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Umfrageergebnis anzeigen: Multikulturalismus?

Teilnehmer
25. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • 1. Ja, ich bin allgemein für ein multikulturelles Konzept

    14 56,00%
  • 2. Ich bin nur dafür in einer Gesellschaft mit grossen Minderheiten

    2 8,00%
  • 3. Nein, ich bin allgemein dagegen

    9 36,00%
Seite 7 von 7 ErsteErste ... 34567
Ergebnis 61 bis 65 von 65

Multikulturalismus

Erstellt von Fitnesstrainer NRW, 17.05.2011, 07:56 Uhr · 64 Antworten · 5.233 Aufrufe

  1. #61
    Avatar von skorpion

    Registriert seit
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    Beiträge
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    Zitat Zitat von Fitnesstrainer NRW Beitrag anzeigen
    Ich möcht auch keinen Schmelztiegel, sondern echtes Multikulti. Jeder soll seine Kultur behalten, aber damit sich alle Kultur-Völker auch wirklich mit dem Staat und seiner Verfassung identifizieren muss es zumindest eine gemeinsame übergeordente Identifikationsbasis geben und diese sollte sich im Staatsnamen widerspiegeln.

    Ich halte dies für nötig da ich nicht an Integration in eine Einheits-Gesellschaft mit "deutscher Leitkultur" glaube, wohl aber an eine Integration in einen gemeinsamen Staat mit dem sich alle identifizieren über ein multikulturelles Konzept (Bewahrung und Förderung der eigenen Kultur) und ein Mindestmass an "Verfassungspatriotismus".

    "Mitteleuropa" ist ein relativ neutraler Staatsname mit dem sich alle Bürger identifizieren können bei Bewahrung ihrer eigenen Kultur. Die demographische Entwicklung Deutschlands macht den Staat ohnehin immer mehr zu einem differenzierteren "Multi-Kulti-Land", daher sollte dies auch in Zukunft in einem entsprechenden Politikkurswechsel etablieren.


    Ein interessanter und wichtiger Aspekt.
    Die Praxis sieht aber eher so aus, daß verschiedene Kulturen sich vermischen, wenn sie intensiv genug zusammen leben. Und das schon immer. Nehmen wir mal Kroatien als Beispiel. Was ist heute typisch kroatisch? Die Sprache ist südslawisch, der serbischen oder bosnischen zum Verwechseln ähnlich, man hat gemeinsame Wurzeln. Die Religion ist römisch-katholisch, damit ist schon alles über ihre Herkunft gesagt. Die Architektur ist, je nach Gegend und Alter römisch, venezianisch oder habsburgisch, ggf. nach der Mode der Epoche oder im sozialistischen Einheitslook. Die Küche ist, auch nach Region verschieden, österreichisch, ungarisch, italienisch und türkisch beeinflußt oder neuerdings auch amerikanisch. Und in anderen Lebensbereichen ist es ähnlich. Typisch kroatisch sind einige Details und die besondere Mischung, die es so sonst nicht oder nur in unmittelbarer Nachbarschaft gibt.

    Der Staatsname "Jugoslawien" erfüllt wohl die von Dir genannten Kriterien, hat dem Land aber bisher nicht viel Glück gebracht. Ich denke in europäischen Nationalstaaten wie bspw. Deutschland sollte schon so etwas wie eine deutsche "Leitkultur" erkennbar sein. Aber gerne ergänzt und perfektioniert durch Begriffe anderer Sprachen (Kiosk, Kneipe, Portemonnaie, Konto, Thermometer, Datsche usw.), es muß ja nicht immer englisch sein... Durch kulinarische Importe wie Pizza, Döner, Zaziki, Hot Dogs, Ćevapčići, Paella. Durch Stilmixe in Musik und anderen Kunstformen. Welches deutsche Kind macht sich heute Gedanken darüber, daß Pizza und Spaghetti aus Italien kommen? Schmeckt eben und gut ist.

