Paradies: Glaube – Ein Film der erregen wird!



Für Anna Maria, eine alleinstehende Frau um die 50, liegt das Paradies bei Jesus. Ihren Urlaub verbringt sie damit, mit einer 40 cm großen Wandermuttergottes-Statue von Haus zu Haus zu gehen, um Österreich wieder katholisch zu machen. Als eines Tages ihr Ehemann, ein an den Rollstuhl gefesselter Moslem, nach Jahren der Abwesenheit aus Ägypten zurückkommt, beginnt ein Kleinkrieg um Ehe und Religion. “PARADIES: Glaube“ untersucht, was es bedeutet, das Kreuz auf sich zu nehmen und erzählt von der Sehnsucht nach Liebe.
(www.mm-filmpresse.de)


Venedig ist ein kleines Pulverfass geworden. Gleich drei Filme, die Gläubige aller Coleur mit ihren Protestschildern auf die trockenen Straßen der Stadt treibt, laufen im Programm: “The Master“, der die Entstehungsgeschichte der Scientology persifliert, Marco Bellocchios Drama “Dornröschen”, das sich intensiv mit dem Thema “aktive Sterbehilfe” und der Konfrontation mit tiefen katholischen Prinzipien auseinandersetzt, und eben der neue Film von Ulrich Seidl “Paradies: Glaube”.

Der Film erzählt von einer Erzkatholikin – nach realen Vorbildern. Ulrich Seidl recherchierte für seinen Film nach ultrakonservativen Gruppierungen in seinem Heimatland und wurde fündig. “Wir haben diese Menschen, sie nennen sich Wander-Muttergottes-Missionierung. Sie haben ganz spezielle Marienstatuen. Bei meinen Recherchen zu diesem Thema habe ich erfahren, dass es mehrere Tausend solcher Marienstatuen gibt. Sie kursieren in Österreich und wahrscheinlich auch in Deutschland”, sagt Seidl.

Doch wo solche Filme anlaufen sind die erzkonservativen Katholiken nicht weit. Was Seidl nicht erwartet hatte, ist eingetroffen. Die ultrakonservative Vereinigung “NO 194″ setzt sich mit rechtlichen Mitteln zur Wehr. Sowohl gegen Seidl, als auch gegen die Hauptdarstellerin Maria Hofstätter, die Produktionsfirma und die Veranstalter des Festivals in Venedig erstattete sie Anzeige. Pietro Guerini gründete die erzkatholische Organisation vor drei Jahren, um gegen Gesetz Nr. 194 zu protestieren. Mit diesem wurde 1978 der Schwangerschaftsabbruch in Italien erlaubt. Die “Vereinigung für den Schutz ungeborenen Lebens” zählt heute rund 10.000 Mitglieder und ist eigenen Angaben zufolge die größte ihrer Art in Italien.

Guerini sagte laut der “Presse”: “Im Gegensatz zu den Moslems reagieren wir Katholiken nie, wenn unsere Religion beleidigt wird, doch diesmal ist die Grenze der Toleranz überschritten worden.” Obwohl er genau wisse, dass die Anzeige die beste PR für Ulrich Seidl bedeute, hoffe er auf eine Verurteilung.

In dem Film geht es um eine “fanatische” Katholikin, die in ihrer arbeitsfreien Zeit von Tür zu Tür zieht, um die Menschen zur Buße aufzurufen und Österreich “wieder katholisch zu machen”. Ihr Ehemann ist praktizierender Muslim und sitzt querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Der Ehestreit der beiden entwickelt sich zu einem religiösen Kleinkrieg.

In einer Szene befriedigt sich die “sexuell frustrierte” Anna Maria mit einem Kruzifix. Außerdem ist wie schon in Seidls Vorgängerproduktionen “Hundstage” und “Paradies: Liebe” eine Gruppensexszene zu sehen, so hob das christliche Medienmagazin “pro” hervor.

Seidl hatte vorab beteuert, es gehe ihm keineswegs um Kritik an Glaubensgemeinschaften. “Es geht um zwei Menschen”, konstatierte er. “Mit meinen Filmen versuche ich seit jeher, der Wahrheit wenigstens nahezukommen, hinter die Fassaden zu schauen”, sagte er gegenüber “Profil”.

Dem Katholiken Guerini geht das aber zu weit: “Meiner Ansicht nach würde er sogar eine Haftstrafe verdienen, weil er mit seinen blasphemischen Szenen nicht nur die katholische Religion, sondern auch diejenigen beleidigt, die Katholiken sind. Laut italienischem Recht wird es jedoch lediglich zu einer Geldstrafe kommen.”

Zum Fimstart dürften wir auch in Deutschland und Österreich eine erregte Debatte erwarten.


Trailer:
http://www.youtube.com/watch?feature...&v=pYOddVREv80












Quellen:
www.mm-filmpresse.de
www.daserste.de/ttt/
www.pro-medienmagazin.de

Kinostart ist der Redaktion nicht bekannt.


Autor: Sascha Zirnstein (5 Posts)



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