leichter verwertet
    werden können als früher. Und sie bieten
    Konsumgüter, die von einer zunehmend wohlhabenden
    städtischen Mittelklasse nachgefragt
    werden (Lebensraum, saubere Umwelt, Erholung,
    Bildung).
    Das impliziert bestimmte Charakteristika des
    ländlichen Raums, die für das Verständnis ländlicher
    Armut relevant sind. Aber was Hier soll
    allerdings betont werden, daß diese Charakteristika
    keine „gegebenen“ Merkmale des Ländlichen
    sind; sie entstehen aufgrund der Art und
    Weise, wie ökonomische oder technologische
    Entwicklungen neue Möglichkeiten der Nutzung
    ländlicher Regionen eröffnen oder eine
    neue Nachfrage nach deren Ressourcen generieren.
    Es ist nicht der ländliche Raum an sich,
    der Armut oder Wohlstand erzeugt. Darüber
    10 Hilary Tovey
    hinaus sind natürlich die Wandlungsprozesse
    in ländlichen Regionen, die aus der Neubewertung
    ländlicher Räume resultieren, sehr
    uneinheitlich (vgl. Marsden et al. 1993). Manche
    Ortschaften bzw. Regionen werden in die
    internationale Tourismus-, Bergbau- oder Fischereiwirtschaft
    eingegliedert, andere ziehen
    Investitionen der nationalen oder regionalen
    Geschäftswelt an, wieder andere erfahren neue
    Formen staatlicher Regulierung insbesondere
    hinsichtlich der Naturnutzung, und schließlich
    gibt es solche, die für das nationale Wirtschaftsleben
    marginaler werden, als sie zuvor jemals
    waren.
    In Irland wird die Entwicklung in der ländlichen
    Ressourcenverwertung zumeist unter
    dem Aspekt beurteilt, welchen Beitrag sie zum
    nationalen Wohlstandswachstum leistet. Im
    Hinblick auf das Verständnis ländlicher Armut
    und den Umgang damit ist das allerdings keine
    adäquate Perspektive. Es kommt darauf an,
    in welcher Weise die Restrukturierung der Wirtschaft
    im ländlichen Raum Ressourcen und
    Lebenschancen unter der Landbevölkerung
    umverteilt. Die Aufmerksamkeit sollte sich
    daher vor allem auf zwei Aspekte richten: (a)
    die Auswirkungen neuer Formen der Ressourcenverwertung
    auf die Möglichkeiten für die
    Landbewohner, insbesondere die ärmsten unter
    ihnen, sich ihren Lebensunterhalt durch
    Arbeit mit einheimischen Ressourcen zu sichern;
    (b) die Möglichkeiten, die diese Verwertungsformen
    externem oder ausländischem
    Kapital bieten, in die lokale Wirtschaft einzudringen.
    In einer früheren Arbeit habe ich belegt,
    daß diese beiden Aspekte nicht kompatibel
    sind: Wenn externes Kapital in ländlichen
    Regionen zunimmt und es keine staatlichen
    Sicherungsmaßnahmen gibt, dann steigt die
    Exklusion der Armen aus den sicheren örtlichen
    Erwerbsquellen (Tovey 1996).
    Das erinnert uns wieder daran, wie lose der
    Zusammenhang zwischen der Armut bzw. dem
    Wohlstand einer ländlichen Region und der
    Armut bzw. dem Wohlstand einer ländlichen
    sozialen Gruppe ist. Die Nutzung einer Region
    für die Erzeugung von Wohlstand (durch
    Bergbau oder Tourismus) macht nicht alle, die
    dort leben, reich oder auch nur wohlhabender,
    als sie waren. In manchen Fällen, und Bergbau
    wie Tourismus liefern dafür gute Beispiele,
    setzt die Verwertung der entsprechenden Ressourcen
    einer Region sogar voraus, daß viele,
    wenn nicht alle ihrer Bewohner verarmen. Der
    Ausbau des Blei- und Zinkabbaus in Tynagh
    z.B. war nur möglich unter der Voraussetzung,
    daß örtlichen Farmern die Verfügungsgewalt
    über ihr eigenes Land und die Möglichkeit des
    Einkommenserwerbs durch fortgesetzte Bearbeitung
    ihres Bodens entzogen wurde (Curtin/
    Shields 1988).
    Ländliche Entwicklung als ein Ausweg
    aus ländlicher Armut
    Was, wenn überhaupt, bedeutet das bisher Dargelegte
    für die Suche nach Lösungen für das
    Armutsproblem? Die erste Frage wäre, ob die
    Tatsache, daß ländliche Regionen spezifischen
    ökonomischen Entwicklungs- und Restrukturierungsprozessen
    ausgesetzt sind, dafür überhaupt
    relevant ist. Man könnte behaupten, daß
    selbst wenn die Prozesse, die in ländlichen
    Regionen Armut erzeugen und umverteilen,
    sich von denen in urbanen Regionen unterscheiden,
    die erforderliche Lösung in beiden Fällen
    die gleiche wäre.
    Diese Position scheint durchaus sinnvoll.
    Kautsky argumentiert in seiner berühmten marxistische
