Opus Dei

Opus Dei (lateinisch; deutsch: Werk Gottes) oder mit dem vollen Namen Praelatura Sanctae Crucis et Opus Dei (lateinisch; deutsch: Prälatur vom heiligen Kreuz und Werk Gottes) ist eine konservative Organisation innerhalb der römisch-katholischen Kirche, die sich zum Ziel gesetzt hat, bei Laien durch religiöse Bildung und seelsorgerliche Hilfestellung ein heiligmäßiges Leben in Beruf und Familie zu fördern.

Opus Dei wurde 1928 durch den Priester Josemaría Escrivá (1902-1975) in Madrid gegründet und ist seit 1982 eine Personalprälatur (eine vom Zweiten Vatikanum eingeführte Struktur für nicht-territoriale Seelsorge) mit Hauptsitz in Rom. Escrivá wurde 1992 durch Papst Johannes Paul II. selig und zehn Jahre später heilig gesprochen, was allerdings Kritik hervorrief.

Die Organisation Opus Dei ist nicht erst seit der Kinoverfilmung von Dan Browns Bestseller „Sakrileg“, The Da Vinci Code – Sakrileg, (2006) heftig umstritten. Die römisch-katholische Kirche bzw. Opus Dei bezeichnete den Kinofilm als "ein Zerrbild der real existierenden katholischen Personalprälatur Opus Dei". Dem Opus Dei werden schon länger Unterstützung von rechtsgerichteten Diktaturen, sektenähnliche Kontrollmechanismen und Organisationsformen bzw. undurchsichtige Finanz- und Organisationsstrukturen, eine sehr konservative Theologie (die z. B. eine geistig-moralische Minderwertigkeit von Frauen definiert) und aggressive Rekrutierungs- und Einflussmethoden vorgeworfen. Ihr Fokus auf die „Heiligung des Alltagslebens von Laien“ wird dennoch (oder gerade deswegen) von konservativen katholischen Kreisen, besonders innerhalb der Kurie (Leitungs- und Verwaltungsorgane des Heiligen Stuhls), sowie vom derzeitigen Papst Benedikt XVI. sehr hoch geschätzt.

Mitglieder und Verbreitung

Opus Dei ist in über 60 Ländern tätig (nach anderen Angaben hat es Mitglieder in 90 Ländern), mit einem Schwerpunkt im spanischen Sprachraum und in Italien, wo sich der Hauptsitz befindet.

Gegenwärtig (2005) gehören der Prälatur rund 85.000 Frauen und Männer an, davon etwa ein Fünftel sogenannte Numerarier, die ehelos in Gemeinschaften oder Bildungszentren leben (unter ihnen 2000 Priester) und leitende Funktionen haben. Die meisten Mitglieder sind hingegen verheiratet bzw. dürfen heiraten (sog. Supernumerarier), ferner gibt es ehelose Assoziierte und Unterstützer.

Überwiegend leben und arbeiten die Mitglieder in ihren selbstgewählten Lebensumständen und Berufen. Seitens der Prälatur werden den Mitgliedern, die heiraten dürfen, keine Vorgaben gemacht, welcher Beruf beispielsweise ausgeübt werden soll; wohl aber unverheirateten Numerariern - ähnlich den Ordensgemeinschaften mit Gehorsamsgelübde, wo Obere auf die Art der Berufsausübung Einfluss nehmen können. Manche Numerarier werden außerdem gebeten, einen Beruf aufzugeben, um sich ganz der Bildungs- oder Leitungsarbeit des Opus Dei zu widmen, oder auch weil der Beruf zu viel Zeit in Anspruch nehme, um am geistlichen Leben der anderen Numerarier teilnehmen zu können.

Organisation

Die Organisationsstruktur ist nach dem Vorbild der Diözesen hierarchisch aufgebaut: An der Spitze steht der Prälat des Opus Dei. Der Prälat wird in seinem Amt vom männlichen Generalrat unterstützt, während die Frauen nur einen "Beirat" (Assessorat) haben.

Die Laien des Opus Dei unterstehen in institutioneller Hinsicht - wie auch andere Katholiken - dem regionalen Bischof. An das Opus Dei bindet sie zusätzlich ein Vertrag, der ihr religiöses Leben betrifft und sich auf säkulare Entscheidungen auswirkt: familiär, beruflich, wirtschaftlich und politisch.

