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Hamed Abdel-Samad: Ich arbeite nicht mit Statistiken, sondern mit meinen Augen und Oh

Erstellt von Marcin, 11.02.2012, 17:55 Uhr · 16 Antworten · 1.131 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Marcin

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    Hamed Abdel-Samad: Ich arbeite nicht mit Statistiken, sondern mit meinen Augen und Oh

    Weltwoche Ausgabe 39/10


    Herr Abdel-Samad, wo sind denn Ihre Leibwächter?

    Ich habe derzeit keine.

    Sie sagen, nicht Gott habe den Koran verfasst, sondern Menschen. Allein diese Aussage grenzt an Selbstmord.

    Das zeigt, dass der Islam ein Problem mit sich selbst und mit der Welt hat: Vernünftige Argumente zu Glaubensfragen gelten als Kriegserklärung. Ich kam vor fünfzehn Jahren nach Europa, um in Freiheit leben zu können, und werde mich von Extremisten nicht einschüchtern lassen. Meine Prognose, dass die islamische Welt keine Zukunft hat, ist nicht Polemik, sondern ein Weckruf. Meine Eltern, Geschwister und Freunde sind Muslime, das ist meine Herkunft. Ich hasse die islamische Welt nicht, ich fürchte um sie.

    In Ihrem neuen Buch prophezeien Sie den «Untergang der islamischen Welt». Wie kommen Sie auf diese Idee?

    Ich vergleiche den Islam mit der «Titanic». Mit dem Unterschied, dass das Schiff Islam schon mit Löchern und rostig in See stach. Als dieses Schiff dann mit dem Eisberg der Moderne zusammenstiess, begann es zu sinken. Nur sagen viele Muslime noch immer: «Das ist das Schiff Gottes, es kann nicht untergehen!» Und das Orchester spielt weiter.

    Um beim Bild zu bleiben: Was wären denn die Lecks im Rumpf des Islam?

    Der Islam hat mehrere Konstruktionsfehler. Zuerst seine Betrachtung des Dschihad als Dauerzustand: Es herrscht immer Kampf, womit Diktatoren einen permanenten Kriegszustand begründen können. Der Islam kann für alles herhalten: Sozialismus, Eroberungsfeldzüge, Unterdrückung. Der zweite Geburtsfehler ist die Unantastbarkeit des Korans. Er gilt als Gotteswort und damit als absolut tabu. Drittens hat sich von Beginn weg Religion mit Politik vermischt. Schliesslich wurden altarabische Stammesstrukturen, Ehrgefühle und die untergeordnete Stellung der Frau in der Religion miteinander vermengt. Es ist alles verknüpft, und man darf nicht an dieser ungesunden und veralteten Konstruktion zweifeln, sonst gilt man als Ketzer.

    Diese Intoleranz führen Sie direkt auf den Religionsgründer Mohammed zurück.

    Mohammed begann als sanfter Sozialreformer. Aber er war ein total anderer Mensch geworden, als er nach seinen Eroberungskriegen siegreich in seine Heimatstadt Mekka zurückkehrte, wo Heiden, Juden und Christen lebten. Er sagte nicht mehr wie früher: «Euch euren Glauben, und mir meinen Glauben», sondern er zerstörte alle anderen Gottheiten um die Kaaba. So pflanzte er die Saat der Intoleranz in das Herz des Islam. Eine Krankheit, die diese Religion nie losgeworden ist. Mekka war ein multireligiöses Zentrum, der Islam machte es monokulturell: Es war der Anfang vom Untergang. Eine Kultur frisst sich von innen auf, bevor sie die Gewalt nach aussen trägt.

    Wieso bedeutet das den Untergang? Wenn eine Kultur abgeschottet ist, heisst das ja noch nicht, dass sie nicht überleben kann.

