Der Humanismus ist auch auf Facebook erfolgreich
„Global Secular Humanist Movement“ interessiert mehr Menschen als jemals zuvor. Sogar prominente Denker haben sich schon als Fans angemeldet.


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Wussten Sie, dass es eine humanistische Bewegung sogar in Pakistan gibt? Auf Facebook wird Ihnen das verraten, sofern Sie sich in die richtige Seite klicken.

Netzgesellschaft – Jeder Klick ein Fortschritt: Nicht nur die sogenannte Arabellion war der Tatsache geschuldet, dass es leichter geworden ist, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, eigene Ideen untereinander auszutauschen und zu verbreiten.

Fast im Minutentakt werden im Netz profane oder unsinnige Botschaften ebenso schnell verteilt wie faszinierende Ideen und Einsichten, für deren Entwicklung die Mitglieder der menschlichen Spezies viele Jahrtausende an Entwicklungsgeschichte benötigt haben, die unzählige Opfer und unsägliches Leid wie auch die unermüdliche Hingabe an die Einsicht erforderten, dass eine bessere Welt möglich ist.

Faisal Saeed Al-Mutar, ein 21 Jahre alter Student aus dem Irak, stellt sich seit rund einem Jahr in die Tradition der Aufklärung. Er ist Gründer und Betreiber des Global Secular Humanist Movement (GSHM), einer Seite bei Facebook mit ungebrochenem Zuspruch und dem Ziel, dass humanistische Ideen weltweit auf immer mehr Interesse stoßen.

Und bisher hat Faisal es geschafft, dass fast täglich mehr als 50.000 Benutzer bei Facebook sich darauf verlassen, dass er ihnen stündlich die neuesten Nachrichten aus der bunten Welt des Aberglaubens zeigt, an die besten Ideen weltbewegender Wissenschaftler, Künstler und Philosophen erinnert oder einfach nur nochmal Denkanstöße liefert und kontroverse Themen zur Diskussion stellt. Und das zum Nulltarif.

Von ihm lassen sich mittlerweile auch bekanntere Personen, darunter der Chef der europäischen Skeptikerbewegung Amardeo Sarma, David Niose von der American Humanist Association oder der Vorsitzende der Atheisten, Agnostiker und Humanisten in Luxemburg, Laurent Schley, informieren. An prominenten Denkern mangelt es der Fangemeinde nicht.

Wie einflussreich der Student, der sich selbst nicht nur als Iraker, sondern auch als Mesopotamier sieht, mit seinem Projekt tatsächlich ist, kann nur gemutmaßt werden. Klar ist jedenfalls, dass sich mittlerweile für kaum eine Seite mehr Menschen interessieren, die über säkulare, atheistische und humanistische Standpunkte informiert werden wollen.

Die seit Jahren laufende Seite des kommerziellen Projekts The Thinking Atheist zählt zwar rund 71.000 interessierte Beobachter, doch viele andere Organisationen mit durchaus langer Tradition stehen beim Blick auf die Onlinefangemeinde deutlich zurück: Die traditionsreiche American Humanist Association zählt hier derzeit weniger als 40.000 Anhänger und auch die British Humanist Association kommt auf gerade mal rund 18.000 Fans.

Die deutsche Giordano-Bruno-Stiftung hat mit immerhin mehr als 3.400 Beobachtern heute zwar weit mehr Interessierte bei Facebook als die katholische Kirche in Deutschland, aber danach zeigt sich vor allem viel Desinteresse an vergleichbaren Anliegen. Schlusslicht: Der Humanistische Verband Deutschlands kann nur auf eine traurige Zahl von 343 Fans bei Facebook verweisen, die sich so für ihn interessieren.

Warum das Projekt GSHM so erfolgreich ist, weiß kaum jemand genau. Initiator Faisal Saeed Al-Mutar setzt jedenfalls konsequent darauf, an aktuelle Wahrheiten zu erinnern und auf alte Mythen neu aufmerksam zu machen. Was ihn dazu bewegt, verriet er vor einigen Wochen im Interview mit wissenrockt.de – und da war die Schar der Fans noch nicht einmal halb so groß. Damals wie heute lautet jedenfalls sein Credo: „Die Welt ist mein Land und Gutes zu tun ist meine Religion“. Auch im Netzwerk von Facebook ist Humanismus offenbar erfolgreich.


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