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«Der ‹heilige Krieg› hat bei uns keinen Platz»

Erstellt von AlbaMuslims, 01.02.2012, 11:27 Uhr · 22 Antworten · 1.350 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    26.01.2012
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    «Der ‹heilige Krieg› hat bei uns keinen Platz»

    «Der ‹heilige Krieg› hat bei uns keinen Platz»

    Erschienen in Beobachter, 17. Januar
    Der Leiter des Muslimischen Vereins Bern, Mustafa Memeti, predigt seinen Mitgliedern einen modernen Islam. Ausländische Imame verhindern den Integrationsprozess, sagt er.

    Der Gebetsraum des Muslimischen Vereins Bern befindet sich in einem Keller im Berner Neufeld. «Wir können den islamischen Fundamentalismus nicht leugnen», sagt Mustafa Memeti. «Er ist eine Realität, die wir behandeln müssen, wie eine Krankheit», so der 43-jährige Albaner aus Presevo (Südserbien). Memeti vertritt überraschende Positionen, die bislang kaum Gehör gefunden haben in der Polemik um muslimische Friedhöfe, Kopftücher und Minarette. Der Gebetsleiter lebt seit 18 Jahren in der Schweiz und ist seit 2005 Schweizer Bürger.


    Herr Memeti, kommt Religion vor Recht?
    Nein, der Rechtsstaat kommt zuerst. Niemand darf den Rechtsstaat in Frage stellen.


    Nun hat Ayaan Hirsi Ali, prominente holländische Politikerin somalischer Abstammung, gesagt, das politische Konzept des Islam sei nicht mit einem demokratischen Rechtsstaat zu vereinbaren. Teilen Sie diese Meinung?
    Nein. Schweizer Muslime dürfen ihre Religion nicht politisieren. Der Islam soll getrennt von der Politik stattfinden. Wir akzeptieren das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat.


    Weiter sagt Ayaan Hirsi Ali, nicht Osama Bin Laden habe die totalitäre Ideologie des Islam erfunden, sondern sie stamme direkt vom Propheten Mohammed selbst.
    Ich bin anderer Meinung. Wir müssen die Geschichte Mohammeds im historischen Kontext lesen. Die Umstände haben sich stark verändert. Wir sind Menschen, wir können frei denken. Es liegt an uns, wie wir Mohammeds Texte interpretieren.


    Ihre Gemeinde zählt rund 300 aktive Mitglieder. Woher kommen Ihre Gläubigen?

    Die Mehrheit kommt aus Albanien, Kosovo und Mazedonien. Wir haben aber auch Araber und Afrikaner, unsere Tür ist für alle offen. Das Freitagsgebet halte ich in Albanisch, Bosnisch, Arabisch und Deutsch.


    Haben Sie auch radikale Mitglieder in Ihrer Gemeinde?

    Extremisten finden hier keine Nahrung.


    Die geplanten Anschläge mit Flüssigsprengstoff auf Passagiermaschinen letzten Sommer wurden von islamistischen Terroristen vorbereitet, die bestens in die britische Gesellschaft integriert waren. Wäre das in der Schweiz auch möglich?

    Ich denke nicht. Bis heute gab es in der Schweiz keine Anschläge, und ich hoffe, dass es nie welche geben wird.


    Ist schon mal jemand von Ihrer Gemeinde in den Dschihad gezogen, den «heiligen Krieg»?

    Nein. Der Dschihad ist ein Anachronismus und hat bei uns keinen Platz. Wir haben andere Probleme, etwa Ausbildung und Arbeit.


    Was sagen Sie einem Vater, der seiner Tochter nicht erlaubt, in den Schwimmunterricht zu gehen?

    Ein Muslim darf die Regeln der Schule nicht in Frage stellen. Es gibt keine Unterschiede zwischen den Kindern, egal ob Jude, Christ oder Moslem.


    Was also sagen Sie dem Vater?

    Ich sage ihm, dass er sich am falschen Ort und auf dem falschen Weg befindet. Er muss versuchen, einen anderen Weg einzuschlagen. Wir leben in einer offenen, demokratischen Gesellschaft. Wenn wir sie mit anderen vergleichen, können wir sagen: Hier ist es wie im Paradies.


    Wie stark interessieren sich die Mitglieder Ihrer Gemeinde für die gesellschaftlichen Fragen des Schweizer Alltags?

    Die meisten unserer Mitglieder haben kein Stimmrecht, deshalb hält sich das Interesse in Grenzen. Aber in Schulfragen haben wir grosse Probleme. Ich rufe deshalb die Muslime auf, sich auf diese Probleme zu konzentrieren. Unsere Kinder müssen besser ausgebildet werden. Wer in der Schweiz keine Arbeit hat, hat keine Zukunft.


    Nun stand kürzlich in den Zeitungen, dass in Saudi-Arabien eine schwangere Frau zum Tod verurteilt wurde, weil sie sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes ein Kind zur Welt bringt…

    Wissen Sie, wir können das hier nicht diskutieren. Wir dürfen die Schweizer Gesellschaft nicht mit solchen Dingen infiltrieren. Wir leben hier in einer anderen Welt.


    Der Laie hat dennoch das Gefühl, dass sich das islamische Recht, die Scharia, immer gegen die Frau richtet…

    Wie gesagt: Wir leben hier in einem Rechtsstaat. Was im Bundeshaus entschieden wird, gilt für alle. Das Schicksal hat uns hierher gebracht, und die Schweiz hat uns die Chance auf ein neues Leben gegeben. Es steht uns nicht zu, radikale Tendenzen zu entwickeln.


    Sind Sie in der Schweiz je Opfer von Rassismus geworden?