    Die Muslime haben das Gefühl, ihre «Titanic» sei heute so stark wie zu Mohammeds Zeiten. Das ist überheblich, weil es offensichtlich ist, wie schlecht es den meisten Muslimen geht. Die Mehrheit der Muslime lebt ein rückständiges, ärmliches Leben. Isolation reicht nicht aus für den Untergang einer Kultur, aber wenn die Abschottung mit Paranoia, Beleidigtsein und Hass gegen den Westen gepaart ist, wird es gefährlich.

    Haben Sie für Ihre Prognose empirische Daten? Was ist die Basis Ihrer Theorie?

    Ich arbeite nicht mit Statistiken, sondern mit meinen Augen und Ohren. Und was ich beobachte, ist eindeutig. Der Islam hat längst ausgedient. Es ist bekannt, dass die islamischen Staaten das Schlusslicht in der Welt sind, wenn es um Bildung, Produktivität und Einhaltung von Menschen- und Frauenrechten geht. Die politischen und religiösen Führer können nur noch an eine längst vergangene Zeit erinnern. Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll. Eine Kultur, die ihre Zukunft in der Vergangenheit sucht, ist dem Tod geweiht.

    Was ist das grösste Defizit des Islam?

    Die Haltung zu Individualität und persönlicher Entfaltung. Noch immer herrscht die Überzeugung, eine Frau sollte möglichst jung verheiratet werden, damit der Mann sie nach seinem Wunsch formen könne. Das gilt nicht nur für die afghanischen Berge, so denken auch viele Muslime in Deutschland. Der Islam kastriert sich selbst.

    Sehen Sie weitere Probleme?

    Die Vermischung von Bildung und Religion. An einer Konferenz in Deutschland traf ich einmal einen Professor für Erziehungswissenschaft, der sich beim Abendessen ärgerte, weil jemand an seinem Tisch ein Bier bestellte. Er verlangte, dass auf seinem Tisch kein Alkohol stehen dürfe. Tags darauf traf ich den Mann im Media Markt, wo er sich mit den neusten Geräten eindeckte. Als ich ihn beraten sollte, welches denn der beste iPod sei, sagte ich :«Wissen Sie, dieser iPod kam zustande, weil jeder hier Bier trinken kann, wann er will.» Er verstand nicht, was ich sagen wollte.

    Was wollten Sie denn sagen?

    Der Professor brauchte den iPod, um den Koran darauf herunterzuladen. Das ist die Verkörperung des Problems. Es zeigt die Schizophrenie vieler Muslime. Westliche Produkte? Ja. Sich fragen, ob wir den Koran überhaupt noch brauchen? Auf keinen Fall, sonst schmort man in der Hölle!

    Offenbar sind religiöse Überlieferung und moderne Technik kein Widerspruch.

    Schauen Sie: Erst die Freiheit führt zu Innovation. Aber Muslime sind nicht frei. Die religiösen Dogmen unterdrücken die Menschen und hemmen die Kreativität. Deshalb hat der Islam der Welt heute kaum etwas zu bieten.

    In Ihrem Buch vergleichen Sie den Islam mit Alkohol, Muslime mit Süchtigen. Was wollen Sie damit sagen?

    Es ist doch so: Wenig Alkohol kann sehr heilend wirken oder eben auch inspirierend. Aber wenn der Muslim in jeder Lebenssituation zur «Flasche» der Dogmen greift, dann wird es gefährlich. Und heute sind wir leider in der Situation, dass viele Muslime abhängig sind. Die Orthodoxie bietet die Möglichkeit des Rückzugs und eine Abkehr von der frustrierenden Realität. Dadurch wurden viele Prozesse der Modernisierung zurückgenommen.

    Zum Beispiel?

    Ich erinnere mich, dass meine Tante aus Kairo uns in unserem Dorf am Nil vor dreissig Jahren im Minirock besuchte und auf der Strasse rauchte, was ich cool fand. Damals störte das niemanden. Heute ist ihre Tochter voll verschleiert. Meine Tante, die mittlerweile auch uniformiert ist, blickt auf die Zeit zurück und bittet Gott um Verzeihung für ihre grosse Sünde.