    Analyse der Probleme der Landwirtschaft
    in der sich entwickelnden kapitalistischen
    Ökonomie Deutschlands (Die Agrarfrage, 1899),
    das, was mit der Agrarwirtschaft in modernen
    Gesellschaften passiert ist, sei das Resultat von
    Veränderungen in den urbanen industriellen
    Sektoren gewesen. Der Motor des Wandels in
    der kapitalistischen Gesellschaft, so Kautsky,
    sei die Industrie; die Landwirtschaft, und mit ihr
    die Landbevölkerung, befinde sich dagegen in
    ihrem Schlepptau. Es ist die industrielle Entwicklung,
    die neues Wissen und technologischen
    Fortschritt generiert, die Mechanisierung
    und Reorganisation landwirtschaftlicher Arbeitsprozesse,
    die neue Ideologien erzeugt, neue
    Ansichten darüber, wofür Landwirtschaft da ist
    (vor allem für die Produktion billiger Lebensmittel
    für städtische Verbraucher).
    Diese Argumentation hier ist ähnlich und
    ihre Implikation ist klar: Versuche, die ländliche
    Armut zu bekämpfen, ohne an dem übergreifenden
    ökonomischen System, in das Landwirtschaft
    und ländliche Gesellschaft generell
    eingebunden sind, etwas zu ändern, werden weLändliche
    Armut – eine politisch-ökonomische Perspektive 11
    nig erfolgreich sein. Das Problem der ländlichen
    Armut ist, aus dieser Perspektive betrachtet,
    ein Problem der modernen Gesellschaft selbst.
    Man darf daher bezweifeln, ob das wieder
    auflebende Interesse an „Lokalismus“ – lokale
    Problemdiagnose, lokales kollektives Handeln
    für Veränderung – wirklich einen Ausweg aus
    ländlicher Armut bietet. Wie sich in vielen
    Entwicklungsprojekten für den ländlichen
    Raum2 zeigt, scheinen lokale oder räumliche
    Ansätze zur Armutsbekämpfung nicht nur durch
    eine Analyse der dynamischen Armutsursachen,
    sondern zumindest gleichermaßen durch ideologische
    Wahrnehmungen des Ländlichen begründet.
    Der NESC-Bericht „Neue Ansätze zu
    ländlicher Entwicklung“ (1994: 19) unterstützt
    zwar territorale Ansätze der Entwicklungsförderung,
    warnt aber gleichzeitig: „die Schwerpunktsetzung
    auf einen territorial bzw. regional
    basierten Ansatz darf nicht dazu führen, sektoralpolitische
    Erwägungen auszuschließen“.
    Curtin et al. (1996: 11) weisen darauf hin, daß
    Landbewohner nicht nur ihre materielle Lage
    anders interpretieren können als Stadtbewohner,
    sie können auch „anderen Vorstellungen
    vom Umgang mit Armut ausgesetzt sein, die
    von Führungsgruppen der ländlichen Gesellschaft,
    von Territorialpolitikern (die selbst vermutlich
    nicht vom Lande kommen) oder anderen
    Gruppen in Irland vertreten werden“. Solche
    Vorstellungen schließen die Idee ein, daß es so
    etwas wie „Gemeinschaft“ gibt, die in ländlichen
    Regionen besonders stark verankert ist,
    der jeder gleichermaßen verpflichtet ist und die
    die Basis für die Mobilisierung kollektiven Handelns
    bildet. Damit verbunden ist die Annahme
    (die man für städtische Arme kaum in Betracht
    ziehen würde), daß die Armen auf dem Lande
    eher entlang territorialer denn sozioökonomischer
    Trennlinien mobilisiert werden sollten,
    d.h., als Menschen, die in einer bestimmten
    Region leben, statt als solche, die eine Situation
    sozialer Exklusion miteinander gemein haben.
    Die diskursive Hegemonie solcher Annahmen
    kann als Teil des Problems angesehen werden,
    dem die ländlichen Armen ausgesetzt sind, und
    gleichermaßen als ein Teil der Lösung.
    In einem Kontext, wo ländliche Regionen
    eines ohnehin schon ökonomisch abhängigen
    kleinen Landes an der Peripherie Europas in
    dem, was sie tun können, so sehr durch anonyme
    Operationen der kapitalistischen Weltwirtschaft
    eingeschränkt sind, sollte der Schwerpunkt
    der Armutsbekämpfung zumindest gleichermaßen
    auf die Förderung von Gleichheit
    wie auf Entwicklungsförderung gelegt werden.
    Eine Analyse der EU-Regionalentwicklungsstrategie
    zeigt das Ausmaß, bis zu dem eine
    Verpflichtung auf räumliche Angleichung ohne
    entsprechende Aufmerksamkeit für soziale
    Gleichheit die Möglichkeiten der sozialen,
    ökonomischen und kulturellen Exklusion der
    weniger Wohlhabenden intensivieren kann
    (Scott 1995). „Vom Standpunkt der ländlichen
    Armen können Interventionen zur Angleichung