    Problematisch bei der Kulturautonomie ist auch, daß die Einwanderer oft nicht mit der Zeit gehen. Opa ist vor 40 Jahren eingewandert und hat seine Kultur an die Kinder und Enkel weitergegeben- aber er hat verpaßt, daß sich seine Heimat in diesen 40 Jahren auch weiterentwickelt hat und die von den Enkeln gepflegte Kultur ist vielleicht auch in ihrem Ursprungsland längst schon eine ganz andere.

    Ich würde mir wünschen, daß Europas Politiker die Sache anders angepackt hätten. Wir haben Dinge und Lebensbereiche vereinheitlicht, deren Grundlagen grundverschieden sind. In anderen, zentralen Bereichen gibt es immer noch die Kleinstaaterei. Wenn Europa eine Zukunft haben soll, dann muß das einer bundesstaatartigen Europäischen Union stattfinden. Ein Staat, der grundlegende Dinge einheitlich und allgemeinverbindlich regelt, aber dessen Regionen den Alltag nach den lokalen Bedürfnissen selbst gestalten. Vor allem aber nach außen hin geschlossen und einheitlich, anders wird man die Globalisierung nicht überstehen.

    Kleine Info am Rande: die geografische Mitte Europas befindet sich ganz wo anders, als sie die meisten vermuten: in der Nähe der litauischen Hauptstadt Vilnius.


  2. #62
    Avatar von Fitnesstrainer NRW

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    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Ich finde, man das nicht als Konzept generell befürworten oder ablehnen, man muß sehen, ob es zum Bezugsrahmen paßt.

    Wenn man einen Lebensraum oder ein Territorium hat, in dem mehrere angestammte Kulturen auf engem Raum miteinander leben, ist es sicherlich positiv zu bewerten, wie bspw. in der Schweiz oder auch in Jerusalem wäre das sehr wünschenswert. Auch in einem klassischen Einwanderungsland, wo Menschen aus verschiedenen Kulturen gemeinsam eintreffen, halte ich das nicht für falsch. Da bliebe nur die Frage, wie viele unterschiedliche Kulturen sich da kombinieren lassen, ohne daß nur Chaos bleibt. Und natürlich ist es unverzichtbar, daß es eine solide konsensbasis von Werten gibt, die von allen gleichermaßen akzeptiert werden.

    Anders beurteile ich das in Nationalstaaten, wo es eine klar definierte "Leitkultur" gibt. (Ich hasse dieses Wort, mir fällt aber kein besseres ein.) Wer in ein solches Land einwandert, der muß sich darüber im Klaren sein, daß es dort gewisse Regeln und Gesellschaftsnormen gibt, an die er sich anpassen muß. Das schließt nicht aus, daß dieses Gastland sich mit seinen "Gästen" auseinandersetzt, im Gegenteil. Vieles läßt sich mitunter von den "Fremden" lernen, manches vermischt sich oder wird assimiliert und in vielen Bereichen soll man auch den Einwanderern ihre Kultur belassen und sie auch fördern. Sei es beim Handel und Verzehr von speziellen Lebensmitteln, Musik und Literatur nebst Presse und auch politischer Mitbestimmung. Und natürlich auch in religiösen Dingen. Dabei liegen die Grenzen aber eindeutig im Bereich des Legalen. Wo die Gewohnheiten und Traditionen der Zugewanderten mit dem Recht des Gastlandes kollidieren, müssen sie zurückstecken. Sei es Drogenmiß- oder gebrauch, Blutrache, Zwangshochzeiten religiöse Rechtsprechung wie bspw. die Scharia. Noch weniger akzeptabel ist es natürlich, wenn die Immigranten von der einheimischen Bevölkerung verlangen, daß sie auch ihre Regeln übernehmen soll. Die Bildung von Parallelgesellschaften ist ein sicheres Indiz dafür, daß etwas verkehrt gelaufen ist.
    Danke für deinen Beitrag.