    Wie erklären Sie diesen Menschen Ihre düstere Prognose über die islamische Kultur?

    Ich sage: «Schaut euch um: Geht es uns gut? Sie werden nein sagen. Und dafür den Präsidenten verantwortlich machen. Oder Israel und den Westen. Das ist seit hundert Jahren so. Muslime beklagen sich immer und zeigen mit dem Finger auf andere. Indem sie vieles nicht in Frage stellen, stagnieren Politik und Religion. Die Bildung ist völlig rückständig. Schon den Schulkindern wird eingetrichtert, jede Religion ausser dem Islam sei falsch, wer kein Muslim sei, lande in der Hölle.

    Die islamische Kultur hat eine grosse Vergangenheit.

    Das war einmal. Typisch für die islamische Welt ist der Spagat zwischen einer glorreichen, grundsätzlich fehlerlosen islamischen Geschichte, die nur Humanismus und Blütezeit kannte, und der Opferrolle in der Gegenwart. Das ist fatal. Eine Kultur, die überleben will, muss Vielfalt zulassen und flexibel sein. Der Islam hat diese Fähigkeit verloren und geht unter.

    Wo sehen Sie die Anfänge des Niedergangs?

    Bereits vor tausend Jahren, als die islamische Welt begann, sich vom weltlichen Wissen zu distanzieren. Spätestens mit der Industrialisierung im Westen erkannten die Muslime, dass ihre glorreiche Zeit vorüber war. Doch sie konnten sich nicht damit abfinden. Sie waren zu stolz, zuzugeben, dass sie nicht mehr führend waren. Anstatt sich zu öffnen, haben sie sich in die Isolation zurückgezogen und moralische Mauern hochgezogen. Aus dem Land der Ungläubigen kann ja nur Schlechtes kommen. So empfinden Muslime heute sogar Schadenfreude, wenn ein Spaceshuttle abstürzt. Dann heisst es: «Seht her, die Wissenschaft ist nichts Gutes.»

    Wenn Sie sein Ende voraussagen: Wann wird der Islam verschwunden sein?

    Dass kann man so nicht sagen. Ich sage, es wird keinen Umbruch geben, keine Weiterentwicklung wie derzeit im Westen.

    Welche Szenarien sind denn wahrscheinlich?

    Der Islam ist schon am Zusammenbrechen. Wenn das Erdöl im Nahen Osten in rund dreissig Jahren zur Neige geht, wird sich das in Konflikten zeigen: Sunniten gegen Schiiten, Araber gegen Juden, Muslime gegen den Westen. Die Radikalen werden immer radikaler und die Liberalen noch liberaler. seien Das bedeutet Krieg. Die Kämpfe in Pakistan, im Irak, in Somalia, im Sudan zwischen Islamisten und westlich unterstützten Regierungen sind nur ein Vorgeschmack dessen, was noch kommen kann. Meine Prognose ist ein blutiger Kulturkampf in der islamischen Welt wie damals in Europa an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, der später zu einem Umdenken führte.

    Was wäre die Alternative zu Krieg und Zerstörung?

    Ein radikaler Neuanfang. Dafür brauchte es die Einsicht, dass der Islam am Ende ist. Wäre er eine Firma, wäre er längst pleite. Ein Konkurs wäre schlecht für alle. Ich hoffe deshalb auf eine geregelte Insolvenz.

    Sehen Sie Anzeichen dafür, dass der Prozess geordnet über die Bühne gehen könnte?

    Leider Gottes liefert die Geschichte keine Beispiele. Wir kommen kaum mit einem blauen Auge davon. Wir haben zu lange geschlafen.

    Trotzdem scheint der Islam weltweit auf dem Vormarsch.

    Der Islam mag alles Mögliche sein, nur eines ist er meines Erachtens gewiss nicht: Er ist nicht mächtig. Er ist im Gegenteil schwer erkrankt und befindet sich kulturell und gesellschaftlich auf dem Rückzug. Die religiös motivierte Gewalt, die zunehmende Islamisierung des öffentlichen Raums und das krampfhafte Beharren auf der Sichtbarkeit der islamischen Symbole sind nervöse Reaktionen auf diesen Rückzug. Viele Muslime sind nicht stark, sie sind beleidigt.