    der Verteilung vorhandener Ressourcen oder
    zur Vermeidung der Marginalisierung spezifischer
    Gruppen mitunter wirkungsvoller sein als
    der Versuch, das allgemeine Wohlstandsniveau
    zu steigern, das innerhalb einer Ortschaft
    oder Region generiert wird“ (Curtin et al.
    1996: 3).
    Strategien zur Erhöhung sozialer
    Gleichheit auf dem Lande
    Es gibt alternative strategische Möglichkeiten,
    die sich nicht unbedingt gegenseitig ausschließen.
    Geht man davon aus, daß konventionelle
    Entwicklungsprogramme für den ländlichen
    Raum vermutlich nicht suspendiert werden,
    kann man dennoch dafür plädieren, diese durch
    neue und weiter reichende staatliche Interventionen
    zu begleiten. Die Fähigkeit staatlicher
    Politik, unerwünschte Effekte makroökonomischer
    Prozesse umzukehren, ohne diese Prozesse
    selbst zu beeinträchtigen, ist sehr begrenzt.
    Doch wenn wir überhaupt der Überzeugung
    verpflichtet sind, daß soziale Verhältnisse und
    Strukturen nicht vollständig ökonomisch determiniert
    sind und politisches Handeln von
    Belang sein kann, dann sollten wir sorgfältig
    prüfen, welche Arten von Intervention am hilfreichsten
    sind.
    Ich behaupte, daß ländliche Regionen weniger
    von weiteren Investitionen in spezifische
    Programme zur Bekämpfung ländlicher Armut
    profitieren würden als von neuen und weiterreichenden
    Formen von Gleichheitspolitik. Diese
    könnte z.B. steuerpolititische Maßnahmen
    und soziale Service-Programme betreffen, die
    sowohl für ländliche als auch städtische Gruppen
    relevant wären. Gleichheitspolitik könnte
    12 Hilary Tovey
    aber auch auf spezifische ländliche Prozesse
    zugeschnitten werden und versuchen, Formen
    positiver Diskriminierung zu implementieren,
    die der Situation der Landwirtschaft und ländlicher
    Räume angemessen sind, etwa von der
    Art, wie sie Frauen- und Minderheitenbewegungen
    international vertreten.
    So könnte der Staat wieder auf Maßnahmen
    zurückgreifen, die kleinen Farmern und Menschen
    ohne bäuerlichen Hintergrund, die Farmwirtschaft
    betreiben wollen, den Zugang zu
    Farmland erleichtern. Solche Maßnahmen waren
    mehr als ein Jahrhundert lang Teil der irischen
    Agrarpolitik, bis zur Auflösung der Bodenkommission
    im Jahr 1980. Heute bräuchte
    man sicherlich andere Methoden der Intervention
    in den Bodenmarkt, aber die Prinzipien
    der Intervention könnten ähnlich sein. Eine
    andere Möglichkeit besteht in der positiven
    Diskriminierung bei der Verteilung finanzieller
    und technischer Unterstützungsmaßnahmen
    zugunsten solcher Typen der Farmwirtschaft,
    die kleinen Landbesitzern am ehesten zugänglich
    sind. Ein Beispiel wäre eine intensive Förderung
    des biologischen Landbaus – nicht nur
    aus ökologischen Motiven, die auch die finanzielle
    Unterstützung von Großproduzenten
    rechtfertigen würde, sondern weil dies ein Typ
    landwirtschaftlicher Produktion ist, der bei einer
    Umbewertung von Lebensmitteln als Konsumgütern
    in einer überindustrialisierten Welt
    das Potential hat, auch kleinen, extensiven Produzenten
    ein gutes Einkommen zu sichern.
    Eine zweite Strategie zur Förderung von
    Gleichheit in der ländlichen Gesellschaft würde
    darauf hinauslaufen, ländliche Regionen
    nicht noch stärker, sondern weniger in den nationalen
    und globalen Kapitalismus zu integrieren.
    Konventionelle Auffassungen von ländlicher
    Regionalentwicklung gehen davon aus,
    daß man, um den Wohlstand zu steigern, die
    ökonomischen Strukturen und produktiven
    Aktivitäten „rückständiger“ Regionen für die
    Inkorporation in die internationalen kapitalistischen
    Beziehungen öffnen muß, selbst wenn
    das vorübergehend den Verlust von Existenzen
    und andere Verwerfungen mit sich bringt. Alternative
    Theorien argumentieren, daß die durch
    Kapitalismus verursachten Verdrängungen und
    Ungleichheiten weder vorübergehend noch
    zufällig sind, arme Bevölkerungsgruppen mithin
    nicht mehr Integration in das System, sondern
    Abschottung und Schutz benötigen. Das
    würde bedeuten, daß eine Armutsbekämpfungsstrategie
    für das Land gezielt Institutionen und
    Bewegungen stärken müßte, die helfen, lokal
    benachteiligte Gruppen und Wirtschaftsformen
