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Niedersachsen führt islamischen Religionsunterricht

Erstellt von Albani100, 10.03.2012, 21:01 Uhr · 48 Antworten · 2.405 Aufrufe

  1. #1
    Avatar von Albani100

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    Niedersachsen führt islamischen Religionsunterricht

    "Es geht voran"

    Niedersachsen führt islamischen Religionsunterricht als Regelfach ein. Ein Gespräch mit Bülent Uçar, der die Lehrer dafür ausbildet.


    Bülent Uçar in einer Moschee in Oberhausen


    DIE ZEIT: Herr Uçar, Niedersachsen ist mit Nordrhein-Westfalen das erste Bundesland, das islamischen Religionsunterricht an Schulen einführen wird. Nicht mehr nur als Modellversuch, sondern als reguläres Fach. Gibt es denn genügend Lehrer für die knapp 50.000 muslimischen Schüler im Niedersachsen?

    Bülent Uçar: Bei deutschlandweit 900.000 muslimischen Schülern brauchen wir Tausende Lehrkräfte. Auch Niedersachsen wird es nicht schaffen, schon 2013 einen flächendeckenden Unterricht anzubieten. Aber es geht voran.

    ZEIT: Was macht einen guten Lehrer für islamischen Religionsunterricht aus?

    Uçar: Er sollte hervorragende pädagogische Qualifikationen und viel Liebe und Zuneigung zu Kindern mitbringen. Unverzichtbar ist auch eine fundierte theologische Grundausbildung. Sicherlich hat er auch eine gewisse Vorbildfunktion. Aber besonders gefragt wird sein diplomatisches Geschick im Umgang mit muslimischer Diversität sein.

    ZEIT: Wer hat denn alles ein Mitspracherecht bezüglich der Lehrinhalte?

    Uçar: Im Land Niedersachsen gibt es einen Beirat, der am Kultusministerium in Hannover verortet ist und aus Vertretern der Landesmoscheen besteht, also der Schura Niedersachsen, sowie Angehörigen der Ditib...

    ZEIT: ...des deutschen Arms der Türkischen Religionsbehörde.

    Uçar: Die Inhalte werden von einer Lehrplankommission erarbeitet und müssen von diesem Beirat akzeptiert werden. Im Grunde ist es dasselbe Verfahren wie bei den Kirchen.

    ZEIT: Dieser Beirat entscheidet mit über die Lehrerlaubnis. Aus welchen Gründen könnte er sie verweigern?

    Uçar: Diese Verweigerung sollte nur in eindeutigen Fällen zum Tragen kommen, wenn jemand elementare Grundsätze des Islams infrage stellt.

    ZEIT: Etwa anzweifelt, dass der Prophet Mohammed gelebt hat, wie es der ehemalige Münsteraner Islamprofessor Sven Kalisch einmal getan hat?

    Uçar: Dann wäre eine Grenze überschritten.

    ZEIT: Sie haben selber als Religionslehrer gearbeitet. Welche Herausforderung brachte das mit sich?

    Uçar: Es gab kein Schulbuch, keine Arbeitsblätter. Das hat die Sache sehr erschwert.

    ZEIT: Jetzt sind Sie Herausgeber eines Islambuchs für die Grundschule...

    Uçar: Als ich die Professur für Islamische Religionspädagogik bekam, habe ich mir gesagt: Ein Schulbuch wird eines der ersten Dinge sein, die ich mache. Das Interesse der Verlage war früher gering an so einem Projekt, der Markt sei zu klein dafür, hieß es.


    Quelle : ZEIT ONLINE | Nachrichten, Hintergründe und Debatten

  2. #2
    Avatar von Albani100

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    Seite 2/2: "Die Vorgaben des Grundgesetzes einhalten"

    ZEIT: Das hat sich geändert. Von Mein Islambuch ist gerade der dritte Band erschienen. Was muss so ein Buch leisten?

    Uçar: Es gibt unterschiedliche Erwartungshaltungen an die Bücher, an den Unterricht. Stark vereinfacht: Da sind zum Beispiel die Eltern aus der ersten, zweiten Einwanderergeneration, die sich einen Unterricht wünschen, der sich auf die Glaubensunterweisung konzentriert, das Memorieren und Rezitieren in den Mittelpunkt stellt. Alles andere sei doch letztlich nur leeres Gerede, sagte mir einmal die Mutter eines Schülers.