    Woran erkennen Sie das?

    Muslimen gefällt es, wenn sie der Westen angeblich beleidigt. Es scheint mir ein masochistisches Spiel zu sein, das uns beweist, dass wir am Leben sind. Es tut unserer verletzten Seele gut, zumindest zu glauben, dass der Westen uns anvisiert und uns zerstören will. Wir durchstöbern jeden Tag die Zeitungen nach Meldungen über unterdrückte Muslime in China oder Europa, um eine Bestätigung für die Weltverschwörung gegen den Islam zu finden. Und wenn wir nichts finden, suchen wir weiter nach einem Karikaturisten, der eine Bombe im Turban des Propheten Mohammed versteckt.

    Der radikale Islam ist in Europa wegen der Einwanderung präsenter als kaum je zuvor. Wo sehen Sie die Probleme im Alltag?

    Insbesondere Türken und Araber haben ihre religiöse Überzeugung zu einer geistigen Mauer gemacht. Sie teilen die Menschen in Gläubige und Ungläubige ein. Ich sehe, dass sich immer mehr junge Muslime deshalb nicht mehr mit dem Land identifizieren, in dem sie leben. Sie ziehen sich in ihre Religiosität zurück. Doch der Islam bietet ihnen keine zukunftsfähige Perspektive.

    Weshalb nicht?

    Man könnte sagen, Konsum ohne Kant führt zu Verwirrung.

    Wie meinen Sie das?

    Ganz einfach: Während sich im Westen ein Gegenpol zum Materialismus und Konsumverhalten im kulturellen Repertoire der Aufklärung und des Humanismus findet, mangelt es dem gelebten Islam an einem gesunden Verteidigungsmechanismus dieser Art. Indem die Mehrheit der Menschen in den islamischen Staaten – und zunehmend auch junge Muslime in Europa – die Instrumente und Produkte der Moderne verschlingt, sich aber dem dahinter stehenden Gedankengut nach wie vor verschliesst, existiert sie in einem Zustand der Schizophrenie. Über kurz oder lang mündet das in Fanatismus oder kulturelle Verwahrlosung – oder gar in beides zugleich.

    Sein Leben an religiösen Prinzipien auszurichten, ist eine freie Entscheidung. Was ist das Problem?

    Privat ist das okay. Aber nicht im öffentlichen Raum. Ich will nicht, dass mich der gläubige Muslim mit Bart und langem Gewand auf der Strasse nervt, dass er seine Symbole überall zeigt und Sonderrechte verlangt.

    Sich nerven ist kein Grund für Verbote.

    Wenn meine Frau zur Toilette geht, und hinter ihr her schleicht eine Burka-Frau, wirkt das bedrohlich. Man weiss nicht, wer das ist. Aber es geht um mehr als subjektive Befindlichkeiten. Nur weil Muslime angeblich religiös sind, dürfen sie die Errungenschaften aufgeklärter Gesellschaften nicht ausser Kraft setzen. Sie verlangen Rechte, ohne an ihre Pflichten zu denken. Sie entwickeln keine Ideen zum Zusammenleben in dieser Gesellschaft, sie denken nur an sich.

    Eigene Schulen mit Koranunterricht, getrenntes Schwimmen, Halal-Menüs in Kantinen: Das sind doch konkrete Ideen.

    Ja, der Staat im Staat!

    Das Gebot von Toleranz und Religionsfreiheit gilt auch für Muslime.

    Gut, aber das ist ein gegenseitiges Geschäft. Die Frage ist: Wenn der radikale Muslim die Macht über mich hat, denkt er noch immer in den Kategorien der Toleranz? Eben nicht. Man kann nicht Toleranz an Leute verschenken, für die der Begriff ein Fremdwort ist.