    aus kapitalistischer Vorherrschaft herauslösen
    – die Kreditgemeinschaftsbewegung, eine wiederbelebte
    Genossenschaftsbewegung, Initiativen
    zur Stärkung finanzieller Unabhängigkeit
    wie etwa das lokale Austausch- und Handelssystem
    (vgl. Douthwaite 1996) usw.
    Der Verweis auf die Frauenbewegung impliziert
    die Frage, ob für die Armutsbekämpfung
    nicht eher ein Mehr an Politik (politics) nötig
    wäre denn ein Mehr an Maßnahmen (policies).
    Politik meint hier nicht Parteipolitik, sondern
    Engagement in Machtstrukturen bzw. politische
    Mobilisierung. Das bedeutet, die Armen,
    speziell die Armen auf dem Lande aktiv zu ermutigen,
    ein Verständnis ihrer eigenen Situation
    und Interessen zu entwickeln wie auch ein
    „Projekt“ (Peillon 1982) für die Zukunft, das zu
    verwirklichen sie versuchen können. Politische
    Mobilisierung ist neben kultureller Mobilisierung
    eine der wenigen Möglichkeiten für benachteiligte
    Gruppen, sich selbst zu ermächtigen
    und Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Die
    Bekämpfung der Armut durch mehr Politik würde
    erfordern, die verschiedenen „Vertretungsorganisationen“
    der ländlichen Gesellschaft einer
    näheren Prüfung zu unterziehen – Farmerverbände,
    Community- und Entwicklungsgruppen,
    lokale Einwohnervereine usw. – und festzustellen,
    in welchem Maße sie den Armen Gelegenheit
    bieten, eine kollektive Bewegung zur
    Veränderung ihrer eigenen Situation zu entwikkeln.
    Die meisten dieser Organisationen im ländlichen
    Irland basieren nicht auf Klassenzugehörigkeit,
    und die Mitgliedschaft von Armen
    in solchen Organisationen trägt mitunter eher
    dazu bei, diese in Armut zu halten.
    Resümee
    Die Prozesse, die für ländliche Armut verantwortlich
    sind, sind nicht in erster Linie in ländlichen
    Regionen zu verorten. Es sind zentrale
    Prozesse der modernen Industriegesellschaft,
    die in den Zentren des globalen Kapitalismus
    zu suchen sind. Wie ich dargelegt habe, gibt es
    Aspekte dieser Prozesse, welche Landwirtschaft
    Ländliche Armut – eine politisch-ökonomische Perspektive 13
    und Lebensmittelproduktion auf spezifische
    Weise prägen (z.B. Familienunternehmen als
    Schlüsselelemente einer integrierten Ernährungsindustrie
    reproduzieren und Farmwirtschaft
    in besonderen geographischen Mustern
    konzentrieren) und dadurch neue Formen der
    Verwendung ländlicher Arbeitskraft und ländlicher
    Räume hervorbringen. Aber dies bedeutet
    nicht, daß die Probleme ländlicher Regionen
    mit Strategien gelöst werden können, die
    innerhalb der ländlichen Regionen selbst ansetzen.
    Die hier entwickelte Perspektive behandelt
    die ländliche Gesellschaft als weniger separiert
    und zugleich als stärker unterschieden von der
    urbanen Gesellschaft, als andere theoretische
    Ansätzen dies tun. Eine politökonomische Perspektive
    auf Armut verdeutlicht, daß wir uns
    bei der Auseinandersetzung mit Armut und Ungleichheit
    auf dem Lande (ebenso wie in der
    Stadt) zugleich mit der Art und Weise befassen
    müssen, in der sich die moderne kapitalistische
    Gesellschaft insgesamt entwickelt. Das macht
    es unmöglich, die Probleme der kleinen Lebensmittelproduzenten
    oder schlecht bezahlter
    Arbeiter im ländlichen Tourismus so zu behandeln,
    als ständen sie in keiner Beziehung
    zur Lebensweise der übrigen Gesellschaftsmitglieder,
    ihrer Ernährungsweise z.B. oder
    ihrer Erholungsgewohnheiten.
    Der politökonomische Ansatz betont die
    Wechselbeziehungen zwischen Ländlichem
    und Urbanem, Sozialem und Ökonomischem,
    zwischen Gesellschaft und Raum. Er legt uns
    nahe, ländliche Armut im Rahmen einer breiteren
    Debatte darüber zu thematisieren, welche
    Art von Ländlichkeit, von ländlicher Umwelt
    oder ländlichem Raum wir in Irland anstreben:
    Wüste und Wildnis in einigen Gegenden
    und intensive konzentrierte Ausbeutung
    in den restlichen? Oder eine lebende, bewohnte
    Landschaft, deren Formen die verschiedenen
    Weisen reflektiert, wie menschliche Produktion
    mit Natur interagiert? Der ländliche
    Raum, den wir bekommen, hängt maßgeblich
    davon ab, für welche Art zukünftiger ländlicher
    Gesellschaft wir uns entscheiden.