    Das mit der Leitkultur halte ich persönlich für ein Hinderniss für eine positive Integration, denn es löst Assimilationsängste und daher Abwehr- bzw Abschottungsreflexe aus.

    Ein propagierter "Verfassungspatriotismus", wie in den USA, könnte das Modell einer "Leitkultur" ersetzen, da es jedem weiterhin seine eigene Kultur zugesteht, innerhalb der Grenzen der Verfassung natürlich.

    In einer Gesellschaft, wie z.b. Deutschland, kann das Integrationsmodell einer "deutschen Leitkultur", schon allein aufgrund der demographischen Entwicklung (wachsender Anteil mit Migrationshintergund) nicht mehr funktionieren.

    Aber ich stimme dir zu, dass man dies natürlich von Fall zu Fall differenziert, gemäß der gegebenen Bedingungen, betrachten muß und was z.b. in Kanada das Beste ist, noch lange nicht in BiH oder Kosovo funktionieren würde.

  3. #63
    Avatar von skorpion

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    Zitat Zitat von Fitnesstrainer NRW Beitrag anzeigen
    Danke für deinen Beitrag.

    Das mit der Leitkultur halte ich persönlich für ein Hinderniss für eine positive Integration, denn es löst Assimilationsängste und daher Abwehr- bzw Abschottungsreflexe aus.

    Ein propagierter "Verfassungspatriotismus", wie in den USA, könnte das Modell einer "Leitkultur" ersetzen, da es jedem weiterhin seine eigene Kultur zugesteht, innerhalb der Grenzen der Verfassung natürlich.

    In einer Gesellschaft, wie z.b. Deutschland, kann das Integrationsmodell einer "deutschen Leitkultur", schon allein aufgrund der demographischen Entwicklung (wachsender Anteil mit Migrationshintergund) nicht mehr funktionieren.
    Aus der Sicht der Immigranten hast Du sicher recht. Auf der anderen Seite löst "Überfremdung" aber bei den "Einheimischen" ebenfalls einen Abwehrreflex aus, genannt Nationalismus und Fremdenhaß. Nimmt ja allenthalben gerade wieder zu. Das, was Du hier beschreibst, kann nur funktionieren, wenn überall in etwa gleichem Maße Migration stattfindet. Wenn bspw. genauso viele Deutsche in die Türkei ziehen würden und diese vergleichbar germanisieren würden, wie es umgekehrt der Fall ist, wäre es gewissermaßen ausgeglichen. Aber es kann nicht sein, daß das nur in eine Richtung läuft, das wäre nämlich Kultur-Imperialismus, an dessen Ende der Untergang der deutschen Kultur stünde- das zu akzeptieren wäre dann wohl doch etwas zuviel verlangt.

    Letzten Endes ist es doch immer noch so: wenn ich irgendwo als Fremder hinkomme, dann bin ich derjenige, der sich anpassen muß. Wenn ich das nicht kann, muß ich zuhause bleiben oder mir ein anderes Land suchen, das meiner Kultur ähnlicher ist, im Falle Türkei jetzt meinetwegen als Beispiel Azerbaijan. Da steht man dann vor der Frage, was ist mir wichtiger: Meine Kultur oder Freiheit und Wohlstand? Und wenn man diese Frage ehrlich für sich selbst beantwortet hat, dann ergeben sich daraus von allein die richtigen Konsequenzen.


  4. #64
    Avatar von Fitnesstrainer NRW

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    Zitat Zitat von skorpion Beitrag anzeigen
    Aus der Sicht der Immigranten hast Du sicher recht. Auf der anderen Seite löst "Überfremdung" aber bei den "Einheimischen" ebenfalls einen Abwehrreflex aus, genannt Nationalismus und Fremdenhaß. Nimmt ja allenthalben gerade wieder zu. Das, was Du hier beschreibst, kann nur funktionieren, wenn überall in etwa gleichem Maße Migration stattfindet. Wenn bspw. genauso viele Deutsche in die Türkei ziehen würden und diese vergleichbar germanisieren würden, wie es umgekehrt der Fall ist, wäre es gewissermaßen ausgeglichen. Aber es kann nicht sein, daß das nur in eine Richtung läuft, das wäre nämlich Kultur-Imperialismus, an dessen Ende der Untergang der deutschen Kultur stünde- das zu akzeptieren wäre dann wohl doch etwas zuviel verlangt.