    Streben fundamentale Muslime wirklich nach politischer Herrschaft in Ländern wie Deutschland oder der Schweiz?

    Bevor er in der Türkei an die Macht kam, sagte Recep Tayyip Erdogan: Die Demokratie sei nur der Zug, auf den er aufsteige, bis er am Ziel sei. Die Moscheen seien Kasernen, die Minarette Bajonette, die Kuppeln Helme und die Gläubigen seine Soldaten. Das sagt alles.

    Muslime bei uns sprechen von Gleichberechtigung, etwa mit orthodoxen Juden.

    Sie sind nett, solange sie etwas verlangen. Wenn sie haben, was sie wollen, ist Schluss. Wir leben nicht in «Parallelgesellschaften», sondern auf unterschiedlichen Planeten! «Parallel» würde heissen, dass man sich in die gleiche Richtung entwickelt. Viele Muslime aber definieren das Wesen des Menschen völlig anders als Angehörige der westlichen Kultur. Solche Gesinnungsenklaven können wir uns nicht leisten. Die Demokratie muss sich wehren.

    Wie denn?

    Vor allem im Umgang mit Hasspredigern. Juristisch ist es schwer, ihrer habhaft zu werden, auch wenn sie eindeutig antidemokratisch sind und Frauenhass schüren. Aber das müsste man verbieten.

    Was bringt das Minarettverbot, für das sich die Schweizer ausgesprochen haben?

    Das ist eine reine Symbolaktion. Minarett- oder Burkaverbote sind nur Placebo, Beruhigungspillen für die verunsicherte Bevölkerung in Europa. Das bringt nichts.

    Den Entscheid des Schweizervolks, Minarette zu verbieten, halten Sie für falsch?

    Nicht falsch, aber unzureichend. Grundsätzlich halte ich es für ein gesundes Zeichen, wenn die Menschen klar sagen, was sie denken. Die Schweizer wollten dadurch Muslime nicht daran hindern, ihre Religion zu praktizieren. Sie wollten ein Zeichen setzen gegen die zunehmende Einflussnahme des radikalen Islam. Aber die Demokratie kann nicht alleine von Zeichen leben.

    Was wären Alternativen zu Verboten?

    Juristisch gegen Hassprediger vorgehen und den saudischen Einfluss auf Moscheen unterbinden. Neuzugewanderten muss klargemacht werden, dass sie einen Teil ihrer Kultur zu Hause lassen müssen und dass nicht nur die Gesetze, sondern auch die Werte Europas zu achten sind. Missbrauch von Sozialleistungen muss man stärker sanktionieren.

    Es brauche bloss mehr Integrationsprogramme, sagen viele Politiker.

    Nirgendwo gibt es mehr Programme als in Deutschland – das sind Selbstbedienungsläden. Und zwar für die Leute, die dort arbeiten. Den Betroffenen, die Hilfe brauchten, bringen sie kaum etwas.

    Sie sind dafür, die Sozialhilfe beispielsweise für türkische Einwanderer zu stoppen?

    Natürlich nicht. Sozialhilfe ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Aber ich stelle die Effektivität dieser Förderung in Frage. Ich halte es für besser, auf ein System von Stipendien zu wechseln. Das heisst: Benachteiligte erhalten Geld, aber zeitlich begrenzt und mit klaren Zielen. Wir müssen den Immigranten sagen: «Wir fördern dich, damit du aus dir und deinen Kindern etwas machst. Aber ich muss auch sehen, dass die Förderung etwas bringt.»

    Müsste das auch für Einheimische gelten?

    Ja. Denn mit dem jetzigen Sozialhilfesystem zementieren wir Opferhaltung und Hilflosigkeit. So wie es heute läuft, ermuntert man gerade auch Migranten aus dem arabischen Raum und der Türkei zum Nichtstun. Wenn die Kinder sehen, dass das Geld einfach aus dem Amt kommt, wachsen sie in dieses System hinein. Und mit achtzehn verlangen sie dann ebenfalls Sozialhilfe. Das ist natürlich bequem.