    berlinerdebatte.de

  6. #16
    Avatar von skenderbegi

    Registriert seit
    27.09.2006
    Beiträge
    11.090
    http://www.bmz.de/de/presse/reden/mi...000051901.html

    es ist ein langer und guter text......

  7. #17
    Avatar von Südslawe

    Registriert seit
    19.02.2007
    Beiträge
    21.089
    fragen wir doch mal lupo wie es vor 50 jahren war,zu der zeit muss er ja ungefähr ein junger mann gewesen sein!

  8. #18
    cro_Kralj_Zvonimir
    Zitat Zitat von Slo_Power
    fragen wir doch mal lupo wie es vor 50 jahren war,zu der zeit muss er ja ungefähr ein junger mann gewesen sein!

  9. #19
    Crane
    Naja, also persoenlich sehe die Sache wesentlich entspannter.

    "Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer aermer"... Ich will nicht sagen, dass es quatsch ist, aber man sollte eine Sache wissen. Die sog. Armen werden auch reicher nur im Verhaeltnis zu den Reichen werden sie aermer. Also absolut gesehen steigt der Reichtum der Armen an, relativ zu den Reichen sinkt er aber. Ein Hauptgrund dafuer in Europa ist nicht etwa ein falsches Wirtschaftsmodell, sondern die Art wie unsere Bevoelkerung waechst.

    Waehrend arme Familien haeufig mehrere Kinder auf die Welt setzen bleiben Reiche bei wenigen Kindern. So wird den vielen Armen nichts vererbt. Ein reiches Einzelkind aber konzentriert, wenn es erbt, praktisch das, was sich vorher 2 geteilt haben in sich.

    Nun muss man sich fragen, wieso sind die Armen arm? Ich denke, dass hier zum grossen Teil eigenes verschulden heerscht oder eben veerbte Schuld, duch fehlverhalten der Eltern.

    Wenn es hier heisst ein sozialistisches oder gar kommunistisches System wuerde das Problem loesen, dann kann ich nur noch eins dazu sagen. Ja es wuerde das Problem loesen, weil wir dann naemlich alle Arm waeren und es somit diese Diskussion hier garnicht geben wuerde.

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