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Die Ringparabel

Erstellt von Zmaj, 16.01.2010, 16:03 Uhr · 18 Antworten · 2.178 Aufrufe

  1. #1

    Registriert seit
    27.03.2009
    Beiträge
    8.286

    Die Ringparabel

    Saladin:
    Und nun der Richter? - Mich verlangt zu hören,
    was du den Richter sagen lässest. Sprich!

    Nathan:
    Der Richter sprach, wenn ihr mir nun den Vater
    nicht bald zur Stelle schafft, so weis' ich euch
    von meinem Stuhle. Denkt ihr, daß ich
    Rätsel zu lösen da bin? Oder harret ihr,
    bis daß der rechte Ring den Mund eröffne? -
    Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring
    besitzt die Wunderkraft, beliebt zu machen,
    vor Gott und Menschen angenehm. Das muß
    entscheiden! Denn die falschen Ringe werden
    doch das nicht können! - Nun, wen lieben zwei
    von euch am meisten? - Macht, sagt an! Ihr schweigt?
    Die Ringe wirken nur zurück? Und nicht
    nach außen? Jeder liebt sich selber nur
    am meisten? - Oh, so seid ihr alle drei
    betrogene Betrüger! Eure Ringe
    sind alle drei nicht echt! Der echte Ring
    vermutlich ging verloren. Den Verlust
    zu bergen, zu ersetzen, ließ der Vater
    die drei für einen machen.

    Saladin:
    Herrlich! Herrlich!

    Nathan:
    Und also, fuhr der Richter fort, wenn ihr
    nicht meinen Rat, statt meines Spruches wollt:
    Geht nur! - Mein Rat ist aber der: Ihr nehmt
    die Sache völlig, wie sie liegt.Hat von
    euch jeder seinen Ring von seinem Vater:
    So glaube jeder sicher seinen Ring
    den echten. - Möglich, dass der Vater nun
    die Tyrannei des einen Rings nicht länger
    in seinem Hause dulden wollen! - und gewiß,
    daß er euch alle drei geliebt, und gleich
    geliebt, indem er zwei nicht drücken mögen,
    um einen zu begünstigen. - Wohlan!
    Es eifre jeder seiner unbestochenen,
    von Vorurteilen freien Liebe nach!
    Es strebe von euch jeder um die Wette,
    die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag
    zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,
    mit herzlicher Verträglichkeit und Wohltun,
    mit innigster Ergebenheit in Gott,
    zu Hilf'! und wenn sich dann der Steine Kräfte
    bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
    So lad ich über tausend, tausend Jahre
    sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
    ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen,
    als ich: und sprechen: Geht! - So sagte der
    bescheidne Richter.

    Saladin:
    Gott! Gott!

    Nathan:
    Saladin, wenn du dich fühltest, dieser weisere
    versprochne Mann zu sein...

    Saladin:
    Ich Staub? Ich Nichts?

    Nathan:
    Was ist Dir, Sultan?

    Saladin:
    Nathan, lieber Nathan! -
    Die tausend, tausend Jahre deines Richters
    sind noch nicht um. - Sein Richterstuhl
    ist nicht der meine. - Geh! - Geh! - Aber sei
    mein Freund.

    Projekt Gutenberg-DE - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur

  2. #2
    Yunan
    Oa,ne,das ist mir jetzt zu kompliziert

  3. #3

    Registriert seit
    27.03.2009
    Beiträge
    8.286
    Die Parabel kann dahingehend entschlüsselt werden, dass der Vater für Gott, die drei Ringe für die drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam), die drei Söhne für deren Anhänger und der Richter für Nathan selbst steht. Eine Aussage der Parabel wäre demnach, dass Gott die Menschen gleichermaßen liebe, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, da alle drei Religionen sein Werk und alle Menschen seine Kinder seien.

    Wichtig sei es, dass die Menschen sich nicht darauf versteifen, die „einzig wahre Religion“ zu „besitzen“, da sie das fanatisch und wenig liebenswert mache. Zudem sei es eine Zumutung, von Menschen zu verlangen, dass sie ihren Eltern vorwerfen, diese hätten sie zu einem „Irrglauben“ erzogen. Also soll jeder seinen Glauben für den richtigen halten, dies aber nicht anderen gegenüber geltend machen, da jede authentische Religion letztlich ihren Ursprung in Gott hat.
    Die Frage, welcher Ring der echte sei, müsse zurückgestellt werden, da keine der drei Religionen die Menschen so veredele, wie es der Fall sein müsste, wenn der echte Ring (die echte Religion) nicht verloren gegangen wäre, was nach Aussagen des Richters als Möglichkeit in Betracht gezogen werden müsse. Mit seiner Antwort weist also Nathan Saladins Frage nach der „einzig wahren Religion“ zurück.

  4. #4
    Baader
    Ich glaub Nathan macht Saladin an, aber er möchte nix von ihm.

  5. #5
    Ghostbrace
    9. Klasse Gymnasium?

  6. #6

    Registriert seit
    27.03.2009
    Beiträge
    8.286
    Zitat Zitat von Gargamel Beitrag anzeigen
    9. Klasse Gymnasium?

    Habe das Buch gerade unter einem Regal gefunden

  7. #7

    Registriert seit
    31.12.2009
    Beiträge
    9.979
    12. klasse gymnasium eher!

    musste darüber mal ne klausur schreiben!

  8. #8
    Avatar von Peyo

    Registriert seit
    10.03.2008
    Beiträge
    9.537
    "Nathan der Weise" ein gutes Buch.

  9. #9
    Arvanitis
    Wenn ich meine Religion nicht als einzig wahre, und alle anderen als minderwertig betrachten kann, wo bleibt denn dann der Spaß?

  10. #10
    Ferdydurke
    Zitat Zitat von Arvanitis Beitrag anzeigen
    Wenn ich meine Religion nicht als einzig wahre, und alle anderen als minderwertig betrachten kann, wo bleibt denn dann der Spaß?
    Gnadenlose Ehrlichkeit verdient auch ein Danke

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