    Sind Muslime überdurchschnittlich bequem?

    Statistisch gesehen, ja.

    Hat Thilo Sarrazin, der in Deutschland für seine islamkritischen Thesen beinahe gesteinigt wurde, also recht?

    Sarrazin hat uns kalt erwischt, weil viele seiner Beschreibungen zutreffend sind. Wir haben massive Integrationsprobleme. Und daran sind die Muslime auch selber schuld.

    Ist es auch genetisch bedingt, dass Muslime erfolgloser sind als andere Einwanderer?

    Natürlich nicht. Sonst hätten wir keine iranischen Ärzte hier. Aber es hat etwas mit der Mentalität zu tun. Mit der sozialen Intelligenz, nicht mit der genetisch bedingten. Diese soziale Intelligenz wird durch Erfahrung und Austausch geschult, nicht durch Abschottung und Isolation. Dadurch entsteht kultureller Inzest. Und genau das passiert bei den Muslimen sowohl in Europa als auch in der islamischen Welt – in erschreckendem Masse.

    Wie haben Sie sich denn in Deutschland durchgesetzt?

    Als ich hierher kam, war ich ein gläubiger Muslim. Ich wollte in Freiheit leben und als Student mein Wissen erweitern. Nach einer Weile habe ich die verbotenen Früchte des Abendlandes gekostet. Alkohol, Partys, Frauen, alles, was das Herz begehrt. Doch dann plötzlich wurde mein schlechtes Gewissen aktiviert. Muslime sind an ihre religiöse Erziehung wie mit einem Gummiband gefesselt. Je mehr man sich entfernt, desto heftiger wird man zurückgeworfen, desto schmerzhafter ist der Aufprall. Ich war hin und her gerissen. Bis ich gemerkt habe, dass es im Islam eine Verlogenheit gibt. All diese Gebote und Verbote können nicht der Natur des Menschen entsprechen. Man sollte sich davon lösen. Es belastet das Zusammenleben, wenn man immer alles vom Gesichtspunkt «gläubig oder ungläubig» aus betrachtet. Ich kann sagen, ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert.

    Sie empfehlen Hedonismus und Lebensfreude als Ausweg für gläubige Muslime?

    Nein, das wäre ein Trugschluss. Tatsächlich sind die Millionen halbgebildeter, sexuell frustrierter und arbeitsloser junger Männer eine leichte Beute der Extremisten. Aber es wäre gefährlich, diesen ungeheuren Samen- und Energiestau auf einmal zu lösen. Das wäre, wie wenn ein Damm bräche – Fluten wären die Folge. Die sexuelle Revolution im Westen war auch das Resultat eines jahrhundertelangen Aufklärungsprozesses.

    Wie gläubig sind Sie heute noch?

    Ich kann nichts darüber sagen, das ist eine ganz persönliche Geschichte. Auf jeden Fall bin ich nicht Atheist. Im Moment heisst Glauben für mich, mit Gott zu hadern, die Glaubenspfeiler und die Texte in Frage zu stellen. Ich finde, ein guter Gläubiger muss die verrosteten Strukturen in Frage stellen.

    Was meinen Sie damit genau?

    Kaum jemand fragt sich: «Gibt es möglicherweise einen Geburtsfehler in unserem Glauben?» Man schraubt an Koranversen herum, bis sie irgendwie zu den Umständen der heutigen Gesellschaft passen. In sogenannten interreligiösen Dialogen wird das gemeinsame Erbe von Abraham beschworen, «Nathan dem Weisen» gehuldigt. Das bringt nichts. Es braucht einen Bruch. Alle Reformer und Integrationsbeauftragten sollten sich den Satz Ludwig Börnes zu Herzen nehmen: «Einen Wahn verlieren macht weiser als eine Wahrheit finden.»