    ZEIT: Und wie sehen Sie das?

    Uçar: Islamischer Religionsunterricht muss natürlich die Vorgaben des Grundgesetzes einhalten und fachdidaktisch auf einer Höhe mit evangelischer und katholischer Religionspädagogik sein. Aber er muss auch kompatibel sein mit den Vorstellungen, Werten und Überzeugungen der Eltern. Diese Eltern sind es ja, die ihre Kinder in den Unterricht schicken.

    ZEIT: Was, wenn es zu Widersprüchen kommt zwischen dem, was die Kinder in der Schule lernen, und dem, was sie in der Familie und den Moscheevereinen hören?

    Uçar: Ich meine, dass religiöse Bildung und Erziehung im Regelfall auf drei Ebenen funktioniert: In der Familie wird sie begründet, in der Gemeinde vertieft und in der Schule reflektiert. Ich hatte als Jugendlicher große Probleme damit, die religiösen Begriffe, die ich in der Familie, in der Gemeinde gelernt hatte, auf Deutsch zu formulieren. Ich wusste vieles, konnte es aber nicht ausdrücken, weil mir die Begrifflichkeiten fehlten. Im Religionsunterricht soll analysiert werden, möglicherweise sollen auch kontroverse Standpunkte nebeneinander dargestellt werden. Aber der Unterricht soll eine Ergänzung sein, kein Gegenmodell zu Familie oder Moscheeschule.

    ZEIT: Religionsunterricht wird seitens der Politik gerne als eine Art Heilsbringer der Integration gesehen. Kann und soll er das leisten?

    Uçar: Der Religionsunterricht ist kein Integrationsunterricht. Wenn man das will, soll man Staatskundeunterricht machen. Andererseits wäre es auch falsch, zu sagen, Religionsunterricht habe nichts mit Integration zu tun. Ein guter Religionsunterricht trägt seinen Teil dazu bei, Integration zu fördern. Genauso wie salafistische Hassprediger einen Beitrag zur Desintegration der Muslime leisten.

    ZEIT: Was heißt für Sie Integration?

    Uçar: Für mich heißt das Teilhabe und auch Normalität. Wenn es als normal betrachtet wird, dass es islamischen Religionsunterricht gibt, genauso wie es katholischen und evangelischen gibt, dann haben wir Integration erreicht. Solange es als etwas ganz Besonderes dargestellt wird oder ganz besonders kritisch beäugt wird, noch nicht.

  3. #3
    Avatar von Bambi

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    edit

  4. #4
    Avatar von VardarSkopje

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    Das nenne ich Schritt nach vorne ..

  5. #5

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    Zitat Zitat von VardarSkopje Beitrag anzeigen
    Das nenne ich Schritt nach vorne ..
    Und zwanzig zurück.

  6. #6
    Avatar von Sheqa

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    Also in Österreich gibt es das schon lange.

  7. #7

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    Zitat Zitat von Mitro Beitrag anzeigen
    Also in Österreich gibt es das schon lange.
    In Österreich ist der Islam auch eine ofiziell anerkannte Religion. In Deutschland nicht.

  8. #8
    Avatar von Sheqa

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    Zitat Zitat von Ismail Beitrag anzeigen
    In Österreich ist der Islam auch eine ofiziell anerkannte Religion. In Deutschland nicht.
    Echt
    Das hat mich jetzt vewundert

  9. #9
    Leo
    Avatar von Leo

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    Zitat Zitat von Robert Beitrag anzeigen
    Und zwanzig zurück.
    So mehr mich diese Mujahedin nerven du bist manchmal unerträglich wenn es
    um meine Religion geht. Wieso zur Hölle stört dich das wenn Muslime in der Schule
    etwas von ihrer Religion erzählt bekommen?

  10. #10
    Avatar von Bambi

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    kann nur gut sein. Lieber irgendwelche gescheiten Pädagogen unter staatlicher Aufsicht machen das als dass ihnen von woanders nur Quatsch erzählt wird.

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