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Niederlage für Gegner von ärztlicher Sterbehilfe

Erstellt von F21, 01.04.2012, 16:01 Uhr · 1 Antwort · 1.136 Aufrufe

  1. #1
    F21
    Avatar von F21

    Registriert seit
    23.12.2008
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    235

    Niederlage für Gegner von ärztlicher Sterbehilfe

    Niederlage für Gegner von ärztlicher Sterbehilfe

    Berliner Verwaltungsgericht: Generelles Verbot von Suizidhilfe im ärztlichen Standesrecht ist unzulässig.


    Foto: 123RF Stock Photo

    Sterbehilfe – Am vergangenen Freitag hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden, dass ein generelles Suizidhilfeverbot im ärztlichen Standesrecht unzulässig ist. Das teilte gestern die Bundeszentralstelle Patientenverfügung mit. Das Berliner Gericht entschied nach Auskunft der beteiligten Anwaltskanzlei, dass ein generelles und ausnahmsloses Verbot im Standesrecht mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar sei. Ein allgemeines Verbot ist damit kippt.
    Das Urteil bedeutet auch eine Niederlage für den Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, und ersten Gegenwind für einen von ihm vorangetriebenen Beschluss des 114. Bundesärztetages in Kiel 2011. Dort war über eine Verschärfung der Berufsmusterordnung abgestimmt worden, welche der Vorstand der Bundesärztekammer eingebracht hatte.
    BÄK-Präsident Montgomery, der im Juni 2011 sein Amt antrat, verteidigte bislang nicht nur einen rigiden Verbotskurs bei der Frage nach ärztlicher Sterbehilfe, sondern befürwortete auch ein totales Verbot der Präimplantationsdiagnostik.
    Dem Beschluss zur Verschärfung der ärztlichen Berufsmusterordnung beim Thema Sterbehilfe nach sollen Ärzte keine Hilfe zur Selbsttötung bei todkranken Patienten mehr leisten dürfen. Ein Verstoß dagegen, selbst bei schwersten Leidenszuständen von Patienten am Lebensende, könnte so mit berufsrechtlichen Verfahren und existenzbedrohenden Sanktionen, wie hohen Geldstrafen oder einem Berufsverbot, sanktioniert werden.
    Dem rigiden Verbotskurs des BÄK-Vorstandes entsprechend hatte auch die Berliner Ärztekammer Sanktionen gegen einen Arzt verhängen wollen, der im Bereich der Suizidhilfe tätig geworden war. Dagegen erhob der Mediziner vor dem Verwaltungsgericht Einspruch und bekam nun am Freitag Recht.
    „Nach dieser heutigen Entscheidung ist ein derartiges generelles und ausnahmsloses Verbot mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar“, erklärte die Kanzlei Wollmann & Partner in Berlin, die das Urteil in einem Musterprozess angestrebt hatte. Es müsse Ärzten gestattet sein, in Ausnahmefällen eine ihrem Gewissen entsprechende Entscheidung zu treffen, die von diesem Verbot abweicht, hieß es weiter. „Dies bedeutet, dass Ärzte in Ausnahmefällen Beihilfe zum Suizid leisten dürfen, ohne damit gegen das Berufsrecht zu verstoßen.“
    Bis es zu einer gesetzlichen Regelung kommt, die einen differenzierten und den unterschiedlichen Patienteninteressen angemessenen Handlungsrahmen für Mediziner in Deutschland schafft, wird aber noch einige Zeit vergehen. Grundsätzlich ist in Deutschland die Beihilfe zum Suizid, anders als in den Niederlanden, straffrei. Doch Ärzte unterliegen zusätzlich dem Standesrecht. Die derzeitige Regierungskoalition hatte im Koalitionsvertrag ein Verbot und eine Bestrafung von gewerbsmäßiger Sterbehilfe vereinbart, die schließlich im Strafgesetzbuch verankert werden soll.
    Gestritten wird nun über Details. Während die FDP vor einer grundsätzlichen Strafandrohung warnt, will man bei CDU/CSU auch ein Verbot von Suizidhilfe aus altruistischen Motiven und ohne jede Gewinnerzielungsabsicht.
    Unterstützung erhalten die Argumente der Verbotsbefürworter aber auch von der sich im Aufschwung befindlichen Palliativmedizin, die auf Schmerzlinderung spezialisiert ist. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der teilweisen Legalisierung von professioneller Sterbehilfe in den Niederlanden wurde der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Heiner Melching, vom Deutschlandradio befragt. Er behauptete, in Deutschland gebe es keine Notwendigkeit für ein Gesetz wie in den Niederlanden.
    Während gegenüber der Zulassung einer aktiven Sterbehilfe das Argument der möglichen Kommerzialisierung stets angebracht wird, ist das menschliche Lebensende aber auch für entschiedene Gegner eine wirtschaftliche Größenordnung. Nicht nur für die aufstrebende Palliativmedizin, auch für die bestehenden Hospize oder Pharma-Konzerne hat die Menge zu versorgender Todkranker eine Bedeutung.

    Michael de Ridder, früherer Leiter der Rettungsstelle am Berliner Urban-Krankhaus, ist anderer Meinung als Heiner Melching und plädiert deshalb seit Jahren für eine ausdrückliche Legalisierung von Sterbehilfe durch Ärzte.
    Statt Todkranke um jeden Preis am Leben zu erhalten, müssten Mediziner lernen, in aussichtslosen Situationen ein friedliches Sterben zu ermöglichen. Gerade hier, argumentiert de Ridder, sind Ärzte gefragt.
    In seinem Buch „Wie wollen wir sterben – Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin“ schilderte er die eindrücklich die Realitäten praktizierter Heilkunde in deutschen Krankenhäusern, die nicht zuletzt von einem rasanten technologischen Fortschritt und Hocheffizienz geprägt ist.
    Einige Aufmerksamkeit beim Thema erregte kürzlich auch der frühere Fußballprofi Timo Konientzka, der unter starken Schmerzen wegen Gallenkrebs litt. Er nahm vor wenigen Wochen die Hilfe einer Schweizer Sterbehilfe-Organisation in Anspruch, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Möglich wurde ihm das, weil er in der Schweiz seit Jahren einen Wohnsitz hatte.


    wissenrockt.de » Niederlage für Gegner von ärztlicher Sterbehilfe

  2. #2
    Avatar von liberitas

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    11.789
    Ich bin für die Legalisierung von Sterbehilfe.

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