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Gericht empfiehlt Lesbe aus Iran diskreten Lebensstil

Erstellt von Marcin, 28.06.2012, 19:59 Uhr · 3 Antworten · 420 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Marcin

    Registriert seit
    14.01.2012
    Beiträge
    2.372

    Gericht empfiehlt Lesbe aus Iran diskreten Lebensstil

    Gericht empfiehlt Lesbe aus Iran diskreten Lebensstil


    Eine junge Frau flieht aus dem Iran, weil sie homosexuell ist und verfolgt wird. Dennoch lehnt ein deutsches Gericht ihren Asylantrag ab – und empfiehlt stattdessen einen zurückhaltenden Lebenswandel. Von Silke Mülherr

    Eine ihrer letzten Erinnerungen an den Iran ist eine rauschende Party. Ungefähr 50 junge Leute haben sich an diesem Abend 2009 in einem Teheraner Appartement versammelt. "Wir waren ausgelassen, haben getanzt", erinnert sich Samira Ghorbani Danesh, die heute 24 Jahre alt ist.


    Dass Samira mittlerweile nicht mehr in Teheran lebt und stattdessen nach Deutschland geflohen ist, hat viel mit dieser Party vor drei Jahren zu tun. Oder genauer gesagt: mit den schwulen und lesbischen Gästen auf dieser Feier.

    Heute lebt Samira in einem Frauenhaus in Nordbayern und muss fürchten, dass die deutschen Behörden sie demnächst zurück in den Iran schicken. Dort, wo sie nie wieder hinmöchte.
    "Als ich damals auf der Party ein wenig frische Luft schnappen wollte, bin ich auf den Balkon gegangen", erinnert sich Samira. Was sie unten auf der Straße sah, jagte ihr einen furchtbaren Schrecken ein: Drei dunkle Wagen hintereinander aufgereiht, aus denen große Männer stiegen.
    "Jedes Kind im Iran erkennt diese Leute – das waren Basidsch, Männer der Geheimpolizei." Samira wusste in diesem Moment, dass sie in Gefahr war. "Alkohol zu trinken ist im Iran verboten, und westliche Musik auch", sagt Samira. Und dann ist da noch die Tatsache, dass auf dieser Party Frauen Frauen und Männer Männer küssten.
    "Wird man erwischt, folgt die Verhaftung"

    "Ich war ungefähr 15 oder 16 Jahre alt, als ich gemerkt habe, dass ich lesbisch bin", erzählt Samira. Homosexualität ist im Iran nicht nur ein gesellschaftliches Tabu. "Wenn man einmal erwischt wird, dann folgt die Verhaftung", sagt Katayun Pirawardi, die ebenfalls aus dem Iran stammt, aber schon seit 1977 in Deutschland lebt.
    Heute engagiert sich Pirawardi beim Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg.
    Die 49-Jährige kennt die Situation der Lesben und Schwulen im Iran ganz genau. "Wer kann, flüchtet irgendwann", sagt sie. Diejenigen, die bleiben, sind gezwungen, ihre Sexualität im Verborgenen auszuleben. "Wird man verhaftet, dann lautet der Vorwurf nur selten Homosexualität. Die erfinden meist irgendwelche Alibiverbrechen", sagt Pirdawari.
    "Ich hatte solche Angst, konnte kaum denken"

    Auf eine Verhaftung wollte Samira es nicht ankommen lassen, als sie in Teheran auf dem Balkon stand und die Polizisten in das Haus stürmten. Sie habe versucht, ihre Freunde zu warnen, aber die Musik sei zu laut gewesen. Niemand habe ihr zugehört, sagt sie später.
    Samira flüchtete zu den Nachbarn und hielt sich dort versteckt, während nebenan die Leute festgenommen wurden. "Ich hatte solche Angst, konnte kaum denken", erinnert sie sich. Samira konnte nicht einfach nach Hause gehen.
    "Meine Eltern wussten nicht, dass ich lesbisch bin." Sie habe davon ausgehen müssen, dass die Polizei mittlerweile bei ihr zu Hause aufgetaucht und die Eltern so von den Verhaftungen erfahren haben mussten. Auf der Party tanzte auch Samiras Freundin S., die beiden waren schon seit drei Jahren ein heimliches Paar. Kennengelernt hatten sie sich an der Uni beim Architekturstudium.
    "Wir konnten unsere Beziehung ganz gut geheim halten. Wenn wir uns sehen wollten, haben wir unseren Eltern eben erzählt, dass wir an einem Uni-Projekt arbeiten", sagt Samira.
    "Ich hatte solche Angst vor meiner Familie"

