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Hungern für ein freies Ägypten

Erstellt von Yunan, 08.10.2011, 15:00 Uhr · 8 Antworten · 1.036 Aufrufe

  1. #1
    Yunan

    Unglücklich Hungern für ein freies Ägypten

    08.10.2011

    Blogger in Kairos Gefängnis

    Hungern für ein freies Ägypten

    Aus Kairo berichtet Viktoria Kleber


    Blogger Sanad: "Ein ziviler Staat - kein religiöser Staat und kein Militärstaat"

    Blogger Sanad: "Ein ziviler Staat - kein religiöser Staat und kein Militärstaat"
    Drei Jahre muss Maikel Nabil Sanad hinter Gitter, als erster ägyptischer Blogger nach dem Machtwechsel. Aus Protest hungert er seit 46 Tagen, verweigert sogar Flüssigkeit. Seine Familie ist verzweifelt - der junge Mann will für seine Ideale sterben.


    Vielleicht war es Maikils letzter Geburtstag, den die Familie Sanad am vergangenen Samstag gemeinsam feierte. Maikels Bruder Mark und Vater Nabil brachten eine Torte ins Al-Marg-Gefängnis in Kairo. Seit Ende März ist der ägyptische Blogger dort inhaftiert. In diesem Jahr aß er kein Stück von der Geburtstagstorte. Maikel hungert.

    "Es ist traurig, seinen Geburtstag im Gefängnis zu verbringen", schreibt er in seinem Blog, "aber noch schlimmer für mich ist, dass mein Heimatland ohne Vision, Ethik und Menschlichkeit regiert wird."
    46 Tage kommt Maikel bereits ohne Nahrung aus, das zehrt. Rund 15 Kilogramm hat er abgenommen, er wiegt nur noch 45. "Die Nieren haben bereits versagt, andere Organe leiden", sagt Vater Nabil, "er kann nicht mehr aufstehen, kaum noch sprechen." Seit zwei Tagen trinkt Maikel nun auch nicht mehr, aus Protest, dass sein Berufungsverfahren am vergangenen Dienstag um eine Woche vertagt wurde. Er ist dem Tode nahe.

    Seit über einem halben Jahr sitzt der 26-Jährige im Gefängnis. Ein Militärgericht hat ihn für einen Blog-Eintrag zu drei Jahren Haft verurteilt. Darin warf er der Armee vor, während der Revolution im Januar die Polizei mit Waffen unterstützt zu haben, um gegen Aktivisten vorzugehen. Laut Maikel schlug sich das Militär erst später auf die Seite der Bevölkerung, nämlich dann, als der Sturz Mubaraks nicht mehr aufzuhalten war.

    Diese Aussage ist ein Affront gegen die Post- Mubarak-Ordnung. Nach Darstellung des Militärrats stand die Armee schließlich zu allen Zeiten auf der Seite der Bevölkerung. "Beleidigung der Armee" hieß es im Urteil und "Verbreitung von Falschinformation". Im selben Eintrag beschuldigte Maikel das Militär, ägyptische Aktivistinnen mit Jungfräulichkeitstests gepeinigt zu haben. Eine Tatsache, die das Militär Wochen nach dem Urteil einräumte.

    Willkür im Justizsystem - das Militärgericht macht kurzen Prozess

    Innerhalb einer Woche wurde Maikels Verfahren abgefertigt. Als Richter, Ankläger und Zeugen waren nur Offiziere geladen, einen eigenen Verteidiger hatte er nicht. Wie Maikel wurden seit Februar bereits rund 12.000 Zivilisten vor das Militärtribunal gestellt, mehr als in den 30 Jahren Mubarak-Regime. Nur fast 800 von ihnen wurden freigesprochen, die meisten davon Polizisten oder andere, die dem Militärregime die Treue halten. Willkür herrscht derzeit in Ägyptens Justizsystem.

    Mit seinem Hungerstreik will Maikel nicht nur auf seine persönliche Situation aufmerksam machen, sondern auch auf die Militärjustiz in Ägypten. "Es gab schon viele Opfer von Hungerstreiks in anderen Ländern, bis dort die Menschenrechte in vollem Maß anerkannt wurden", schreibt er in seinem Blog. "Freiheit hat ihren Preis, und wir sollten ihn bezahlen."