Auf allen Kontinenten existieren Bildungs- und Sozialwerke, die von der Spiritualität des Opus Dei geprägt sind und ihm zuarbeiten: Schulen, Berufsbildungszentren, Universitäten, Hilfswerke, Spitäler usw. Sie arbeiten als zivile, wirtschaftlich eigenständige Privatinitiativen. In einigen von ihnen ist die Prälatur Opus Dei formell verantwortlich für die christliche Orientierung.

Das Opus Dei ist in zwei Abteilungen gegliedert - eine männliche und eine weibliche.

Die Mitglieder sind größtenteils Laien, aber auch Kleriker. Etwa 50% der Mitglieder sind verheiratet und leben in ihren Familien (Supernumerarier). Unverheiratete Mitglieder leben entweder in den Opus-Dei-Bildungszentren (Numerarier, die im Regelfall Akademiker sind), in eigenen Häusern oder bei ihren Familien (Assoziierte, meist Nichtakademiker).

Alle Mitglieder sind aufgerufen - auch und gerade in den unscheinbaren Dingen des Alltags - nach Heiligkeit zu streben, also nach der christlichen Verheißung eines Lebens in Fülle (vergleiche Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Kirche, Kap. IV und V).


Numerarier
Der Begriff Numerarier stammt aus der französischen Universität. Die Numerarier-Mitglieder arbeiten an den apostolischen Aufgaben der Prälatur Opus Dei mit und leben gewöhnlich in Häusern oder Zentren, die sich um die Bildung der anderen Gläubigen der Prälatur kümmern.

Als Numerarier werden Laien oder Priester der Prälatur Opus Dei bezeichnet, die einem Ruf Gottes zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (Zölibat) gefolgt sind (vgl. Matthäus Kapitel 19, Vers 12) und für die Bildung der Mitglieder hauptverantwortlich sind. Sie können dabei von ausgewählten Supernumerariern unterstützt werden.

Den Numerarier(inn)en erlauben es ihre Lebensumstände, sich ganz für die Betreuung der apostolischen Arbeit und die Bildung der anderen Mitglieder zur Verfügung zu halten. Sie wohnen in der Regel in einem Zentrum des Opus Dei.

Die teils gut verdienenden Numerarier geben ihre Einkünfte an die Leitung der Zentren ab und begnügen sich mit einem Taschengeld. Einzelne Mitglieder (oder mehrere gemeinsam) errichten mit diesem Geld oder Spenden, die oft unter großem persönlichen Einsatz lukriert werden, eigene Ausbildungszentren (etwa für Landwirtschaft), Schulen, Studentenheime, Wirtschaftsschulen (zum Beispiel IESE, Barcelona), Kulturzentren und sogar zwei Universitäten (in Pamplona, Spanien und Piura, Peru). Diese Zentren sind so genannte kooperative Werke und werden auf Veranlassung des Opus Dei von Mitgliedern ins Leben gerufen. Die religiöse Bildung in diesen Zentren ist dem Opus Dei anvertraut. Hier findet auch die weitere religiöse Bildung der Mitglieder und Interessenten in Form von Einkehrabenden und Exerzitien statt. Weitere Initiativen sind im Aufbau begriffen. Außerdem gibt es Stiftungen, über die dem Opus Dei Geld zufließt, deren Verbindung zum Opus Dei aber meist nicht erkennbar ist.

Supernumerarier
Die Supernumerarier sind die verheirateten Mitglieder des Opus Dei, die den grössten Teil der Mitglieder ausmachen, und stellen etwa 70 Prozent der Gläubigen der Prälatur weltweit, wobei ihre familiäre Verpflichtung gemäß den Ratschlägen des Gründers Josemaria Escrivá vorrangiger Bestandteil ihres christlichen Lebens sein soll. Die formelle Aufnahme in die Prälatur erfolgt mittels eines beiderseitigen Vertrags, der die gegenseitigen Verpflichtungen zwischen der betreffenden Person und der Prälatur festlegt. Dazu ist ein Brief mit der Bitte um Aufnahme an den jeweiligen Regionalvikar des Opus Dei erforderlich.