Zwar etwas älter (vom 09.11.11.)

Find ich nicht ok ,was der Bürgermeister von Constanta/Köstence macht:


In Rumänien bahnt sich wegen eines umstrittenen Bauprojekts in unmittelbarer Nähe eines Gotteshauses ähnlich wie in Bukarest nun auch in der Schwarzmeerhafenstadt Constanta Zwist zwischen der Stadtverwaltung und einem Teil der lokalen Glaubensgemeinschaft an. Zahlreiche Protestplakate prangen dieser Tage an der genau 100 Jahre alten Großen Moschee der Stadt und den benachbarten Gebäuden, nachdem der sozialdemokratische Bürgermeister Radu Mazare letzte Woche die Baugenehmigung für einen Neubau erteilte, der in kaum einem Meter Entfernung von dem unter Denkmalschutz stehenden Bethaus hochgezogen werden soll. „Die Verwaltung unter Bürgermeister Radu Mazare diffamiert unsere Minderheit, Moschee und Glaubensgemeinschaft“, lautet die apodiktische Botschaft der Protestplakate. Der spleenige Sozialdemokrat, der in der Vergangenheit durch einen Auftritt in Wehrmachtsuniform für einen internationalen Eklat sorgte und sich dieser Tage mit nackten Playboy-Schönheiten für das Herrenmagazin ablichten ließ, reagiert genervt: „Ich bringe den Mufti wegen Verleumdung vor Gericht.“

Just zum Opferfest Kurban Bayrami erfuhr die lokale Moslem-Gemeinschaft von der Baugenehmigung neben ihrem brüchigen Bethaus, berichtete die Tageszeitung „Evenimentul Zilei“. Alle in der Moschee Anwesenden machten sich sofort zum Präfekten von Constanta, Claudiu Palaz, auf, der schnell herausfand, dass besagter Neubau schon einmal durch ein Urteil eines Oberlandesgerichts verboten wurde. Von Missachtung eines gesetzeskräftigen Urteils will Bürgermeister Mazare jedoch nichts wissen: Er habe die Baugenehmigung aufgrund einer Vielzahl von Genehmigungen anderer Behörden, einschließlich der Umweltbehörde und des Kulturministeriums, gewährt; der Bauherr habe bereits „2 Millionen Euro in den Halbinselteil unserer Stadt investiert. Und nun zetert der Mufti, weil der Neubau neben seiner Moschee entsteht. Es stimmt, dass die Entfernung zum Bethaus keinen Meter beträgt, aber das Grundstück gehört nun einmal dem Investor und der kann auf seinem Eigentum tun und lassen, was er will“, so Mazare gegenüber „Evenimentul Zilei“.

Der Präfekt von Constanta ist inzwischen bemüht, die Baugenehmigung vor einem Verwaltungsgericht anzufechten, doch scheint der Großmufti von Rumänien, Jusuf Murat, bereits resigniert: „Die Baugenehmigung ist erteilt, sämtliche Behörden − einschließlich jene der Regierung untergeordneten − haben zugestimmt.“ Der Mufti sagt, dass die Protestplakate nicht auf seine Anregung hin aufgetaucht sind. „Ich weiß zwar nicht, wer diese Aktion angestoßen hat, doch reflektiert die Botschaft der Plakate eindeutig die Wahrheit.“ Mazares Drohungen mit einer Verleumdungsklage lassen den Großmufti kalt: „Wir werden beten, dass er zum rechten Weg zurückfindet."

In Rumänien leben derzeit laut Statistiken des Kultur- und Kultusministeriums etwa 100.000 heimische Muslime. Der überwiegende Großteil der rumänischen Moslem-Gemeinschaft ist im Südosten und Osten des Landes bzw. in der Dobrudscha und den Landeskreisen Constanta und Tulcea angesiedelt.