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«Man soll uns hören, denn wir bilden die Mehrheit unter den Muslimen»

Erstellt von AlbaMuslims, 17.03.2012, 15:21 Uhr · 1 Antwort · 541 Aufrufe

  1. #1

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    26.01.2012
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    «Man soll uns hören, denn wir bilden die Mehrheit unter den Muslimen»

    «Man soll uns hören, denn wir bilden die Mehrheit unter den Muslimen»

    Der Berner Imam Mustafa Memeti präsidiert die albanischen Muslime in der Schweiz.



    Präsident aller albanischstämmigen Muslime in der Schweiz: Der Berner Imam Mustafa Memeti.
    Bild: Manu Friederich


    Ein Präsidentenbüro ist es nicht, eher eine Nische im Kellergeschoss eines unauffälligen Wohnblocks im Berner Neubrückquartier. Eben haben sich Muslime zum Freitagsgebet versammelt. Bis zu 250 sind es, die kommen, und dann ist es so voll, dass kaum alle Platz finden.

    Nach dem Mittagsgebet empfängt Mustafa Memeti den «Bund». Er ist nicht nur Imam dieses Islamischen Vereins Hochfeldstrasse, sondern seit wenigen Tagen auch Präsident aller albanischstämmigen Muslime in der Schweiz. Nun sitzt er in dem kleinen Büro, umgeben von religiösen Büchern, Bildern von Mekka, Zeitungen, einem Computer, und erklärt sein Anliegen: 60 Prozent der rund 300 000 Muslime in der Schweiz stammten vom Balkan. «Es kann nicht sein, dass irgendwelche Leute für den Islam sprechen, ohne uns zu kontaktieren.» Mit «diesen Leuten» ist etwa der umtriebige Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) gemeint, der in jüngster Zeit mit Kongressen und forschen Forderungen von sich reden macht. Der Zentralrat sei «eher ein Randrat», denn ihm fehle eine breit abgestützte Basis, weshalb es «eine Anmassung» sei, so aufzutreten.

    Albaner – oft ignorierte Mehrheit

    Der Berner Imam will nicht missverstanden werden als einer, der die Deutungshoheit an sich reissen und für alle anderen Muslime in der Schweiz sprechen will. «Wir ignorieren die Minderheiten nicht», sagt er, «aber wir sind die Mehrheit unter den Muslimen und wollen entsprechend gehört werden.»

    Memeti vertritt Muslime von etwa 40 islamischen Vereinen in der Schweiz. Jeder entsandte am 3. März zwei Delegierte, diese kürten ihn zum Präsidenten. Es sei ihm wichtig, dass er demokratisch legitimiert sei, sagt der neue Präsident. Er lässt durchblicken, dass die bestehenden muslimischen Verbände – nicht nur der nassforsche IZRS – oft zu wenig Bodenhaftung hätten. Die Funktionäre von Kios in Basel oder Vioz in Zürich liessen sich bei den Vereinen kaum blicken und wüssten nicht, was die Basis wirklich bewege. Deshalb haben sie nach Memetis Auffassung nicht den gewünschten Erfolg verbucht, auch nicht der albanische Verband, den es seit 2006 gab. «Darum haben wir neu gewählt, Revision gemacht, neues Konzept und neue Figuren», so Memeti.

    Albaner mit Multikulti-Erfahrung

    Memeti, der weder aus Albanien noch aus Kosovo stammt, sondern der albanischen Minderheit in Südserbien angehört, findet, dass albanische Muslime etwas Wichtiges einbringen: Toleranz. Auf dem Balkan lebten Leute verschiedenen Glaubens zusammen, man habe Erfahrung damit. «Wir wollen nicht polarisieren, sondern suchen die Mitte.» Man wolle eine andere Form von Islam als Alternative aufzeigen. Es mache ihm Sorgen, wenn gewisse islamische Gruppierungen in Richtung einer Parallelgesellschaft gingen: «Das unterstützen wir nicht, wir wollen uns integrieren.»

