HADSCHI BEKTASCH-I VELI
Geboren in der Stadt Nischabur zu Horasan (im heutigen Iran); das exakte Geburtsdatum ist absolut ungewiß. Die Registrationen variieren zwischen 1208 und 1240 n.Chr. Bei seiner Abstammung gelangt man bis nach Hz. Muhammed.

Seine fundamentalen Kenntnisse erwarb er von Lokman-i Perende im Theologieinternat des großen Mystikers und Idols Ahmed Yesevi. Später unternahm er eine monatelange Reise durch Persien, die arabische Halbinsel, das Kerbelagebiet in Irak (Region des Massakers, wo der Enkel des Propheten Mohammed –Hüseyin- mit seinen 72 Anhängern zum Märtyrer durch Yezid -Sohn Muaviyes- wurde.), Bagdat, Necef, Hidschaz, Damaskus und übrige heilige Orte, bis er zuletzt in Anatolien angekommen, sich nach Sivas begab. Dann siedelte er über in die Stadt Kirschehir und ließ sich im Distrikt Haci Bektas (heute geläufiger Name) nieder. Er gewann Anerkennung und Zuversicht wegen seiner klerikalen und liberalen Haltung, wobei auch seine Toleranzideologie dazu beitrug. Der Legende nach soll er trotz Hindernisse anderer Meister, die vor ihm in Anatolien waren, um die Hindernisse zu überwinden, sich in Form einer Taube in unerreichbare Höhen begeben haben, wodurch er u.a. quasi ein gehobeneres Niveau bewies und sich in Hadschi Bektasch dem heutigen Zentrum Anatoliens als auch Sulucakarahöyük genannt, einquartierte. Per engerer Kontakte zu bereits früher in Anatolien sesshaften Derwische (Asketen und Mystiker) vollzog er seine Wundertaten und erhielt auch deren Ansehen und Hochschätzung. In seinem Aufenthaltsort (Stadt Hadschi Bektasch) errichtete er sozusagen eine „Universität“, wurde pädagogisch aktiv in dem er Derwische unter seinem Kreis unterwies, einweihte und diese in alle vier Richtungen des Landes zum Volke schickte. Seine Handlungen sein Tun und Lassen orientierten sich nach bestimmten Verhaltensregeln und Maßstäben. Zu seinen Leitsätzen zählt folgender Spruch:
„Ein Pfad, der nicht den Weg der Wissenschaft geht, mündet in der Dunkelhei“.

Nach den soziokulturellen Aspekten zu urteilen, hatte die Theorie zur Praxis bei seinen Konzepten den direkten Kontext zur Realität, was sich insbesondere mit der Deklarierung der Menschenrechte definierte. Verständlich ist deshalb seine Sympathie zu allem, was als schön, gut und nützlich zu bezeichnen ist. Er betrachtete den Menschen in seiner Pesönlichkeitsstruktur als individuell; Motive wie Barmherzigkeit, Fleiß, Ehrlichkeit, Edelmut etc. hatten Priorität. Ferner war er im Einsatz für Frauenrechte und ist ggf. als Pionier der Emanzipation des mod. Feminismus zu betrachten. Seine Abstinenz gegen die Unwissenheit stellt mehr oder minder einen Schwarz-Weiß-Kontrast dar. In Anlehnung an seine Lehrinhalte, beförderte er seine Derwische mit dessen Unterbreitung im Volke. Dabei galt er selbst als Image und Idol durch seine mobile Art, was im Endeffekt im Herzen der Menschen Anatoliens eine gewisse sentimentale Suggestion hervorrief und eine relative Sympathie in ihnen bewirkte. Im übertragenen Sinne haben sich seine Anschauung und seine Ideen dermaßen fixiert und manifestiert, dass selbst nach ca. 700 Jahren, Millionen von Menschen in Anatolien seinen Namen immer noch in Ehrfurcht erwähnen, Lyriker seinen Epos verherrlichen. Als eine Art Stütze bei ihren Eroberungszügen, machten auch die Janitscharen des Osmanischen Heeres während der Gebete von seiner Lehre gebrauch und sahen es als ein Segen und Moralpredigt an. Zum Prinzip und Symbol der Ehrerbietung seitens Millionen von Anhängern wurde sein Grabmal als Monument jener Epoche. Nach den historischen Dokumenten beläuft sich das Todesdatum um die Jahrhundertwende 1270-1271.

Sein Mausoleum befindet sich im Distrikt der nach ihm benannten HADSCHI BEKTASCH.

Selami Ateş