    Letzten Endes ist es doch immer noch so: wenn ich irgendwo als Fremder hinkomme, dann bin ich derjenige, der sich anpassen muß. Wenn ich das nicht kann, muß ich zuhause bleiben oder mir ein anderes Land suchen, das meiner Kultur ähnlicher ist, im Falle Türkei jetzt meinetwegen als Beispiel Azerbaijan. Da steht man dann vor der Frage, was ist mir wichtiger: Meine Kultur oder Freiheit und Wohlstand? Und wenn man diese Frage ehrlich für sich selbst beantwortet hat, dann ergeben sich daraus von allein die richtigen Konsequenzen.
    Du hast zwar leider recht bezüglich der Angst der Einheimischen vor Überfremdung und der Nationalismusgefahr, aber ich sehe die Dinge diesbezüglich anders, da ich, wie erwähnt, die demographische Entwicklung mit einbeziehe.
    Der Trend der Kinderarmut bei den Deutschen gilt als irreversible, daher werden sie früher oder später zur Mnderheit im eigenen Land und es wäre einfach undemokratisch dann noch eine "deutscher Leitkultur" einem gleichberechtigten Mulit-kulti-Modell vorzuziehen.

    Ich glaube auch nicht das man die Entwicklung im eigenen Land von der Entwicklung in anderen Ländern abhängig machen darf. Ich bin selbst halb-Deutscher, und wäre quasi "kulutrell" von einem wie du es nennst "Kultur-Imperialismus" mitbetroffen. Die Verantwortung dafür sehe ich allerdings primär nicht bei der mangelenden Integrationsbereitschaft diverser Migrantengruppen, sondern einerseits im fehlenden "Kulturbewusstsein" der Deutschen und insbesondere daran das sich dieses Volk selbst, durch seine geringe Geburtenrate und fragiler familiärer Strukturen nach und nach abschafft.

    Ein wasserarmer Fluss trocknet aus oder mündet in einen Größeren.

    Diese Metapher mag etwas dreist klingen und ist auch noch ferne Zukunftsmusik, spiegelt aber, so fürchte ich tatsächlich Deutschlands Zukunft wieder.

    Ich hoffe nur das die inneren Veränderungen die dies zweifelsfrei in Deutschland noch in Zukunft mit sich bringen wird ohne eine Eskalation vonstatten gehen wird.

  5. #65
    Avatar von skorpion

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    Zitat Zitat von Fitnesstrainer NRW Beitrag anzeigen
    Du hast zwar leider recht bezüglich der Angst der Einheimischen vor Überfremdung und der Nationalismusgefahr, aber ich sehe die Dinge diesbezüglich anders, da ich, wie erwähnt, die demographische Entwicklung mit einbeziehe.
    Der Trend der Kinderarmut bei den Deutschen gilt als irreversible, daher werden sie früher oder später zur Mnderheit im eigenen Land und es wäre einfach undemokratisch dann noch eine "deutscher Leitkultur" einem gleichberechtigten Mulit-kulti-Modell vorzuziehen.

    Ich glaube auch nicht das man die Entwicklung im eigenen Land von der Entwicklung in anderen Ländern abhängig machen darf. Ich bin selbst halb-Deutscher, und wäre quasi "kulutrell" von einem wie du es nennst "Kultur-Imperialismus" mitbetroffen. Die Verantwortung dafür sehe ich allerdings primär nicht bei der mangelenden Integrationsbereitschaft diverser Migrantengruppen, sondern einerseits im fehlenden "Kulturbewusstsein" der Deutschen und insbesondere daran das sich dieses Volk selbst, durch seine geringe Geburtenrate und fragiler familiärer Strukturen nach und nach abschafft.