    Der Imam mahnt Muslime zur Selbstkritik. Die meisten seien aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz geflohen. Wenn Muslimen etwas fehle in der neuen Heimat, sei es nicht richtig, die schweizerische Gesellschaft zu beschuldigen. «Dann soll man sich an die zuständige Stelle wenden, so wie das jeder andere auch tut, wenn er ein Problem hat.»

    Memeti, der seit 2005 das Schweizer Bürgerrecht besitzt, findet nicht, dass Muslime einen Grund haben, dauernd beleidigt zu sein: «Es gibt keinen Geheimplan, Muslime zu beleidigen.» Es könne sein, dass einige Muslime, die sich extrem gebärdeten, sich Unannehmlichkeiten einhandelten, aber dann müssten sie sich selber hinterfragen: «Es gibt keine kollektive Diskriminierung von Muslimen in der Schweiz.» Ohnehin brauche es eine gesunde Portion Selbstkritik. Selbstkritik? Ist nicht dies eine Schwäche mancher Muslime? Nicht, wenn sie beachteten, was im Koran stehe, erwidert der Imam. «Die Heilige Schrift sagt, dass wir selbstkritisch sein sollen, dass wir nicht andere beschuldigen, sondern uns selber anstrengen sollen.» Schon der Prophet sei mit extremistischen Kräften konfrontiert gewesen, so der Imam. Mohammed habe es nicht akzeptiert, dass Strenggläubige auf andere niedergeblickt hätten, die manches weniger eng gesehen hätten.

    Viele Albaner im Gefängnis

    Memeti ist nicht nur Imam und Verbandspräsident, sondern auch Gefängnisseelsorger. In gewissen Gefängnissen soll die Zahl albanischstämmiger Häftlinge zu gewissen Zeiten auffällig hoch gewesen sein. Albanischstämmige Delinquenten beschädigten das Image aller Angehörigen der Ethnie, sagt Memeti. Er versuche den Insassen klarzumachen, dass ihre Tat auch ihren Familien und der albanischen Minderheit als Ganzes schade. «Kriminelle sind wie Kranke: Man muss versuchen, sie wieder gesund zu machen.» Er fordere Eltern auf, mehr Verantwortung für die Jugend zu übernehmen, so Memeti, selber Vater von drei Kindern, denn Probleme gebe es oft mit Vertretern der zweiten Generation.

    Minarett-Verbot: Es ist, wie es ist

    Wie geht Memeti mit der Minarett-Verbotsinitiative vom Herbst 2009 um, die von manchen Muslimen als Zäsur betrachtet wird? Der Berner Imam mag sich nicht ereifern ob des Verbots. «Symbole haben im Islam nicht eine so grosse Bedeutung.» Muslime könnten ihre religiösen Pflichten auch ohne Minarett erfüllen, sie seien für ihn «keine Priorität». Klar ist, dass er es sich nicht gewünscht hat. Aber nun, da es demokratisch beschlossen worden sei, müsse man es akzeptieren. Beide Seiten hätten Fehler gemacht im Abstimmungskampf. Irgendwann, wenn alle Vertrauen zueinander aufgebaut hätten, werde das Volk das Verbot vielleicht rückgängig machen.

    Vertrauen aufbauen möchte auch das Haus der Religionen in Bern, für dessen Neubau der Spatenstich bald stattfinden soll. Memetis Verein beteiligt sich dort. Nicht etwa, weil er so zu einem grösseren Gebetsraum kommt. «Ich finde es grossartig, dass an einem Ort alle Religionen vertreten sind.» Das biete die Möglichkeit, sich näherzukommen, sagt er, und dieses Miteinander brauche die Gesellschaft.

    Quelle: «Man soll uns hören, denn wir bilden die Mehrheit unter den Muslimen» - Bern - derbund.ch

  2. #2
    Avatar von BlackJack

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    Dieser fragliche IZRS wurde im BF immer wieder thematisiert und erwähnt, hier vor fast zwei Jahren wurde Styria als Hetzer bezeichnet als er darauf hinwies, wie AlbaMuslims jetzt

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