    Ich habe in den 18 Jahren, die ich nun hier bin, nie Rassismus erlebt. Es ist nicht so, dass es nie Probleme gegeben hätte, dennoch kann ich sagen, dass ich sehr zufrieden bin mit dem Leben hier. Deswegen bin ich auch eingebürgert.


    In Liestal erhitzt ein Muslimfriedhof die Gemüter. Die Muslime sagen, sie wollten nicht in christlich besetzten Bodenschichten begraben werden. Die Erde sei unrein.

    So eine Aussage lässt sich mit der Religion nicht begründen. Erde kann nicht unrein sein. Eine solche Aussage ist gefährlich. Sie stellt den Integrationsprozess und die Einheit der Gesellschaft in Frage.


    In Amerika und in Europa ist der Islam die am schnellsten wachsende Religion und bereits die zweitgrösste Religion nach dem Christentum. Möchten Sie in Bern eines Tages so viele Minarette sehen wie Kirchtürme?

    Wir brauchen keine Minarette. Sie bringen nichts ausser Widerstand. Wir müssen die Prioritäten anders setzen und die Probleme lösen, die uns direkt betreffen: Arbeit, Ausbildung und Gesundheit. Die Statistiken sagen, dass die Muslime in Europa bald in der Mehrheit sind. Das ist Stimmungsmache. Ein Beispiel: Heute ist der Unterschied bei der Kinderanzahl in christlichen und muslimischen Familien nicht mehr so gross.


    Sie haben einmal gesagt, der Islam sei Opfer einer grossen Medienpropaganda.

    In diesem Interview habe ich gesagt, dass Teile der Medien versuchen, alle Muslime in denselben Topf zu werfen. Aber ich wurde falsch zitiert. Ich bin jedoch dankbar, dass es die Medien gibt, weil sie die Probleme auf den Tisch bringen.


    Denken Sie nicht, dass sich die islamische Welt zu wenig vom Terror abgrenzt?

    Die meisten Anschläge stehen in direktem Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen in Nahost. Ich rufe die Muslime auf, diese Probleme nicht hierher zu tragen. Wer die Anschläge von New York, Madrid oder London feiert, handelt dumm.


    Haben Sie Verständnis für die Angst der Menschen vor religiösen Fundamentalisten?

    Fundamentalisten gibt es in allen Religionen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie keine Chance haben, in unserem Namen zu sprechen.

    Judentum, Islam und Christentum haben gemeinsame Wurzeln. Wie kommt es, dass sie einander heute so fremd sind?

    Der Glaube wird oft für Politik missbraucht. Das bringt uns in Konflikt. Wir sollten mehr Respekt füreinander haben und uns auf unsere gemeinsamen Probleme konzentrieren.


    Sollen muslimische Frauen in der Schweiz das Kopftuch tragen dürfen?

    Das Kopftuch kommt aus dem Juden- und dem Christentum. Heute ist es ein islamisches Phänomen, aber nicht unbedingt ein Zeichen von Glauben. Eine Muslimin, die kein Kopftuch trägt, ist deswegen ja nicht ungläubig. Der Glaube ist im Herzen und nicht auf dem Kopf. Das Kopftuch ist eine freiwillige Sache.


    Und wenn ein Vater seiner Tochter das Kopftuch vorschreibt?

    Im Glauben gibt es keinen Zwang.


    Sie vertreten eine sehr liberale Haltung.

    Nein, ich vertrete die Realität. Es ist das einzige Konzept, das Zukunft hat. So, wie jetzt mit Ihnen, spreche ich auch mit unseren Vereinsmitgliedern.

  2. #2
    Avatar von Ilan

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    Wieso gibt es nicht mehr von seiner Sorte?

  3. #3

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    Zitat Zitat von Yuval Kfir Beitrag anzeigen
    Wieso gibt es nicht mehr von seiner Sorte?
    Das ist mein Vater

  4. #4
    Avatar von Cobra

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    64.199
    Zitat Zitat von AlbaMuslims Beitrag anzeigen
    Das ist mein Vater
    Dann schneide dir mal die ein oder andere Scheibe von ihm ab!

    Gutes Interview. Wenn man bloß seine Worte in die Köpfe dieser radikalen Idioten kriegen könnte...

  5. #5
    Avatar von IbishKajtazi

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    3.420
    Zitat Zitat von AlbaMuslims Beitrag anzeigen
    Das ist mein Vater
    Bravo i qoft babes tend, shum njeri i menqur qenka!

  6. #6

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    13.015
    achtet dein Vater und mein Muslimischer Beuder darauf Koran mit Hadithe nicht zu widersprechen...? (finde ich gut... so soll es auch sein...)

    wa salam

  7. #7

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    7.427
    Zitat Zitat von Frieden Beitrag anzeigen
    achtet dein Vater und mein Muslimischer Beuder darauf Koran mit Hadithe nicht zu widersprechen...? (finde ich gut... so soll es auch sein...)

    wa salam
    Ja. Wenn Ahadith im Kontrast zum Koran stehen, dann können wir mit voller Gewissheit davon ausgehen, dass dieser Hadith falsch ist. Der Koran ist die wichtigste Quelle im Islam - erst dann kommt die Sunna des Propheten saws.

  8. #8
    Posavac
    Das heißt also lieber Demokratie als Sharia hmm

  9. #9

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    13.015
    @AlbaMuslim
    bist Du Derwisch...?

    wa salam

  10. #10

    Registriert seit
    26.01.2012
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    7.427
    Zitat Zitat von Frieden Beitrag anzeigen
    bist Du Derwisch...?

    wa salam
    Nein, ich bin Sunnite (Hanefi).

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