    Ein wasserarmer Fluss trocknet aus oder mündet in einen Größeren.

    Diese Metapher mag etwas dreist klingen und ist auch noch ferne Zukunftsmusik, spiegelt aber, so fürchte ich tatsächlich Deutschlands Zukunft wieder.

    Ich hoffe nur das die inneren Veränderungen die dies zweifelsfrei in Deutschland noch in Zukunft mit sich bringen wird ohne eine Eskalation vonstatten gehen wird.
    Kinderarmut ist mal das eine, aber dennoch sind die Deutschen bislang nach den Russen zahlenmäßig die zweitstärkste Nation Europas und ich würde im Grunde auch Österreich dem deutschen Kulturkreis zurechnen. Wenn nicht eine große Auswanderungswelle dieses Land erfaßt, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die Deutschen hier in der Minderheit sind, das werde ich wohl nicht mehr erleben. Und bevor es soweit kommt, wird man sicher Maßnahmen ergreifen. Schließlich unterscheiden wir ja nicht nur eine deutsche und eine ausländische Kultur, die vielen Immigranten haben ja diverse verschiedene Kulturen. Zahlenmäßig am stärksten sind Türken, Russen, Polen, div. Ex-Jugos und div. Araber, deren Kulturen sich ja untereinander doch ziemlich unterscheiden. Bis eine davon wirklich dominant würde, dauert es sicher noch.

    Die größere Bedrohung sehe ich eher in dem, was Du mangelndes Kulturbewußtsein nennst. In der gesamten westlichen Welt und in zunehmendem Maße auch darüber hinaus macht sich die amerikanische Coca-Cola-Micky-Maus-Unkultur breit. Junge Deutsche um die 20 können weder deutsche Volkslieder oder Gedichte noch vernünftig kochen (ohne Dr. Oetker-Maggi-Knorr-Fix), geschweige denn, daß sie eine Tracht hätten oder wüßten, warum man Pfingsten feiert- jedenfalls im urbanen Raum. Aber das ist kein deutsches Phänomen allein und vermutlich wird auch das irgendwann eine Gegenbewegung hin zu alten Werten auslösen.

    Als Halbdeutscher sehe ich Dich jetzt nicht als K.imperialismus betroffen, im Gegenteil. Wir Mischlinge sind das verbindende Glied zwischen den Völkern. So wie Du balkanisches nach Deutschland bringst, hat ja die Beziehung Deiner Eltern bereits auch deutsches auf den Balkan gebracht. Diese Form des Kulturaustauschs finde ich eigentlich die Beste, weil sie Menschen zusammenbringt und die Kultur so nicht trennt, sondern verbindet.

    Noch kurz zu Deiner Einlassung, die Leitkultur wäre undemokratisch: Die Demokratie in diesem Land erreicht nur die Bürger dieses Landes, wie überall. Wer an der Demokratie teilhaben will, muß Deutscher sein und wer diesen Schritt gegangen ist, sich einbürgern zu lassen, der ist auch in seinem Wesen schon ein gutes Stück deutsch, auch wenn er vielleicht dunkle Haut hat oder beschnitten ist.

    Letztlich ist es doch so: die wenigsten Einwanderer sind wegen der guten Luft, der schönen Landschaft oder des gesunden Wetters wegen hier. Sie sind nicht gekommen, weil sie Goethes Geburts- und Wirkensstätten nah sein wollen, nicht wegen der herzlichen Gastfreundschaft und auch nicht wegen der schönen Fußballplätze. Die meisten Einwanderer aus dem Süden und Osten sind gekommen, weil man ihnen hier nicht nach dem Leben trachtet und vor allem wegen des relativen Wohlstandes und gewisser Freiheiten. Beides ist kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis einer gewissen Lebensart, die heute gern belächelt wird als spießig und freudlos.



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