    Hamed Abdel-Samad ist Politologe und Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Er wuchs als Sohn eines Imams bei Kairo auf und studierte in Augsburg. 2009 veröffentlichte er die Autobiografie «Mein Abschied vom Himmel». Soeben erschienen:«Der Untergang der islamischen Welt». Droemer Knaur. 240 S., Fr. 29.90
    Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 39/10

  2. #2
    Avatar von Timur

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    Hamed Abdel Samed wurde im Alter von vier Jahren von einem 15-Jährigen vergewaltigt, mit elf Jahren von einer fünfköpfigen Gruppe Jugendlicher auf einem Friedhof.

    Hamed Abdel-Samad

  3. #3
    Avatar von Bambi

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    Zitat Zitat von Alphα Beitrag anzeigen
    Hamed Abdel Samed wurde im Alter von vier Jahren von einem 15-Jährigen vergewaltigt, mit elf Jahren von einer fünfköpfigen Gruppe Jugendlicher auf einem Friedhof.

    Hamed Abdel-Samad
    jo, und jetzt?

  4. #4
    Avatar von Timur

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    Zitat Zitat von Bambi Beitrag anzeigen
    jo, und jetzt?
    5 Schwänze in den Arsch gekriegt und schwere psychische Schäden davon getragen, als ob der Hund weiß wovon der spricht. Wie dem auch sei, möge die Befürchtung des Interviewers wahr werden.

  5. #5
    Avatar von Bambi

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    Zitat Zitat von Alphα Beitrag anzeigen
    5 Schwänze in den Arsch gekriegt und schwere psychische Schäden davon getragen, als ob der Hund weiß wovon der spricht. Wie dem auch sei, möge die Befürchtung des Interviewers wahr werden.
    Dafür, dass er so traumatisiert ist, hat er bildungstechnisch aber ne Menge erreicht.

  6. #6
    Avatar von Timur

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    Zitat Zitat von Bambi Beitrag anzeigen
    Dafür, dass er so traumatisiert ist, hat er bildungstechnisch aber ne Menge erreicht.
    Wenn man aus einem muslimischen Land kommt und im Westen Islamkritik betreibt wird man eben hochgepusht, solche Leute sind hier gerne gesehen, weshalb dieser Arschgefickte auch so viel Erfolg und Ansehen hat zusammen mit seinem jüdischen Analpenetrant Broder.

  7. #7
    Avatar von Bambi

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    Da er Leute wie dich in diesem Interview anspricht, kann ich deine Gereiztheit sogar verstehen

  8. #8
    Avatar von Bambi

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    Zum Interview:

    Eines übertreibt und pauschalisiert er mir zu sehr, auch teile ich seine Meinung nicht, dass das Minarettverbot nötig war, aber die Missstände, die er in arabischen Ländern anspricht, kann einfach niemand von der Hand weisen.

  9. #9
    Avatar von liberitas

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    Zitat Zitat von Alphα Beitrag anzeigen
    5 Schwänze in den Arsch gekriegt und schwere psychische Schäden davon getragen, als ob der Hund weiß wovon der spricht. Wie dem auch sei, möge die Befürchtung des Interviewers wahr werden.
    Würde er den Islam nicht kritisieren, würdest du und andere gleich "Tod den Vergewaltigern" schreien. So hat er halt nur 5 Schwänze in den Arsch gekriegt.

    Der "psychisch gestörte" hat immerhin einige Bücher veröffentlicht und lehrt an einer Universität.

  10. #10
    Avatar von Timur

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    Zitat Zitat von liberitas Beitrag anzeigen
    Würde er den Islam nicht kritisieren, würdest du und andere gleich "Tod den Vergewaltigern" schreien. So hat er halt nur 5 Schwänze in den Arsch gekriegt.

    Der "psychisch gestörte" hat immerhin einige Bücher veröffentlicht und lehrt an einer Universität.
    Nein, dann würden wir nichts schreien, weil er irgendein unbekannter ägyptischer Taschentuchverkäufer in Kairo wäre. Scheiß auf seine Bildung.

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