    Wie es S. heute geht und wo sie ist, das weiß Samira nicht. Nur, dass sie von der Polizei verhört worden ist und dass auch die eigenen Eltern Besuch von der Polizei bekamen. "Ich hatte solche Angst vor meiner Familie. Davor, dass sie sich an mir rächen, weil ich ihren Namen beschmutzt habe", sagt Samira.
    Die junge Frau hob all ihr Geld ab, und floh mithilfe eines Schleppers und einer Ausweiskopie über die Türkei nach Deutschland.
    Über Umwege landete sie schließlich in Nordbayern, glaubt, sie sei jetzt sicher, und lernt Deutsch. Aber ob sie tatsächlich hierbleiben kann, ist fraglich. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat ihren Antrag auf Asyl abgelehnt. Das Verwaltungsgericht Bayreuth wies ihren Widerspruch mit der Begründung ab, Samira habe die "Gefährdung ihrer Person im Iran nicht glaubhaft machen können".
    Todesstrafe bei der vierten Wiederholung

    Das Gericht erkannte zwar an, dass homosexuelle Handlungen im Iran bestraft würden – bei Männern sofort mit der Todesstrafe, bei Frauen zunächst mit 100 Peitschenhieben und bei der vierten Wiederholung ebenfalls mit der Todesstrafe. "Die Richterin in Bayreuth hatte Zweifel an der Verfolgungsgeschichte der Klägerin", sagte ein Gerichtssprecher "Welt Online".
    "Weshalb sollte ich so etwas erfinden und meine Familie und Freunde verlassen?", fragt Samira. Das Urteil kommt zu dem Schluss, bei einem "entsprechend zurückhaltenden Lebenswandel, den alle Homosexuellen im Iran praktizieren, die unbehelligt leben wollen", drohe der Klägerin keine wesentliche Gefahr.
    Samira fühlt sich alleingelassen: "Ich habe so große Angst, wie können sie mich nur zurückschicken?", fragt sie mit brüchiger Stimme. Nach der Ablehnung ihrer Klage hat die junge Frau einen Monat Zeit, das Land zu verlassen. Der Stempel auf dem Papier, das Samiras Aufenthalt in Deutschland feststellt, ist nur noch bis zum 30. Juni gültig.
    Ihre Anwältin Gisela Seidler aber gibt nicht auf. "Samira ist jetzt geoutet, ihr Fall hat öffentliche Aufmerksamkeit erregt", sagt sie. Ein sicheres Leben im Iran sei so unmöglich. Deshalb hat die Anwältin nun einen Folgeantrag auf Asyl gestellt. Samira hofft, dass die Behörden sie nicht im Stich lassen werden. Und dass Deutschland das Land wird, in dem sie leben und lieben darf, wie sie möchte.

    Asylantrag abgelehnt: Gericht empfiehlt Lesbe aus Iran diskreten Lebensstil - Nachrichten Politik - Deutschland - WELT ONLINE

  2. #2
    Kıvanç
    ya bi siktir git aq, göt lalesi seni

  3. #3
    Avatar von Buntovnik

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    31.03.2012
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    2.826

    Warum Deutschland?

  4. #4
    Avatar von Nebi

    Registriert seit
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    748
    "Das Gericht erkannte zwar an, dass homosexuelle Handlungen im Iran bestraft würden – bei Männern sofort mit der Todesstrafe, bei Frauen zunächst mit 100 Peitschenhieben und bei der vierten Wiederholung ebenfalls mit der Todesstrafe."

    Einfach nur krank, mehr kann man dazu nicht sagen.

    Und wie in manchen westlichen Ländern mit homosexuellen Asyl-Anträgern umgegangen wird, halte ich auch oft für kritikwürdig. Vielleicht kann man einen Kriegsflüchtling nach dem Krieg in sein Land zurückschicken, weil ihm dann keine Gefahr mehr droht. Aber so lange sich die Rechte Homosexueller im Iran nicht verbessern, sollten solche Asylanten nicht abgeschoben werden.

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