    Wenig Unterstützung in Ägypten für den Blogger

    Für Maikel Nabil Sanad ist es schwierig die Massen zu mobilisieren, er hat nur einen kleinen Unterstützerkreis in Kairo. Zwar hat die Aktion "Free Maikel" auf Facebook über 60.000 Anhänger, jedoch stammt nur ein Bruchteil aus seiner Heimat. Amnesty International, Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen machten auf Maikel aufmerksam, in den heimischen Medien interessiert das aber kaum jemanden.

    Mit seinen politischen Äußerungen war er immer schon ein Außenseiter, machte sich in der ägyptischen Gesellschaft unbeliebt. Der junge Mann ist Atheist: In einem Land, in dem Religion das tägliche Leben der Mehrheit der Bevölkerung bestimmt, eckt er an. Und Maikel ist proisraelisch, achtet die Meinungsfreiheit und demokratischen Werte des Staates, drückt israelischen Opfern von Terroranschlägen sein Bedauern aus. Worte und Taten, für die ihn die breite Masse der Ägypter hasst und die deshalb nicht gegen die Inhaftierung auf die Straße gehen. Sie lassen dem Militärrat freie Hand.

    Als erster Ägypter hat er offiziell den Wehrdienst verweigert. "Ich will nicht auf einen Israeli schießen, der das Existenzrecht seines Staates verteidigt", schreibt er in seinem Blog. So etwas gab es noch nie in Ägypten. "Das harte Urteil war auch die Quittung für die Verweigerung", vermutet Kirolos Nathan, ein Mitglied der "Free Maikel"-Kampagne und einer seiner Unterstützer. "Das Militär hatte mit Maikel noch eine Rechnung offen."

    "Durch die Vertagung des Prozesses fällt der Militärrat das Todesurteil"

    Und die scheint noch immer nicht beglichen. Vater Nabil Sanad hat beim Militärrat, beim Innenministerium und bei der Staatsanwaltschaft angefragt, damit sein Sohn in ein Krankenhaus verlegt wird - vergebens. Stattdessen vertagte das Militärtribunal am vergangenen Dienstag den Berufungsprozess: Nicht alle Papiere lägen vor.

    Laut Maikel Sanads Anwalt waren die fehlenden Papiere nur zwei Stockwerke weit entfernt. "Das war keine Vertagung des Prozesses, das war das Todesurteil für meinen Bruder", sagt Mark Sanad. Der Berufungsprozess soll am kommenden Dienstag statt finden, dann wäre Maikel schon 50 Tage ohne Essen und sechs Tage ohne Trinken. Eine sehr lange Zeit für einen menschlichen Körper. Das weiß auch Maikels Vater. "Bei jedem Telefonklingeln warte ich auf den Anrufer, der mir sagt: Dein Sohn ist tot. Komm und hol den Leichnam."

    http://www.spiegel.de/politik/auslan...790552,00.html

  2. #2

    Registriert seit
    30.08.2011
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    8.480
    Ein ehrenvoller Mann, Freiheit für Maikel Nabil Sanad!!!

  3. #3
    Avatar von Salvador

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    3.342
    Nach dem Motto : Nur der Tode kann mich Stoppen " Respekt "

  4. #4
    Zar

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    1.686
    Hoffentlich wird er nicht snnlos terben und etwas mit seiner ehrenvollen aktion bewirken.

  5. #5

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    18.328
    und was hat es nun gebracht mubarak abzusetzen??? vorher hatten die ägypter mehr freiheiten...

  6. #6
    Avatar von Salvador

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    3.342
    Zitat Zitat von John Wayne Beitrag anzeigen
    und was hat es nun gebracht mubarak abzusetzen??? vorher hatten die ägypter mehr freiheiten...
    das wird deines gleichen schon früh genug erleben.

  7. #7
    ~Lucifer~
    Und für was tritt er ein. Ein ziviler Staat, was ist das? Ein Staat in dem die Errungenschaft nach Kapital und Vermehrung von Kapital die Möglichkeiten der Menschen im Gemeinwesen bestimmt. Ich kritisiere einen Staat der nach Religionslogik geführt wird damit ein Staat kommt der nach Kapitallogik funktioniert. Was habe ich als einfache Person davon? Ausser das mich Medien sowie Menschen aus Kapitallogik-Ländern wie einen Helden feiern, weil ich in meinem Land ihre Staatsvorstellungen zu verwirklichen helfe.

  8. #8

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    18.328
    wo ist eigentlich erdogan die dumme knoblauchfresse... sonst reißt er zu jedem scheiß sein maul auf... hier schweigt er...

  9. #9
    Tetraethyllead
    Auch nach 100 Revolutionen wird kein arabisches Land die Freiheit genießen. Die sind einfach zu dämlich dafür.

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